Ylva Verlag

Blog



Sommergeflüster zu zweit – der neue lesbische Liebesroman von Harper Bliss

Gepostet von am Nov 13, 2019 in Aus dem Verlag, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Sommergefluester zu zweit von Harper BlissDer lesbische Roman Sommergeflüster zu zweit ist das zweite Buch von Harper Bliss, das vom Ylva Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Wir hatten da mal ein paar Fragen an die Autorin:

 

Kannst du kurz für uns zusammenfassen, worum es in deiner LGBT+ Neuerscheinung  Sommergeflüster zu zweit geht?

Es ist die Geschichte von Alice, einer hart arbeitenden Scheidungsanwältin in den frühen Fünfzigern. Ihre Geschäftspartnerin Miranda fordert sie auf, sich eine Auszeit in deren Ferienhaus in Portugal zu nehmen. Alice lässt sich widerwillig dazu überreden und muss dann aber feststellen, dass Mirandas Tochter Joy sich zur gleichen Zeit im Ferienhaus aufhält. Zuerst kommen sie nicht miteinander aus, aber langsam lernen sich die beiden kennen und verstehen sich immer besser und besser…

 

Hattest du die Geschichte dieser lesbischen Romanze zu Beginn des Schreibens bereits fertig in deinem Kopf ausgeplant oder hat sie sich erst im Laufe des Schreibens entwickelt?

Ich plane die Handlung für meine Bücher normalerweise nicht, sondern lasse mich von der Geschichte und von den Charakteren mitreißen. Da ich lesbische Liebesromane schreibe, weiß ich immer, wie die Geschichte letztlich enden wird (mit einem Happy End), aber ich weiß nicht immer, wie genau die Charaktere ihr glückliches Ende erreichen werden. Bei diesem Buch konnte ich einige der Hindernisse allerdings früh voraussagen, weil so ein großer Altersunterschied zwischen Alice und Joy besteht und Joy zudem die Tochter von Alices Geschäftspartnerin ist.

 

Alice ist ein eher steifer Charakter und scheint vergessen zu haben, wie man das Leben genießt, bis Joy auftaucht und Alices Routinen durcheinanderbringt. Was hat Joy an sich, dass sie solchen Einfluss auf Alice nehmen kann? Und glaubst du, dass der Aufenthalt an einem besonderen Ort oder das Kennenlernen einer besonderen Person das ganze Leben so auf den Kopf stellen kann wie Portugal es mit Alice getan hat?

Ich glaube schon, dass es dich offener für neue Erfahrungen macht, wenn du Abstand zu deinem gewohnten Umfeld nimmst. Alice hätte Joys Annäherungsversuche in ihrem Alltag in London niemals erwidert. In diesem Sinne haben die besonderen Umstände auch ihr Verhalten verändert. Aber was Alice am meisten beeinflusst ist Joys Lebenslust und Gewagtheit, die von ihrer Jugend und Sorglosigkeit bestimmt sind. Das begeistert sie genauso sehr wie es ihr Angst einjagt. Es ist also eine Kombination davon und dem Aufenthalt an einem besonderen Ort, was dafür sorgt, dass die beiden sich schließlich näher kommen können.

 

Der Altersunterschied zwischen deinen queeren Protagonistinnen ist ein Aspekt, der dazu führt, dass Alice die Möglichkeit einer glücklichen Zukunft mit Joy in Frage stellt. Zugleich muss sie vielleicht auch eine Wahl muss zwischen ihren Gefühlen für Joy und ihrer Freundschaft mit Miranda treffen. Wenn deine Charaktere mit solchen inneren Konflikten konfrontiert werden, wie findest du als Autorin den besten Weg für sie, um ihr Happy End zu erreichen?

Durch Schreiben. Für mich ist Schreiben Denken und ich finde immer heraus, was alles passieren muss, während ich es schreibe. Ich glaube stark an Emergenz, was bedeutet, dass während des Schreibprozesses immer die Lösung eines bestimmten Problems auftauchen wird. Manchmal stelle ich trotzdem fest, dass ich mich in eine Ecke geschrieben habe. In diesem Fall gehe ich mit meiner Frau spazieren und bitte sie um Rat – und normalerweise gelingt es uns, eine Lösung zu finden, wenn wir die Dinge durchsprechen.

 

Welche Themen und Motive wählst du für deine lesbischen Bücher am liebsten?

Ich bin definitiv ein großer Fan von Beziehungen mit Altersunterschied! Ich schreibe generell gerne über Themen, die im Genre der Liebesromanzen als Tabu angesehen werden, wie etwa Nicht-Monogamie. Ich neige dazu, vom gewöhnlichen Weg abzuschweifen, unter anderem auch, um selbst daran interessiert zu bleiben. Ich habe in den vergangenen Jahren so viele queere Romane geschrieben, dass es nicht immer genug für mich ist, eine gewöhnliche Romanze zu schreiben. Daher habe ich über Body Positivity geschrieben sowie die Folgen von häuslicher Gewalt und Untreue, um nur ein paar Sachen aufzuzählen. Beim Schreiben möchte ich komplexe Problematiken erkunden. Trotzdem werden Beziehungen mit Altersunterschied immer mein Lieblingsmotiv bleiben!

 

Nach über sieben Jahren in Hongkong wohnt Harper Bliss jetzt mit ihrer Frau und der gemeinsamen, ungemein photogenen Katze „Dolly Purrton“ in Brüssel. Harper hat zahllose englische Bestseller geschrieben und internationale Preise gewonnen.  Sie ist die Mitbegründerin von Ladylit Publishing, einem Independent-Verlag, der sich auf lesbische Literatur spezialisiert hat. “Sommergeflüster zu zweit” ist ihr zweiter deutscher Lesbenroman. Weitere Übersetzungen werden folgen.

Frauen lieben Frauen, auch in der Literatur und auf der Frankfurter Buchmesse

Gepostet von am Nov 3, 2019 in Aus dem Verlag, Neuerscheinung, Veranstaltung/Ylva unterwegs | Keine Kommentare

Ein Tag auf der Frankfurter Buchmesse ist für viele Buchbegeisterte ein abenteuerlicher Ausflug in die Welt der Bücher und für die Mitarbeiter_Innen von Verlagen eine schöne Gelegenheit, Leser_Innen persönlich zu treffen.

So haben wir vom Ylva Verlag zusammen mit unseren Freunden und Standnachbarn vom Querverlag den unsäglich hohen  Temperaturen der Halle 4.1 getrotzt und an allen fünf Tagen enthusiastisch das getan, was wir am meisten lieben: über queere Bücher geredet. Auch in diesem Jahr waren der Queerverlag und der Ylva Verlag wieder einmal die einzigen queeren Verlage auf der gesamten, großen Buchmesse.

 

Ein erster Blick auf LGBTQ+ Neuerscheinungen

Auf jeder Veranstaltung, die wir besuchen, steht der Ylva Verlag für LGBT+ Sichtbarkeit und Repräsentation von Frauen liebenden Frauen in der Literatur. Es freut uns daher immer, wenn Leser_Innen uns neu entdecken. Genauso schön ist es natürlich, wenn bereits vertraute Gesichter uns einen Besuch erstatten, um sich persönlich von unseren Neuerscheinungen erzählen zu lassen. Beides ist uns dieses Jahr mehrfach passiert.

Viele der Leser_Innen hatten dabei die Chance, die neuesten lesbischen Liebesromane gleich nach ihrer Veröffentlichung zu erwerben: Aus der Rolle gefallen von Lee Winter und Sommergeflüster zu zweit von Harper Bliss auf Deutsch sowie Slammed von Lola Keeley und The Roommate Arrangement von Jae auf Englisch.

Gleich fünf unserer Autorinnen waren während der Buchmesse an unserem Stand: Jae, Chris Zett, Ina Steg, Emma Weimann und A. L. Brooks. Es wurden fleißig Bücher signiert und  Erinnerungsfotos geschossen.

