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Jae über ihr neues Buch “Westwärts ins Glück”

Gepostet von am Okt 10, 2018 in Allgemeines, Interview | Keine Kommentare

Westwärts ins Glück von JaeVor Kurzem erst hat Jae in den USA einen Preis für ihren Liebesroman „Perfect Rhythm – Herzen in Einklang“ gewonnen. Nach „Aus dem Gleichgewicht“ dürfen ihre deutschsprachigen Leser*innen sich nun auf einen weiteren historischen Roman freuen, der ebenfalls preisverdächtig ist. Im August veröffentlicht der Ylva Verlag den ersten Teil von „Westwärts ins Glück“. In unserem Interview erzählt Jae, was sie am Schreiben historischer Romane fasziniert, wie sie für „Westwärts ins Glück“ recherchiert hat und warum es mehr ist als eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem neuen Roman „Westwärts ins Glück“ geht?

Der Roman spielt im Jahr 1851 auf dem Oregon-Trail, einer Route nach Westen, die damals von Siedlern in Planwagen genutzt wurde. Eine der Hauptfiguren ist Lucinda „Luke“ Hamilton, die als Mann lebt und sich einem Wagenzug nach Oregon anschließt. Um unter all den verheirateten Siedlern nicht aufzufallen, macht sie der Prostituierten Nora einen Heiratsantrag. Nora nimmt an, um ihrer dreijährigen Tochter ein besseres Leben ermöglichen zu können. Sie ahnt nicht, dass ihr frischgebackener Ehemann, mit dem sie die gefährliche und lange Reise nach Westen antritt, in Wirklichkeit eine Frau ist …

 

Der Roman erscheint im deutschsprachigen Raum als Zweiteiler. Warum?

Das hat praktische Gründe. Durch die historischen Details und die ausführliche Charakterentwicklung ist der Roman einfach zu lang, um in einem Band veröffentlicht zu werden. Statt wichtige Passagen zu kürzen und den Leser*innen einen Teil der Reise vorzuenthalten, haben wir uns stattdessen entschlossen, den Roman in zwei Teilen zu veröffentlichen.

 

Nach „Aus dem Gleichgewicht“ sind die beiden Teile von „Westwärts ins Glück“ dein zweiter historischer Liebesroman. Was macht die Arbeit an historischen Romanen für dich als Autorin besonders?

Die Recherchen! Ich interessiere mich sehr für Geschichte und für das Alltagsleben der Menschen in vergangenen Zeiten. Für „Westwärts ins Glück“ habe ich ungefähr ein Jahr recherchiert und weit mehr Material zusammengetragen, als ich für den Roman unbedingt gebraucht hätte. Es macht einfach Spaß, in das Leben der Menschen damals Einblicke zu gewinnen und sich vorzustellen, welchen Gefahren sie auf der Reise nach Oregon getrotzt haben, wie sie ihr Essen zubereitet haben und welche Ausrüstung und persönlichen Gegenstände sie mitgenommen haben.

 

Mit jedem neuen Tag auf Lukes und Noras abenteuerlichen Reise nach Oregon verändert sich auch das Setting. Neben der Landschaft beschreibst du auch das damalige Leben, gibst viele Infos zu den Umständen etc. Wie hast du zu diesem Roman recherchiert?

Ich habe viele Sachbücher zum Oregon-Trail und zum Alltagsleben der Menschen in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts gelesen.
Eine interessante Quelle waren auch Tagebücher der Menschen, die auf dem Oregon-Trail nach Westen reisten, und die ihre Erlebnisse aufgeschrieben haben, sowie Briefe an die im Osten zurückgebliebenen Angehörigen. Auch habe ich mir Kochbücher und Rezepte aus dieser Zeit angesehen, um zu erfahren, was die Menschen damals gegessen und wie sie ihre Nahrung zubereitet haben.

Viele Stunden habe ich auch damit zugebracht, altes Kartenmaterial zu studieren und mir jeden Abschnitt der Reise mit seinen Besonderheiten genau anzusehen, um genau nachvollziehen zu können, welchen Gefahren Nora und Luke ausgesetzt waren.

 

Schon mit „Perfect Rhythem – Herzen in Einklang“ hast du bewiesen, dass du als Schriftstellerin nicht vor schwierigen Themen zurückschreckst. In „Westwärts im Glück“ ist eine der Hauptfiguren, Luke, transgender, oder würdest du sie/ihn eher als genderqueer bezeichnen? Denn Luke entdeckt ja im Laufe der Geschichte immer mehr weibliche Seiten an sich.

