Cover des lesbischen Liebesromans Eine McElroy zu viel von KL Hughes

KL Hughes neuer lesbischer Liebesroman Eine McElroy zu viel spielt zur Weihnachtszeit, kann allerdings auch zu jeder anderen Zeit des Jahres Leser*innen begeistern. 

In diesem Interview erzählt uns die Autorin, wie eine Fake-Romanze in ihrem lesbischen Liebesroman der Beginn von etwas Schönem und Hoffnungsvollem wird.

KL, worum geht es in deinem neuen lesbischen Liebesroman?

Eine McElroy zu viel ist für mich eine Liebeserklärung an den Neuanfang; ein wirklich lustiger, romantischer, verspielter und gelegentlich auch sehr ernster Blick auf Entdeckungen, die man inmitten des Alltagslebens über sich selbst macht. Dazu müsse sich meine Protagonisten die Frage stellen, wie sie diese gewaltigen neuen Abenteuer meistern, die unerwartet über sie hereinbrechen, manchmal gewollt und manchmal auch ungewollt.

In diesem Buch gibt es unglaublich viele Neuanfänge, finden so viele Abenteuer statt. Wir begleiten Lizzie auf ihrem Weg zur Wahrheit  bezüglich ihrer Sexualität. Wir folgen Fiona auf ihrer Reise, an deren Ende sie nicht nur Liebe findet, sondern auch zu innerer Ruhe und zur Verbindung mit sich selbst kommt. Und dann gibt es noch Michael, der an einen Punkt kommt, an dem er nicht nur etwas über sich selber lernt, sondern auch, dass nicht alle Menschen die gleichen Privilegien haben wie er. Und schließlich begleiten wir eine ganze Familie dabei, wie sie lernt, einander mehr Verständnis und Respekt entgegenzubringen, selbst wenn sie die Lebenswege der einzelnen Familienmitglieder nicht immer nachvollziehen können.

Und all das geschieht inmitten des Chaos, das diese lärmende Horde zur Weihnachtszeit veranstaltet. So ist das Leben; ein Chaos, in dem wir immer wieder neue Wege zu unserem wahren Selbst finden oder anderen dabei helfen, dasselbe für sich zu erreichen.

 

Eigentlich immer verlieben sich in lesbischen Liebesromanen die beiden Personen ineinander, die sich in der Scheinbeziehung befinden. In Eine McElroy zu viel gibt es eine andere Wendung. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Die Idee kam mir, als ich mit meiner Frau darüber sprach, wie oft queere Menschen verbergen, wer sie wirklich sind. Das betrifft nicht nur unsere Sexualität, sondern auch, wie wir denken und fühlen und mit anderen umgehen. Diese Masken gibt es in so vielen Formen und manchmal setzen wir sie auch anderen auf. Das Konzept, zumindest Teile von sich zu verbergen, ist nicht neu. Wir schirmen uns oft vor der Welt und vor dem ab, was wir fürchten. Wir tun das nicht, weil wir jemandem schaden wollen, sondern weil wir Angst haben, verletzt zu werden – und manchmal, weil wir es selbst einfach nicht merken. Wir sind nicht bereit, uns unserer Wahrheit zu stellen oder sie mit anderen zu teilen.

Ich wollte mit diesem Motiv auf eine Weise spielen, die den Schmerz und die Angst herausnimmt und es zu etwas macht, bei dem es um die Liebe geht. Fiona liebt ihren besten Freund Michael genug, um ihm zu helfen, die Erwartungen und Wünschen seiner Familie zu erfüllen. Und dabei finden beide auf wunderbare und überraschende Weise tatsächlich, was sie wirklich brauchen. Die Scheinbeziehung wird der Beginn von etwas Schönem und Hoffnungsvollem auf eine etwas andere Art.

 

Wer sind deine Lieblingsfiguren in diesem lesbischen Liebesroman und warum?

Ein großer Teil der Charaktere in Eine McElroy zu viel wurde von Mitgliedern meiner eigenen Familie inspiriert, deshalb liebe ich sie alle – selbst jene, die durch ihre Überzeugungen und/oder Aussagen andere verletzen. Ich finde in jedem von ihnen viel von meinen eigenen Erfahrungen wieder.

Natürlich schätze ich Fiona und Lizzie außerordentlich, ebenso wie Michael. Meine drei Hauptfiguren sind alle liebenswert und auf ihre jeweils eigene Weise vielschichtig. Aber ich fühle mich auch sehr zu Michaels Mutter Rosie hingezogen, die in gewisser Weise meiner eigenen Mutter nachempfunden ist. Ich finde Trost in ihrem Charakter, in ihrem Humor, ihrer Standhaftigkeit und in ihrer Bereitschaft, in jedem Augenblick ganz sie selbst zu sein. Wenn sie im Unrecht ist, dann akzeptiert sie das irgendwann und ist bereit, daraus zu lernen. Und sie lernt, in allen Situationen für ihre Kinder da zu sein, vor allem um sie vor Scham, Angst oder Liebeskummer zu schützen.