 

Besuch aus der ganzen Welt interessiert sich für LGBT+ Bücher

Nicht nur deutsche Leser fanden den Weg zu uns. Am Donnerstag war beispielsweise eine freundliche Illustratorin aus Japan bei uns am Stand. Aus ihrem Heimatland kennt sie Verlage mit queeren Romanen nicht. Wir hoffen sehr, dass sie viel Spaß mit dem lesbischen Liebesroman haben wird, den sie bei uns als Überraschungsbuch erhalten hat. An einem anderen Tag war eine Französin, die sich für deutsche LGBT-Buchverlage und den deutschen Buchmarkt interessierte am Stand und hat mit uns ausführlich die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland in Sachen Lesbenliteratur besprochen.

Ein langes Gespräch haben wir auch mit einem amerikanischen Journalisten geführt, der durch unsere Regenbogenflagge auf uns aufmerksam geworden war. Ihn interessierten besonders die Erfahrungen, die wir als LGBT+ Personen im Laufe unseres Lebens gemacht haben und wieso queere Sichtbarkeit in Büchern so wichtig ist. Er selbst ist heterosexuell und wollte mehr über die LGBT-Community erfahren, um die Lebensrealität seiner LGBT-Freunde besser verstehen zu können.

Stellung gegen Rechts beziehen

Wie schon im letzten Jahr haben wir und viele andere Verlage diese Plattform auch genutzt, um uns mit den Aufklebern und Buttons „Verlage gegen Rechts“ eindeutig gegen nationalsozialistisches Gedankengut und seine Vertreter auf der Buchmesse abzugrenzen.

Wir haben dieser Stellungnahme allerdings noch eins drauf gesetzt. Bei uns gab es zusätzlich Aufkleber mit der Aufschrift „Lesben gegen Alice Weidel. Kein Platz für Nazi-Propaganda“, die uns an auf der Veranstaltung ebenfalls eine Menge interessante Gespräche und Zuspruch eingebracht haben. Diese Aufkleber werden wir auch auf der Leipziger Buchmesse mit dabei haben.

 

 

Queere Bücher in Leipzig

2020 werden wir zum ersten Mal auch auf der Leipziger Buchmesse vertreten sein, wo wir uns mit anderen LGBT+ Verlagen zusammentun, um eine queere Insel inmitten des Messetrubels zu bilden. Dort können Interessierte dann auch an allen Messetagen Bücher bei uns erwerben.

Kommt doch im März auch dort an unserem Stand vorbei. Wir sind sehr gespannt darauf, noch mehr mit Buchfreunden zu plaudern und euch unsere neuen Romane mitzubringen.

Lesbisch in Hollywood – In Lee Winters neustem Liebesroman hält sich niemand ans Drehbuch

Gepostet von am Okt 30, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Der lesbische Roman Aus der Rolle gefallen ist das zweite Buch von Lee Winter, das vom Ylva Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Zu diesem Anlass haben wir mit der Autorin über Hollywood, Sexszenen und ihre brillanten Charaktere geredet.

Kannst du uns kurz zusammenfassen, worum es in deinem neusten queeren Liebesroman geht?

Stell dir vor, Elizabeth Thornton zu sein, das sogenannte „britische Biest“, Hollywoods berühmtester TV-Bösewicht, ganz zu schweigen davon, dass sie eine nicht geoutete Lesbe ist. Und dann musst du so tun, als wäre ein übertrieben fröhliches Mädchen aus LA deine Freundin. Und das alles, um eine Filmrolle zu bekommen (das ist eine lange Geschichte!). Elizabeth ist davon nicht gerade begeistert.

Summer Hayes ist selbst auch lesbisch und nicht out. Ihre Emotionen werden in das reinste Chaos gestürzt, denn sie ist seit Jahren in Elizabeth verknallt und muss jetzt vorgeben, ihre Freundin zu sein. Und dass, obwohl die imposante Frau sie, naja, zu hassen scheint.

Ich hatte so viel Spaß beim Schreiben, es war fantastisch. Es steckt viel Humor darin und fühlt sich an manchen Stellen wie ein skurriles, britisches Drama an.

Aber das faszinierendste an Aus der Rolle gefallen war für mich, hinter die Kulissen von Hollywood zu schauen.

 

Du bist Australierin, aber Aus der Rolle gefallen spielt in Los Angeles und bietet Einblick in die Maschinerie von Hollywood und den Umgang mit den guten und schlechten Seiten von Ruhm. Wie hast du für diese Aspekte der LGBT+ Neuerscheinung recherchiert und was war das Überraschendste, das du über das Leben von Schauspielerinnen herausgefunden hast?

Meine Recherche bestand darin, im Internet so viele Berichte aus erster Hand von Schauspielerinnen zu lesen, wie ich konnte. Unter anderen ging es mir darum, wie sie bestimmte Anforderungen ihres Berufes angehen, zum Beispiel Sexszenen. Und ich hatte das große Glück, die Hollywood-Schauspielerin Kay Aston als Beta-Leserin zu gewinnen. Sie war großartig und hat mich auf die Stellen hingewiesen, bei denen ich nicht authentisch genug war.

Das Überraschendste war, zu hören, was Schauspielerinnen alles über sich ergehen lassen müssen, um Rollen zu bekommen. Wie oft erwarten wir als Zuschauer beispielsweise, die Darstellerinnen auch nackt zu sehen?

Ich weiß jetzt, wie verletzlich und offen für Ausbeutung die Schauspielerinnen in Sexszenen sein können. Das hat eine Szene von Elizabeth und Summer sehr beeinflusst. Sie sind zwei Frauen, die sich respektieren, aber nicht sonderlich gut kennen und schon relativ früh eine sehr konfrontierende Sexszene zusammen drehen müssen.

 

Sagen wir jemand hat Lust, seine Freizeit damit zuzubringen, sich in Tagträumen über Elizabeth und Summer zu verlieren und massenweise Fanart und Fanfiktion zu kreieren. Gibt es reale Personen, von denen man sich inspirieren lassen könnte?

Diese großartige, hypothetische Leserin sollte einen Blick auf Caitriona Balfe und Melissa Benoist werfen. Die beiden Schauspielerinnen waren die physischen Vorlagen für Elizabeth und Summer. Dieses Foto war monatelang an meiner Pinnwand befestigt: https://www.instagram.com/p/BgcrKvCArp7/

 

Du warst Zeitungsjournalistin, bevor du Vollzeitautorin wurdest. Und viele Charaktere deiner queeren Bücher haben Jobs in diesem Bereich. Macht es für dich einen Unterschied, ob du Charaktere aus einem Umfeld schreibst, mit dem du vertraut bist, oder Charaktere, für deren Berufe du recherchieren musst?

Man sollte meinen, dass Bücher über Journalistinnen für mich einfacher wären, oder? Ja, das hab ich auch gedacht, aber das ist eine listige kleine Falle.

Als ich mich bereits auf den Lorbeeren für meinen Roman The Red Files ausgeruht habe, fragte mich ein amerikanischer Redakteur, was eigentlich ein Sozialschriftsteller ist. Das war die Berufsbezeichnung für Lauren – eine Person, die stellvertretend für ihre Zeitung an ‚sozialen‘ Veranstaltungen teilnimmt. Und ich hatte angenommen, dass das auch in Amerika eine gängige Stellenbezeichnung war. Aber nein…

Das Fazit ist also, dass ich bei einem Thema wie Schauspielerei genau weiß, was ich nicht weiß (mit anderen Worten, ich weiß nichts). Bei einem Berufsfeld, in dem ich drei Jahrzehnte lang gearbeitet habe, musste ich erst herausfinden, wo genau meine Wissenslücken liegen.

 

Elizabeth und Summer sind großartige Hauptcharaktere. Aber du hast auch eine einnehmende Besetzung von Nebencharakteren geschaffen. Jetzt habe ich gehört, dass es auch ein Spin-Off-Buch zu Aus der Rolle gefallen geben wird. Kannst du etwas darüber verraten, was uns dort erwarten wird?

Changing the Script by Lee WinterDass Changing the Script ein Spin-Off ist bedeutet, dass es dem eigenen Abenteuer sekundärer Charakteren von Aus der Rolle gefallen folgt. Trotz der bekannten Charaktere kann das Buch aber auch unabhängig von Aus der Rolle gefallen gelesen werden.

Es geht um eine Freundin von Elizabeth, die Indie-Regisseurin Alex. Sie reist nach Neuseeland, um dort den „schlimmsten Film aller Zeiten“ zu drehen. Sie wird begleitet von Summers bester Freundin Chloe und Summers Mutter Skye, die an dem Projekt mitarbeiten.