Ich bin mir nicht sicher, ob man solche modernen Begriffe auf eine Person des neunzehnten Jahrhunderts eins zu eins übertragen kann. Luke wuchs in einer Gesellschaft auf, die das Geschlecht als etwas strikt Binäres ansah und die starre Geschlechterrollen hatte. Klar ist, dass Luke nie in die traditionelle Rolle der Frauen damals gepasst hat. Sie wollte ein unabhängiges Leben und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen—und das war damals nur wenigen Frauen möglich. Aber ihr Leben als Mann ist für sie auch mehr als nur ein notwendiges Übel. Wie sie Nora im Roman erklärt, fühlt sie sich so einfach am wohlsten. Schon möglich, dass sich Luke, wenn sie heute leben würde, als transgender, nicht-binär oder genderfluid identifizieren würde. Im Laufe des Romans und auch im Folgeroman, Hidden Truths, den ich nächstes Jahr ins Deutsche übersetzen möchte, entwickelt sich ihre Geschlechtsidentität und wird noch komplexer.

 

Was hat dich dazu inspiriert, das Thema Transgender/Genderqueer in einem lesbischen Liebesroman aufzugreifen?

Mein Ziel war es eigentlich weniger, ein bestimmtes Thema aufzugreifen, sondern mehr, eine einzigartige und drei-dimensionale Hauptfigur zu erschaffen, die ihr Leben außerhalb der Konventionen ihrer Zeit lebt. Inspiriert wurde ich dabei von mehreren historischen Personen, die in einem weiblichen Körper geboren wurden, aber zumindest zeitweise als Mann lebten. Laut Schätzungen haben bis zu vierhundert Frauen im US-Amerikanischen Bürgerkrieg als Soldaten gedient. Einige davon lebten auch nach dem Krieg als Mann weiter. Manche heirateten sogar und zogen Kinder auf. Diese Berichte haben mich dazu inspiriert, eine Figur wie Luke zu erschaffen.

 

Hattest du beim Schreiben die Befürchtung, das es die Fans deiner Liebesromane abschrecken könnte, weil sie es eventuell nicht für eine lesbische Liebesgeschichte halten könnten?

Darüber habe ich mir beim Schreiben keine Gedanken gemacht. Und zum Glück wären solche Befürchtungen auch grundlos gewesen. Auch mehrere Jahre, nachdem die erste Fassung des englischsprachigen Romans veröffentlicht wurde, erfreut sich das Buch bei LeserInnen großer Beliebtheit. Viele bezeichnen Luke als ihren absoluten Lieblingscharakter, egal, ob sie Luke nun als lesbische Frau oder als nicht-binäre Person empfinden.

 

Auch mit der anderen Hauptfigur Nora greifst du ein schwieriges Thema auf: Prostitution. Wie ist die Idee entstanden, aus Nora eine Prostituierte zu machen?

Luke entstand als erste Figur des Romans. Nachdem die Grundidee stand, brauchte ich eine zweite Hauptfigur, die verzweifelt genug war, um eine völlig fremde Person zu heiraten und mit ihr die gefährliche Reise nach Oregon anzutreten, ohne allzu viele Fragen zu stellen. Also gab ich Nora Lebensumstände, die ihr allen Grund gaben, diesen verzweifelten Schritt zu wagen. Durch die Heirat mit Luke, einem ehemaligen Offizier, möchte sie ihrer kleinen Tochter ein neues, besseres Leben ermöglichen.

 

Was magst du an deinen beiden Hauptfiguren und ihrer persönlichen Entwicklung während ihrer abenteuerlichen Reise?

Ihre Lebensumstände haben aus Luke und Nora Einzelgänger gemacht, die stets auf sich selbst angewiesen waren und niemandem so recht vertrauen. Ich fand es schön, mitzuerleben, wie sich das im Laufe der Reise und der gemeinsam bestandenen Abenteuer langsam ändert und sie beginnen, einander zu vertrauen und sich zu öffnen. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Luke mit ihrer ehrenwerten Art. Anfangs hat sie kaum gewagt, Gefühle offen zu zeigen, aus Angst, dann für unmännlich gehalten zu werden, doch im Grunde hat sie ein ganz weiches Herz.

 

Am 9. Oktober erscheint dann der zweite Teil von „Westwärts ins Glück“. Kannst du einen kurzen Einblick geben, welche Abenteuer und Probleme auf Luke und Nora auf ihrer Reise gen Westen warten?

