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Von Wegen Versprochen – der etwas andere queere Liebesroman

Gepostet von am Jul 24, 2019 in Allgemeines, Aus dem Verlag, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Der etwas andere queere Liebesroman von G Benson

Vor kurzem ist bei uns der Liebesroman Von Wegen Versprochen der australischen Autorin G Benson erschienen. Dieser Roman ist für uns in vielerlei Hinsicht etwas ganz besonderes. Deswegen wollten wir die Gelegenheit nutzen, euch mehr darüber zu erzählen.

Die Krankenschwester Hayden Pérez stößt in dieser Geschichte auf das Angebot, die komplizierte und unfreundliche Neurochirurgin Samantha Thomson für eine Vergütung von 200.000 Dollar zu heiraten. Sie muss bloß ein Jahr lang alle in ihrem Umfeld davon überzeugen, heillos in die frostige Samantha verliebt zu sein.

Von Wegen Versprochen ist ein Roman voll sexueller Spannung, einzigartigem Humor und mit einem Kater, den man trotz seiner ständig schlechten Laune einfach lieben muss.

Es ist auch ein Roman über die Verarbeitung von schmerzlichen Erfahrungen, gefundene Familien und darüber, sich für andere Menschen zu öffnen. Und es ist ein Roman mit Herz.

 

Dieses LGBTQ+ Buch feiert die Vielfalt

Hautsächlich dreht sich die Geschichte natürlich um die “Beziehung” zwischen der lesbischen Samantha und der pansexuellen Hayden. Aber sie sind bei weitem nicht die einzigen Vertreter_innen unserer Community. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber trotzdem an dieser Stelle über eine bestimmte Figur und die Herausforderung der Übersetzung dieses Buches reden.

 

Sind das etwa Schreibfehler?

Das Buch Von Wegen Versprochen ist eine Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Im Englischen hat eine Ausdrucksform in diesem Roman nach seiner Veröffentlichung bei einigen Leser_innen für Verwirrung gesorgt. Ein besonderer Aspekt dieses Buches ist nämlich, dass ein Nebencharakter der Geschichte nicht-binär ist.

 

Nicht-binär. Was ist das denn?

Nicht-binär wird auch als “enby” oder im Englischen als “non-binary” bezeichnet.

Kurz zusammengefasst bedeutet nicht-binär, dass Menschen nicht oder nicht vollständig zu einem der binären Geschlechter gehören, also nicht (nur) Mann oder Frau sind. Die enby Person könnte beides sein, oder keins davon, oder wechselt von einem zum anderen, oder ist etwas komplett anderes als Mann oder Frau.

 

Enby in der deutschen Sprache – gar nicht so einfach

Für den Text heißt das, dass für die enby Person Begriffe verwendet werden, die sie als nicht eindeutig weiblich oder männlich bezeichnen. Und auch die Pronomen “sie” oder “er” müssen durch eine neutrale Variante ersetzt werden.

Im Englischen hat sich der Gebrauch von “they” als geschlechtsneutrales Pronomen etabliert. Da “they” als das Pronomen für die grammatikalische, dritte Person im Plural bereits existiert, ist auch seine Verwendung als dritte Person in der Einzahl relativ einfach. Entsprechend hat G Benson in ihrem Buch “they” als Pronomen für die enby Person Luce verwendet.

Im Deutschen gestaltet sich die Umsetzung schwieriger, weil unsere dritte Person Einzahl “sie” und die dritte Person Plural “sie” identisch sind. Eine grammatikalisch bereits vorhandene Alternative für “sie” oder “er” gibt es im Deutschen nicht.

Enby Menschen im deutschsprachigen Raum suchen immer wieder nach neuen Pronomen, mit denen die Geschlechtsneutralität in unserer Sprache erreicht werden kann. Wir haben uns dafür entschieden, in Von Wegen Versprochendas Pronomen “sier” (gesprochen mit langem “i”) für die Figur Luce zu benutzen. In dem Roman werden den Leser_innen also Sätze wie “Sien Blick wurde eindringlich, während sier die Stimme senkte” begegnen.

 

Warum so kompliziert? Weil es um Identität, Sichtbarkeit und Repräsentation geht.

Die Repräsentation einer enby Figur in einem deutschen Roman war ein neues und kniffliges, aber für uns auch wichtiges Projekt. Es ist existenziell wichtig, Raum für die eigene Geschlechtsidentität (z.B. enby) oder das sexuelle Begehren (z.B. lesbisch oder bisexuell) zu haben. Wir erinnern uns sicher alle noch daran, wie wir uns freuten, als die erste lesbische, bisexuelle oder queere Person in einem Buch, Film oder Fernsehserie auftauchte, mit der wir uns identifizieren konnten. Wie wir festgestellt haben: Ich bin nicht “falsch”, meine Identität ist nur nicht die Norm der Gesellschaft.

Mit der Verwendung von geschlechtsneutralen Pronomen möchten wir zeigen, wie vielfältig Geschlecht tatsächlich ist, und wie wichtig es ist, dass wir Worte finden, die uns und unsere Identität beschreiben. In der Geschichte von Lesben und bisexuellen Frauen ging es immer wieder um den Wunsch nach Sichtbarkeit. Dies ist bei enby und transgender Personen nicht anders. Mit diesem Buch möchten wir vom Ylva Verlag etwas zu dieser Sichtbarkeit beitragen.

Wer einen Eindruck davon gewinnen will, was “enby” im Rahmen der LGBTQ+ Community bedeutet und wie genau dieses Pronomen “sier” funktioniert, findet weitere Informationen im Nachwort des Buches von G Benson.

Wir hoffen, dass euch Von Wegen Versprochen von G Benson viel Spaß machen wird. Ihr könnt das Taschenbuch gerne direkt bei uns bestellen oder natürlich auch in allen Buchhandlungen und/oder Plattformen die das Internet anbietet.

Blind Date mit einem Lesbenbuch

Gepostet von am Jul 17, 2019 in Allgemeines | Keine Kommentare

Köln. Christopher Street Day. Gefeiert wird der Cologne Pride dieses Jahr unter dem Motto „50 Years of Pride – Viele. Gemeinsam. Stark!“. Der Kölner Heumarkt ist überfüllt mit Menschen in wortwörtlich allen Farben des Regenbogens. Es gibt Fahnen und Tröten, Cocktails und Kölsch, Live-Musik und Märsche sowie Wassereis in Penis- und Vaginaform. Und… Bücher.

 

Von, für und über frauenliebende Frauen

Der Ylva-Verlag hatte in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge einen Verkaufsstand auf dem Kölner CSD, um unsere unverschämt guten Bücher an die Frau zu bringen. Auch wenn so manch einer geglaubt hat, dass wir bloß vegane Bücher anbieten (Grund dafür war die auffällige Flagge unserer Kolleginnen vom Vegan Rainbow Projekt, denen wir ein Stück unseres Standes zur Verfügung gestellt haben).

Eine Sache ist glasklar: Vielfalt wird bei uns in vielerlei Hinsicht großgeschrieben. Deutsche Bücher auf der einen Seite, Englische Bücher auf der anderen, Blind Dates in der Mitte. Und natürlich eine große Auswahl an Geschichten über Figuren mit unterschiedlichster Herkunft, Hautfarbe, Geschlechtsidentität und Sexualität.

 

 

Autorinnen lesbischer Liebesromane mit uns an vorderster Front

Wer unseren Stand besucht hat, konnte in diesem Jahr auch ein paar Worte mit unserer deutschen Autorin Ina Steg und der belgischen Autorin Harper Bliss wechseln und ihre deutschen Neuerscheinungen signieren lassen.

Für Ina Steg war es eine sehr besondere und schöne Erfahrung, die Menschen zu treffen, die ihre Bücher lesen und von ihnen direktes Feedback zu bekommen. Wenn sie hier ist und sieht, dass jemand einen ihrer lesbischen Liebesromane in die Hand nimmt und erst mal nicht mehr weglegen kann, dann begleitet diese Erfahrung Ina und motiviert sie in schwierigen Phasen beim Schreiben.

Harper Bliss betonte vor allem, wie viel Spaß sie mit uns an diesem Wochenende hatte. Sie konnte die Energie der Veranstaltung genießen, mit ihren Verlegern und ihrer Autoren-Kollegin Zeit verbringen und Kaffee mit einem Schuss Liebeauf dem Verkaufstisch liegen sehen. Dieser lesbische Roman ist das erste ihrer Bücher, das vom Ylva Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Sie hat sich besonders gefreut, als eine Kundin, die ihr Buch bereits auf Englisch gelesen hatte, auch die deutsche Übersetzung kaufte und von ihr signieren ließ.

 

Blind Dates für queere Leser

Ein Höhepunkt des Wochenendes war für uns die Reaktion der Besucherinnen auf unsere ‚Blind Date mit einem Buch‘-Pakete. Eine bunte Auswahl unserer queeren Romane wurden blickdicht verpackt und nur mit vagen Hinweisen zum Inhalt wie „Raubeinige Handwerkerin + verwöhnte Hausfrau“ oder„Ein Roman, in dem die Grenzen zwischen Liebe und Freundschaft verschwimmen“ oder „HOT, HOT, HOT!“ versehen.

Manchmal muss man etwas wagen, um positiv überrascht zu werden. Diese Meinung vertraten auch die CSD-Besucher_innen. Bei dem letzten Blind Date wollte die Käuferin nicht einmal die Aufschrift des Überraschungspakets wissen − sie hat es einfach genommen, weil sie das Konzept so interessant fand. Wir applaudieren allen, die sich auf das Experiment mit uns eingelassen haben.

 

Die LGBT+ Community hautnah

Veranstaltungen wie der CSD Köln geben uns als lesbischen Verlag die seltene Möglichkeit, die Menschen einmal direkt zu treffen, die unsere Bücher lesen.