In Neuseeland hat Alex immer wieder konfliktreiche Begegnungen mit der hübschen, aber nervigen Lokalpolizistin Samantha Keegan. Und Keegan hasst diesen schrecklichen, peinlichen Film mit voller Leidenschaft.

Changing the Script ist das charmanteste Buch, das ich bisher geschrieben habe. Ich liebe die neuseeländischen Nebenfiguren und den Handlungsort. Es hilft, dass ich in Neuseeland geboren wurde und es mir alles vertraut war. Mein Onkel ist Gartenbauspezialist in Neuseeland und hat mir zudem viel bei der Beschreibung meines fiktionalen Waldes geholfen. Nur muss ich ihm jetzt ein Exemplar (komplett mit lesbischen Sexszenen) geben und das wird etwas peinlich werden!

Jedenfalls sind meine Charaktere in diesem Buch ein lockerer, sympathischer Haufen und die Stimmung wird unglaublich humorvoll sein.

 

Aus der Rolle gefallen ist Lee Winters zweite deutsche Veröffentlichung. Lee ist eine preisgekrönte australische Zeitungsjournalistin, die auch für ihre Romane schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Nachdem sie im Lauf ihres Berufslebens in fast allen australischen Bundesstaaten gewohnt hat, ist sie mittlerweile mit ihrer Partnerin in Westaustralien sesshaft geworden. Seit 2016 ist sie Vollzeitschriftellerin und Teilzeitlektorin. In ihrer Freizeit findet man sie entweder bei der Gartenarbeit, mit einer neuen technischen Spielerei in der Hand oder stirnrunzelnd vor dem Fernseher.

“Kaffee mit einem Schuss Liebe” für Leserinnen erotischer Lesbenbücher

Gepostet von am Aug 25, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Kaffee mit einem Schuss Liebe von Harper BlissIm Juli ist im Ylva Verlag der erste deutsche Lesbenroman der belgischen Bestseller-Autorin Harper Bliss erschienen . Wir haben Harper ein paar Fragen zu ihrem Buch gestellt, die sie uns gerne beantwortet hat.

Kannst du kurz für uns zusammenfassen, worum es in deiner lesbischen Romanze Kaffee mit einem Schuss Liebe geht?
Meine Protagonistin Micky ist frisch geschieden und will zum ersten Mal in ihrem Leben einen richtigen Job haben. Sie fängt dann eine Stelle in dem Café „The Pink Bean“ an, das gerade in ihrer Nachbarschaft eröffnet wurde. Danach macht ihr Leben schnell einige Veränderungen durch!

Wie bist du auf den Namen „The Pink Bean“ für das Café gekommen?
In der Nähe meines Wohnortes gab es ein Café namens „The Coffee Bean“. Für mein selbst erfundenes Café wollte ich einen vergleichbaren, aber viel queereren Namen. Seitdem wurde ich vehement darauf hingewiesen, dass „Pink Bean“ auch Slang für einen bestimmten Teil der weiblichen Anatomie ist. Ich schwöre auf mein unschuldiges, lesbisches Herz, dass ich vorher noch nie davon gehört hatte… Aber letztlich hat sich das ja als ganz passend herausgestellt. 😉

Micky ist eine Frau von Mitte vierzig und Mutter von zwei Teenagern. Sie hat sich von ihrem Ehemann getrennt und versucht nun, ihren Platz in der lesbischen Community zu finden. Wie kamst du auf die Idee, einen queeren Charakter zu erschaffen, der sich erst so spät im Leben outet?
Ich habe mich im zarten Alter von 17 geoutet, also habe ich definitiv nicht die gleichen Erfahrungen wie Micky gemacht. Aber seit ich angefangen habe, lesbische Bücher zu schreiben, habe ich sehr viele E-Mails von Frauen im Alter von vierzig oder mehr erhalten, die erst spät in ihrem Leben den Mut gefunden haben, sich zu outen. Oft nachdem sie verheiratet gewesen waren und Kinder großgezogen hatten. Mickys Charakter wurde von all den Leser_innen inspiriert, die mich kontaktiert und ihre Geschichten mit mir geteilt haben.

Die Handlung dieses lesbischen Liebesromans spielt in Sydney. Was hat dich dazu inspiriert, die Geschichte in Australien zu erzählen?
Als ich das Buch geschrieben habe, habe ich noch in Hongkong gewohnt und kam gerade von einer Reise nach Sydney (das ist viel näher an Hongkong als an Belgien, wo ich derzeit lebe). Unser Urlaubshotel war im Stadtteil Darlinghurst und wir haben uns einfach in die Umgebung verliebt.

Robin und Micky sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Ist eine von beiden dir in irgendeiner Art ähnlich?
Ich war ein Auswanderer in Hongkong. Robin ist Auswanderer in Sydney (und davor in Hongkong). Diesen Aspekt haben wir also gemeinsam. Wie Robin weiß ich, wie es ist, weit weg von seinem Heimatland zu leben. Und natürlich auch, welche Herausforderungen sich jemandem in dieser Situation stellen können.

Gibt es einen bestimmten Ort, an dem du gerne schreibst?
Ich wünschte ich könnte sagen, dass ich Kaffee mit einem Schuss Liebe in einem Café geschrieben habe. Aber ich bin leider wirklich nicht der Typ Autor dafür. Ich ziehe es vor, mich an meine Routine zu halten. Das heißt, ich schreibe in meinem Büro, während meine Katze auf dem Stuhl neben mir sitzt (Ich könnte schwören, dass mein Schreiben nicht so gut läuft, wenn sie nicht dabei ist). Und ich habe beim Schreiben immer eine Tasse Kaffee griffbereit.

Apropos Kaffee. Robin holt sich ihren Kaffee jeden Morgen im „The Pink Bean“. Bist du denn auch eine vergleichsweise begeisterte Kaffeetrinkerin? Und wenn ja, welche Art von Kaffee bevorzugst du?
Oh ja, ich trinke wirklich gerne Kaffee. Ich trinke ihn aber nur morgens, um mich vor dem Schreiben in Schwung zu bekommen. Ich trinke meinen Kaffee schwarz und stark (und wenn möglich aus gemahlenen Bohnen). Meine Frau ist im Laufe der Jahre ein wenig zu einem Kaffesnob geworden, daher haben wir alle möglichen Gerätschaften dafür im Haus. Tatsächlich könnten wir unser eigenes „Pink Bean“-Café eröffnen, wenn wir wollten. 😉

 

Nach über sieben Jahren in Hongkong wohnt Harper Bliss jetzt mit ihrer Frau und der gemeinsamen, ungemein photogenen Katze „Dolly Purrton“ in Brüssel. Harper hat zahllose englische Bestseller geschrieben und internationale Preise gewonnen.  Sie ist die Mitbegründerin von Ladylit Publishing, einem Independent-Verlag, der sich auf lesbische Literatur spezialisiert hat. “Kaffee mit einem Schuss Liebe” ist ihr erster deutscher Lesbenroman. Weitere Übersetzungen werden folgen.

Von Wegen Versprochen – der etwas andere queere Liebesroman

Gepostet von am Jul 24, 2019 in Allgemeines, Aus dem Verlag, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Der etwas andere queere Liebesroman von G Benson

Vor kurzem ist bei uns der Liebesroman Von Wegen Versprochen der australischen Autorin G Benson erschienen. Dieser Roman ist für uns in vielerlei Hinsicht etwas ganz besonderes. Deswegen wollten wir die Gelegenheit nutzen, euch mehr darüber zu erzählen.

Die Krankenschwester Hayden Pérez stößt in dieser Geschichte auf das Angebot, die komplizierte und unfreundliche Neurochirurgin Samantha Thomson für eine Vergütung von 200.000 Dollar zu heiraten. Sie muss bloß ein Jahr lang alle in ihrem Umfeld davon überzeugen, heillos in die frostige Samantha verliebt zu sein.

Von Wegen Versprochen ist ein Roman voll sexueller Spannung, einzigartigem Humor und mit einem Kater, den man trotz seiner ständig schlechten Laune einfach lieben muss.

