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Ich habe einen Buchclub für Lesben gegründet – was kann da schon schiefgehen?

Gepostet von am Sep 9, 2020 in Allgemeines | Keine Kommentare

 

WIE ICH EINEN LESBEN-BUCHCLUB GRÜNDETE: ANLEITUNG FÜR EINE WUNDERBAR DYSFUNKTIONALE LESEGRUPPE

Die Idee eines Lesben-Buchclubs klang nach viel Spaß. Ein kleiner, freundlicher Kreis von bücherliebenden Frauen, die sich geistreich unterhalten – das perfekte Äquivalent einer introvertierten Silvesterfeier. Dann noch etwas Wein und Käse oder Kaffee und Kuchen und man hat den perfekten Nachmittag. Stimmt’s?

Mit dieser optimistischen Vorstellung habe ich die dysfunktionalste queere Lesegruppe gegründet, die die Welt je gesehen hat (Details wurden im Folgenden leicht verändert, um die Schuldigen zu schützen).

 

WIE MAN LESBEN ERREICHT (DIE OLD-SCHOOL-VARIANTE)

Ich war neu in der Stadt. Ich kannte niemanden und es war Mitte der 2000er Jahre. Soziale Medien gab es kaum. Also tat ich, was mir logisch erschien: Ich reservierte einen Tisch in einem Café, das zu einer Buchhandlung gehörte, und beschloss, dass die Teilnehmerinnen die queeren Bücher im Konsens auswählen sollten, wobei wir Titel, die in Bibliotheken ausgeliehen werden konnten, bevorzugen wollten. Dann brachte ich ein Plakat an einem Schwarzen Brett des LGBT-Zentrums an, auf dem Ort und Zeit des Treffens der Gruppe bekanntgegeben wurden, und auf dem in großen, freundlichen Buchstaben „ALLE WILLKOMMEN“ stand.

Ist jemandem aufgefallen, was ich alles falsch gemacht habe?

 

DAS RICHTIGE UMFELD FÜR QUEERE LESERiNNEN

Der Besitzer der Buchhandlung und des Cafés war ein netter Mann. Aber stellt euch seine Frustration darüber vor, dass sein begrenzter Platz von einem Haufen lärmender Geizhälse eingenommen wurde, die den ganzen Nachmittag vor einer Tasse Kaffee saßen und ihre Bücher hauptsächlich aus der Bibliothek ausgeliehen hatten. Es wurde noch schlimmer, als wir ihn um eine LGBT-Buchempfehlung baten. Er schlug einen skurrilen, aber düsteren Roman vor: eine postmoderne Geschichte einer gelangweilten Hausfrau, die eine Lesbe trifft und erkennt, wie traurig das Leben ist. Unsere Gruppe hasste das Buch und alle beschwerten sich lautstark darüber, wie gelangweilt sie beim Lesen gewesen waren. Der Buchhändler hörte zwei Stunden lang zu, kam dann rüber zu uns und erklärte kühl, dass der Autor sein bester Freund sei. Ich bin mir ziemlich sicher, dass seitdem jeder Kaffee, den er uns servierte, mit einem Schuss Spucke versehen war.

 

WENN EUCH DIE LGBT-ROMANE AUSGEHEN, BENUTZT DAS INTERNET!

Wenn ihr die Bücher nicht in Papierform kaufen wollt, dann müsst ihr euch mit deren Cousin, dem E-Reader, anfreunden. Haltet ihr euch nämlich nur an den Bestand der örtlichen Bibliothek, werdet ihr schnell feststellen, dass die Auswahl an queerer Literatur beschränkt ist und oftmals nicht über Sarah Waters, Jeanette Winterson oder eine fünfzehn Jahre alte Biografie von Ellen DeGeneres hinausgeht, über die jemand Kaffee geschüttet hat. Nach einem Jahr waren wir verzweifelt. „Dieses Buch hat einen schwulen Nebencharakter – reicht das?“ „Diese Autorin schreibt über Frauenfreundschaft – nah genug?“ Als wir über das Buch eines heterosexuellen Sci-Fi-Autors diskutierten, in dem die Außerirdischen zur Paarungszeit ihr Geschlecht wechseln, wusste ich, dass wir in Schwierigkeiten steckten. Im nächsten Monat lasen wir wieder einmal Solange du lügst von Sarah Waters.

 

ERSTE REGEL DES BUCHCLUBS: WENN DU ES AUSSUCHST, DANN LIES ES AUCH

Mein Plan, dass wir Bücher im Konsens auswählen, ist nie verwirklicht worden. Wir konnten uns nicht einmal darauf einigen, auf welchen Stühlen wir sitzen wollten. Aber wenn man ein Buch für die lesbische Lesegruppe vorschlägt, sollte man auch bereit sein, es zu lesen und eine Diskussion darüber zu führen. Ich bin immer noch sauer auf die Person, die darauf bestand, dass wir eine Sammlung von Ratgeberkolumnen eines Sexualtherapeuten lesen … und die dann zur Besprechung nicht aufgetaucht ist. Ihr habt noch nie eine so schrullige Gruppe von Leserinnen gesehen, die sich so ausgiebig und todernst über Dildos unterhalten hat.

 

WÄHLT DIE MITGLIEDER FÜR EUREN LESBISCHEN BUCHCLUB SORGSAM AUS

Ansonsten gebt mir nicht die Schuld, wenn ihr am Ende immer wieder über den Roman Grüne Tomaten von Fannie Flagg diskutieren müsst.

Diese Leute solltet ihr meiden:

    • Eine sehr wütende Frau, die jedes Buch hasst, das die Gruppe jemals gelesen hat. Sie schreibt die „schlimmsten“ Passagen von Hand ab und lässt einen dann aufmerksam zuhören, während sie erklärt, was die AutorInnen falsch gemacht haben. Sie verpasst keine Sitzung.

 

    • Eine exzentrische Frau, die die Handlung des Buches wie eine menschliche Lektürehilfe rezitiert, bevor sie in völlig zusammenhanglose Geschichten über ihr Leben übergeht. Ich hätte nicht so viele Details über ihre Blinddarmoperation hören mögen, vor allem, weil ich davon ausgegangen war, wir würden über Die Farbe Lilasprechen.

 

    • Eine Frau, die unheimlich still dasitzt und kein Wort sagt, während sie mit einem durchdringenden Blick ins Leere starrt. Okay, sie war wahrscheinlich einfach schüchtern. Aber es ist schwer, eine Diskussion über Die Verborgene Welt zu führen, wenn man sich fragt, ob die Person neben einem vielleicht ein Serienmörder ist.

 

    • Alle Frauen, die nie die Bücher lesen. Welcher Teil von „Buchclub“ war nicht klar?

 

    • Mitglieder, die sich gegenseitig verabscheuen. Leidenschaftliche Debatten sind eine Sache, aber ich habe gesehen, wie sich Frauen wegen einer Geschichte über einen Drag-King fast geprügelt haben. Sollte hier nicht der Spaß im Vordergrund stehen?

 

  • Ein Mann, der „Lesben-Buchclub“ anscheinend interpretierte als „ein Haufen Damen, die gerne ein paar Geschichten über meinen schrecklichen Autounfall und die Zeit meiner Verhaftung in Bali hören würden“. Er beherrschte die Zirkularatmung, so dass es nie einen guten Moment gab, um ihn zu unterbrechen. Er nahm ein paarmal an unseren Treffen teil. Ich vermute, er war ein großer Sarah-Waters-Fan.

 

MEINE EIGENEN LGBT+ BÜCHER

Als mein erstes Buch veröffentlicht wurde, sagte ein Freund: „Wow, vielleicht wird eines Tages in einem Buchclub über eine deiner Geschichten diskutiert!“

Das wäre eine Ehre und ich würde mich unglaublich freuen … aber bittet mich nicht, diesen Club zu organisieren!

 

Jess Lea lebt in Melbourne, Australien, wo sie zunächst eine akademische Laufbahn verfolgte, bevor sie im sozialen Bereich zu arbeiten begann. Sie liebt klassische Krimis, Bücher von lustigen Frauen und lesbische Bücher aller Art. Jess schreibt in Cafés, in Parks und in ihren Pyjamas zu Hause, wenn sie eigentlich bei der Arbeit sein sollte. Auf Deutsch erscheinen sind von ihr bisher einige Kurzgeschichten; unter anderem in der Erotik-Anthologie “Berührt von ihr”.