Die Hälfte der gefährlichen Reise liegt hinter Luke und Nora, doch weitere Hindernisse—Flußüberquerungen, Treibsand und Auseinandersetzungen im Wagenzug—liegen noch vor ihnen. Luke hat mittlerweile Noras Geheimnis herausgefunden, doch Nora hat zu Beginn von Band 2 noch immer keine Ahnung, wer ihr Ehemann wirklich ist. In Band 2 wird sich das nun ändern.

 

JaeJae hat früher als Psychologin gearbeitet, gab dann aber ihren Beruf auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Mittlerweile sind dreizehn ihrer Romane im Ylva Verlag veröffentlicht worden, zuletzt der Roman Westwärts ins Glück Teil 1 und Westwärts ins Glück Teil 2.

4 gute Gründe, LGBT+ Verlage zu lieben

Gepostet von am Sep 26, 2018 in Verlagswesen | Keine Kommentare

Die meisten herkömmlichen Verlagshäuser bestechen nicht gerade durch Diversity (Diversität/Vielfalt) in ihrem Verlagsprogramm. Denn „Diversity” scheint vor allem eine Phrase zu sein, ein Wort, das inzwischen einfach dazu gehört, um nicht als völlig reaktionär zu gelten. Aber so wirklich ernst scheinen es Verlage mit der Vielfalt nicht zu meinen. Entsprechend schwer haben es Autor*innen mit Manuskripten, die nicht einfach nur den traditionellen Mainstream bedienen. Mit diesen besonderen Werken in großen Verlagshäusern publiziert zu werden ist ein harter Kampf und leider selten mit Erfolg gekrönt.

Im Gegensatz dazu haben LGBT+ Verlage zwar niedrigere Budgets für ihre Projekte und sind generell kleiner, in einigen Fällen mikroskopisch klein. Doch dafür werfen sie sich immer wieder mächtig ins Zeug, wenn es darum geht, Bücher mit bunten und ungewöhnlicheren Charakteren zu veröffentlichen.

Was macht die kleinen LGBT+ Verlage noch besonders?

 

Diversity ist kein Schimpfwort

Obwohl in den Mainstreamverlagen größtenteils Frauen arbeiten,  werden die wichtigen Entscheidungen doch immer noch vor allem von weißen Männern getroffen. Nur wenige Autor*innen sind schwarze Frauen oder Women of Color, auch Autor*innen aus dem LGBT+ Spektrum sind  selten gesehen.

Logischerweise sind in LGBT+ Verlagen entsprechend mehr LGBT+ Autor*innen und LGBT+ Bücher zu finden. Doch auch auf anderen Ebenen findet sich hier mehr Diversity. Ja, es sollte definitiv noch mehr schwarze Autor*innen geben, People of Color, unterschiedliche Ethnizitäten und Nationalitäten, Menschen mit verschiedenen sozialen Hintergründen. Doch genau das wissen die LGBT+ Verlage ohnehin schon zu gut. Und vielen von ihnen ist es sehr ernst damit, vielfältigere Bücher zu veröffentlichen. Generell gibt es immer wieder Forderungen nach mehr Vielfalt in den Medien und auch in Büchern – und dieser Wunsch kommt ganz sicher nicht aus der konservativen Ecke.

 

“Gay” und “Queer” meint nicht nur hübsche, weiße Männer

Wie schön, wenn die großen Mainstreamverlage aus dem englischsprachigen Bereich wie Penguin Random House oder HarperCollins ganz aus dem Häuschen darüber geraten, dass sie ab sofort viele diverse LGBT+ Bücher herausbringen möchten. Doch wenn wir genauer hinschauen, dann handeln die meisten Bücher doch nur von Liebesgeschichten über stereotype weiße Jungs und Männer.

Es ist wirklich toll, dass die Verlage sich ein wenig in den Regenbogen neigen, aber es genügt nunmal nicht, sich bei LGBT+ nur dem Buchstaben „G“ (Gay) zu widmen.

Um zu wirklicher Diversität in Sachen Geschlecht und Sexualität zu gelangen, müssen die Verlage auch die Aufmerksamkeit von lesbischen und bisexuellen Leser*innen auf sich ziehen. Zum Beispiel gibt es im englischsprachigen Verlagsbereich Queer Pack, ein Unterbereich von Ylva Publishing, der alle vergessenen Buchstaben feiert: aromantische, enby (nicht-binäre), asexuelle Charaktere und alles darüber hinaus.

Statt dem gelegentlichen schwulen Buch aus dem großen Verlagshaus findet man bei LGBT+ Verlagen einfach alles von lesbischen Superheld*innen, über trans Kids, bis zu gleichgeschlechtlicher Liebe in Indien.