Es ist auch ein Roman über die Verarbeitung von schmerzlichen Erfahrungen, gefundene Familien und darüber, sich für andere Menschen zu öffnen. Und es ist ein Roman mit Herz.

 

Dieses LGBTQ+ Buch feiert die Vielfalt

Hautsächlich dreht sich die Geschichte natürlich um die “Beziehung” zwischen der lesbischen Samantha und der pansexuellen Hayden. Aber sie sind bei weitem nicht die einzigen Vertreter_innen unserer Community. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber trotzdem an dieser Stelle über eine bestimmte Figur und die Herausforderung der Übersetzung dieses Buches reden.

 

Sind das etwa Schreibfehler?

Das Buch Von Wegen Versprochen ist eine Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Im Englischen hat eine Ausdrucksform in diesem Roman nach seiner Veröffentlichung bei einigen Leser_innen für Verwirrung gesorgt. Ein besonderer Aspekt dieses Buches ist nämlich, dass ein Nebencharakter der Geschichte nicht-binär ist.

 

Nicht-binär. Was ist das denn?

Nicht-binär wird auch als “enby” oder im Englischen als “non-binary” bezeichnet.

Kurz zusammengefasst bedeutet nicht-binär, dass Menschen nicht oder nicht vollständig zu einem der binären Geschlechter gehören, also nicht (nur) Mann oder Frau sind. Die enby Person könnte beides sein, oder keins davon, oder wechselt von einem zum anderen, oder ist etwas komplett anderes als Mann oder Frau.

 

Enby in der deutschen Sprache – gar nicht so einfach

Für den Text heißt das, dass für die enby Person Begriffe verwendet werden, die sie als nicht eindeutig weiblich oder männlich bezeichnen. Und auch die Pronomen “sie” oder “er” müssen durch eine neutrale Variante ersetzt werden.

Im Englischen hat sich der Gebrauch von “they” als geschlechtsneutrales Pronomen etabliert. Da “they” als das Pronomen für die grammatikalische, dritte Person im Plural bereits existiert, ist auch seine Verwendung als dritte Person in der Einzahl relativ einfach. Entsprechend hat G Benson in ihrem Buch “they” als Pronomen für die enby Person Luce verwendet.

Im Deutschen gestaltet sich die Umsetzung schwieriger, weil unsere dritte Person Einzahl “sie” und die dritte Person Plural “sie” identisch sind. Eine grammatikalisch bereits vorhandene Alternative für “sie” oder “er” gibt es im Deutschen nicht.

Enby Menschen im deutschsprachigen Raum suchen immer wieder nach neuen Pronomen, mit denen die Geschlechtsneutralität in unserer Sprache erreicht werden kann. Wir haben uns dafür entschieden, in Von Wegen Versprochendas Pronomen “sier” (gesprochen mit langem “i”) für die Figur Luce zu benutzen. In dem Roman werden den Leser_innen also Sätze wie “Sien Blick wurde eindringlich, während sier die Stimme senkte” begegnen.

 

Warum so kompliziert? Weil es um Identität, Sichtbarkeit und Repräsentation geht.

Die Repräsentation einer enby Figur in einem deutschen Roman war ein neues und kniffliges, aber für uns auch wichtiges Projekt. Es ist existenziell wichtig, Raum für die eigene Geschlechtsidentität (z.B. enby) oder das sexuelle Begehren (z.B. lesbisch oder bisexuell) zu haben. Wir erinnern uns sicher alle noch daran, wie wir uns freuten, als die erste lesbische, bisexuelle oder queere Person in einem Buch, Film oder Fernsehserie auftauchte, mit der wir uns identifizieren konnten. Wie wir festgestellt haben: Ich bin nicht “falsch”, meine Identität ist nur nicht die Norm der Gesellschaft.

Mit der Verwendung von geschlechtsneutralen Pronomen möchten wir zeigen, wie vielfältig Geschlecht tatsächlich ist, und wie wichtig es ist, dass wir Worte finden, die uns und unsere Identität beschreiben. In der Geschichte von Lesben und bisexuellen Frauen ging es immer wieder um den Wunsch nach Sichtbarkeit. Dies ist bei enby und transgender Personen nicht anders. Mit diesem Buch möchten wir vom Ylva Verlag etwas zu dieser Sichtbarkeit beitragen.

Wer einen Eindruck davon gewinnen will, was “enby” im Rahmen der LGBTQ+ Community bedeutet und wie genau dieses Pronomen “sier” funktioniert, findet weitere Informationen im Nachwort des Buches von G Benson.

Wir hoffen, dass euch Von Wegen Versprochen von G Benson viel Spaß machen wird. Ihr könnt das Taschenbuch gerne direkt bei uns bestellen oder natürlich auch in allen Buchhandlungen und/oder Plattformen die das Internet anbietet.

Blind Date mit einem Lesbenbuch

Gepostet von am Jul 17, 2019 in Allgemeines | Keine Kommentare

Köln. Christopher Street Day. Gefeiert wird der Cologne Pride dieses Jahr unter dem Motto „50 Years of Pride – Viele. Gemeinsam. Stark!“. Der Kölner Heumarkt ist überfüllt mit Menschen in wortwörtlich allen Farben des Regenbogens. Es gibt Fahnen und Tröten, Cocktails und Kölsch, Live-Musik und Märsche sowie Wassereis in Penis- und Vaginaform. Und… Bücher.

 

Von, für und über frauenliebende Frauen

Der Ylva-Verlag hatte in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge einen Verkaufsstand auf dem Kölner CSD, um unsere unverschämt guten Bücher an die Frau zu bringen. Auch wenn so manch einer geglaubt hat, dass wir bloß vegane Bücher anbieten (Grund dafür war die auffällige Flagge unserer Kolleginnen vom Vegan Rainbow Projekt, denen wir ein Stück unseres Standes zur Verfügung gestellt haben).

Eine Sache ist glasklar: Vielfalt wird bei uns in vielerlei Hinsicht großgeschrieben. Deutsche Bücher auf der einen Seite, Englische Bücher auf der anderen, Blind Dates in der Mitte. Und natürlich eine große Auswahl an Geschichten über Figuren mit unterschiedlichster Herkunft, Hautfarbe, Geschlechtsidentität und Sexualität.

 

 

Autorinnen lesbischer Liebesromane mit uns an vorderster Front

Wer unseren Stand besucht hat, konnte in diesem Jahr auch ein paar Worte mit unserer deutschen Autorin Ina Steg und der belgischen Autorin Harper Bliss wechseln und ihre deutschen Neuerscheinungen signieren lassen.

Für Ina Steg war es eine sehr besondere und schöne Erfahrung, die Menschen zu treffen, die ihre Bücher lesen und von ihnen direktes Feedback zu bekommen. Wenn sie hier ist und sieht, dass jemand einen ihrer lesbischen Liebesromane in die Hand nimmt und erst mal nicht mehr weglegen kann, dann begleitet diese Erfahrung Ina und motiviert sie in schwierigen Phasen beim Schreiben.

Harper Bliss betonte vor allem, wie viel Spaß sie mit uns an diesem Wochenende hatte. Sie konnte die Energie der Veranstaltung genießen, mit ihren Verlegern und ihrer Autoren-Kollegin Zeit verbringen und Kaffee mit einem Schuss Liebeauf dem Verkaufstisch liegen sehen. Dieser lesbische Roman ist das erste ihrer Bücher, das vom Ylva Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Sie hat sich besonders gefreut, als eine Kundin, die ihr Buch bereits auf Englisch gelesen hatte, auch die deutsche Übersetzung kaufte und von ihr signieren ließ.

 

Blind Dates für queere Leser

Ein Höhepunkt des Wochenendes war für uns die Reaktion der Besucherinnen auf unsere ‚Blind Date mit einem Buch‘-Pakete. Eine bunte Auswahl unserer queeren Romane wurden blickdicht verpackt und nur mit vagen Hinweisen zum Inhalt wie „Raubeinige Handwerkerin + verwöhnte Hausfrau“ oder„Ein Roman, in dem die Grenzen zwischen Liebe und Freundschaft verschwimmen“ oder „HOT, HOT, HOT!“ versehen.