Autorin Cheyenne Blue im Interview

Gepostet von am Jun 21, 2020 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Der lesbische Liebesroman So schnell mein Herz schlägt ist das dritte Buch der australischen Autorin Cheyenne Blue, das vom Ylva Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Ihre bisher erschienen Bücher waren Teil ihrer Girl-Meets-Girl Serie, und spielten sowohl in London als auch im australischen Outback. Ihr neues Buch spielt in und um Sydney und gehört nicht zu der Serie. Diese wird später im Jahr fortgesetzt.

Wir hatten die Gelegenheit, der Autorin ein paar Fragen zu stellen:

1) Kannst du kurz für uns zusammenfassen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman So schnell mein Herz schlägt geht?

Es ist die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Nina, die eine Farm am Rande von Sydney, Australien, betreibt. Die Banksia Farm ermöglicht es Stadtkindern, das Leben auf dem Land kennenzulernen. Als ein Kind verletzt wird und ein Gerichtsverfahren droht, setzt Nina alles daran, den bestmöglichen Rechtsbeistand für sich zu gewinnen.

Leigh ist Partnerin in einer großen Anwaltskanzlei in Sydney. Sie würde Nina gerne helfen, aber Nina hat nicht das Geld, um sie zu bezahlen. Allerdings machen Nina und ihre zwölfjährige Tochter Phoebe es Leigh nicht leicht, diesen Fall abzulehnen.

So schnell mein Herz schlägt ist eine lesbische Liebesgeschichte über Gegensätze, eine Romanze zwischen einer wohlhabenden und einer armen Frau. Die Geschichte spielt zum Teil in Sydney und zum Teil auf dem Land. Es gibt Tiere, Kinder und eine Rechtsanwaltsgehilfin, die zu Unfällen neigt. Im Mittelpunkt steht aber der Kampf für die Rettung einer besonderen Farm.

 

2) Über welche Themen schreibst du in deinen LGBT+ Büchern am liebsten?

Abgesehen von Frauen, die sich ineinander verlieben?

Ich beschreibe gerne den Schauplatz oder die Situation genau, die den Hintergrund der Romanze bildet; genauso gern wie die eigentliche romantische Handlung.

So schnell mein Herz schlägt von Cheyenne BlueIn So schnell mein Herz schlägt baut die Beziehung von Leigh und Nina zum Beispiel langsam auf der dringenden Notwendigkeit auf, die Banksia Farm zu retten. Die Farm definiert Nina, und neben ihrer Tochter Phoebe ist sie das Wichtigste in ihrem Leben. Deshalb setzt Nina natürlich alles daran, die Farm zu retten. Leigh ist zwar ein wichtiger Teil davon, aber wenn es um die Wahl zwischen Leigh und der Farm geht, was wird Nina dann an erste Stelle setzen?

Generell schätze ich es, meine Figuren in Situationen zu bringen, in denen es ein sehr reales Hindernis für ihre Romanze gibt, einen äußeren sowie einen inneren Konflikt. Und die Protagonistinnen müssen einen Weg finden, trotz allem zusammen sein zu können. Und ja… natürlich gibt es immer ein Happy End. Der Weg dahin ist aber alles andere als einfach.

 

 

3) Die Farmbesitzerin Nina und die Rechtsanwältin Leigh haben sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und sie leben völlig gegensätzliche Leben. Was gefällt dir an diesen beiden unterschiedlichen Protagonistinnen am besten?

Obwohl Nina am Rande der größten Stadt Australiens lebt, ist sie im Grunde ein Mädchen vom Lande. Sie ist warmherzig und fürsorglich, ob es nun um ihre Tochter Phoebe geht oder auch ihre Wahlfamilie von Kindern und Freiwilligen, für die die Farm auch unglaublich wichtig ist. Ich liebe an Nina, dass sie nie ihre idealistische Seite verliert, auch wenn es ihre fürsorgliche Art ist, die sie überhaupt erst in eine schwierige Situation gebracht hat.

Leigh ist auf ihre eigene Art auch eine fürsorgliche Person. Sie ist Anwältin geworden, weil sie das Leben anderer Menschen verbessern wollte – aber im Laufe der Jahre wurde sie in die kalte Welt des Versicherungsrechts hineingezogen. Während ihr Leben oberflächlich betrachtet perfekt ist, fehlt ihr etwas. Und Leigh ist ehrlich genug zu sich selbst, um zu erkennen, was oder wer das ist.

Beide Charaktere sind auf unterschiedliche Weise stark. Während ihnen das Leben Steine in den Weg legt, sind sie beide bereit, für das zu kämpfen, was ihnen wichtig ist.

 

4) Du hast in vielen verschiedenen Ländern gelebt, aber die meisten deiner Bücher spielen in Australien. Wieviel Australien steckt in deinen queeren Büchern?

Ich bin die Art von SchriftstellerIn, die über Orte schreibt an denen sie lebt. Deshalb spielen im Moment alle meine Bücher in Australien. Wenn ich zum Beispiel in den Vereinigten Staaten wäre, würde es mir sehr schwer fallen, über die australische Landschaft zu schreiben oder die Landessprache zu verwenden. Keine Ahnung warum mein Gehirn und meine Muse so funktionieren.

Und, ich liebe Australien! Natürlich laufen die Dinge im Moment wegen der Covid-19-Sperre anders, aber in normalen Zeiten liebe ich den Outdoor-Lebensstil, den ich hier habe. Ich liebe es, einen Garten zu haben, in dem ich viel von dem anbauen kann, was ich esse. Und ich liebe den entspannten, trockenen Humor, den die Menschen hier haben. Vor allem aber liebe ich den Freiraum. Ich wohne in einer Regionalstadt, und zehn Minuten von meinem Haus entfernt kann ich im Busch spazieren gehen oder durch das offene Land fahren.

Natürlich gibt es auch Nachteile: die intensive Hitze und Feuchtigkeit eines subtropischen Sommers, die hohen Kosten für einige Dinge (Bücher sind z.B. unglaublich teuer!), und ja, einige der Wildtiere können etwas nervenaufreibend sein (gestern hatte ich eine kleine, rot-schwarze Schlange im Gemüsegarten. Niedlich, aber sehr giftig).

Das australische Outback ist ein besonderer Ort: rau, abgelegen, unendlich schön für diejenigen, die es zu schätzen wissen. Ich liebe es, campen zu gehen und kein künstliches Licht und keine Scheinwerfer zu sehen, nur die leuchtenden Sterne. Und die sind wirklich unglaublich beeindruckend. Viel von dieser Liebe zum Outback und seinen Bewohnern und seiner Landschaft kommt in meinen Büchern zum Ausdruck.

5) Lässt du dich gewöhnlich von Menschen inspirieren, die du im wirklichen Leben kennst oder entstammen deine Charaktere ausschließlich deiner Vorstellung?

Keiner meiner Charaktere basiert jemals vollständig auf jemandem, den ich kenne – es wäre sehr unangenehm, wenn eine solche Person irgendwann zufällig das Buch liest und sich wiedererkennt! Ich nehme jedoch winzige Teile von Menschen und baue sie in eine Figur ein. In So schnell mein Herz schlägt ist zum Beispiel Ninas Geduld mit ihrer Tochter Phoebe von der Art inspiriert, wie eine Freundin von mir mit ihrer manchmal etwas giftigen Tochter umgeht.

Vor vielen Jahren, als ich ein Teenager war, habe ich Kindern mit dem Down-Syndrom das Reiten beigebracht, und die Nebenfigur Edwina greift auf diese Erinnerungen zurück. Und in der Figur Grizz, die Leighs Rechtsanwaltsgehilfin ist, steckt ein Teil von mir selbst, da mein Tagesjob im Grunde auch ihr Tagesjob ist. Ich bin so ungeschickt wie Grizz, aber nicht ganz so unfallanfällig.

 

Cheyenne Blue hat in Großbritannien, Irland, den Vereinigten Staaten und der Schweiz gelebt. Jetzt aber verbringt sie ihre Zeit am liebsten am Strand von Queensland, Australien und genießt die Schönheit ihres neuen Heimatlandes.

So schnell mein Herz schlägt ist ihr dritter deutscher Lesbenroman. Weitere Übersetzungen werden folgen.