Sind LGBT+ Verlage einfach besser? Auf jeden Fall. Wie wäre es denn mal mit Geschichten, die nicht zwingend ein Happy End oder die schon hundertmal ähnlich gelesene platte Liebesgeschichte haben? Nicht, dass wir dafür plädieren möchten, unsere queeren Hauptfiguren sterben zu lassen, aber wie wäre es denn mit einem etwas ungewöhnlichem und unerwarteten Buchende? Geschichten mit Menschen, die ganz unterschiedliche Körper haben frei von der Norm? Und Lebensstile, die nicht oft in Romanen vorkommen und die eben nicht dem neusten Lifestyle-Magazin entsprungen zu sein scheinen? Dialoge, die realistisch sind?

Es geht uns nicht nur um Repräsentation, es geht auch und vor allem um Authentizität. Wir brauchen #ownvoices  – Geschichten, die von Menschen erzählt werden, die wissen wovon sie reden, weil sie selbst zum Beispiel lesbisch oder bisexuell sind, und weil sie nicht die Stereotypen und Klischees bedienen, auf die andere Autor*innen mit anderen Perspektiven immer wieder hereinfallen.

 

Die Freiheit und der Mut, Risiken einzugehen

Mainstreamverlage sind nicht die Verlage, die Bücher veröffentlichen, die originell, innovativ oder riskant sind. Als Mainstreamverlage sind sie natürlich vor allem am Verlegen von Büchern interessiert, mit denen sie den Mainstream erreichen – das gilt auch für Bücher, in denen die besagten schwulen Jungs mitspielen. Ein Risiko einzugehen, gehört einfach nicht zu den Interessen dieser Verlage.

LGBT+ Verlage hingegen sind es gewohnt, Risiken mit ihrem Verlagsprogramm einzugehen, das so anders ist als das der Mainstreamverlage. Manchmal wissen sie schon im Voraus, dass sich bestimmte Bücher nicht gut verkaufen werden, aber sie publizieren sie dennoch. Einige LGBT+ Verlage tun dies, um inklusiv zu sein, in vollem Bewusstsein darüber, dass Bücher über ältere Lesben oder auch eine Biographie über eine lesbische Pionierin sich nicht annähernd so gut verkaufen werden wie das Buch über die die coole Ärztin und die sexy Polizistin. Aber die LGBT+ Verlage verlegen die Bücher dennoch. Weil es wichtig ist.

Ein weiteres Beispiel sind junge LGBT+ Autor*innen. Für Mainstreamverlage sind diese Autor*innen eine Nische ohne Nische. Das bedeutet, sie stellen ein Risiko dar, an das sich viele Verlage nicht herantrauen. LGBT+ Verlage hingegen wissen, dass junge LGBT+ Autor*innen neue Ideen mitbringen, ungehörte Geschichten und ungewohnte Perspektiven, und dass sie einen Dreh haben, den die ältere Autor*innen nicht haben. Und was das Risiko angeht? Siehe oben. Abgesehen davon: Wie wären junge Leser*innen besser zu erreichen, als durch junge Autor*innen?

Das Fazit lautet also: Wer jemals von Bibliodiversität gehört hat – die kulturelle Diversität im Bereich der Verlagswelt – der und die weiß, dass es dringend notwendig ist, so viele diverse Bücher wie möglich in die Welt hinauszubringen. Und LGBT+ Verlage machen genau das.

 

Die Zukunft lautet zurückkämpfen

Bei allem, was LGBT+ Verlage tun, ist ihnen immer bewusst, dass die meisten ihrer Leser*innen in liberalen Ländern leben. Viele andere Menschen haben nicht dieses Glück – wir möchten dies als Glück bezeichnen, auch wenn in Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder den USA auch nicht alles rosig ist. Aber hey, zumindest steht es hier nicht unter Strafe, LGBT+ zu sein. Es gibt viele Orte und Länder, in denen LGBT+ Menschen allein durch ihre Existenz großen Risiken ausgesetzt sind. Und diese Leser*innen dürfen wir nicht vergessen. Übrigens ist eines der Top 10 Länder, in denen Ylva Romane gekauft werden, Russland! LGBT+ Literatur ist für Leser*innen oft auch eine Möglichkeit der brutalen oder auch nur grauen Realität zu entfliehen.