Manchmal muss man etwas wagen, um positiv überrascht zu werden. Diese Meinung vertraten auch die CSD-Besucher_innen. Bei dem letzten Blind Date wollte die Käuferin nicht einmal die Aufschrift des Überraschungspakets wissen − sie hat es einfach genommen, weil sie das Konzept so interessant fand. Wir applaudieren allen, die sich auf das Experiment mit uns eingelassen haben.

 

Die LGBT+ Community hautnah

Veranstaltungen wie der CSD Köln geben uns als lesbischen Verlag die seltene Möglichkeit, die Menschen einmal direkt zu treffen, die unsere Bücher lesen.

Wir können aufmunternd in die leidenden Gesichter der Damen schauen, die schon zum dritten Mal von ihren Freundinnen zu unserem Stand geschleppt werden und „wir haben schon ein Lesbenbuch, wir brauchen nicht noch eins“ murmeln. Wir erleben hautnah, wie Frauen einander Bücher dahingehend empfehlen, ob die jeweilige Geschichte versaut genug ist. Oder wie sie gleich bei der anwesenden Autorin nachfragen, wie viele Sexszenen ihr lesbischer Liebesroman hat.

Wir haben sehr viel gelacht, aber wir wurden von den Leuten an unserem Stand auch sehr bewegt. Wie von den drei Teenagern, die all ihr Kleingeld zusammengeworfen haben, damit eine von ihnen sich ein Buch leisten kann. Oder der Dame, die das große Geheimnis ihres Großvaters herausgefunden hat und nun anhand von schönen Geschichten in seinem Namen die verschiedenen Identitäten des LGBT+ Spektrums kennen lernen möchte.

 

Queere Verlage für Frauen gibt es wirklich

Bei diesem dritten Jahr in Köln haben wir unter unseren Kundinnen viele vertraute Gesichter gesehen. Die ein oder andere traf sogar mit vorbereiteter Einkaufsliste ein. Aber gleichzeitig sprechen wir auch immer wieder mit Frauen, die zuvor keine Ahnung hatten, dass es Verlage wie den Ylva Verlag gibt, die speziell Bücher von, für und über queere Frauen machen.

Die Kölner Medizinstudentin Lena hat jedenfalls in keinster Weise erwartet, bei ihrem CSD-Besuch auch Bücher zu kaufen – geschweige denn gleich zehn davon. „Ich finde es so super, weil ich quasi nur queere Literatur lese und dadurch das meiste aus dem Internet bestellen muss. Ich vermisse es, in einen Buchladen gehen zu können und wirklich eine Auswahl zu haben und schauen zu können. Und ihr habt mich sehr positiv überrascht jetzt“, sagte sie uns im Gespräch. Dafür nahm sie es glücklicherweise in Kauf, vor dem Feiern doch noch einen Abstecher zurück nach Hause zu machen, um den Nachschub an vielfältigen Büchern abzulegen.

Ein Bücherstand ist sicherlich nicht das erste, das man auf einem CSD erwartet. Die Leute kommen zum trinken und essen, zum marschieren und feiern. Aber wir freuen uns, wie viele Besucher immer wieder davon begeistert sind, unerwartet für sie zugeschnittene, queere Bücher zu entdecken.

Kölner CSD 2020 und vorher die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig

Wir werden wieder da sein und aktiv am Dyke March teilnehmen. Mit Banner und so.

Kommt doch im nächsten Jahr auch bei uns am Stand vorbei und lasst euch auf ein Blind Date mit einem Buch ein! Ihr könnt uns aber auch schon vorher auf der Frankfurter Buchmesse, Stand 4.1 E57  oder der Leipziger Buchmesse besuchen.

“Beziehung ausgeschlossen” – der neue lesbische Liebesroman von Jae

Gepostet von am Jul 10, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Vor ein paar Tagen ist im Ylva Verlag der neue Roman der Bestseller-Autorin Jae erschienen und stürmt bereits die deutschen Charts. Wir haben Jae ein paar Fragen zu ihrem neuen Buch gestellt, die sie uns gerne beantwortet hat.

Beziehung ausgeschlossen von JaeKannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman „Beziehung ausgeschlossen“geht?

In „Beziehung ausgeschlossen“ geht es um Ashley, die den einzigen Blumenladen in der Kleinstadt Fair Oaks betreibt. Ashley ist lesbisch, traut sich aber nicht, sich in ihrer Heimatstadt zu outen, auch aus Angst, ihre eher konservative Familie zu verlieren. Deshalb hat sie beschlossen, sich ganz auf ihren Beruf zu konzentrieren – bis sie für eine Hochzeit mit Sasha, der Besitzerin der Bäckerei, zusammenarbeiten soll und sie dadurch besser kennenlernt. Sasha ist pansexuell und geht offen damit um und obwohl sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, verlieben sie sich ineinander.

 

 

Sasha und Ashley spielen bereits in deinem queeren Liebesroman „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“eine Rolle. Nun bekommen sie mit „Beziehung ausgeschlossen“ ihre eigene Geschichte. Was hat dich dazu bewegt aus den beiden ein Paar zu machen?

Mich hat es gereizt, zwei Frauen zusammenzubringen, die sehr unterschiedlich sind: Ashley ist sehr darauf bedacht, was die Leute denken könnten, und ist daran gewöhnt, ihre eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und den Ruf ihrer Familie zu schützen. Die mutige Sasha hingegen lebt ihr Leben nach ihren eigenen Wünschen – nur hat sie bisher nie geglaubt, dass eine Beziehung dazugehören könnte.

Im Laufe des Romans lernen die beiden viel voneinander und verändern sich zum Positiven. Ihre Gegensätzlichkeit und die Entwicklung zueinander hin hat mir großen Spaß bereitet.

 

Sashas Bäckerei trägt den wunderschönen Namen „Ein Stück vom Himmel“. Wie bist du auf diesen Namen gekommen?
Dazu habe ich die Hilfe meiner Leserinnen auf Facebook und Twitter in Anspruch genommen und habe sie gebeten, mir Namensvorschläge zu schicken, die ich dann auch zahlreich bekommen habe. Es waren viele gute Vorschläge dabei. Entschieden habe ich mich dann für den Vorschlag meiner Autorenkollegin Lee Winter, denn Sashas leckere Backwaren sind tatsächlich wie ein Stück vom Himmel.

 

Ashleys Lieblingsgebäck sind die Vanille-Cupcakes mit Erdbeer-Buttercreme aus Sashas Bäckerei. Hast du
selber schon mal Cupcakes gegessen und wie fandest du sie?

Wie Ashley bin auch ich manchmal für leckeres Backwerk zu begeistern. Bisher dachte ich eigentlich immer, dass Cupcakes in Deutschland noch nicht so verbreitet sind, aber vor Kurzem habe ich herausgefunden, dass es in Freiburg, wo ich lebe, sogar eine Konditorei gibt, die sich auf Cupcakes spezialisiert hat. Deshalb habe ich anlässlich der Veröffentlichung von „Beziehung ausgeschlossen“ bzw. der englischen Version „Not the Marrying Kind“ einen Cupcake von jeder Sorte, die die Konditorei anbietet, gekauft und eine Cupcake-Probe abgehalten. Am besten geschmeckt hat mir der Oreos-Cupcake, aber auch der Erdbeer-Cupcake war lecker. Besonders ausgefallen fand ich den Schwarzwälder-Kirschtorte-Cupcake, der mich an eine gelungene Mischung aus meinen Romanen „Beziehung ausgeschlossen“ und „Tintenträume“ erinnert hat, denn Letzterer spielt ja am Rande des Schwarzwalds.

 

Während des Junggesellinnenabschieds von Leontyne und Holly kommen sich Ashley und Sasha näher. Waren dir die Geschehnisse, die während der Reise passieren, schon zu Beginn deines Schreibprozesses bekannt, oder sind sie erst später entstanden?

Zum Vorbereitungsprozess auf das Schreiben eines Buches gehört bei mir, dass ich mir die Handlung des Romans überlege. Die wichtigsten Ereignisse und Wendepunkte im Roman kenne ich also schon vorher. Aber ich lege nicht jede einzelne Szene vorher fest, sondern lasse auch viel Freiraum, damit die Geschichte sich von selbst entwickeln kann. So wusste ich schon zuvor, dass Sasha und Ashley von ihren Freundinnen zu einem Junggesellinnenabschied in einem Strandhaus in Florida eingeladen werden, aber einiges von dem, was dort dann passiert, hat sich beim Schreiben mehr oder weniger spontan entwickelt.