5 Dinge, die ich als Autorin von lesbischer Erotik gerne vorher gewusst hätte

Gepostet von am Apr 3, 2020 in Allgemeines, Tipps für Autor_innen | 1 Kommentar

Ich liebe es, über das Verlangen zwischen Frauen zu schreiben. Es macht mir unglaublichen Spaß und es ist auch ein Privileg. Wie viele Frauen hatten im Laufe der Geschichte schon die Chance, lesbische Erotik zu schreiben und diese auch zu veröffentlichen? In einer Zeit zu leben, in der es möglich ist, jegliche Art von LGBT+-freundlicher Erotik mit Schriftstellern und Lesern auf der ganzen Welt zu teilen, ist schon ziemlich bemerkenswert.

Rückblickend hatte ich einige Dinge jedoch gerne gewusst, bevor ich mich ans Schreiben lesbischer Erotika gewagt habe.

 

 

 

#1 EIN GUTES WÖRTERBUCH KAUFEN

Beim Schreiben von Büchern mit vielen erotischen Situationen wirst du schmerzlich erfahren, was passiert, wenn die Grenzen des menschlichen Körpers an die Grenzen des sprachlich Machbaren stoßen. Im Grunde gibt es bestimmte Dinge, die du immer wieder beschreiben musst, und nur  begrenztes Vokabular, um das zu tun.

Das führt zu einigen seltsamen Dilemmata.

Habe ich schon “zitterte” geschrieben? Gibt es eine Metapher für die Gesäßspalte, die nicht lächerlich wirkt? Soll ich das Stöhnen eines Charakters ausschreiben − “Oooooh” − oder ist das die unattraktivste Sache überhaupt? Was halte ich von dem Wort “Titten”? Ist es verspielt und lustig oder unreif und sexistisch? Oh nein, habe ich gerade wieder “zitterte” geschrieben? Und ist “angeschwollen” okay, oder ein bisschen zu grob?

Sexszenen zu schreiben ist hart, aber es hat mich auch zu einem entspannteren Leser gemacht. Natürlich haben wir alle schon Erotika gelesen, die uns erschaudern ließ − ich persönlich würde die Verwendung des Wortes “Zitze” gerne in jedem anderen Kontext als der Tierhaltung verbieten. Und Beschreibungen, die frauenfeindlich, rassistisch oder ähnlich problematisch sind, sind natürlich auch nicht in Ordnung. Aber inzwischen habe ich mehr Sympathie für KollegInnen, die sich bemühen, zum vierten Mal auf ein und derselben Seite feuchte Unterwäsche zu beschreiben.

 

#2 WESSEN NIPPEL SIND DAS?

Als meine exzellente Lektorin mich warnte: “Vermeide Unklarheiten darüber, wessen Brustwarzen sich versteifen”, wurde mir klar, dass dieses lesbische Schreibabenteuer nicht einfach sein würde.

Das Schreiben von intimen Szenen zwischen Charakteren des gleichen Geschlechts kann schwierig sein. Ist das Pronomen “sie” in diesem Satz verwirrend? Sollte ich ihre Namen aus Gründen der Klarheit häufiger verwenden? Ist es jemals in Ordnung, die Dinge aufzulockern, indem man sich auf Charakterbeschreibungen wie “die Brünette” oder “die ältere Frau” bezieht? (“Nein” −Lektorin.)

Aber vielleicht ist das nur ein Zeichen dafür, dass wir zu lange vom Lesen und Schreiben über Frauen abgehalten wurden. Schließlich gelingt es den meisten Menschen Bücher von Tolkien und Le Carré zu lesen, ohne sich darüber zu wundern, welcher der hundert verschiedenen männlichen Figuren was tut.

Hat Tolkien jemals mit Brustwarzenverwirrung zu kämpfen gehabt?

 

#3 “ES IST LESBISCHE EROTIK, KEIN PORNO!”

Ich möchte nicht kleinlich wirken. Aber ich werde Menschen weiter korrigieren; es gibt einen großen Unterschied zwischen lesbischen Erotikromanen und Pornografie. In Pornos sieht man echte Menschen, die vor der Kamera echten Sex haben. Erotik bedeutet, dass ich in meinem Pyjama, umgeben von Kaffeetassen und einer schlafenden Katze auf meinen Füßen versuche, Synonyme für “feucht” zu finden. Sorry, ich hoffe, das hat jetzt nicht die Stimmung von irgendjemandem zerstört.

Außerdem hat lesbische Erotik trotz ihrer vielen Problemen eine lange Tradition, von und für Frauen geschaffen zu werden. Pornos dagegen? Nicht wirklich.

 

 

#4 WENN DAS FEUCHTFRÖHLICHE SPIEL ZUR ARBEIT WIRD

Mein Schreiben mit anderen Menschen teilen zu können, ist für mich ein wahrgewordener Traum. Aber etwas ändert sich, wenn man beauftragt wird, etwas zu tun, das früher ein lustiger Zeitvertreib war. Plötzlich wird dein Hobby zu deinem Beruf. Du findest dich grummelnd über Kommas wieder und murrend darüber, dass du mehr Cunnilingus beschreiben musst. “Komm schon, die Sonne scheint! Ich will spazieren gehen! Und ist es nicht ma wieder Zeit, dass ich das Badezimmer putze?”

Also, nimm dir eine Auszeit. Kauf dir ein paar neue Bücher. Lies deine alten Favoriten noch einmal durch. Sprich mit Freunden über die Autoren, die du liebst. Und schreib andere Sachen: Poesie, Fanfiktion, Blogposts, Ideen für Romane. Erinnere dich daran, warum du überhaupt mit dem Schreiben angefangen hast.

 

#5 SOLL ICH OMA SAGEN, DASS ICH LESBISCHE EROTIKA SCHREIBE?

Wer hätte gedacht, dass es ein zweites Coming Out für mich geben würde, als Autorin von unartigen Geschichten? Es ist aufregend zu erfahren, dass dein Buch veröffentlicht wird… bis dir einfällt, dass dein Chef das Buch lesen könnte.

Möchte ich, dass meine Arbeitskollegen wissen, dass ich eine Geschichte über sich vergnügende Nonnen geschrieben habe? Kann ich bei meinen Heterofreunden mit meinem Buch prahlen, oder wird es zu unangenehm, wenn sie von der Dildogeschichte aus den 1930er Jahren erfahren? Und soll ich es meinen Eltern sagen?

Einige Schriftstellerinnen der lesbischen Erotik sind sehr stolz und teilen ihre Berufung mit allen, andere halten es streng geheim. Ich bin immer noch unentschlossen. Aber ich bin froh und dankbar für die Freundschaft und Unterstützung anderer lesbischer und bisexueller Frauen, die mich zum Schreiben ermutigen, mich daran erinnerten, dass es wichtig ist, unseren Wünschen eine Stimme zu geben und mir nie das Gefühl geben, seltsam zu sein.

 

Jess Lea lebt in Melbourne, Australien, wo sie zunächst eine akademische Laufbahn verfolgte, bevor sie im sozialen Bereich zu arbeiten begann. Sie liebt klassische Krimis, Bücher von lustigen Frauen und lesbische Bücher aller Art. Jess schreibt in Cafés, in Parks und in ihren Pyjamas zu Hause, wenn sie eigentlich bei der Arbeit sein sollte. Zwei ihrer erotischen Kurzgeschichten sind in Berührt von ihr 2 erschienen.

Eine Ausschau auf die kommenden LGBT Neuerscheinungen des Ylva Verlages

Gepostet von am Feb 2, 2020 in Aus dem Verlag, Neuerscheinung, Vorankündigung | 2 Kommentare

In diesem Jahr planen wir vom Ylva Verlag so viele deutsche Veröffentlichungen wie noch nie! Ihr könnt euch auf insgesamt 18 bis 20 Romane, Novellen und Kurzgeschichten über frauenliebende Frauen freuen.

Der Veröffentlichungsplan für das erste Halbjahr voll queerer Bücher steht schon – und in den wollen wir euch heute einweihen.

Bereits erschienen sind gleich zum Start des neuen Jahrzehnts:

 

Verborgene Wahrheiten (2) von JaeVerborgene Wahrheiten (2), Jae (Oregon-Serie – Buch 5)

Rancherstochter Amy versucht, ihre Gefühle für Rika, die Verlobte des Vorarbeiters, zu unterdrücken. Doch als unerwarteter Besuch von zwei alten Freundinnen auf der Ranch eintrifft, wird das immer schwieriger, denn nun müssen sich Amy und Rika das Bett teilen.