Wir können aufmunternd in die leidenden Gesichter der Damen schauen, die schon zum dritten Mal von ihren Freundinnen zu unserem Stand geschleppt werden und „wir haben schon ein Lesbenbuch, wir brauchen nicht noch eins“ murmeln. Wir erleben hautnah, wie Frauen einander Bücher dahingehend empfehlen, ob die jeweilige Geschichte versaut genug ist. Oder wie sie gleich bei der anwesenden Autorin nachfragen, wie viele Sexszenen ihr lesbischer Liebesroman hat.

Wir haben sehr viel gelacht, aber wir wurden von den Leuten an unserem Stand auch sehr bewegt. Wie von den drei Teenagern, die all ihr Kleingeld zusammengeworfen haben, damit eine von ihnen sich ein Buch leisten kann. Oder der Dame, die das große Geheimnis ihres Großvaters herausgefunden hat und nun anhand von schönen Geschichten in seinem Namen die verschiedenen Identitäten des LGBT+ Spektrums kennen lernen möchte.

 

Queere Verlage für Frauen gibt es wirklich

Bei diesem dritten Jahr in Köln haben wir unter unseren Kundinnen viele vertraute Gesichter gesehen. Die ein oder andere traf sogar mit vorbereiteter Einkaufsliste ein. Aber gleichzeitig sprechen wir auch immer wieder mit Frauen, die zuvor keine Ahnung hatten, dass es Verlage wie den Ylva Verlag gibt, die speziell Bücher von, für und über queere Frauen machen.

Die Kölner Medizinstudentin Lena hat jedenfalls in keinster Weise erwartet, bei ihrem CSD-Besuch auch Bücher zu kaufen – geschweige denn gleich zehn davon. „Ich finde es so super, weil ich quasi nur queere Literatur lese und dadurch das meiste aus dem Internet bestellen muss. Ich vermisse es, in einen Buchladen gehen zu können und wirklich eine Auswahl zu haben und schauen zu können. Und ihr habt mich sehr positiv überrascht jetzt“, sagte sie uns im Gespräch. Dafür nahm sie es glücklicherweise in Kauf, vor dem Feiern doch noch einen Abstecher zurück nach Hause zu machen, um den Nachschub an vielfältigen Büchern abzulegen.

Ein Bücherstand ist sicherlich nicht das erste, das man auf einem CSD erwartet. Die Leute kommen zum trinken und essen, zum marschieren und feiern. Aber wir freuen uns, wie viele Besucher immer wieder davon begeistert sind, unerwartet für sie zugeschnittene, queere Bücher zu entdecken.

Kölner CSD 2020 und vorher die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig

Wir werden wieder da sein und aktiv am Dyke March teilnehmen. Mit Banner und so.

Kommt doch im nächsten Jahr auch bei uns am Stand vorbei und lasst euch auf ein Blind Date mit einem Buch ein! Ihr könnt uns aber auch schon vorher auf der Frankfurter Buchmesse, Stand 4.1 E57  oder der Leipziger Buchmesse besuchen.

“Beziehung ausgeschlossen” – der neue lesbische Liebesroman von Jae

Gepostet von am Jul 10, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Vor ein paar Tagen ist im Ylva Verlag der neue Roman der Bestseller-Autorin Jae erschienen und stürmt bereits die deutschen Charts. Wir haben Jae ein paar Fragen zu ihrem neuen Buch gestellt, die sie uns gerne beantwortet hat.

Beziehung ausgeschlossen von JaeKannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman „Beziehung ausgeschlossen“geht?

In „Beziehung ausgeschlossen“ geht es um Ashley, die den einzigen Blumenladen in der Kleinstadt Fair Oaks betreibt. Ashley ist lesbisch, traut sich aber nicht, sich in ihrer Heimatstadt zu outen, auch aus Angst, ihre eher konservative Familie zu verlieren. Deshalb hat sie beschlossen, sich ganz auf ihren Beruf zu konzentrieren – bis sie für eine Hochzeit mit Sasha, der Besitzerin der Bäckerei, zusammenarbeiten soll und sie dadurch besser kennenlernt. Sasha ist pansexuell und geht offen damit um und obwohl sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, verlieben sie sich ineinander.

 

 

Sasha und Ashley spielen bereits in deinem queeren Liebesroman „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“eine Rolle. Nun bekommen sie mit „Beziehung ausgeschlossen“ ihre eigene Geschichte. Was hat dich dazu bewegt aus den beiden ein Paar zu machen?

Mich hat es gereizt, zwei Frauen zusammenzubringen, die sehr unterschiedlich sind: Ashley ist sehr darauf bedacht, was die Leute denken könnten, und ist daran gewöhnt, ihre eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und den Ruf ihrer Familie zu schützen. Die mutige Sasha hingegen lebt ihr Leben nach ihren eigenen Wünschen – nur hat sie bisher nie geglaubt, dass eine Beziehung dazugehören könnte.

Im Laufe des Romans lernen die beiden viel voneinander und verändern sich zum Positiven. Ihre Gegensätzlichkeit und die Entwicklung zueinander hin hat mir großen Spaß bereitet.

 

Sashas Bäckerei trägt den wunderschönen Namen „Ein Stück vom Himmel“. Wie bist du auf diesen Namen gekommen?
Dazu habe ich die Hilfe meiner Leserinnen auf Facebook und Twitter in Anspruch genommen und habe sie gebeten, mir Namensvorschläge zu schicken, die ich dann auch zahlreich bekommen habe. Es waren viele gute Vorschläge dabei. Entschieden habe ich mich dann für den Vorschlag meiner Autorenkollegin Lee Winter, denn Sashas leckere Backwaren sind tatsächlich wie ein Stück vom Himmel.

 

Ashleys Lieblingsgebäck sind die Vanille-Cupcakes mit Erdbeer-Buttercreme aus Sashas Bäckerei. Hast du
selber schon mal Cupcakes gegessen und wie fandest du sie?

Wie Ashley bin auch ich manchmal für leckeres Backwerk zu begeistern. Bisher dachte ich eigentlich immer, dass Cupcakes in Deutschland noch nicht so verbreitet sind, aber vor Kurzem habe ich herausgefunden, dass es in Freiburg, wo ich lebe, sogar eine Konditorei gibt, die sich auf Cupcakes spezialisiert hat. Deshalb habe ich anlässlich der Veröffentlichung von „Beziehung ausgeschlossen“ bzw. der englischen Version „Not the Marrying Kind“ einen Cupcake von jeder Sorte, die die Konditorei anbietet, gekauft und eine Cupcake-Probe abgehalten. Am besten geschmeckt hat mir der Oreos-Cupcake, aber auch der Erdbeer-Cupcake war lecker. Besonders ausgefallen fand ich den Schwarzwälder-Kirschtorte-Cupcake, der mich an eine gelungene Mischung aus meinen Romanen „Beziehung ausgeschlossen“ und „Tintenträume“ erinnert hat, denn Letzterer spielt ja am Rande des Schwarzwalds.

 

Während des Junggesellinnenabschieds von Leontyne und Holly kommen sich Ashley und Sasha näher. Waren dir die Geschehnisse, die während der Reise passieren, schon zu Beginn deines Schreibprozesses bekannt, oder sind sie erst später entstanden?

Zum Vorbereitungsprozess auf das Schreiben eines Buches gehört bei mir, dass ich mir die Handlung des Romans überlege. Die wichtigsten Ereignisse und Wendepunkte im Roman kenne ich also schon vorher. Aber ich lege nicht jede einzelne Szene vorher fest, sondern lasse auch viel Freiraum, damit die Geschichte sich von selbst entwickeln kann. So wusste ich schon zuvor, dass Sasha und Ashley von ihren Freundinnen zu einem Junggesellinnenabschied in einem Strandhaus in Florida eingeladen werden, aber einiges von dem, was dort dann passiert, hat sich beim Schreiben mehr oder weniger spontan entwickelt.

 

Dein lesbischer Liebesroman „Beziehung ausgeschlossen“spielt in der Kleinstadt Fair Oaks. Gibt es eine reale Vorlage, an der du dich während deines Schreibprozesses orientiert hast? Wenn ja, hast du sie besucht?

Ja, für Fair Oaks gibt es tatsächlich eine real existierende Vorlage, nämlich eine Kleinstadt in der Nähe von Maryville im US-amerikanischen Missouri. Selbst besucht habe ich das Städtchen noch nicht, allerdings wohnt eine Freundin von mir ganz in der Nähe und könnte mich mit Bildern und Beschreibungen versorgen. Ich denke, die Geschichte könnte aber auch in jeder anderen Kleinstadt in den meisten Ländern der Welt spielen. Wer so wie ich selbst in einer Kleinstadt oder einem Dorf aufgewachsen ist, der wird sich sicherlich in der Geschichte wiederfinden.

 

Du hast mit Sasha und Ashley zwei sehr unterschiedliche Protagonistinnen erschaffen. Gibt es zwischen den beiden und dir Gemeinsamkeiten und wenn ja, welche?

Leider kann ich weder so gut backen wie Sasha noch so wunderschöne Blumensträuße binden wie Ashley. Was ich mit beiden gemeinsam habe, ist, dass ich in einem sehr kleinen Ort aufgewachsen bin, in dem jeder jeden kennt, Gerüchte schnell verbreitet werden und jede Art von Anderssein zunächst erst einmal eher negativ gesehen wird. Deshalb konnte ich mich gut in Ashley einfühlen und mir vorstellen, warum es für sie nicht so einfach ist, sich zu outen.

 

Hast du ein Ritual oder eine Gewohnheit, nachdem du mit dem Schreibprozess deines Manuskriptes fertig bist?

Da ich an einem Buch jeweils ungefähr ein halbes Jahr arbeite, ist der Abschluss eines Romans nichts Alltägliches, deshalb versuche ich schon, es auch gebührend zu feiern. Meistens feiere ich den Abschluss oder die Veröffentlichung eines Buches mit Freundinnen bei einem leckeren indischen Essen (in dem Restaurant, das auch in meinem Roman „Tintenträume“ vorkommt) und/oder mit einem Eisbecher. „Beziehung ausgeschlossen“ habe ich, wie schon erwähnt, jedoch zu Sashas Ehren mit Cupcakes gefeiert.