 

Dein lesbischer Liebesroman „Beziehung ausgeschlossen“spielt in der Kleinstadt Fair Oaks. Gibt es eine reale Vorlage, an der du dich während deines Schreibprozesses orientiert hast? Wenn ja, hast du sie besucht?

Ja, für Fair Oaks gibt es tatsächlich eine real existierende Vorlage, nämlich eine Kleinstadt in der Nähe von Maryville im US-amerikanischen Missouri. Selbst besucht habe ich das Städtchen noch nicht, allerdings wohnt eine Freundin von mir ganz in der Nähe und könnte mich mit Bildern und Beschreibungen versorgen. Ich denke, die Geschichte könnte aber auch in jeder anderen Kleinstadt in den meisten Ländern der Welt spielen. Wer so wie ich selbst in einer Kleinstadt oder einem Dorf aufgewachsen ist, der wird sich sicherlich in der Geschichte wiederfinden.

 

Du hast mit Sasha und Ashley zwei sehr unterschiedliche Protagonistinnen erschaffen. Gibt es zwischen den beiden und dir Gemeinsamkeiten und wenn ja, welche?

Leider kann ich weder so gut backen wie Sasha noch so wunderschöne Blumensträuße binden wie Ashley. Was ich mit beiden gemeinsam habe, ist, dass ich in einem sehr kleinen Ort aufgewachsen bin, in dem jeder jeden kennt, Gerüchte schnell verbreitet werden und jede Art von Anderssein zunächst erst einmal eher negativ gesehen wird. Deshalb konnte ich mich gut in Ashley einfühlen und mir vorstellen, warum es für sie nicht so einfach ist, sich zu outen.

 

Hast du ein Ritual oder eine Gewohnheit, nachdem du mit dem Schreibprozess deines Manuskriptes fertig bist?

Da ich an einem Buch jeweils ungefähr ein halbes Jahr arbeite, ist der Abschluss eines Romans nichts Alltägliches, deshalb versuche ich schon, es auch gebührend zu feiern. Meistens feiere ich den Abschluss oder die Veröffentlichung eines Buches mit Freundinnen bei einem leckeren indischen Essen (in dem Restaurant, das auch in meinem Roman „Tintenträume“ vorkommt) und/oder mit einem Eisbecher. „Beziehung ausgeschlossen“ habe ich, wie schon erwähnt, jedoch zu Sashas Ehren mit Cupcakes gefeiert.

 

Jae hat früher als Psychologin gearbeitet, gab dann aber ihren Beruf auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Mittlerweile sind sechzehn ihrer Romane im Ylva Verlag veröffentlicht worden, zuletzt der Roman “Beziehung ausgeschlossen“.

 

 

Chris Zett bringt in ihrem Lesbenroman das Herz einer Ärztin aus dem Takt

Gepostet von am Mai 24, 2019 in Allgemeines, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Aus dem Takt geraten von Chris ZettIm April ist dein erstes deutsches Buch im Ylva Verlag erschienen. Kannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman Aus dem Takt geraten geht?

Im Wesentlichen geht es um Veränderungen und wie kleine Begegnungen oft einen großen Einfluss auf unser Leben nehmen können. Diana ist eine neue Assistenzärztin in der Notaufnahme. Sie muss sich erst wieder in ihren Beruf hineinfinden, da sie fast zehn Jahre etwas ganz anderes gemacht hat. Sie war Drummerin in einer Rockband und will eigentlich nicht, dass irgendjemand auf der Arbeit davon erfährt.

Emily ist eine Fachärztin, für die ihre Arbeit in der Notaufnahme immer das wichtigste war. Ein Liebesleben war ihr nie wichtig, aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit etwas daran zu ändern. Die beiden treffen sich zufällig in einem lesbischen Musikclub und Emily entdeckt das Geheimnis um Dianas Vergangenheit.

Es beginnt eine zögerliche Freundschaft, die sich rasch in gegenseitige Anziehung verwandelt. Allerdings müssen die beiden noch einige Hindernisse überwinden und lernen, sich gegenseitig zu vertrauen, bevor es ein glückliches Ende geben kann.

 

Ein wichtiger Aspekt deiner LGBT Neuerscheinung ist die Arbeit in der Notaufnahme. Sowohl Emily, als auch Diana arbeiten hier als Ärztin. Was hat dich dazu bewegt die beiden in diesem Umfeld arbeiten zu lassen?

Es war von Anfang an ganz klar für mich, dass ich einen lesbischen Liebesroman über zwei Ärztinnen schreiben wollte. Zum einen ist das ein Genre, dass ich sehr gerne lese und zum anderen habe ich durch meinen Beruf als Ärztin genug eigene Erfahrung, um mir realistische Szenen auszudenken.

Für die Notaufnahme habe ich mich entschieden, weil es gut zu Emilys Persönlichkeit und Dianas Vergangenheit passt. Die Arbeit dort hat einen intensiven Fokus auf das aktuelle Geschehen und es gibt immer wieder spannende Fälle, die in kurzer Zeit gelöst werden müssen.

Und ja – ich habe früher natürlich auch keine Folge Emergency Room verpasst. Tatsächlich bestanden die ersten „rein freundschaftlichen“ Treffen von meiner Frau und mir aus regelmäßigen Fernsehabenden mit unserer Lieblingsserie.

 

Bevor Diana als Assistenzärzten gearbeitet hat, hat sie als Drummerin in einer Rockband gespielt. Warum hast du dich für diese Instrument entschieden?

Es gab zwei Ereignisse, die mich inspiriert haben. Vor fast zehn Jahren war ich auf einem kleinen Konzert von Heather Nova in London. In dem Club gab es eine zweite Etage und ich habe ganz vorne am Geländer gestanden und von oben genau auf den Drummer geschaut, den man sonst im Hintergrund oft nicht so gut wahrnimmt. Er ist völlig in der Musik aufgegangen, hat den ganzen Körper im Takt bewegt, und ich konnte die Augen einfach nicht abwenden und ich habe kaum etwas von dem restlichen Konzert mitbekommen.

Jahre später war ich mit einer Freundin bei ihrem Alt-Hippie Großonkel im Wendland. Er erzählte uns Geschichten von den hypnotischen und lebensverändernden Kräften von Trommelkreisen am Strand von Ibiza und drückte uns auch gleich ein paar Trommeln in die Hand, um das auszuprobieren. Und irgendwie ist aus diesen Erlebnissen plötzlich Diana als fast fertiger Charakter in meinem Kopf erschienen. Wer den lesbischen Liebesroman Aus dem Takt geraten liest, wird sicherlich den Trommelkreis wiedererkennen und die Bedeutung, die er für Emily hat.

 

 

Emilys Wohnung wirkt wie eine kleine Bibliothek. Sieht es bei dir zu Hause ähnlich aus?

Ich wünschte es wäre so. Ich habe zwar etliche Taschenbücher und Hardcover aus früheren Zeiten, aber der Großteil meiner Sammlung ist mittlerweile digital. Es ist einfach zu praktisch, jeden Tag über tausend Bücher in der Bahn dabei zu haben. Aber jedes Jahr schenke ich mir selbst zum Jahresende meine Lieblingsromane als Taschenbücher.

 

Wenn Diana nicht gerade in der Notaufnahme arbeitet oder Schlagzeug spielt, dann steht sie gerne in der Küche und experimentiert an neuen Gerichten. Teilst du diese Leidenschaft fürs Kochen?

Absolut. Kochen ist für mich Entspannung. Früher habe ich oft neue Rezepte aus Kochbüchern oder Zeitschriften ausprobiert, mittlerweile experimentiere ich einfach mit Gewürzen und Gemüse, die ich gerne mag. Außerdem kann ich dabei sehr gut Hörbücher hören. Wenn das Buch spannend ist, macht es mir auch nichts aus noch hinterher aufzuräumen und abzuspülen.

 

Gibt es für dich einen bestimmten Ort, an dem du dich gerne aufhältst, wenn du schreibst?