Es dauert nicht lange, bis all die verborgenen Wahrheiten der Hamiltons ans Licht kommen. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Wird die Familie zerbrechen oder wird schlussendlich doch die Liebe siegen?

 

 

 

 

Nichts als die ungeschminkte Wahrheit, Lee Winter

Ein lesbischer Liebesroman, über die Lügen, die wir uns selbst erzählen.

Die Kriminalreporterin Maddie Gray hat Heimweh nach Australien. Der Job als Assistentin für die erfolgreiche, eiskalte Medienchefin Elena Bartell ermöglicht es ihr, nach Hause zurück zu kehren. Dort wird Maddie aber mehr und mehr bewusst, dass sie sich zu ihrer rätselhaften Chefin hingezogen fühlt und zu allem Überfluss wird sie von Elena zu einer scheinbar harmlosen Wette angestiftet – sie dürfen einander nur die Wahrheit sagen.

 

 

 

 

 

Zur Leipziger Buchmesse im März folgen:

Neubeginn im Outback: Dem Glück auf der Spur, Cheyenne Blue

Sue ist hetero. Oder zumindest sagt sie das allen, immer und immer wieder. Den Kuss mit Moni, einer amerikanischen Touristin, betrachtet Sue als Ausrutscher. Nie wieder wird sie sich auf eine Beziehung mit einer Frau einlassen.

Dann kehrt sie in ihr Geburtsland Australien zurück, um sich ihrer Vergangenheit und somit auch ihrer alten Flamme Denise zu stellen, die ihr Herz gebrochen hatte. Als Moni überraschend auftaucht, findet Sue endlich ihren Weg zum Glück. Doch dann taucht Denise auf und bittet sie um einen Gefallen, der Sues neue Beziehung zerstören könnte.

 

 

 

Berührt von Ihr, Band 2

In zweiten Band unserer Erotik-Anthologie feiern neun Autorinnen erotische Momente zwischen Frauen und den weiblichen Körper in all seinen Facetten – vielfältig und sinnlich, von intimen Begegnungen und geheimsten Fantasien bis hin zu Abenteuern mit ausgefallenen Spielzeugen

Es geht um Zuneigung, vielleicht um Liebe, aber ganz bestimmt immer um atemberaubenden Sex.

 

 

 

 

 

Lektionen der Liebe von JaeLektionen der Liebe, Jae (Oregon-Serie – Buch 6)

Eine Kurzgeschichte, die sich an Verborgene Wahrheiten (2) anschließt.

Amys größter Wunsch erfüllt sich, als Rika, die Frau, die sie liebt, auf die Ranch zieht. Doch nachdem sie ihre Gefühle jahrelang verbergen musste, plagen sie noch immer Selbstzweifel. Sie ist überzeugt, dass Rika sich auf der Ranch langweilt. Deshalb heckt sie einen verwegenen Plan aus.

 

 

 

 

 

 

Und im April legen wir dann gleich nach mit folgenden Lesbenbüchern:

 

Eine Nacht zum Verlieben von Clare AshtonEine Nacht zum Verlieben, Clare Ashton

Die hoffnungslose Romantikerin Pia Benitez-Smith fällt der eleganten und faszinierenden Cate buchstäblich in die Arme. Als die beiden über die Bedeutung von Liebe und Geld streiten, ist Cate fest davon überzeugt, dass die perfekte Nacht immer teuer sein muss. Die bodenständige Pia ist ganz anderer Meinung und kann der Herausforderung nicht widerstehen.

Mit Hilfe einer verführerischen Sommernacht in London will sie ihre neue Freundin ordentlich verzaubern. Wird ihr das gelingen?

 

 

 

 

Love is Not Nothing, Lee Winter

Eine Kurzgeschichte, die sich an Requiem mit tödlicher Partitur anschließt.

Es ist zwei Jahre her, seit Australiens angesehenste Cellistin und tödlichste Auftragsmörderin Natalya “Requiem” Tsvetnenko im Regen gestanden und sich ihrer größten Angst gestellt hatte: Alison Ryan zu bitten, mit ihr nach Europa zu ziehen.

Was ist seitdem geschehen? Brennt die Lust der Jagd noch immer in Requiem? Oder wurde sie von Alisons Liebe gezähmt? Hat sich ihre Befürchtung bewahrheitet, dass ihr Glück früher oder später in sich zusammenfallen würde? Denn wie sollen zwei so unterschiedliche Menschen jemals langfristig miteinander auskommen?

 

 

Summer’s End, Harper Bliss

Kann die Liebe so unerwartet kommen, dass sie alles verändert?

Nach dem Verlust ihrer Partnerin entscheidet Marianne sich dazu, abgeschieden auf einer tropischen Insel in Thailand zu leben. Auf den ersten Blick scheint Emily Kane nur eine weitere Urlauberin in Mariannes kleinem B&B zu sein. Emily hat allerdings mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Können die beiden gemeinsam ihren Weg zurück ins Glück finden?

 

 

 

 

Und das ist noch lange nicht alles, was wir an lesbischem Lesestoff zu bieten haben

Darüber hinaus planen wir, für das Straßenfest vom CSD Köln im Juli drei weitere neue Lesbenromane und werden euch auch im Herbst und Winter mit mehr unverschämt guten Büchern versorgen. Von bahnbrechender Romantik und fremden Welten sowie einzigartigen Begegnungen und sogar Superkräften wird alles dabei sein.

Genaueres zu diesen queeren Büchern wollen wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht verraten.

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11 lesbische Liebesromane mit Happy End aus dem Jahr 2019

Gepostet von am Jan 14, 2020 in Allgemeines, Aus dem Verlag | 2 Kommentare

Aus dem Takt geraten von Chris Zett2019 war ein fantastisches Jahr für lesbische Bücher aus der Feder der Ylva-Autorinnen. Wir verzeichnen mit großem Stolz 11 Veröffentlichungen in 12 Monaten – und dass in einem Bereich, der noch immer viel Luft hat für mehr Repräsentation von queeren Frauen und deren Leben und Lieben, für mehr Diversität und mehr unverschämt gute Bücher.

Wir feiern diesen Meilenstein, indem wir euch einmal eine kleine Übersicht über diese LGBT+ Neuerscheinungen liefern und ein paar Worte über die queeren Werke und ihre Autorinnen sagen.

Fünf Lesbenbücher von unseren deutschen Autorinnen 

Angekommen im Glück, Jae (Oregon-Serie –  Buch 3) (Februar 2019)

Gefühle, Vertrauen und die Gewalt der Natur werden hier thematisiert. Sechs Kurzgeschichten, die uns Einblicke in das Leben von Luke, Nora und den anderen Figuren aus dem historischen Liebesroman Westwärts ins Glück geben.

Letzte Zutat Liebe, Ina Steg (Februar 2019)

Ein ausgefallener Liebesroman über den Weltraum und der Frage des Coming Outs am Arbeitsplatz, aber auch über unerwartete Gefühle und komplizierte Affären. Die Astronautin Laura muss sich entscheiden, welchen Weg sie einschlagen muss, um wirklich glücklich zu werden.

Aus dem Takt geraten, Chris Zett (April 2019)

Diana kehrt nach 10 Jahren als Rockstar zu ihrer Assistenzarztausbildung zurück und verdreht der Ärztin Emily den Kopf. Als ihre Vergangenheit sie jedoch einzuholen droht, müssen Diana und Emily sich fragen, wie viel sie für die Liebe riskieren wollen.

Beziehung ausgeschlossen, Jae (Juli 2019)

Die erste lesbische Hochzeit in ihrer Kleinstadt zwingt die Floristin Ashley und die Bäckerin Sasha zur Zusammenarbeit. Bei Tortenschlachten, Walzertanzen und einem Junggesellinnenabschied auf einer traumhaften Insel stellen die beiden fest, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten.

Verborgene Wahrheiten (1) , Jae (Oregon-Serie – Buch 4) (November 2019)

Der Wilde Westen als Kulisse für einen wilden Taumel bahnbrechender Gefühle.

Ein historischer Liebesroman über alte Geheimnisse, neue Liebe und die Bedeutung von Familie.