 

Jae hat früher als Psychologin gearbeitet, gab dann aber ihren Beruf auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Mittlerweile sind sechzehn ihrer Romane im Ylva Verlag veröffentlicht worden, zuletzt der Roman “Beziehung ausgeschlossen“.

 

 

Chris Zett bringt in ihrem Lesbenroman das Herz einer Ärztin aus dem Takt

Gepostet von am Mai 24, 2019 in Allgemeines, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Aus dem Takt geraten von Chris ZettIm April ist dein erstes deutsches Buch im Ylva Verlag erschienen. Kannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman Aus dem Takt geraten geht?

Im Wesentlichen geht es um Veränderungen und wie kleine Begegnungen oft einen großen Einfluss auf unser Leben nehmen können. Diana ist eine neue Assistenzärztin in der Notaufnahme. Sie muss sich erst wieder in ihren Beruf hineinfinden, da sie fast zehn Jahre etwas ganz anderes gemacht hat. Sie war Drummerin in einer Rockband und will eigentlich nicht, dass irgendjemand auf der Arbeit davon erfährt.

Emily ist eine Fachärztin, für die ihre Arbeit in der Notaufnahme immer das wichtigste war. Ein Liebesleben war ihr nie wichtig, aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit etwas daran zu ändern. Die beiden treffen sich zufällig in einem lesbischen Musikclub und Emily entdeckt das Geheimnis um Dianas Vergangenheit.

Es beginnt eine zögerliche Freundschaft, die sich rasch in gegenseitige Anziehung verwandelt. Allerdings müssen die beiden noch einige Hindernisse überwinden und lernen, sich gegenseitig zu vertrauen, bevor es ein glückliches Ende geben kann.

 

Ein wichtiger Aspekt deiner LGBT Neuerscheinung ist die Arbeit in der Notaufnahme. Sowohl Emily, als auch Diana arbeiten hier als Ärztin. Was hat dich dazu bewegt die beiden in diesem Umfeld arbeiten zu lassen?

Es war von Anfang an ganz klar für mich, dass ich einen lesbischen Liebesroman über zwei Ärztinnen schreiben wollte. Zum einen ist das ein Genre, dass ich sehr gerne lese und zum anderen habe ich durch meinen Beruf als Ärztin genug eigene Erfahrung, um mir realistische Szenen auszudenken.

Für die Notaufnahme habe ich mich entschieden, weil es gut zu Emilys Persönlichkeit und Dianas Vergangenheit passt. Die Arbeit dort hat einen intensiven Fokus auf das aktuelle Geschehen und es gibt immer wieder spannende Fälle, die in kurzer Zeit gelöst werden müssen.

Und ja – ich habe früher natürlich auch keine Folge Emergency Room verpasst. Tatsächlich bestanden die ersten „rein freundschaftlichen“ Treffen von meiner Frau und mir aus regelmäßigen Fernsehabenden mit unserer Lieblingsserie.

 

Bevor Diana als Assistenzärzten gearbeitet hat, hat sie als Drummerin in einer Rockband gespielt. Warum hast du dich für diese Instrument entschieden?

Es gab zwei Ereignisse, die mich inspiriert haben. Vor fast zehn Jahren war ich auf einem kleinen Konzert von Heather Nova in London. In dem Club gab es eine zweite Etage und ich habe ganz vorne am Geländer gestanden und von oben genau auf den Drummer geschaut, den man sonst im Hintergrund oft nicht so gut wahrnimmt. Er ist völlig in der Musik aufgegangen, hat den ganzen Körper im Takt bewegt, und ich konnte die Augen einfach nicht abwenden und ich habe kaum etwas von dem restlichen Konzert mitbekommen.

Jahre später war ich mit einer Freundin bei ihrem Alt-Hippie Großonkel im Wendland. Er erzählte uns Geschichten von den hypnotischen und lebensverändernden Kräften von Trommelkreisen am Strand von Ibiza und drückte uns auch gleich ein paar Trommeln in die Hand, um das auszuprobieren. Und irgendwie ist aus diesen Erlebnissen plötzlich Diana als fast fertiger Charakter in meinem Kopf erschienen. Wer den lesbischen Liebesroman Aus dem Takt geraten liest, wird sicherlich den Trommelkreis wiedererkennen und die Bedeutung, die er für Emily hat.

 

 

Emilys Wohnung wirkt wie eine kleine Bibliothek. Sieht es bei dir zu Hause ähnlich aus?

Ich wünschte es wäre so. Ich habe zwar etliche Taschenbücher und Hardcover aus früheren Zeiten, aber der Großteil meiner Sammlung ist mittlerweile digital. Es ist einfach zu praktisch, jeden Tag über tausend Bücher in der Bahn dabei zu haben. Aber jedes Jahr schenke ich mir selbst zum Jahresende meine Lieblingsromane als Taschenbücher.

 

Wenn Diana nicht gerade in der Notaufnahme arbeitet oder Schlagzeug spielt, dann steht sie gerne in der Küche und experimentiert an neuen Gerichten. Teilst du diese Leidenschaft fürs Kochen?

Absolut. Kochen ist für mich Entspannung. Früher habe ich oft neue Rezepte aus Kochbüchern oder Zeitschriften ausprobiert, mittlerweile experimentiere ich einfach mit Gewürzen und Gemüse, die ich gerne mag. Außerdem kann ich dabei sehr gut Hörbücher hören. Wenn das Buch spannend ist, macht es mir auch nichts aus noch hinterher aufzuräumen und abzuspülen.

 

Gibt es für dich einen bestimmten Ort, an dem du dich gerne aufhältst, wenn du schreibst?

Ich sitze sehr gerne in Cafés. Ich habe schon immer zur Konzentration etwas Hintergrundgeräusch gebraucht und konnte zum Beispiel nie in der Bibliothek lernen. Es gibt in den Cafés nicht so viele Ablenkungen wie zu Hause, wenn ich es schaffe dem Internet zu widerstehen. Am besten kann ich arbeiten, wenn meine Frau mitkommt. Sie zeichnet in ihrer Freizeit und findet in den Cafés immer Motive, notfalls die Teekanne.

Clare Ashton über ihren lesbischen Liebesroman “Poppy Jenkins”

Gepostet von am Mai 11, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Schon im April ist der Roman “Poppy Jenkins liebt das Leben” der englischen Autorin Clare Ashton im Ylva Verlag erschienen.

In unserem Interview erzählt die Autorin mehr über die Geschichte, Wales und warum ihre eigene Großmutter wohl Muskeln aus Stahl  hatte.

 

Clare AshtonKannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman „Poppy Jenkins liebt das Leben“ geht?

Zum einen habe ich Poppy als Zeichen dafür geschrieben, wie weit die LGBTQ Rechte seit meiner Kindheit fortgeschritten sind. Zum anderen ist das Buch eine Reise in die Vergangenheit, nach Mid Wales, wo ich aufgewachsen bin.

Meine Protagonistin, Poppy Jenkins, ist lesbisch und vom Charakter her eine typische Frau von nebenan. Sie wird vom ganzen Dorf in höchstem Maß geschätzt. Ihre Jugendfreundin, die leicht bissige und kluge Rosalyn Thorn, war nicht so beliebt und als sie nach langer Zeit nach Hause zurückkehrt, wird sie von niemandem willkommen geheißen, noch nicht mal von der gutherzige Poppy. Das hat damit zu tun, dass Rosalyn mit 16 Jahren von einem Tag auf den anderen und ohne Erklärung Poppy plötzlich mit Verachtung gestraft hat.

Als Kinder hatten die beiden eine unglaublich enge Beziehung und jetzt scheinen sie auf einmal irgendwie nicht in der Lage zu sein die andere zu meiden, sehr zu Poppys Verärgerung. Rosalyn Thorn ist die letzte Person, die Poppy täglich sehen will, besonders da sie nicht aufhören kann auf Rosalyns Busen zu starren, wenn sie in der Nähe ist.

Das Buch enthält für einen eher leichten lesbischen Liebesroman auch schwierigere Themen. Jede Art von Vorurteilen – von Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Hochnäsigkeit, ländliche Ansichten gegenüber der Stadt – finden sich.

Aber die Geschichte ist in viel Sonnenschein getaucht, weil Poppy eine so lebhafte und großzügige Heldin ist. Außerdem spielt alles in einem idyllischen Sommer und einer wunderschönen Hügellandschaft in Wales.

 

Poppys Heimat „Wells“ ist ein kleines Dorf in Mid Wales. Während des gesamten Romans beschreibst du verschiedene Ort innerhalb dieser Gegend. Gibt es eine reale Vorlage, an der du dich beim Schreiben deines Buches orientiert hast?

Sehr sogar. Ich habe einige der beliebtesten Orte in Mid Wales zusammengeworfen. Der Dorfplatz, das Rathaus und das Schloss basieren auf einem Dorf namens Montgomery. Wunderschöner Ort. Es gibt sogar ein kleines Café, das die Vorlage für Poppys „Real Food Etablissement“ ist. Wenn sie jemals in der Gegend sind, dann besuchen sie unbedingt „The Castle Kitchen“ und essen sie ein Stück Lemon Drizzle Cake. Lecker!

Rosalyns Haus, das Regency Herrenhaus Rhiew Hall, ist eigentlich Rhiew Port Hall bei Berriew. Meine Eltern haben eine Wohnung über dem alten Stallgebäude gemietet, als ich fünf Jahre alt war. Obwohl ich noch sehr jung war habe ich wunderbare und lebendige Erinnerungen an das ganze Anwesen und Poppys River Walk ins Dorf basiert auf meinem eigenen Weg zur Schule.

 

Im „Real Food Café“ können Besucher und Bewohner von Wells selbstgebackenen Kuchen und regionale Poppy Jenkins liebt das Leben von Clare AshtonSpezialitäten genießen. Backst du selber gerne?