Ich sitze sehr gerne in Cafés. Ich habe schon immer zur Konzentration etwas Hintergrundgeräusch gebraucht und konnte zum Beispiel nie in der Bibliothek lernen. Es gibt in den Cafés nicht so viele Ablenkungen wie zu Hause, wenn ich es schaffe dem Internet zu widerstehen. Am besten kann ich arbeiten, wenn meine Frau mitkommt. Sie zeichnet in ihrer Freizeit und findet in den Cafés immer Motive, notfalls die Teekanne.

Clare Ashton über ihren lesbischen Liebesroman “Poppy Jenkins”

Gepostet von am Mai 11, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Schon im April ist der Roman “Poppy Jenkins liebt das Leben” der englischen Autorin Clare Ashton im Ylva Verlag erschienen.

In unserem Interview erzählt die Autorin mehr über die Geschichte, Wales und warum ihre eigene Großmutter wohl Muskeln aus Stahl  hatte.

 

Clare AshtonKannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman „Poppy Jenkins liebt das Leben“ geht?

Zum einen habe ich Poppy als Zeichen dafür geschrieben, wie weit die LGBTQ Rechte seit meiner Kindheit fortgeschritten sind. Zum anderen ist das Buch eine Reise in die Vergangenheit, nach Mid Wales, wo ich aufgewachsen bin.

Meine Protagonistin, Poppy Jenkins, ist lesbisch und vom Charakter her eine typische Frau von nebenan. Sie wird vom ganzen Dorf in höchstem Maß geschätzt. Ihre Jugendfreundin, die leicht bissige und kluge Rosalyn Thorn, war nicht so beliebt und als sie nach langer Zeit nach Hause zurückkehrt, wird sie von niemandem willkommen geheißen, noch nicht mal von der gutherzige Poppy. Das hat damit zu tun, dass Rosalyn mit 16 Jahren von einem Tag auf den anderen und ohne Erklärung Poppy plötzlich mit Verachtung gestraft hat.

Als Kinder hatten die beiden eine unglaublich enge Beziehung und jetzt scheinen sie auf einmal irgendwie nicht in der Lage zu sein die andere zu meiden, sehr zu Poppys Verärgerung. Rosalyn Thorn ist die letzte Person, die Poppy täglich sehen will, besonders da sie nicht aufhören kann auf Rosalyns Busen zu starren, wenn sie in der Nähe ist.

Das Buch enthält für einen eher leichten lesbischen Liebesroman auch schwierigere Themen. Jede Art von Vorurteilen – von Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Hochnäsigkeit, ländliche Ansichten gegenüber der Stadt – finden sich.

Aber die Geschichte ist in viel Sonnenschein getaucht, weil Poppy eine so lebhafte und großzügige Heldin ist. Außerdem spielt alles in einem idyllischen Sommer und einer wunderschönen Hügellandschaft in Wales.

 

Poppys Heimat „Wells“ ist ein kleines Dorf in Mid Wales. Während des gesamten Romans beschreibst du verschiedene Ort innerhalb dieser Gegend. Gibt es eine reale Vorlage, an der du dich beim Schreiben deines Buches orientiert hast?

Sehr sogar. Ich habe einige der beliebtesten Orte in Mid Wales zusammengeworfen. Der Dorfplatz, das Rathaus und das Schloss basieren auf einem Dorf namens Montgomery. Wunderschöner Ort. Es gibt sogar ein kleines Café, das die Vorlage für Poppys „Real Food Etablissement“ ist. Wenn sie jemals in der Gegend sind, dann besuchen sie unbedingt „The Castle Kitchen“ und essen sie ein Stück Lemon Drizzle Cake. Lecker!

Rosalyns Haus, das Regency Herrenhaus Rhiew Hall, ist eigentlich Rhiew Port Hall bei Berriew. Meine Eltern haben eine Wohnung über dem alten Stallgebäude gemietet, als ich fünf Jahre alt war. Obwohl ich noch sehr jung war habe ich wunderbare und lebendige Erinnerungen an das ganze Anwesen und Poppys River Walk ins Dorf basiert auf meinem eigenen Weg zur Schule.

 

Im „Real Food Café“ können Besucher und Bewohner von Wells selbstgebackenen Kuchen und regionale Poppy Jenkins liebt das Leben von Clare AshtonSpezialitäten genießen. Backst du selber gerne?

Ich liebe es zu backen. Ich bin eine große Genießerin. Als ich klein war, lebte meine Großmutter eine halbe Meile von uns entfernt und jeden bin ich die begrünten Gassen entlanggelaufen, um sie zu besuchen. Ich habe es geliebt, ihr beim Backen zuzusehen und ihr zu “helfen”. Ich weiß immer noch nicht, wie sie einen Victoria Sponge Cake mit so viel Leichtigkeit zubereitet hat. Sie hat Butter und Zucker so schnell zu einer Creme aufgeschlagen, dass ihre Muskeln aus Stahl gewesen sein müssen.

 

Deine lesbische Protagonistin Poppy ist eine junge Frau voller Lebensfreude und mit einem großen Herzen. Gibt es zwischen Poppy und dir Gemeinsamkeiten?

Ich wünschte, ich wäre so überschwänglich und optimistisch wie Poppy, obwohl ich sie leicht zu schreiben fand. Ich habe mir einfach vorgestellt, wie sich jeder (auch ich) an seinen besten Tagen fühlt, wenn die Sonne scheint und die Kinder lachen und alles in Ordnung ist. Ebenso habe ich meine zynischere Seite kanalisiert, als ich Rosalyn geschrieben habe. Ich beneide und bewundere beide Charaktere – Poppys großzügige Lebensfreude und Rosalyns Intellekt und ihren Drang nach Gerechtigkeit.

 

Gibt es für dich einen bestimmten Ort, an dem du dich gerne aufhältst, wenn du schreibst?

Er scheint sich für die meisten Bücher zu ändern. Ich habe die Gewohnheit, an der gleichen Stelle zu schreiben, bis eine Geschichte fertig ist. Für dieses saß ich mit einem Blick auf den Garten und die Bäume – entsprechend dem ländlichen Charakter des Buches.

 

Rosalyn hat Poppy während ihrer Jugend viele kleine Briefe geschrieben, die sie dann unter ihrem Kopfkissen versteckt hat und die für Poppy eine große Bedeutung haben. Was hat dich zu dieser Geste inspiriert?

Das Austauschen von Notizen im Unterricht war etwas, das wir in der Schule gemacht haben, also stellte ich mir vor, dass Poppy und Rosalyn dasselbe tun. Meine Kinder, insbesondere mein Sohn, haben mich daran erinnert. Joe hinterlässt für uns alle liebevolle kleine Notizen überall im Haus. Ich habe eine in meiner Handyhülle versteckt. Sie bringt mich immer zum Lächeln.

 

Clare Ashton ist in Wales aufgewachsen, lebt aber heute mit ihrer Frau und den beiden Kindern in den Midlands (England). Sie ist jederzeit in der Lage, Trivial Pursuit zu gewinnen, da es ihr gelungen ist, im Laufe der Jahre eine Menge mehr oder weniger “sinnvolles” Wissen in den verschiedensten Bereichen anzusammeln. Nach der Veröffentlichung mehrerer englischer Romane, ist mit Poppy Jenkins jetzt ihr zweites Buch auf Deutsch im Ylva Verlag erschienen.

Eine lesbische Astronautin entdeckt die „Letzte Zutat Liebe“

Gepostet von am Mrz 19, 2019 in Allgemeines | 2 Kommentare

Letzte Zutat Liebe von Ina Steg

„Letzte Zutat Liebe“, dein neuer lesbischer Liebesroman ist ja das dritte Buch, das von dir im Ylva Verlag erschienen ist. Kannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem neuen Roman geht?