 

Sechs lesbische Liebesromane, die wir für euch aus dem Englischen übersetzt haben

Poppy Jenkins liebt das Leben von Clare AshtonPoppy Jenkins liebt das Leben, Clare Ashton (April 2019)

Poppy lebt ein friedliches Leben in einem verschlafenen Dorf in Wales. Doch dann taucht ihre ehemals beste Freundin nach jahrelanger Abwesenheit wieder auf und stürzt damit den Frieden des Dorfes sowie Poppys Gefühlswelt ins Chaos.

Kaffee mit einem Schuss Liebe, Harper Bliss (Juli 2019)

Nachdem die Australierin Micky ihr altes Leben hinter sich gelassen hat, ist es die Arbeit als Barista, die ihr unerwartete Einsichten über sich selbst und eine turbulente Romanze mit einer faszinierenden Frau einbringt.

Von wegen versprochen, G Benson (Juli 2019)

Fettnäpfchen, ein mies gelaunter Kater und glühende Anziehung. Eine Krankenschwester mit Geldproblemen stolpert über das Angebot einer Scheinehe mit einer kalten, unnahbaren Chirurgin. Was kann dabei schon schief gehen?

Aus der Rolle gefallen, Lee Winter (Oktober 2019)

Hollywood. Eine unwiderstehliche Eiskönigin. Und die brodelnde Gerüchteküche des Filmgeschäfts. Hierbei handelt es sich um einen lesbischen Liebesroman an dessen Ende sich keiner mehr ans Drehbuch hält.

Sommergeflüster zu zweit, Harper Bliss (Oktober 2019)

Ist Alter wirklich nur eine Zahl? Alice liebt Struktur und Erfolg. Joy liebt Freiheit und Vergnügen. Eine heiße Sommerromanze stellt die Leben aller Beteiligten auf den Kopf und zwingt sie dazu, herauszufinden, was wirklich wichtig im Leben ist.

Steiler Aufstieg zum Glück, Andrea Bramhall (November 2019)

Ein ungleiches Paar arbeitet an einem außergewöhnlichen TV-Projekt zusammen. Die Umgebung ist atemberaubend. Und so manch kalte Nacht auf dem Eis zwingt Jayden und  Rhian dazu, näher zusammenzurücken als geplant. Ein lesbischer Liebesroman, der Lust auf Abenteuer macht und zeigt, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben. 

Von, für und über frauenliebende Frauen

Das Team vom Ylva-Verlag hofft, dass unsere LGBT+ Veröffentlichungen 2019 euch großes Lesevergnügen und ebenso starkes Herzklopfen bereitet haben wie unseren queeren Protagonistinnen – und auch uns.

Das neue Jahr hat begonnen und wir sind voller Tatendrang, in den kommenden Monaten noch mehr fantastischen Lesestoff zur Verfügung zu stellen.

Vor allem freuen wir uns aber auch darauf, euch hier auf unserem Blog schon sehr bald einen kleinen Ausblick darauf geben zu können, welche lesbischen Romane ihr im Jahr 2020 von uns erwarten könnt.

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Adrenalin, Abenteuer und große Gefühle – Andrea Bramhall über ihren lesbischen Liebesroman

Gepostet von am Dez 4, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Die deutschen Leser_innen kennen Andrea Bramhall durch ihre queeren Kriminalromane der Ein Fall für Kate Brannon-Serie. Aber ihr neustes Buch bewegt sich in einem etwas anderen Genre. Steiler Aufstieg zum Glück ist ein lesbischer Liebesroman, der Lust auf Abenteuer macht und zeigt, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben.

Kannst du uns in ein paar Sätzen erzählen, worum es in deiner LGBT+ Neuerscheinung geht?

Steiler Aufstieg zum Glück ist ein Abenteuerroman mit einer vorgespielten Beziehung und echten Gefühlen. Handlungsort ist das Set einer Reality-TV-Show, die in den Bergen Patagoniens gefilmt wird. Es werden in dieser queeren Liebesgeschichte Berge bestiegen, wilde Flüsse befahren und Gletscherspalten überwunden. An jeder Ecke warten lebensgefährliche Situationen im Stein und Eis auf die Protagonistinnen Jayden und Rhian.

 

Steiler Aufstieg zum Glück vereint viele verschiedene Aspekte in sich: mitreißende Beschreibungen von Expeditionen auf den Berg, Einsichten in das Planen einer Fernsehserie sowie dem Umgang mit negativer Presse in den sozialen Medien, eine vorgetäuschte Liebesbeziehung und mehr. Wie ist die Idee zu diesem lesbischen Roman entstanden?

Ich liebe es, in der Natur unterwegs zu sein und zu Klettern und Wandern. Daher wollte ich immer schon einen lesbischen Roman schreiben, der sich um diese Hobbies dreht. Meine Frau und ich haben die Abenteuerserie The Amazing Race gesehen und dabei kam mir die Idee, dass so etwas mit dem Fokus auf Klettern mir die Möglichkeit geben würde, Leser_innen diesen Sport auf außergewöhnliche und spannende Weise näherzubringen.

Die anderen Thematiken der Geschichte hielt ich für besonders aktuell, besonders den Aspekt von falschen Behauptungen und Rufschädigung im Internet. Innerhalb von Sekunden kann das Ansehen, die Karriere und das Leben einer Person auf böswillige und anonyme Art zerstört werden und das finde ich wirklich angsteinflößend. Cyber Bullying sorgt konstant für die Zunahme von Suizidversuchen von Teenagern, ist aber definitiv nicht auf diese Altersgruppe beschränkt, weswegen wir diese Problematik nicht ignorieren sollten.

 

Ein großer Teil der Handlung umfasst den Zeitraum, in dem Rhian und Jayden die Teilnehmer der geplanten TV–Show auf die Aufgaben des Wettbewerbs vorbereiten. Warum hast du dich dazu entschieden, nicht die eigentlichen Filmaufnahmen in den Fokus zu setzen?

Weil das die Phase ist, zu der Jayden und Rhian sich kennen lernen und am meisten Zeit alleine miteinander verbringen können, ohne dass die Teilnehmer meinen Plänen für die Beiden dazwischenfunken. Außerdem haben beide auch erst einmal interne Konflikte, an denen sie arbeiten müssen. Sie sind nicht in der Situation, in der sie sich gleich in eine Romanze stürzen können.

 

Das Buch befasst sich auch mit einigen schwierigen Themen. Deine Protagonistin Jayden hat einen großen Verlust zu verkraften und Rhian hat seit ihrem Coming Out eine komplizierte Beziehung zu ihrem Vater. Was hat dich dazu inspiriert, diese Problematiken in deine LGBT+ Geschichte einzubringen?

Ich mag es, meine Charaktere erst zu foltern, bevor sie ihr Glück finden. Lol. Nein, Jaydens Verlust war einfach aus mehreren Gründen Voraussetzung für die Handlung. Einerseits als eine klare Erinnerung an die Gefahren des Bergsteigens, andererseits aber auch als Erklärung dafür, dass sie zunächst nichts mit der Fernsehserie zu tun haben will und dann mit besonderer Vorsicht an ihre Aufgabe als Bergführerin herangeht.

Rhians Vorgeschichte soll uns alle daran erinnern, dass die Toleranz für die LGBT+ Community in der Gesellschaft zwar beträchtliche Fortschritte gemacht hat, aber trotzdem nicht jeder eine märchenhafte Coming Out-Geschichte hat. Manche von uns brauchen Zeit, um uns von der schmerzhaften Erfahrung zu erholen, die uns auf die verschiedensten Arten beeinflusst. Wir haben schon viel erreicht, aber der Weg zur Akzeptanz ist noch immer lang.

 

Eine weitere Besonderheit von Steiler Aufstieg ins Glück sind die atemberaubenden Beschreibungen der Szenerie in Patagonien. Hattest du einen bestimmten Grund dafür, speziell diese Berglandschaft für deinen queeren Roman auszuwählen?

Leider war ich noch nie in Patagonien, möchte das Land aber unbedingt noch besuchen. Die Landschaft, die Berge und die Tierwelt dort werden auf einzigartige Weise von den Wetterbedingungen und den Winden, die diesen Teil von Südamerika vom südlichen Pazifik aus treffen, beeinflusst. Ich habe viele Stunden damit verbracht, die Geografie, Geologie, Flora und Fauna sowie die Klettererfahrungen von Bergsteigern der Gegend zu studieren. Diese Recherchen habe ich mit meinen eigenen Erfahrungen vom Klettern in Europa verbunden, um meine Beschreibungen möglichst realistisch zu halten, ohne selbst dort gewesen zu sein. Der Austausch mit einigen Sportlern, die Patagonien bereist haben, hat mir versichert, dass ich der Realität ziemlich nahe gekommen bin.