Ich liebe es zu backen. Ich bin eine große Genießerin. Als ich klein war, lebte meine Großmutter eine halbe Meile von uns entfernt und jeden bin ich die begrünten Gassen entlanggelaufen, um sie zu besuchen. Ich habe es geliebt, ihr beim Backen zuzusehen und ihr zu “helfen”. Ich weiß immer noch nicht, wie sie einen Victoria Sponge Cake mit so viel Leichtigkeit zubereitet hat. Sie hat Butter und Zucker so schnell zu einer Creme aufgeschlagen, dass ihre Muskeln aus Stahl gewesen sein müssen.

 

Deine lesbische Protagonistin Poppy ist eine junge Frau voller Lebensfreude und mit einem großen Herzen. Gibt es zwischen Poppy und dir Gemeinsamkeiten?

Ich wünschte, ich wäre so überschwänglich und optimistisch wie Poppy, obwohl ich sie leicht zu schreiben fand. Ich habe mir einfach vorgestellt, wie sich jeder (auch ich) an seinen besten Tagen fühlt, wenn die Sonne scheint und die Kinder lachen und alles in Ordnung ist. Ebenso habe ich meine zynischere Seite kanalisiert, als ich Rosalyn geschrieben habe. Ich beneide und bewundere beide Charaktere – Poppys großzügige Lebensfreude und Rosalyns Intellekt und ihren Drang nach Gerechtigkeit.

 

Gibt es für dich einen bestimmten Ort, an dem du dich gerne aufhältst, wenn du schreibst?

Er scheint sich für die meisten Bücher zu ändern. Ich habe die Gewohnheit, an der gleichen Stelle zu schreiben, bis eine Geschichte fertig ist. Für dieses saß ich mit einem Blick auf den Garten und die Bäume – entsprechend dem ländlichen Charakter des Buches.

 

Rosalyn hat Poppy während ihrer Jugend viele kleine Briefe geschrieben, die sie dann unter ihrem Kopfkissen versteckt hat und die für Poppy eine große Bedeutung haben. Was hat dich zu dieser Geste inspiriert?

Das Austauschen von Notizen im Unterricht war etwas, das wir in der Schule gemacht haben, also stellte ich mir vor, dass Poppy und Rosalyn dasselbe tun. Meine Kinder, insbesondere mein Sohn, haben mich daran erinnert. Joe hinterlässt für uns alle liebevolle kleine Notizen überall im Haus. Ich habe eine in meiner Handyhülle versteckt. Sie bringt mich immer zum Lächeln.

 

Clare Ashton ist in Wales aufgewachsen, lebt aber heute mit ihrer Frau und den beiden Kindern in den Midlands (England). Sie ist jederzeit in der Lage, Trivial Pursuit zu gewinnen, da es ihr gelungen ist, im Laufe der Jahre eine Menge mehr oder weniger “sinnvolles” Wissen in den verschiedensten Bereichen anzusammeln. Nach der Veröffentlichung mehrerer englischer Romane, ist mit Poppy Jenkins jetzt ihr zweites Buch auf Deutsch im Ylva Verlag erschienen.

Eine lesbische Astronautin entdeckt die „Letzte Zutat Liebe“

Gepostet von am Mrz 19, 2019 in Allgemeines | 2 Kommentare

Letzte Zutat Liebe von Ina Steg

„Letzte Zutat Liebe“, dein neuer lesbischer Liebesroman ist ja das dritte Buch, das von dir im Ylva Verlag erschienen ist. Kannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem neuen Roman geht?

Die Arbeit in der Raumfahrt und in all seinen Facetten zu sich selbst zu stehen, sind die zentralen Themen dieser Geschichte. Laura Benedikt war die erste deutsche Astronautin im Weltall, nun soll es einen letzten Flug zur Internationalen Raumstation geben und Laura muss sich einem intensiven Auswahlverfahren stellen. Sie hat sich auf der Arbeit noch nicht geoutet, was sie daran hindert, dort ihre ganze Persönlichkeit zu entfalten. Indem sie der Spur eines Notizzettels mit geheimnisvollen Abkürzungen folgt, trifft sie auf die Chefköchin June. Diese hat ebenfalls ihre Geheimnisse, die in der Vergangenheit liegen, doch indem sie sich über ihre Leidenschaften austauschen, kommen sie sich näher. Laura spürt jedoch auch eine intensive Anziehung zu ihrer Arbeitskollegin Melissa. Ich finde es spannend, was Menschen aneinander mögen und was sie verbindet und ich wollte so viele Aspekte davon wie möglich in die Beziehungen zwischen den Charakteren einfließen lassen.

 

Laura ist ein sehr vielseitiger Charakter. Gibt es zwischen Laura und dir Gemeinsamkeiten?

Auf der Arbeit hat Laura mit ihrem Coming Out viele Jahre gewartet. In meinen Zwanzigern habe ich darüber auch nur mit meinen engsten Freunden gesprochen. Ich habe also immer einen großen und wichtigen Teil meines Lebens weggelassen und somit nicht komplett gezeigt wer und wie ich bin. Zum einen wollte ich nicht nur darüber definiert und in eine bestimmte Schublade gesteckt werden. Zum anderen wollte ich nicht, dass Frauen mich sofort nur unter dem Gesichtspunkt betrachten, ich könnte sie übermäßig interessant finden. Gut, dass ich diese Ansichten ablegen konnte. Es geht mir besser, seitdem ich komplett zu mir stehe.

Die stärkste Verbindung zwischen mir und Laura ist die Liebe zu unserem Planeten. Wir sind umgeben von so viel Schönheit und Kraft. Ich schaue reihenweise Science-Fiction-Filme, in denen es darum geht, dass die Menschheit die Erde verlassen muss. Sie beinhalten alle denselben Kern, nämlich dass unser Planet einzigartig und schützenswert ist.

 

Laura ist Astronautin. Was hat dich dazu inspiriert sie in der Raumfahrt arbeiten zu lassen?

Da mich die Themen meiner Geschichten oftmals mehrere Jahre begleiten suche ich mir gerne welche aus, die mich fesseln. Für meinen lesbischen Liebesroman „Eine Diebin zum Verlieben“ habe ich mich mit der Legende rund um Robin Hood beschäftigt, weil sie mich fasziniert. Dadurch habe ich zum Beispiel etliches über die Zeit Mitte des 16. Jahrhunderts erfahren, als der gutmütige Räuber Angelo Duca in Italien auf seine Art Hilfsbedürftige unterstützte. Seine Charakterzüge färbten später die Figur Robin Hoods.

Die Bilder aus dem Weltall von der Erde sind für mich magisch. Wenn ich sie sehe, läuft mir ein Schauer über den Körper. Um uns herum ist diese unendliche und fast noch unbekannte Weite des Alls, in der wir ohne Hilfe nicht überleben können. In dieser Schwärze ist unser wunderschönes Zuhause, mit all seinen Farben, seinen Gerüchen, den vielseitigen Elementen und uns Menschen, die so wunderbare Dinge, wie Musik, den Tanz, die Malerei und Pfannkuchen hervorgebracht haben. Durch die Raumfahrt haben wir die Möglichkeit das alles aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

 

June arbeite als Köchin und führt ihren Beruf mit großer Leidenschaft aus. Gehörst du zu den Menschen, die selber gerne kochen?

Leider nicht. Leider, weil ich es liebe zu essen und Menschen bewundere, die beim Kochen die nötige Ruhe bewahren. Ich habe eigentlich ständig Kohldampf. Wenn ich nicht rechtzeitig esse, nehmen meine Mitmenschen schnell Abstand von mir, ich werde dann nämlich unausstehlich. Bedeutet: wenn ich koche, bin ich eigentlich schon wieder hungrig, dadurch werde ich ungeduldig und das ist keine gute Voraussetzung für die Zubereitung eines Gerichtes. Ich bin jedoch fasziniert von dem, was die Natur uns schenkt. All die unterschiedlichen Nahrungsmitteln, mit ihrem vielseitigen Geschmack und den wunderschönen Farben. Mir war es wichtig, eine Figur zu entwickeln, die dem Kochen auf leidenschaftliche und liebevolle Weise zugewandt ist. Außerdem habe ich es beim Schreiben genossen, tolle Gerichte zu zaubern, ohne wirklich die Verantwortung dafür haben zu müssen.

 

Laura lernt June durch den Fund eines verlorenen Notizzettels kennen. Wie bist du auf die Idee dieses Kennenlernens gekommen?

Ich mag Notizzettel sehr. Meine Geschichten entstehen überwiegend darauf. Schreibblöcke sind eigentlich nur eine Ergänzung dazu. Ich kann an einem Zettel im Einkaufswagen nicht vorbeigehen, meine Neugierde ist zu groß. Ich überlege mir dann, was die Person wohl mit den Zutaten vorhatte, in welchen Küchenschränken diese gelandet sind und was sie trotz der Liste wohl noch dazu eingekauft hat. Wenn ich die Handschrift länger betrachte, erscheint ein bestimmter Typ Mensch vor mir. Ich lege die Zettel immer zurück, denn vielleicht kann sie jemand anders ja als Inspiration gebrauchen. Im März 2016 fand ich bei einem Spaziergang im Park einen Einkaufszettel und weil ich den Fundort so ungewöhnlich fand, behielt ich ihn. Ich mochte die Handschrift sehr und in den folgenden Tagen, schweiften meine Gedanken immer wieder dahin zurück. Ich hätte die Person, der dieser Zettel mal gehörte, gerne kennengelernt. So entstand die Idee, den Strang einer Geschichte zu entwickeln, in dem meine Figur dieser Neugierde nachgibt und der Spur eines verlorenen Zettels folgt.

 

Bei einem nächtlichen Picknick bekommen Laura und June Gesellschaft von Georg, einem scheuen Kater. Was hat dich dazu bewegt/inspiriert diese Szene zu schreiben?