Die Arbeit in der Raumfahrt und in all seinen Facetten zu sich selbst zu stehen, sind die zentralen Themen dieser Geschichte. Laura Benedikt war die erste deutsche Astronautin im Weltall, nun soll es einen letzten Flug zur Internationalen Raumstation geben und Laura muss sich einem intensiven Auswahlverfahren stellen. Sie hat sich auf der Arbeit noch nicht geoutet, was sie daran hindert, dort ihre ganze Persönlichkeit zu entfalten. Indem sie der Spur eines Notizzettels mit geheimnisvollen Abkürzungen folgt, trifft sie auf die Chefköchin June. Diese hat ebenfalls ihre Geheimnisse, die in der Vergangenheit liegen, doch indem sie sich über ihre Leidenschaften austauschen, kommen sie sich näher. Laura spürt jedoch auch eine intensive Anziehung zu ihrer Arbeitskollegin Melissa. Ich finde es spannend, was Menschen aneinander mögen und was sie verbindet und ich wollte so viele Aspekte davon wie möglich in die Beziehungen zwischen den Charakteren einfließen lassen.

 

Laura ist ein sehr vielseitiger Charakter. Gibt es zwischen Laura und dir Gemeinsamkeiten?

Auf der Arbeit hat Laura mit ihrem Coming Out viele Jahre gewartet. In meinen Zwanzigern habe ich darüber auch nur mit meinen engsten Freunden gesprochen. Ich habe also immer einen großen und wichtigen Teil meines Lebens weggelassen und somit nicht komplett gezeigt wer und wie ich bin. Zum einen wollte ich nicht nur darüber definiert und in eine bestimmte Schublade gesteckt werden. Zum anderen wollte ich nicht, dass Frauen mich sofort nur unter dem Gesichtspunkt betrachten, ich könnte sie übermäßig interessant finden. Gut, dass ich diese Ansichten ablegen konnte. Es geht mir besser, seitdem ich komplett zu mir stehe.

Die stärkste Verbindung zwischen mir und Laura ist die Liebe zu unserem Planeten. Wir sind umgeben von so viel Schönheit und Kraft. Ich schaue reihenweise Science-Fiction-Filme, in denen es darum geht, dass die Menschheit die Erde verlassen muss. Sie beinhalten alle denselben Kern, nämlich dass unser Planet einzigartig und schützenswert ist.

 

Laura ist Astronautin. Was hat dich dazu inspiriert sie in der Raumfahrt arbeiten zu lassen?

Da mich die Themen meiner Geschichten oftmals mehrere Jahre begleiten suche ich mir gerne welche aus, die mich fesseln. Für meinen lesbischen Liebesroman „Eine Diebin zum Verlieben“ habe ich mich mit der Legende rund um Robin Hood beschäftigt, weil sie mich fasziniert. Dadurch habe ich zum Beispiel etliches über die Zeit Mitte des 16. Jahrhunderts erfahren, als der gutmütige Räuber Angelo Duca in Italien auf seine Art Hilfsbedürftige unterstützte. Seine Charakterzüge färbten später die Figur Robin Hoods.

Die Bilder aus dem Weltall von der Erde sind für mich magisch. Wenn ich sie sehe, läuft mir ein Schauer über den Körper. Um uns herum ist diese unendliche und fast noch unbekannte Weite des Alls, in der wir ohne Hilfe nicht überleben können. In dieser Schwärze ist unser wunderschönes Zuhause, mit all seinen Farben, seinen Gerüchen, den vielseitigen Elementen und uns Menschen, die so wunderbare Dinge, wie Musik, den Tanz, die Malerei und Pfannkuchen hervorgebracht haben. Durch die Raumfahrt haben wir die Möglichkeit das alles aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

 

June arbeite als Köchin und führt ihren Beruf mit großer Leidenschaft aus. Gehörst du zu den Menschen, die selber gerne kochen?

Leider nicht. Leider, weil ich es liebe zu essen und Menschen bewundere, die beim Kochen die nötige Ruhe bewahren. Ich habe eigentlich ständig Kohldampf. Wenn ich nicht rechtzeitig esse, nehmen meine Mitmenschen schnell Abstand von mir, ich werde dann nämlich unausstehlich. Bedeutet: wenn ich koche, bin ich eigentlich schon wieder hungrig, dadurch werde ich ungeduldig und das ist keine gute Voraussetzung für die Zubereitung eines Gerichtes. Ich bin jedoch fasziniert von dem, was die Natur uns schenkt. All die unterschiedlichen Nahrungsmitteln, mit ihrem vielseitigen Geschmack und den wunderschönen Farben. Mir war es wichtig, eine Figur zu entwickeln, die dem Kochen auf leidenschaftliche und liebevolle Weise zugewandt ist. Außerdem habe ich es beim Schreiben genossen, tolle Gerichte zu zaubern, ohne wirklich die Verantwortung dafür haben zu müssen.

 

Laura lernt June durch den Fund eines verlorenen Notizzettels kennen. Wie bist du auf die Idee dieses Kennenlernens gekommen?

Ich mag Notizzettel sehr. Meine Geschichten entstehen überwiegend darauf. Schreibblöcke sind eigentlich nur eine Ergänzung dazu. Ich kann an einem Zettel im Einkaufswagen nicht vorbeigehen, meine Neugierde ist zu groß. Ich überlege mir dann, was die Person wohl mit den Zutaten vorhatte, in welchen Küchenschränken diese gelandet sind und was sie trotz der Liste wohl noch dazu eingekauft hat. Wenn ich die Handschrift länger betrachte, erscheint ein bestimmter Typ Mensch vor mir. Ich lege die Zettel immer zurück, denn vielleicht kann sie jemand anders ja als Inspiration gebrauchen. Im März 2016 fand ich bei einem Spaziergang im Park einen Einkaufszettel und weil ich den Fundort so ungewöhnlich fand, behielt ich ihn. Ich mochte die Handschrift sehr und in den folgenden Tagen, schweiften meine Gedanken immer wieder dahin zurück. Ich hätte die Person, der dieser Zettel mal gehörte, gerne kennengelernt. So entstand die Idee, den Strang einer Geschichte zu entwickeln, in dem meine Figur dieser Neugierde nachgibt und der Spur eines verlorenen Zettels folgt.

 

Bei einem nächtlichen Picknick bekommen Laura und June Gesellschaft von Georg, einem scheuen Kater. Was hat dich dazu bewegt/inspiriert diese Szene zu schreiben?

Tiere sind mir unheimlich wichtig. Ich hatte viele Jahre meines Lebens Katzen um mich und mein erster bester Kumpel war ein braun-weißer Hundemischling, mit dem ich tolle Abenteuer erlebt habe. Für Twitter erfinde ich kleine Geschichten von einem Fuchs und einer Krähe, die sich regelmäßig am Fluss. Laura und June waren zu diesem Zeitpunkt der Geschichte noch sehr unsicher miteinander. Manchmal braucht es im Leben Hilfe von anderen, damit Dinge auf die richtige Bahn geraten. Zu meinem Gehilfen wurde der wunderbare Georg, der zwischen die beiden auf eine Bank springt, um etwas von den Waffeln abzubekommen und so die Stimmung zwischen ihnen lockert. Ich hatte eine Phase, in der ich nicht gerne zur Schule gegangen bin, vor allem wegen der Mathearbeiten. Eines Morgens tauchte am Wegesrand ein Hase auf. In den darauffolgenden Wochen bekam er Möhren von mir und er wurde mein Glücksbringer. In Mathe wurde ich zwar nicht besser, aber ich freute mich wieder auf den Schulweg.

 

Gibt es für dich einen Ort, an dem du besonders gerne schreibst?

Ich schreibe so gut wie immer in der Küche. Ich mag es auch, bei anderen in der Küche zu sitzen und dort miteinander zu reden. Es ist so eine wunderbare Kulisse. Die Spülmaschine läuft, in einem Topf brutzelt etwas, jemand räumt vielleicht nebenbei Geschirr weg und die Tassen klirren aneinander, es riecht nach Kräutern und dem letzten aufgebrühtem Kaffee.

Meine Art zu schreiben hat sich verändert. Ich habe einige Jahre immer viel an einem Stück geschrieben, habe aber gemerkt, dass ich mehr Ideen bekommen, wenn ich immer mal aufstehe und etwas ganz anderes mache. Also fülle ich zwischendurch Gewürze um oder steige auf einen Stuhl, um die Hängepflanzen unter der Decke zu gießen. Eine ganz andere Perspektive zu wählen ist übrigens eine herrliche Methode, um mal auf ganz andere Gedanken zu kommen. Man sieht etwas, was einem vorher noch nicht aufgefallen ist. Dieser neue Blickwinkel tut erst mir und dann auch der Geschichte gut.