 

Andrea Bramhall schrieb ihre erste Geschichte im zarten Alter von sechsdreiviertel Jahren. Sie war sieben Seiten lang und wurde von einem rosa Band zusammengehalten. Seitdem hat Andrea sich ein wenig weiterentwickelt und inzwischen etliche Werke herausgebracht, die nicht mehr von Bändern, sondern mit Leimbindung zusammengehalten werden. 
Sie hat Musik und bildende Künste an der Universität von Manchester studiert. Und ganz bestimmt wird ihr Abschluss eines Tages von Nutzen sein. Möglicherweise.
Wenn sie nicht gerade alle Hände voll zu tun hat mit ihrer Ferienanlage im Lake District, ist sie an ihrem Laptop zu finden, wo sie all die Geschichten aufschreibt, die sie ansonsten nicht schlafen lassen. Oder sie liest, wandert mit ihren Hunden durch die Berge und macht ein paar Tausend Fotos dabei, geht tauchen, um dabei ein paar Tausend Fotos zu machen, schwimmt, fährt Kajak, spielt Saxofon oder fährt Fahrrad. “Steiler Aufstieg zum Glück” ist ihr erster deutscher lesbischer Liebesroman. 

Sommergeflüster zu zweit – der neue lesbische Liebesroman von Harper Bliss

Gepostet von am Nov 13, 2019 in Aus dem Verlag, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Sommergefluester zu zweit von Harper BlissDer lesbische Roman Sommergeflüster zu zweit ist das zweite Buch von Harper Bliss, das vom Ylva Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Wir hatten da mal ein paar Fragen an die Autorin:

 

Kannst du kurz für uns zusammenfassen, worum es in deiner LGBT+ Neuerscheinung  Sommergeflüster zu zweit geht?

Es ist die Geschichte von Alice, einer hart arbeitenden Scheidungsanwältin in den frühen Fünfzigern. Ihre Geschäftspartnerin Miranda fordert sie auf, sich eine Auszeit in deren Ferienhaus in Portugal zu nehmen. Alice lässt sich widerwillig dazu überreden und muss dann aber feststellen, dass Mirandas Tochter Joy sich zur gleichen Zeit im Ferienhaus aufhält. Zuerst kommen sie nicht miteinander aus, aber langsam lernen sich die beiden kennen und verstehen sich immer besser und besser…

 

Hattest du die Geschichte dieser lesbischen Romanze zu Beginn des Schreibens bereits fertig in deinem Kopf ausgeplant oder hat sie sich erst im Laufe des Schreibens entwickelt?

Ich plane die Handlung für meine Bücher normalerweise nicht, sondern lasse mich von der Geschichte und von den Charakteren mitreißen. Da ich lesbische Liebesromane schreibe, weiß ich immer, wie die Geschichte letztlich enden wird (mit einem Happy End), aber ich weiß nicht immer, wie genau die Charaktere ihr glückliches Ende erreichen werden. Bei diesem Buch konnte ich einige der Hindernisse allerdings früh voraussagen, weil so ein großer Altersunterschied zwischen Alice und Joy besteht und Joy zudem die Tochter von Alices Geschäftspartnerin ist.

 

Alice ist ein eher steifer Charakter und scheint vergessen zu haben, wie man das Leben genießt, bis Joy auftaucht und Alices Routinen durcheinanderbringt. Was hat Joy an sich, dass sie solchen Einfluss auf Alice nehmen kann? Und glaubst du, dass der Aufenthalt an einem besonderen Ort oder das Kennenlernen einer besonderen Person das ganze Leben so auf den Kopf stellen kann wie Portugal es mit Alice getan hat?

Ich glaube schon, dass es dich offener für neue Erfahrungen macht, wenn du Abstand zu deinem gewohnten Umfeld nimmst. Alice hätte Joys Annäherungsversuche in ihrem Alltag in London niemals erwidert. In diesem Sinne haben die besonderen Umstände auch ihr Verhalten verändert. Aber was Alice am meisten beeinflusst ist Joys Lebenslust und Gewagtheit, die von ihrer Jugend und Sorglosigkeit bestimmt sind. Das begeistert sie genauso sehr wie es ihr Angst einjagt. Es ist also eine Kombination davon und dem Aufenthalt an einem besonderen Ort, was dafür sorgt, dass die beiden sich schließlich näher kommen können.

 

Der Altersunterschied zwischen deinen queeren Protagonistinnen ist ein Aspekt, der dazu führt, dass Alice die Möglichkeit einer glücklichen Zukunft mit Joy in Frage stellt. Zugleich muss sie vielleicht auch eine Wahl muss zwischen ihren Gefühlen für Joy und ihrer Freundschaft mit Miranda treffen. Wenn deine Charaktere mit solchen inneren Konflikten konfrontiert werden, wie findest du als Autorin den besten Weg für sie, um ihr Happy End zu erreichen?

Durch Schreiben. Für mich ist Schreiben Denken und ich finde immer heraus, was alles passieren muss, während ich es schreibe. Ich glaube stark an Emergenz, was bedeutet, dass während des Schreibprozesses immer die Lösung eines bestimmten Problems auftauchen wird. Manchmal stelle ich trotzdem fest, dass ich mich in eine Ecke geschrieben habe. In diesem Fall gehe ich mit meiner Frau spazieren und bitte sie um Rat – und normalerweise gelingt es uns, eine Lösung zu finden, wenn wir die Dinge durchsprechen.

 

Welche Themen und Motive wählst du für deine lesbischen Bücher am liebsten?

Ich bin definitiv ein großer Fan von Beziehungen mit Altersunterschied! Ich schreibe generell gerne über Themen, die im Genre der Liebesromanzen als Tabu angesehen werden, wie etwa Nicht-Monogamie. Ich neige dazu, vom gewöhnlichen Weg abzuschweifen, unter anderem auch, um selbst daran interessiert zu bleiben. Ich habe in den vergangenen Jahren so viele queere Romane geschrieben, dass es nicht immer genug für mich ist, eine gewöhnliche Romanze zu schreiben. Daher habe ich über Body Positivity geschrieben sowie die Folgen von häuslicher Gewalt und Untreue, um nur ein paar Sachen aufzuzählen. Beim Schreiben möchte ich komplexe Problematiken erkunden. Trotzdem werden Beziehungen mit Altersunterschied immer mein Lieblingsmotiv bleiben!

 

Nach über sieben Jahren in Hongkong wohnt Harper Bliss jetzt mit ihrer Frau und der gemeinsamen, ungemein photogenen Katze „Dolly Purrton“ in Brüssel. Harper hat zahllose englische Bestseller geschrieben und internationale Preise gewonnen.  Sie ist die Mitbegründerin von Ladylit Publishing, einem Independent-Verlag, der sich auf lesbische Literatur spezialisiert hat. “Sommergeflüster zu zweit” ist ihr zweiter deutscher Lesbenroman. Weitere Übersetzungen werden folgen.

Frauen lieben Frauen, auch in der Literatur und auf der Frankfurter Buchmesse

Gepostet von am Nov 3, 2019 in Aus dem Verlag, Neuerscheinung, Veranstaltung/Ylva unterwegs | Keine Kommentare

Ein Tag auf der Frankfurter Buchmesse ist für viele Buchbegeisterte ein abenteuerlicher Ausflug in die Welt der Bücher und für die Mitarbeiter_Innen von Verlagen eine schöne Gelegenheit, Leser_Innen persönlich zu treffen.

So haben wir vom Ylva Verlag zusammen mit unseren Freunden und Standnachbarn vom Querverlag den unsäglich hohen  Temperaturen der Halle 4.1 getrotzt und an allen fünf Tagen enthusiastisch das getan, was wir am meisten lieben: über queere Bücher geredet. Auch in diesem Jahr waren der Queerverlag und der Ylva Verlag wieder einmal die einzigen queeren Verlage auf der gesamten, großen Buchmesse.