Tiere sind mir unheimlich wichtig. Ich hatte viele Jahre meines Lebens Katzen um mich und mein erster bester Kumpel war ein braun-weißer Hundemischling, mit dem ich tolle Abenteuer erlebt habe. Für Twitter erfinde ich kleine Geschichten von einem Fuchs und einer Krähe, die sich regelmäßig am Fluss. Laura und June waren zu diesem Zeitpunkt der Geschichte noch sehr unsicher miteinander. Manchmal braucht es im Leben Hilfe von anderen, damit Dinge auf die richtige Bahn geraten. Zu meinem Gehilfen wurde der wunderbare Georg, der zwischen die beiden auf eine Bank springt, um etwas von den Waffeln abzubekommen und so die Stimmung zwischen ihnen lockert. Ich hatte eine Phase, in der ich nicht gerne zur Schule gegangen bin, vor allem wegen der Mathearbeiten. Eines Morgens tauchte am Wegesrand ein Hase auf. In den darauffolgenden Wochen bekam er Möhren von mir und er wurde mein Glücksbringer. In Mathe wurde ich zwar nicht besser, aber ich freute mich wieder auf den Schulweg.

 

Gibt es für dich einen Ort, an dem du besonders gerne schreibst?

Ich schreibe so gut wie immer in der Küche. Ich mag es auch, bei anderen in der Küche zu sitzen und dort miteinander zu reden. Es ist so eine wunderbare Kulisse. Die Spülmaschine läuft, in einem Topf brutzelt etwas, jemand räumt vielleicht nebenbei Geschirr weg und die Tassen klirren aneinander, es riecht nach Kräutern und dem letzten aufgebrühtem Kaffee.

Meine Art zu schreiben hat sich verändert. Ich habe einige Jahre immer viel an einem Stück geschrieben, habe aber gemerkt, dass ich mehr Ideen bekommen, wenn ich immer mal aufstehe und etwas ganz anderes mache. Also fülle ich zwischendurch Gewürze um oder steige auf einen Stuhl, um die Hängepflanzen unter der Decke zu gießen. Eine ganz andere Perspektive zu wählen ist übrigens eine herrliche Methode, um mal auf ganz andere Gedanken zu kommen. Man sieht etwas, was einem vorher noch nicht aufgefallen ist. Dieser neue Blickwinkel tut erst mir und dann auch der Geschichte gut.

Jae über ihr neues Buch “Westwärts ins Glück”

Gepostet von am Okt 10, 2018 in Allgemeines, Interview | 3 Kommentare

Westwärts ins Glück von JaeVor Kurzem erst hat Jae in den USA einen Preis für ihren Liebesroman „Perfect Rhythm – Herzen in Einklang“ gewonnen. Nach „Aus dem Gleichgewicht“ dürfen ihre deutschsprachigen Leser*innen sich nun auf einen weiteren historischen Roman freuen, der ebenfalls preisverdächtig ist. Im August veröffentlicht der Ylva Verlag den ersten Teil von „Westwärts ins Glück“. In unserem Interview erzählt Jae, was sie am Schreiben historischer Romane fasziniert, wie sie für „Westwärts ins Glück“ recherchiert hat und warum es mehr ist als eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem neuen Roman „Westwärts ins Glück“ geht?

Der Roman spielt im Jahr 1851 auf dem Oregon-Trail, einer Route nach Westen, die damals von Siedlern in Planwagen genutzt wurde. Eine der Hauptfiguren ist Lucinda „Luke“ Hamilton, die als Mann lebt und sich einem Wagenzug nach Oregon anschließt. Um unter all den verheirateten Siedlern nicht aufzufallen, macht sie der Prostituierten Nora einen Heiratsantrag. Nora nimmt an, um ihrer dreijährigen Tochter ein besseres Leben ermöglichen zu können. Sie ahnt nicht, dass ihr frischgebackener Ehemann, mit dem sie die gefährliche und lange Reise nach Westen antritt, in Wirklichkeit eine Frau ist …

 

Der Roman erscheint im deutschsprachigen Raum als Zweiteiler. Warum?

Das hat praktische Gründe. Durch die historischen Details und die ausführliche Charakterentwicklung ist der Roman einfach zu lang, um in einem Band veröffentlicht zu werden. Statt wichtige Passagen zu kürzen und den Leser*innen einen Teil der Reise vorzuenthalten, haben wir uns stattdessen entschlossen, den Roman in zwei Teilen zu veröffentlichen.

 

Nach „Aus dem Gleichgewicht“ sind die beiden Teile von „Westwärts ins Glück“ dein zweiter historischer Liebesroman. Was macht die Arbeit an historischen Romanen für dich als Autorin besonders?

Die Recherchen! Ich interessiere mich sehr für Geschichte und für das Alltagsleben der Menschen in vergangenen Zeiten. Für „Westwärts ins Glück“ habe ich ungefähr ein Jahr recherchiert und weit mehr Material zusammengetragen, als ich für den Roman unbedingt gebraucht hätte. Es macht einfach Spaß, in das Leben der Menschen damals Einblicke zu gewinnen und sich vorzustellen, welchen Gefahren sie auf der Reise nach Oregon getrotzt haben, wie sie ihr Essen zubereitet haben und welche Ausrüstung und persönlichen Gegenstände sie mitgenommen haben.

 

Mit jedem neuen Tag auf Lukes und Noras abenteuerlichen Reise nach Oregon verändert sich auch das Setting. Neben der Landschaft beschreibst du auch das damalige Leben, gibst viele Infos zu den Umständen etc. Wie hast du zu diesem Roman recherchiert?

Ich habe viele Sachbücher zum Oregon-Trail und zum Alltagsleben der Menschen in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts gelesen.
Eine interessante Quelle waren auch Tagebücher der Menschen, die auf dem Oregon-Trail nach Westen reisten, und die ihre Erlebnisse aufgeschrieben haben, sowie Briefe an die im Osten zurückgebliebenen Angehörigen. Auch habe ich mir Kochbücher und Rezepte aus dieser Zeit angesehen, um zu erfahren, was die Menschen damals gegessen und wie sie ihre Nahrung zubereitet haben.

Viele Stunden habe ich auch damit zugebracht, altes Kartenmaterial zu studieren und mir jeden Abschnitt der Reise mit seinen Besonderheiten genau anzusehen, um genau nachvollziehen zu können, welchen Gefahren Nora und Luke ausgesetzt waren.

 

Schon mit „Perfect Rhythem – Herzen in Einklang“ hast du bewiesen, dass du als Schriftstellerin nicht vor schwierigen Themen zurückschreckst. In „Westwärts im Glück“ ist eine der Hauptfiguren, Luke, transgender, oder würdest du sie/ihn eher als genderqueer bezeichnen? Denn Luke entdeckt ja im Laufe der Geschichte immer mehr weibliche Seiten an sich.

Ich bin mir nicht sicher, ob man solche modernen Begriffe auf eine Person des neunzehnten Jahrhunderts eins zu eins übertragen kann. Luke wuchs in einer Gesellschaft auf, die das Geschlecht als etwas strikt Binäres ansah und die starre Geschlechterrollen hatte. Klar ist, dass Luke nie in die traditionelle Rolle der Frauen damals gepasst hat. Sie wollte ein unabhängiges Leben und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen—und das war damals nur wenigen Frauen möglich. Aber ihr Leben als Mann ist für sie auch mehr als nur ein notwendiges Übel. Wie sie Nora im Roman erklärt, fühlt sie sich so einfach am wohlsten. Schon möglich, dass sich Luke, wenn sie heute leben würde, als transgender, nicht-binär oder genderfluid identifizieren würde. Im Laufe des Romans und auch im Folgeroman, Hidden Truths, den ich nächstes Jahr ins Deutsche übersetzen möchte, entwickelt sich ihre Geschlechtsidentität und wird noch komplexer.

 

Was hat dich dazu inspiriert, das Thema Transgender/Genderqueer in einem lesbischen Liebesroman aufzugreifen?

Mein Ziel war es eigentlich weniger, ein bestimmtes Thema aufzugreifen, sondern mehr, eine einzigartige und drei-dimensionale Hauptfigur zu erschaffen, die ihr Leben außerhalb der Konventionen ihrer Zeit lebt. Inspiriert wurde ich dabei von mehreren historischen Personen, die in einem weiblichen Körper geboren wurden, aber zumindest zeitweise als Mann lebten. Laut Schätzungen haben bis zu vierhundert Frauen im US-Amerikanischen Bürgerkrieg als Soldaten gedient. Einige davon lebten auch nach dem Krieg als Mann weiter. Manche heirateten sogar und zogen Kinder auf. Diese Berichte haben mich dazu inspiriert, eine Figur wie Luke zu erschaffen.

 

Hattest du beim Schreiben die Befürchtung, das es die Fans deiner Liebesromane abschrecken könnte, weil sie es eventuell nicht für eine lesbische Liebesgeschichte halten könnten?

Darüber habe ich mir beim Schreiben keine Gedanken gemacht. Und zum Glück wären solche Befürchtungen auch grundlos gewesen. Auch mehrere Jahre, nachdem die erste Fassung des englischsprachigen Romans veröffentlicht wurde, erfreut sich das Buch bei LeserInnen großer Beliebtheit. Viele bezeichnen Luke als ihren absoluten Lieblingscharakter, egal, ob sie Luke nun als lesbische Frau oder als nicht-binäre Person empfinden.

 

Auch mit der anderen Hauptfigur Nora greifst du ein schwieriges Thema auf: Prostitution. Wie ist die Idee entstanden, aus Nora eine Prostituierte zu machen?

Luke entstand als erste Figur des Romans. Nachdem die Grundidee stand, brauchte ich eine zweite Hauptfigur, die verzweifelt genug war, um eine völlig fremde Person zu heiraten und mit ihr die gefährliche Reise nach Oregon anzutreten, ohne allzu viele Fragen zu stellen. Also gab ich Nora Lebensumstände, die ihr allen Grund gaben, diesen verzweifelten Schritt zu wagen. Durch die Heirat mit Luke, einem ehemaligen Offizier, möchte sie ihrer kleinen Tochter ein neues, besseres Leben ermöglichen.