 

Eine McElroy zu viel ist ein lustiges und herzerwärmendes weihnachtliches Buch, aber es greift auch Themen auf wie Rassismus, Homophobie und Coming-out. Wie stellst du sicher, dass die Geschichte den Leser*innen trotzdem ein gutes Gefühl gibt?

Ich habe mich entschieden, diese Themen in einem lesbischen Liebesroman zu behandeln, der – wie du sagst – überwiegend festlich und unterhaltsam ist. Ich schätze zwar ernste Literatur zu all diesen Themen und halte sie für sehr wichtig, will aber auch zeigen, dass die Alltagswelt im Angesicht von Rassismus, Homophobie und anderen Diskriminierungsformen nicht mit quietschenden Bremsen zum Stillstand kommt. Die Welt macht vor Hass und Not leider nicht halt.

Leider sind dies Hindernisse, die selbst in den kleinsten, banalsten Momenten auftauchen. Es sind Hindernisse, die in das Gefüge unserer Gesellschaft eingewoben sind, von der Politik über die Strafverfolgung bis hin zur kulturellen und religiösen Erziehung und zu den Unterhaltungen im Kreis der Familie. Wenn wir Ungerechtigkeit erfahren, geschieht dies nicht immer in ihrer krassesten und entsetzlichsten Form. Sie trifft uns oft ganz dezent und beiläufig, ist manchmal sogar vorhersehbar, und doch ist sie immer schmerzhaft, immer erschreckend und jedes Mal wieder anstrengend. Ich wollte zeigen, dass es nicht nur der Schlag mit einer Axt in den Nacken ist. Bei Verletzungen, die durch Hass und Unterdrückung entstehen, sind es viele kleine Momente, viele kleine Hiebe auf die immer gleiche Stelle, und manchmal machen wir das sogar selbst. Und es sind diese ständigen kleinen Angriffe, die uns am meisten zusetzen, die aber, wenn Herz und Verstand wach und lernbereit sind, aufgehalten werden können.

 

Die McElroy-Familie verbringt ihr Weihnachtswochenende damit, Wettkämpfe zu veranstalten. Gibt es noch andere Feiertage, aus denen die Familie ein großes Spektakel machen würde, und wie würde das aussehen?

Ich glaube, dass Halloween ein ganz besonderes Ereignis im Hause McElroy wäre. Themenbezogene Kostümwettbewerbe. Kürbis-Schnitz-Wettbewerb. Mumien-Wettkampf (wer kann seinen Partner*innen am schnellsten in eine Toilettenpapiermumie verwandeln?). Kürbis-Bowling. Die Möglichkeiten sind endlos. Die McElroys sind immer für Spiele zu haben, was der Fantasie keine Grenzen setzt und für jede Menge Spaß sorgt. Ich würde die McElroy-Familie liebend gerne an Halloween erleben.

 

Was sind die Themen und Motive, über die du in deinen LGBTQ+ Büchern am liebsten schreibst?

Am liebsten schreibe ich über Menschen, die einfach nur Menschen sind. Keine Held*innen oder Schurk*innen. Nur dreidimensionale, vielschichtige, verkorkste, wunderbare, schreckliche, liebende, leidende Menschen. Über das Leben dieser Menschen und die Verbindungen, die sie zueinander aufbauen – sei es nun als Familie, Freunde oder Liebende. Ich schreibe gern darüber, wir uns selbst und einander finden, sowohl in der Not als auch in der Freude, und wie wir auf unserem Weg scheitern und am Ende dennoch Erfolg haben können. Es gibt für mich als Schriftstellerin nichts Schöneres und Faszinierenderes als die Frage, wer und was wir für uns selbst und füreinander sind und wie wir als Menschen überleben, Erfolg haben und wachsen.


KL Hughes ist eine amerikanische Lyrikerin und Romanautorin verschiedener Genres. Sie lebt mit ihrer Frau und ihren beiden Hunden in den USA. Zu ihren Hobbys zählen Theater und Film, lange Spaziergänge und Wanderungen sowie gelegentliche Besuche von Friedhöfen und Häusern, in denen es spukt.

Eine McElroy zu viel ist ihr zweiter lesbischer Liebesroman, der auf Deutsch im Ylva Verlag erscheint.

Autorin KL Hughes über ihren neuen lesbischen Liebesroman „Eine McElroy zu viel“

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