 

Ein erster Blick auf LGBTQ+ Neuerscheinungen

Auf jeder Veranstaltung, die wir besuchen, steht der Ylva Verlag für LGBT+ Sichtbarkeit und Repräsentation von Frauen liebenden Frauen in der Literatur. Es freut uns daher immer, wenn Leser_Innen uns neu entdecken. Genauso schön ist es natürlich, wenn bereits vertraute Gesichter uns einen Besuch erstatten, um sich persönlich von unseren Neuerscheinungen erzählen zu lassen. Beides ist uns dieses Jahr mehrfach passiert.

Viele der Leser_Innen hatten dabei die Chance, die neuesten lesbischen Liebesromane gleich nach ihrer Veröffentlichung zu erwerben: Aus der Rolle gefallen von Lee Winter und Sommergeflüster zu zweit von Harper Bliss auf Deutsch sowie Slammed von Lola Keeley und The Roommate Arrangement von Jae auf Englisch.

Gleich fünf unserer Autorinnen waren während der Buchmesse an unserem Stand: Jae, Chris Zett, Ina Steg, Emma Weimann und A. L. Brooks. Es wurden fleißig Bücher signiert und  Erinnerungsfotos geschossen.

 

Besuch aus der ganzen Welt interessiert sich für LGBT+ Bücher

Nicht nur deutsche Leser fanden den Weg zu uns. Am Donnerstag war beispielsweise eine freundliche Illustratorin aus Japan bei uns am Stand. Aus ihrem Heimatland kennt sie Verlage mit queeren Romanen nicht. Wir hoffen sehr, dass sie viel Spaß mit dem lesbischen Liebesroman haben wird, den sie bei uns als Überraschungsbuch erhalten hat. An einem anderen Tag war eine Französin, die sich für deutsche LGBT-Buchverlage und den deutschen Buchmarkt interessierte am Stand und hat mit uns ausführlich die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland in Sachen Lesbenliteratur besprochen.

Ein langes Gespräch haben wir auch mit einem amerikanischen Journalisten geführt, der durch unsere Regenbogenflagge auf uns aufmerksam geworden war. Ihn interessierten besonders die Erfahrungen, die wir als LGBT+ Personen im Laufe unseres Lebens gemacht haben und wieso queere Sichtbarkeit in Büchern so wichtig ist. Er selbst ist heterosexuell und wollte mehr über die LGBT-Community erfahren, um die Lebensrealität seiner LGBT-Freunde besser verstehen zu können.

Stellung gegen Rechts beziehen

Wie schon im letzten Jahr haben wir und viele andere Verlage diese Plattform auch genutzt, um uns mit den Aufklebern und Buttons „Verlage gegen Rechts“ eindeutig gegen nationalsozialistisches Gedankengut und seine Vertreter auf der Buchmesse abzugrenzen.

Wir haben dieser Stellungnahme allerdings noch eins drauf gesetzt. Bei uns gab es zusätzlich Aufkleber mit der Aufschrift „Lesben gegen Alice Weidel. Kein Platz für Nazi-Propaganda“, die uns an auf der Veranstaltung ebenfalls eine Menge interessante Gespräche und Zuspruch eingebracht haben. Diese Aufkleber werden wir auch auf der Leipziger Buchmesse mit dabei haben.

 

 

Queere Bücher in Leipzig

2020 werden wir zum ersten Mal auch auf der Leipziger Buchmesse vertreten sein, wo wir uns mit anderen LGBT+ Verlagen zusammentun, um eine queere Insel inmitten des Messetrubels zu bilden. Dort können Interessierte dann auch an allen Messetagen Bücher bei uns erwerben.

Kommt doch im März auch dort an unserem Stand vorbei. Wir sind sehr gespannt darauf, noch mehr mit Buchfreunden zu plaudern und euch unsere neuen Romane mitzubringen.

Lesbisch in Hollywood – In Lee Winters neustem Liebesroman hält sich niemand ans Drehbuch

Gepostet von am Okt 30, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Der lesbische Roman Aus der Rolle gefallen ist das zweite Buch von Lee Winter, das vom Ylva Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Zu diesem Anlass haben wir mit der Autorin über Hollywood, Sexszenen und ihre brillanten Charaktere geredet.

Kannst du uns kurz zusammenfassen, worum es in deinem neusten queeren Liebesroman geht?

Stell dir vor, Elizabeth Thornton zu sein, das sogenannte „britische Biest“, Hollywoods berühmtester TV-Bösewicht, ganz zu schweigen davon, dass sie eine nicht geoutete Lesbe ist. Und dann musst du so tun, als wäre ein übertrieben fröhliches Mädchen aus LA deine Freundin. Und das alles, um eine Filmrolle zu bekommen (das ist eine lange Geschichte!). Elizabeth ist davon nicht gerade begeistert.

Summer Hayes ist selbst auch lesbisch und nicht out. Ihre Emotionen werden in das reinste Chaos gestürzt, denn sie ist seit Jahren in Elizabeth verknallt und muss jetzt vorgeben, ihre Freundin zu sein. Und dass, obwohl die imposante Frau sie, naja, zu hassen scheint.

Ich hatte so viel Spaß beim Schreiben, es war fantastisch. Es steckt viel Humor darin und fühlt sich an manchen Stellen wie ein skurriles, britisches Drama an.

Aber das faszinierendste an Aus der Rolle gefallen war für mich, hinter die Kulissen von Hollywood zu schauen.

 

Du bist Australierin, aber Aus der Rolle gefallen spielt in Los Angeles und bietet Einblick in die Maschinerie von Hollywood und den Umgang mit den guten und schlechten Seiten von Ruhm. Wie hast du für diese Aspekte der LGBT+ Neuerscheinung recherchiert und was war das Überraschendste, das du über das Leben von Schauspielerinnen herausgefunden hast?

Meine Recherche bestand darin, im Internet so viele Berichte aus erster Hand von Schauspielerinnen zu lesen, wie ich konnte. Unter anderen ging es mir darum, wie sie bestimmte Anforderungen ihres Berufes angehen, zum Beispiel Sexszenen. Und ich hatte das große Glück, die Hollywood-Schauspielerin Kay Aston als Beta-Leserin zu gewinnen. Sie war großartig und hat mich auf die Stellen hingewiesen, bei denen ich nicht authentisch genug war.

Das Überraschendste war, zu hören, was Schauspielerinnen alles über sich ergehen lassen müssen, um Rollen zu bekommen. Wie oft erwarten wir als Zuschauer beispielsweise, die Darstellerinnen auch nackt zu sehen?

Ich weiß jetzt, wie verletzlich und offen für Ausbeutung die Schauspielerinnen in Sexszenen sein können. Das hat eine Szene von Elizabeth und Summer sehr beeinflusst. Sie sind zwei Frauen, die sich respektieren, aber nicht sonderlich gut kennen und schon relativ früh eine sehr konfrontierende Sexszene zusammen drehen müssen.

 

Sagen wir jemand hat Lust, seine Freizeit damit zuzubringen, sich in Tagträumen über Elizabeth und Summer zu verlieren und massenweise Fanart und Fanfiktion zu kreieren. Gibt es reale Personen, von denen man sich inspirieren lassen könnte?

Diese großartige, hypothetische Leserin sollte einen Blick auf Caitriona Balfe und Melissa Benoist werfen. Die beiden Schauspielerinnen waren die physischen Vorlagen für Elizabeth und Summer. Dieses Foto war monatelang an meiner Pinnwand befestigt: https://www.instagram.com/p/BgcrKvCArp7/

 

Du warst Zeitungsjournalistin, bevor du Vollzeitautorin wurdest. Und viele Charaktere deiner queeren Bücher haben Jobs in diesem Bereich. Macht es für dich einen Unterschied, ob du Charaktere aus einem Umfeld schreibst, mit dem du vertraut bist, oder Charaktere, für deren Berufe du recherchieren musst?

Man sollte meinen, dass Bücher über Journalistinnen für mich einfacher wären, oder? Ja, das hab ich auch gedacht, aber das ist eine listige kleine Falle.

Als ich mich bereits auf den Lorbeeren für meinen Roman The Red Files ausgeruht habe, fragte mich ein amerikanischer Redakteur, was eigentlich ein Sozialschriftsteller ist. Das war die Berufsbezeichnung für Lauren – eine Person, die stellvertretend für ihre Zeitung an ‚sozialen‘ Veranstaltungen teilnimmt. Und ich hatte angenommen, dass das auch in Amerika eine gängige Stellenbezeichnung war. Aber nein…

Das Fazit ist also, dass ich bei einem Thema wie Schauspielerei genau weiß, was ich nicht weiß (mit anderen Worten, ich weiß nichts). Bei einem Berufsfeld, in dem ich drei Jahrzehnte lang gearbeitet habe, musste ich erst herausfinden, wo genau meine Wissenslücken liegen.