 

Was magst du an deinen beiden Hauptfiguren und ihrer persönlichen Entwicklung während ihrer abenteuerlichen Reise?

Ihre Lebensumstände haben aus Luke und Nora Einzelgänger gemacht, die stets auf sich selbst angewiesen waren und niemandem so recht vertrauen. Ich fand es schön, mitzuerleben, wie sich das im Laufe der Reise und der gemeinsam bestandenen Abenteuer langsam ändert und sie beginnen, einander zu vertrauen und sich zu öffnen. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Luke mit ihrer ehrenwerten Art. Anfangs hat sie kaum gewagt, Gefühle offen zu zeigen, aus Angst, dann für unmännlich gehalten zu werden, doch im Grunde hat sie ein ganz weiches Herz.

 

Am 9. Oktober erscheint dann der zweite Teil von „Westwärts ins Glück“. Kannst du einen kurzen Einblick geben, welche Abenteuer und Probleme auf Luke und Nora auf ihrer Reise gen Westen warten?

Die Hälfte der gefährlichen Reise liegt hinter Luke und Nora, doch weitere Hindernisse—Flußüberquerungen, Treibsand und Auseinandersetzungen im Wagenzug—liegen noch vor ihnen. Luke hat mittlerweile Noras Geheimnis herausgefunden, doch Nora hat zu Beginn von Band 2 noch immer keine Ahnung, wer ihr Ehemann wirklich ist. In Band 2 wird sich das nun ändern.

 

JaeJae hat früher als Psychologin gearbeitet, gab dann aber ihren Beruf auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Mittlerweile sind dreizehn ihrer Romane im Ylva Verlag veröffentlicht worden, zuletzt der Roman Westwärts ins Glück Teil 1 und Westwärts ins Glück Teil 2.

4 gute Gründe, LGBT+ Verlage zu lieben

Gepostet von am Sep 26, 2018 in Verlagswesen | Keine Kommentare

Die meisten herkömmlichen Verlagshäuser bestechen nicht gerade durch Diversity (Diversität/Vielfalt) in ihrem Verlagsprogramm. Denn „Diversity” scheint vor allem eine Phrase zu sein, ein Wort, das inzwischen einfach dazu gehört, um nicht als völlig reaktionär zu gelten. Aber so wirklich ernst scheinen es Verlage mit der Vielfalt nicht zu meinen. Entsprechend schwer haben es Autor*innen mit Manuskripten, die nicht einfach nur den traditionellen Mainstream bedienen. Mit diesen besonderen Werken in großen Verlagshäusern publiziert zu werden ist ein harter Kampf und leider selten mit Erfolg gekrönt.

Im Gegensatz dazu haben LGBT+ Verlage zwar niedrigere Budgets für ihre Projekte und sind generell kleiner, in einigen Fällen mikroskopisch klein. Doch dafür werfen sie sich immer wieder mächtig ins Zeug, wenn es darum geht, Bücher mit bunten und ungewöhnlicheren Charakteren zu veröffentlichen.

Was macht die kleinen LGBT+ Verlage noch besonders?

 

Diversity ist kein Schimpfwort

Obwohl in den Mainstreamverlagen größtenteils Frauen arbeiten,  werden die wichtigen Entscheidungen doch immer noch vor allem von weißen Männern getroffen. Nur wenige Autor*innen sind schwarze Frauen oder Women of Color, auch Autor*innen aus dem LGBT+ Spektrum sind  selten gesehen.

Logischerweise sind in LGBT+ Verlagen entsprechend mehr LGBT+ Autor*innen und LGBT+ Bücher zu finden. Doch auch auf anderen Ebenen findet sich hier mehr Diversity. Ja, es sollte definitiv noch mehr schwarze Autor*innen geben, People of Color, unterschiedliche Ethnizitäten und Nationalitäten, Menschen mit verschiedenen sozialen Hintergründen. Doch genau das wissen die LGBT+ Verlage ohnehin schon zu gut. Und vielen von ihnen ist es sehr ernst damit, vielfältigere Bücher zu veröffentlichen. Generell gibt es immer wieder Forderungen nach mehr Vielfalt in den Medien und auch in Büchern – und dieser Wunsch kommt ganz sicher nicht aus der konservativen Ecke.

 

“Gay” und “Queer” meint nicht nur hübsche, weiße Männer

Wie schön, wenn die großen Mainstreamverlage aus dem englischsprachigen Bereich wie Penguin Random House oder HarperCollins ganz aus dem Häuschen darüber geraten, dass sie ab sofort viele diverse LGBT+ Bücher herausbringen möchten. Doch wenn wir genauer hinschauen, dann handeln die meisten Bücher doch nur von Liebesgeschichten über stereotype weiße Jungs und Männer.

Es ist wirklich toll, dass die Verlage sich ein wenig in den Regenbogen neigen, aber es genügt nunmal nicht, sich bei LGBT+ nur dem Buchstaben „G“ (Gay) zu widmen.

Um zu wirklicher Diversität in Sachen Geschlecht und Sexualität zu gelangen, müssen die Verlage auch die Aufmerksamkeit von lesbischen und bisexuellen Leser*innen auf sich ziehen. Zum Beispiel gibt es im englischsprachigen Verlagsbereich Queer Pack, ein Unterbereich von Ylva Publishing, der alle vergessenen Buchstaben feiert: aromantische, enby (nicht-binäre), asexuelle Charaktere und alles darüber hinaus.

Statt dem gelegentlichen schwulen Buch aus dem großen Verlagshaus findet man bei LGBT+ Verlagen einfach alles von lesbischen Superheld*innen, über trans Kids, bis zu gleichgeschlechtlicher Liebe in Indien.

Sind LGBT+ Verlage einfach besser? Auf jeden Fall. Wie wäre es denn mal mit Geschichten, die nicht zwingend ein Happy End oder die schon hundertmal ähnlich gelesene platte Liebesgeschichte haben? Nicht, dass wir dafür plädieren möchten, unsere queeren Hauptfiguren sterben zu lassen, aber wie wäre es denn mit einem etwas ungewöhnlichem und unerwarteten Buchende? Geschichten mit Menschen, die ganz unterschiedliche Körper haben frei von der Norm? Und Lebensstile, die nicht oft in Romanen vorkommen und die eben nicht dem neusten Lifestyle-Magazin entsprungen zu sein scheinen? Dialoge, die realistisch sind?

Es geht uns nicht nur um Repräsentation, es geht auch und vor allem um Authentizität. Wir brauchen #ownvoices  – Geschichten, die von Menschen erzählt werden, die wissen wovon sie reden, weil sie selbst zum Beispiel lesbisch oder bisexuell sind, und weil sie nicht die Stereotypen und Klischees bedienen, auf die andere Autor*innen mit anderen Perspektiven immer wieder hereinfallen.

 

Die Freiheit und der Mut, Risiken einzugehen

Mainstreamverlage sind nicht die Verlage, die Bücher veröffentlichen, die originell, innovativ oder riskant sind. Als Mainstreamverlage sind sie natürlich vor allem am Verlegen von Büchern interessiert, mit denen sie den Mainstream erreichen – das gilt auch für Bücher, in denen die besagten schwulen Jungs mitspielen. Ein Risiko einzugehen, gehört einfach nicht zu den Interessen dieser Verlage.

LGBT+ Verlage hingegen sind es gewohnt, Risiken mit ihrem Verlagsprogramm einzugehen, das so anders ist als das der Mainstreamverlage. Manchmal wissen sie schon im Voraus, dass sich bestimmte Bücher nicht gut verkaufen werden, aber sie publizieren sie dennoch. Einige LGBT+ Verlage tun dies, um inklusiv zu sein, in vollem Bewusstsein darüber, dass Bücher über ältere Lesben oder auch eine Biographie über eine lesbische Pionierin sich nicht annähernd so gut verkaufen werden wie das Buch über die die coole Ärztin und die sexy Polizistin. Aber die LGBT+ Verlage verlegen die Bücher dennoch. Weil es wichtig ist.

Ein weiteres Beispiel sind junge LGBT+ Autor*innen. Für Mainstreamverlage sind diese Autor*innen eine Nische ohne Nische. Das bedeutet, sie stellen ein Risiko dar, an das sich viele Verlage nicht herantrauen. LGBT+ Verlage hingegen wissen, dass junge LGBT+ Autor*innen neue Ideen mitbringen, ungehörte Geschichten und ungewohnte Perspektiven, und dass sie einen Dreh haben, den die ältere Autor*innen nicht haben. Und was das Risiko angeht? Siehe oben. Abgesehen davon: Wie wären junge Leser*innen besser zu erreichen, als durch junge Autor*innen?

Das Fazit lautet also: Wer jemals von Bibliodiversität gehört hat – die kulturelle Diversität im Bereich der Verlagswelt – der und die weiß, dass es dringend notwendig ist, so viele diverse Bücher wie möglich in die Welt hinauszubringen. Und LGBT+ Verlage machen genau das.

 

Die Zukunft lautet zurückkämpfen

Bei allem, was LGBT+ Verlage tun, ist ihnen immer bewusst, dass die meisten ihrer Leser*innen in liberalen Ländern leben. Viele andere Menschen haben nicht dieses Glück – wir möchten dies als Glück bezeichnen, auch wenn in Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder den USA auch nicht alles rosig ist. Aber hey, zumindest steht es hier nicht unter Strafe, LGBT+ zu sein. Es gibt viele Orte und Länder, in denen LGBT+ Menschen allein durch ihre Existenz großen Risiken ausgesetzt sind. Und diese Leser*innen dürfen wir nicht vergessen. Übrigens ist eines der Top 10 Länder, in denen Ylva Romane gekauft werden, Russland! LGBT+ Literatur ist für Leser*innen oft auch eine Möglichkeit der brutalen oder auch nur grauen Realität zu entfliehen.

Wie sagte es der LGBT+ Aktivist und oscarausgezeichnete Drehbuchautor Dustin Lance Black so schön: “Telling stories is one of the most potent skills in changing culture, because it starts with changing hearts.” (Auf Deutsch etwa: “Geschichten zu erzählen ist eine der mächtigsten Fähigkeiten überhaupt, wenn es darum geht, unsere Kultur zu verändern, denn dies beginnt damit, Herzen zu verändern.“)

Wir als Teil der LGBT+ Verlage möchten weiterhin in neue, diverse Bereiche vordringen. Aber es gibt noch mehr, was wir tun können. Die meisten LGBT+ Verlage repräsentieren nicht alle Buchstaben des LGBTQIA+ Spektrums. Aber wir sind auf dem Weg dorthin.

Bildnachweis: Unsplash/Sara Rampazzo

Milena Klein ist ehemalige Praktikantin des Ylva Verlags. Sie lebt in Mainz und studiert an der Johannes Gutenberg-Universität Buchwissenschaften und Kulturanthropologie.

Dieser Beitrag ist zuerst auf Englisch erschienen:
www.ylva-publishing.com/2018/09/26/lgbt-publishers-beating-big-boys


Wir sind auch dieses Jahr wieder bei der Buchmesse in Frankfurt am Main mit einem eigenen Stand vertreten. Kommt vorbei! Halle 4.1 E55, vom 10.-14. Oktober 2018


Das Skelett im Bunker – Andrea Bramhall über ihren neuen englischen Krimi

Gepostet von am Aug 21, 2018 in Interview | Keine Kommentare

Andrea Bramhall

Die Fans von Andrea Bramhalls Ein Fall für Kate Brannon-Serie (engl. Norfolk Coast Investigation Story) dürfen gespannt sein. Im Juli ist nämlich „Das Skelett im Bunker“, der zweite Teil der britischen Autorin, in deutscher Sprache erschienen. In unserem Interview erzählt Andrea Bramhall unter anderem, wie sie für den zweiten Teil „Das Skelett im Bunker“ recherchiert hat und warum sie mit diesem Kriminalfall auch auf schwierige Themen anspielt. Dabei gibt sie tiefe Einblicke in ihr privates Leben und spricht ganz offen über eigene Erfahrungen.

 

Kannst du uns kurz erzählen, worum es in „Das Skelett im Bunker“, dem zweiten Fall von Detective Kate Brannon, geht?

„Das Skelett im Bunker“ beginnt mit dem Fund eines Skelettes in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der an einem Strand in Norfolk unterhalb eines Golfplatzes liegt. Die Geschichte folgt Detective Kate Brannon und ihrem Team bei den Ermittlungen zu diesem mysteriösen Todesfall.

Währenddessen kommen sich Kate und Gina, die sich im ersten Teil kennengelernt haben, näher. Beide hoffen, dass sich ihre Beziehung weiterentwickelt und sich die Gefühle, die sie füreinander haben, vertiefen.

 

Die Leser*innen finden gleich zu Beginn heraus, wie und warum das Opfer in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg endet. Man erfährt zudem die Beweggründe des Mörders zu töten. Warum hast du dich für dieses Konzept des Erzählens entschieden?

Das habe ich bei jeder Geschichte aus der Ein Fall für Kate Brannon-Serie so gehandhabt, aus dem einfachen Grund, weil ich dem Opfer mehr Persönlichkeit geben wollte. Es sollte mehr als nur Knochen in einem Bunker oder ein toter Körper auf dem Deich sein. Damit das Opfer sich für die Leser*innen realer und greifbarer anfühlt. Und für mich. Es lässt mich tiefer in die Opfer einfühlen, und damit hoffentlich auch die Leser*innen.

 

„Das Skelett im Bunker“ ist ein Krimi mit einer romantischen Nebenhandlung. Und er spielt auf einige schwierige Themen an: Die Qualität der Altenpflege, Euthanasie und PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung). Was hat dich dazu inspiriert, diese Themen aufzugreifen?

Puh, das ist eine schwierige Frage. Die einfache und zugleich schwierige Antwort: Erfahrung.

Während des Studiums habe ich als Aushilfe in Altenpflegeheimen gearbeitet. Ich habe Menschen gesehen, die sich liebevoll um die alten Menschen gekümmert haben, und welche, die grausam und gleichgültig in ihrem Job waren. Und viele Graustufen dazwischen. Als mein Großvater dann die Diagnose Alzheimer erhielt und schließlich in ein Pflegeheim musste, habe ich die andere Seite erlebt. Nichts daran war schön, obwohl alle Beteiligten ihm die beste Pflege zuteilwerden ließen und auch meiner Großmutter zur Seite standen, die meiner Meinung nach mehr gelitten hat als mein Großvater. Vergangenen Februar ist er gestorben. Rückblickend fühlt es sich so an, als hätten wir ihn dreimal verloren: Das erste Mal mit der Diagnose Alzheimer, das zweite Mal, als er nach und nach vergessen hat, wer wir waren, und schließlich, als sein Leiden ein Ende hatte.

All diese Dinge und Erfahrungen fütterten meine irgendwie morbide Faszination für dieses Thema, ließen mich darüber reflektieren und in dieses Thema eintauchen. Angesichts des Verfalls meines Großvaters musste ich wohl unbewusst meine Gefühle und Gedanken darüber ergründen.

Ich fand nur eine einzige Antwort: Dass es keine einfachen Antworten gibt. Jede einzelne Situation im Leben, mag sie auch noch so ähnlich sein, kann nicht auf dieselbe Weise gesehen oder entschieden werden. Denn auch kein Mensch gleicht dem anderen, jeder ist unterschiedlich. Daher habe ich das Thema von beiden Seiten betrachtet, um Antworten zu finden. Näher konnte ich dem ganzen Thema nicht kommen. (lacht)

Das Thema PTBS in der Geschichte aufzugreifen war schon eine schwierigere Entscheidung. Aber ich hatte das Gefühl, es tun zu müssen. Am Ende des ersten Teils aus der Ein Fall für Kate Brannon-Serie macht Gina eine grausame und traumatische Erfahrung. Sie überlebt, aber nicht ohne Narben, körperliche und seelische. Was ich an vielen Buchreihen gar nicht mag, ist, wie oft die Charaktere solche Erfahrungen scheinbar abschütteln wie nichts. Das ist nicht realistisch. Kaum eine*r kann das. Zivilpersonen sind nicht darauf trainiert, mit einer solchen Gewalt und Grausamkeit umzugehen. Gina muss irgendwelche Auswirkungen davon zeigen. Um also sowohl der Figur Gina, als auch dem Leben gerecht zu werden, hatte ich das Bedürfnis, dieses Thema aus Ginas Perspektive aufzugreifen.

 

„Das Skelett im Bunker“ spielt wieder in Norfolk, wo du lange Jahr gelebt und gearbeitet hast. Ist es leichter, wenn man den Schauplatz gut kennt oder ergeben sich gerade daraus beim Schreiben Schwierigkeiten?

Über einen Schauplatz zu schreiben, der einem vertraut ist, hat seine Herausforderungen. Ebenso, wenn der Schauplatz nicht vertraut ist. Wenn er vertraut ist, muss man weniger recherchieren. Aber die Tendenz, zu viel zu beschreiben, ist groß. Man muss darauf achten, die Beschreibungen nicht zu überladen oder reale Menschen in die Szenen zu packen – unbewusst und unabsichtlich natürlich. Ist der Schauplatz hingegen fremd, helfen Vorstellungsgabe und Recherche dabei, Lücken zu füllen. Ich mag die Arbeit mit beiden Methoden. Norfolk habe ich als Schauplatz für die Krimiserie ganz einfach deshalb gewählt, weil die Vorstellung der Mordfälle hier perfekt funktioniert. Ein Umstand, der bei meiner Frau eine gewisse Angst ausgelöst hat (lacht).

 

Woher nimmst du die Ideen für deine Kriminalgeschichten? Ist Norfolk so ein Hotspot für Mord und Totschlag?

(lacht) Überhaupt nicht. Wie in vielen ländlichen Regionen ist die Kriminalstatistik in Norfolk sehr gering. Viel mehr als geklaute Äpfel gibt es hier nicht an Kriminalität. Woher nehme ich die Ideen für die Kriminalgeschichten…? Vorstellungsgabe, glaube ich. Ich finde nahezu überall Inspiration. Diese Geschichte war eine Mischung aus Entdecken und Erforschen eines Bunkers am Strand von Brancaster und der schwindenden Gesundheit meines Großvaters. „Die Tote im Marschland“ entstand, als ich mit den Hunden den Küstenweg entlang ging und hörte, wie die Farmer mit ihren Gewehren auf die Gänse schossen, um sie von den Feldern zu vertreiben. Ich hab mich automatisch geduckt. Und ich dachte Was, wenn hier draußen jemand auf mich schießen würde? Man weiß ja nie! So einfach kann die Inspiration buchstäblich sein.

 

Der zweite Teil greift die Liebesgeschichte zwischen Detective Kate Brannon und Gina Temple, die sich mit den traumatischen Erlebnissen aus Kates erstem Fall auseinandersetzen muss, auf. Was magst du an den beiden Hauptcharakteren und ihrer Liebesgeschichte?

Ach, Kate verdient es einfach, glücklich zu sein. Sie war für so lange Zeit alleine und ist immer für andere da. Und auch Gina hatte so eine besch… Zeit. Ich will, dass beide glücklich sind, und wahrscheinlich lasse ich sie auch dort hinkommen… Aber ich tendiere dazu, dass sie dafür erst noch hart arbeiten müssen.

 

Eine Frage bleibt am Ende des Buches offen. Wird es also einen weiteren Mordfall für Kate Brannon geben?

Ganz sicher. „The Last first Time“ ist im Ylva Verlag bereits in Englisch zu erhalten und wird im Sommer 2019 auch auf Deutsch erscheinen.