 

Elizabeth und Summer sind großartige Hauptcharaktere. Aber du hast auch eine einnehmende Besetzung von Nebencharakteren geschaffen. Jetzt habe ich gehört, dass es auch ein Spin-Off-Buch zu Aus der Rolle gefallen geben wird. Kannst du etwas darüber verraten, was uns dort erwarten wird?

Changing the Script by Lee WinterDass Changing the Script ein Spin-Off ist bedeutet, dass es dem eigenen Abenteuer sekundärer Charakteren von Aus der Rolle gefallen folgt. Trotz der bekannten Charaktere kann das Buch aber auch unabhängig von Aus der Rolle gefallen gelesen werden.

Es geht um eine Freundin von Elizabeth, die Indie-Regisseurin Alex. Sie reist nach Neuseeland, um dort den „schlimmsten Film aller Zeiten“ zu drehen. Sie wird begleitet von Summers bester Freundin Chloe und Summers Mutter Skye, die an dem Projekt mitarbeiten.

In Neuseeland hat Alex immer wieder konfliktreiche Begegnungen mit der hübschen, aber nervigen Lokalpolizistin Samantha Keegan. Und Keegan hasst diesen schrecklichen, peinlichen Film mit voller Leidenschaft.

Changing the Script ist das charmanteste Buch, das ich bisher geschrieben habe. Ich liebe die neuseeländischen Nebenfiguren und den Handlungsort. Es hilft, dass ich in Neuseeland geboren wurde und es mir alles vertraut war. Mein Onkel ist Gartenbauspezialist in Neuseeland und hat mir zudem viel bei der Beschreibung meines fiktionalen Waldes geholfen. Nur muss ich ihm jetzt ein Exemplar (komplett mit lesbischen Sexszenen) geben und das wird etwas peinlich werden!

Jedenfalls sind meine Charaktere in diesem Buch ein lockerer, sympathischer Haufen und die Stimmung wird unglaublich humorvoll sein.

 

Aus der Rolle gefallen ist Lee Winters zweite deutsche Veröffentlichung. Lee ist eine preisgekrönte australische Zeitungsjournalistin, die auch für ihre Romane schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Nachdem sie im Lauf ihres Berufslebens in fast allen australischen Bundesstaaten gewohnt hat, ist sie mittlerweile mit ihrer Partnerin in Westaustralien sesshaft geworden. Seit 2016 ist sie Vollzeitschriftellerin und Teilzeitlektorin. In ihrer Freizeit findet man sie entweder bei der Gartenarbeit, mit einer neuen technischen Spielerei in der Hand oder stirnrunzelnd vor dem Fernseher.

“Kaffee mit einem Schuss Liebe” für Leserinnen erotischer Lesbenbücher

Gepostet von am Aug 25, 2019 in Allgemeines, Interview, Neuerscheinung | Keine Kommentare

Kaffee mit einem Schuss Liebe von Harper BlissIm Juli ist im Ylva Verlag der erste deutsche Lesbenroman der belgischen Bestseller-Autorin Harper Bliss erschienen . Wir haben Harper ein paar Fragen zu ihrem Buch gestellt, die sie uns gerne beantwortet hat.

Kannst du kurz für uns zusammenfassen, worum es in deiner lesbischen Romanze Kaffee mit einem Schuss Liebe geht?
Meine Protagonistin Micky ist frisch geschieden und will zum ersten Mal in ihrem Leben einen richtigen Job haben. Sie fängt dann eine Stelle in dem Café „The Pink Bean“ an, das gerade in ihrer Nachbarschaft eröffnet wurde. Danach macht ihr Leben schnell einige Veränderungen durch!

Wie bist du auf den Namen „The Pink Bean“ für das Café gekommen?
In der Nähe meines Wohnortes gab es ein Café namens „The Coffee Bean“. Für mein selbst erfundenes Café wollte ich einen vergleichbaren, aber viel queereren Namen. Seitdem wurde ich vehement darauf hingewiesen, dass „Pink Bean“ auch Slang für einen bestimmten Teil der weiblichen Anatomie ist. Ich schwöre auf mein unschuldiges, lesbisches Herz, dass ich vorher noch nie davon gehört hatte… Aber letztlich hat sich das ja als ganz passend herausgestellt. 😉

Micky ist eine Frau von Mitte vierzig und Mutter von zwei Teenagern. Sie hat sich von ihrem Ehemann getrennt und versucht nun, ihren Platz in der lesbischen Community zu finden. Wie kamst du auf die Idee, einen queeren Charakter zu erschaffen, der sich erst so spät im Leben outet?
Ich habe mich im zarten Alter von 17 geoutet, also habe ich definitiv nicht die gleichen Erfahrungen wie Micky gemacht. Aber seit ich angefangen habe, lesbische Bücher zu schreiben, habe ich sehr viele E-Mails von Frauen im Alter von vierzig oder mehr erhalten, die erst spät in ihrem Leben den Mut gefunden haben, sich zu outen. Oft nachdem sie verheiratet gewesen waren und Kinder großgezogen hatten. Mickys Charakter wurde von all den Leser_innen inspiriert, die mich kontaktiert und ihre Geschichten mit mir geteilt haben.

Die Handlung dieses lesbischen Liebesromans spielt in Sydney. Was hat dich dazu inspiriert, die Geschichte in Australien zu erzählen?
Als ich das Buch geschrieben habe, habe ich noch in Hongkong gewohnt und kam gerade von einer Reise nach Sydney (das ist viel näher an Hongkong als an Belgien, wo ich derzeit lebe). Unser Urlaubshotel war im Stadtteil Darlinghurst und wir haben uns einfach in die Umgebung verliebt.

Robin und Micky sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Ist eine von beiden dir in irgendeiner Art ähnlich?
Ich war ein Auswanderer in Hongkong. Robin ist Auswanderer in Sydney (und davor in Hongkong). Diesen Aspekt haben wir also gemeinsam. Wie Robin weiß ich, wie es ist, weit weg von seinem Heimatland zu leben. Und natürlich auch, welche Herausforderungen sich jemandem in dieser Situation stellen können.

Gibt es einen bestimmten Ort, an dem du gerne schreibst?
Ich wünschte ich könnte sagen, dass ich Kaffee mit einem Schuss Liebe in einem Café geschrieben habe. Aber ich bin leider wirklich nicht der Typ Autor dafür. Ich ziehe es vor, mich an meine Routine zu halten. Das heißt, ich schreibe in meinem Büro, während meine Katze auf dem Stuhl neben mir sitzt (Ich könnte schwören, dass mein Schreiben nicht so gut läuft, wenn sie nicht dabei ist). Und ich habe beim Schreiben immer eine Tasse Kaffee griffbereit.

Apropos Kaffee. Robin holt sich ihren Kaffee jeden Morgen im „The Pink Bean“. Bist du denn auch eine vergleichsweise begeisterte Kaffeetrinkerin? Und wenn ja, welche Art von Kaffee bevorzugst du?
Oh ja, ich trinke wirklich gerne Kaffee. Ich trinke ihn aber nur morgens, um mich vor dem Schreiben in Schwung zu bekommen. Ich trinke meinen Kaffee schwarz und stark (und wenn möglich aus gemahlenen Bohnen). Meine Frau ist im Laufe der Jahre ein wenig zu einem Kaffesnob geworden, daher haben wir alle möglichen Gerätschaften dafür im Haus. Tatsächlich könnten wir unser eigenes „Pink Bean“-Café eröffnen, wenn wir wollten. 😉

 

Nach über sieben Jahren in Hongkong wohnt Harper Bliss jetzt mit ihrer Frau und der gemeinsamen, ungemein photogenen Katze „Dolly Purrton“ in Brüssel. Harper hat zahllose englische Bestseller geschrieben und internationale Preise gewonnen.  Sie ist die Mitbegründerin von Ladylit Publishing, einem Independent-Verlag, der sich auf lesbische Literatur spezialisiert hat. “Kaffee mit einem Schuss Liebe” ist ihr erster deutscher Lesbenroman. Weitere Übersetzungen werden folgen.