 

Andrea Bramhall hat Musik und bildende Künste an der Universität von Manchester studiert und im Jahr 2002 ihren Abschluss in Gegenwartskunst gemacht. Und ganz bestimmt wird es ihr eines Tages von Nutzen sein. Möglicherweise. Wenn sie nicht gerade alle Hände voll zu tun hat mit ihrer Ferienanlage im Lake District, ist sie an ihrem Laptop zu finden, wo sie all die Geschichten aufschreibt, die sie ansonsten nicht schlafen lassen. Oder sie liest, wandert mit ihren Hunden durch die Berge und macht ein paar Tausend Fotos dabei, geht tauchen, um dabei ein paar Tausend Fotos zu machen, schwimmt, fährt Kajak, spielt Saxofon oder fährt Fahrrad. Auf Deutsch ist von Andrea gerade „Das Skelett im Bunker“ erschienen.

Katrin Frank über Knutschpogo, Punk und die lesbische Dorfjugend

Gepostet von am Jul 15, 2018 in Interview | 1 Kommentar

Katrin Frank, Autorin von "Knutschpogo"Unsere Autorin Katrin Frank hat ihren Roman „Knutschpogo – verliebt bis in die Haarspitzen” bei uns veröffentlicht. Ein Jugendroman, ein Liebesroman, aber auch ein Roman über die Nachwendezeit in Thüringen. Wir haben Katrin Frank befragt nach Details zum Buch, zum Schreiben und über das Erwachsenwerden.

 

Worum geht es in deinem ersten Roman im Ylva Verlag, „Knutschpogo“?

Es ist ein Roman über typische Probleme des Erwachsenwerdens: Stress mit der Familie und in der Schule, Streit mit der besten Freundin, die erste Liebe. Kurz gesagt, es geht für die 14-jährige Hauptfigur darum, ihren Platz in der Welt zu finden.

Lexi wächst in einem thüringischen Ort kurz nach der Wende auf und fühlt sich oft ausgegrenzt, weil sie von allen für einen Jungen gehalten wird. Bei dem Häuflein Punks ihrer Kleinstadt findet sie unangepasste Gleichgesinnte: Endlich wird sie wegen ihrer schrägen Punkfrisur angestarrt und nicht mehr wegen ihres androgynen Äußeren. Sie verliebt sich in ein Mädchen aus der Clique, merkt aber schnell, dass sie als dort als Lesbe nicht unbedingt so gut aufgehoben ist.

 

„Knutschpogo“ sagt uns als Wort erst mal nicht so viel. Woher kommt der Titel, und wie seid ihr darauf gekommen, das Buch so zu nennen?

Die Frage ist gut, weil schon einige Leute von mir wissen wollten, was eigentlich ein Knutschpogo sei. Also Pogo ist der Tanz, den die Punks tanzen: gegenseitiges Schubsen, Anrempeln, Anspringen, ruppiges Aneinander-Rütteln, aber nicht aggressiv, sondern respekt- und liebevoll. Tja, und wenn man das jetzt aufs Knutschen überträgt, kommt irgendwas Wildes dabei raus (lacht).

Die Idee war, im Titel die Punk- und die Lovestory unter einen Hut zu bringen, deshalb Knutschpogo. Der Untertitel rückt das Ganze noch mal in ein etwas romantischeres Licht. Wobei ich auch den Gedanken mag, dass manche keine Ahnung haben, was Knutschpogo eigentlich bedeuten soll und vielleicht aus purer Neugier nach dem Buch greifen.

 

Jugendromane sind ja bekannterweise nicht nur für Jugendliche. Viele Erwachsene lesen sie auch mit Begeisterung. Aber wer ist deine „Herzenszielgruppe“, was für Menschen hattest du beim Schreiben als Leser*innen im Kopf?

Eigentlich wollte ich ein Buch für Erwachsene schreiben, die vielleicht mal selbst Punks waren und/oder kurz nach der Wende aufgewachsen sind und sich an diese Zeit erinnern. Erst beim Schreiben fiel mir auf, dass erste Liebe und Identitätsfindungsgeschichten natürlich auch und besonders für junge Leute interessant sind. Es würde mich freuen, wenn junge Leute auch abseits der Großstädte, die mit sich hadern, weil sie ihre Andersartigkeit entdecken, sei es in puncto Liebe oder hinsichtlich ihrer (Geschlechts-)Identität, mein Buch lesen und sich denken: „Ich bin nicht allein, andere haben die Pubertät auch überlebt.“ Das fänd‘ ich schön.

 

„Knutschpogo“ spielt in der Nachwendezeit in einem kleinen Dorf in Thüringen. Hast du dazu eine biografische Verbindung? Was hast du zu der Zeit gemacht?

Wenn ich jetzt sage, dass ich 1994 13 Jahre alt war und das erste Mal mit Punk in Berührung gekommen bin, denken bestimmt viele, das Buch ist 1A autobiografisch. Ist es aber nicht. Das Setting mit Provinz, sich bekämpfenden Punks und Nazis und muffeligen Ostdeutschen, die sich von der Wende verarscht fühlen, entspricht schon meiner damaligen Lebensrealität. Aber davon, so wie Lexi mit ihren 14 Jahren schon so gefestigt in ihrem lesbischen Begehren zu sein, oder so eine coole Punkbraut wie Rosa kennenzulernen, durfte ich damals leider nur träumen.

 

Bei Punks denken die meisten Leute vermutlich erst mal an Männer. Wie bist du darauf gekommen, über lesbische Punks zu schreiben?

Ich hatte Rocko Schamonis „Dorfpunks“ gelesen. Es erzählt, wie er als Jugendlicher in einem schleswig-holsteinischen Kaff aufwächst und den Punk für sich entdeckt. Plötzlich hat alles eine Bedeutung und wird aufregend, selbst wenn er nur mit seinen Kumpels an der Bushalte abhängt. Obwohl ich das Buch sehr mochte, dachte ich gleichzeitig: Wieder eine Geschichte eines weißen, westdeutschen Hetero-Typen, der Punk wird. Was ist denn mit den Frauen? Und was mit dem Osten? Und was ist mit lesbischen Punks? Ich finde, da gibt es viel zu wenige Geschichten.

Die Typen halten sich schon für spannend, wenn sie an ihrem Mofa rumschrauben oder sich in der Dorfdisco mit Prolls kloppen. Für Frauen ist es in der Punkszene ungleich schwerer, weil sie nicht nur mit Leuten zu kämpfen haben, die ihr Anderssein nicht akzeptieren (seien es Eltern, Spießer, Nazis oder dergleichen), sondern weil sie oft zusätzlich mit dem Sexismus ihrer eigenen Kumpels konfrontiert sind. Als ich damals Punk wurde, hatten fast alle Punkfrauen etwas mit einem der Typen aus der Clique und erhielten nur dadurch ihre Berechtigung, obwohl sie genauso Punk waren und überall mitmischten. Solche Geschichten wollte ich erzählen. Und natürlich von der Liebe (lacht).

 

In deinem Buch kämpfen die Punks ja gegen die Nazis in ihrer Stadt. Die beiden Mädchen in deinem Buch sind ganz schön mutig, oder?

Ja, das kann man so sehen. Ich glaube, für viele, die in einem Dorf oder einer Kleinstadt aufwachsen und sich einer Subkultur zurechnen, bleibt die Auseinandersetzung mit Nazis oder derlei Grässlichkeiten nicht aus. Bei den Punks in „Knutschpogo“ geht es um ganz grundsätzliche Dinge, zum Beispiel: Wer darf sich weiterhin auf dem Marktplatz treffen und wer nicht? Als die Nazis den Platz für sich beanspruchen und dort ein Tattoo-Studio eröffnen wollen, sehen sich die Punks verdrängt.

Ich denke, Kampf gegen Nazis ist in der Provinz oft purer Überlebenskampf, weil man sich ständig über den Weg läuft und die öffentlichen Orte, an denen man sich treffen kann, begrenzt sind. Man will sich natürlich weiterhin frei in seiner Stadt bewegen können oder am Wochenende in die einzige Disco am Ort gehen, ohne auf die Schnauze zu kriegen. Und dann muss man etwas tun, egal ob Mädchen oder Junge. Wobei die Nazis damals nach der Wende noch oft (aber nicht immer!) den „Ehrenkodex“ hatten, keine Frauen zu schlagen. Das hat sich inzwischen ja auch geändert.

 

Was fiel dir beim Schreiben schwer?

Schwer fielen mir beim Schreiben vor allem die Liebesszenen zwischen Rosa und Lexi. Ich hab‘ etwas geschrieben und dann gedacht: Dürfen die das wirklich schon machen? Lexi ist doch gerade mal 14. Wenn das meine Kinder wären, gäbe es solchen Schweinkram frühestens ab 17 (lacht). Da musste ich also versuchen, die Sicht meines älteren Ichs abzulegen und wieder an den Punkt zu kommen: Klar dürfen die das, haben wir doch damals auch so gemacht, hehe.

Aufpassen musste ich auch mit der Jugendsprache. Anfang der Neunziger gab es zum Beispiel das Wort „krass“ noch nicht, womit man heute vieles kommentieren würde. Die Figuren im Buch sagen also so Sachen wie „megageil“ oder „echt ätzend“. Hat mir viel Spaß gemacht, mich mit der damaligen Sprache zu beschäftigen, da kamen einige Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.

 

Katrin Frank, Autorin von "Knutschpogo"Katrin Frank wurde 1981 in Suhl geboren und wuchs in einem kleinen Dorf im Süden Thüringens auf. Nach dem Abitur verschlug es sie zum Studium ins hessische Marburg, wo sie erste Prosatexte und Lyrik in unabhängigen Szenezeitschriften veröffentlichte. Seit 2010 lebt sie als freie Schriftstellerin und Lektorin in Berlin. 2016 erschien ihr Debütroman „Dienstag: Homobar“. Ihr zweiter Roman „Knutschpogo – verliebt bis in die Haarspitzen” ist bei uns im Ylva Verlag erschienen.