Wie sagte es der LGBT+ Aktivist und oscarausgezeichnete Drehbuchautor Dustin Lance Black so schön: “Telling stories is one of the most potent skills in changing culture, because it starts with changing hearts.” (Auf Deutsch etwa: “Geschichten zu erzählen ist eine der mächtigsten Fähigkeiten überhaupt, wenn es darum geht, unsere Kultur zu verändern, denn dies beginnt damit, Herzen zu verändern.“)

Wir als Teil der LGBT+ Verlage möchten weiterhin in neue, diverse Bereiche vordringen. Aber es gibt noch mehr, was wir tun können. Die meisten LGBT+ Verlage repräsentieren nicht alle Buchstaben des LGBTQIA+ Spektrums. Aber wir sind auf dem Weg dorthin.

Bildnachweis: Unsplash/Sara Rampazzo

Milena Klein ist ehemalige Praktikantin des Ylva Verlags. Sie lebt in Mainz und studiert an der Johannes Gutenberg-Universität Buchwissenschaften und Kulturanthropologie.

Dieser Beitrag ist zuerst auf Englisch erschienen:
www.ylva-publishing.com/2018/09/26/lgbt-publishers-beating-big-boys


Wir sind auch dieses Jahr wieder bei der Buchmesse in Frankfurt am Main mit einem eigenen Stand vertreten. Kommt vorbei! Halle 4.1 E55, vom 10.-14. Oktober 2018


Das Skelett im Bunker – Andrea Bramhall über ihren neuen englischen Krimi

Gepostet von am Aug 21, 2018 in Interview | Keine Kommentare

Andrea Bramhall

Die Fans von Andrea Bramhalls Ein Fall für Kate Brannon-Serie (engl. Norfolk Coast Investigation Story) dürfen gespannt sein. Im Juli ist nämlich „Das Skelett im Bunker“, der zweite Teil der britischen Autorin, in deutscher Sprache erschienen. In unserem Interview erzählt Andrea Bramhall unter anderem, wie sie für den zweiten Teil „Das Skelett im Bunker“ recherchiert hat und warum sie mit diesem Kriminalfall auch auf schwierige Themen anspielt. Dabei gibt sie tiefe Einblicke in ihr privates Leben und spricht ganz offen über eigene Erfahrungen.

 

Kannst du uns kurz erzählen, worum es in „Das Skelett im Bunker“, dem zweiten Fall von Detective Kate Brannon, geht?

„Das Skelett im Bunker“ beginnt mit dem Fund eines Skelettes in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der an einem Strand in Norfolk unterhalb eines Golfplatzes liegt. Die Geschichte folgt Detective Kate Brannon und ihrem Team bei den Ermittlungen zu diesem mysteriösen Todesfall.

Währenddessen kommen sich Kate und Gina, die sich im ersten Teil kennengelernt haben, näher. Beide hoffen, dass sich ihre Beziehung weiterentwickelt und sich die Gefühle, die sie füreinander haben, vertiefen.

 

Die Leser*innen finden gleich zu Beginn heraus, wie und warum das Opfer in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg endet. Man erfährt zudem die Beweggründe des Mörders zu töten. Warum hast du dich für dieses Konzept des Erzählens entschieden?

Das habe ich bei jeder Geschichte aus der Ein Fall für Kate Brannon-Serie so gehandhabt, aus dem einfachen Grund, weil ich dem Opfer mehr Persönlichkeit geben wollte. Es sollte mehr als nur Knochen in einem Bunker oder ein toter Körper auf dem Deich sein. Damit das Opfer sich für die Leser*innen realer und greifbarer anfühlt. Und für mich. Es lässt mich tiefer in die Opfer einfühlen, und damit hoffentlich auch die Leser*innen.

 

„Das Skelett im Bunker“ ist ein Krimi mit einer romantischen Nebenhandlung. Und er spielt auf einige schwierige Themen an: Die Qualität der Altenpflege, Euthanasie und PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung). Was hat dich dazu inspiriert, diese Themen aufzugreifen?

Puh, das ist eine schwierige Frage. Die einfache und zugleich schwierige Antwort: Erfahrung.

Während des Studiums habe ich als Aushilfe in Altenpflegeheimen gearbeitet. Ich habe Menschen gesehen, die sich liebevoll um die alten Menschen gekümmert haben, und welche, die grausam und gleichgültig in ihrem Job waren. Und viele Graustufen dazwischen. Als mein Großvater dann die Diagnose Alzheimer erhielt und schließlich in ein Pflegeheim musste, habe ich die andere Seite erlebt. Nichts daran war schön, obwohl alle Beteiligten ihm die beste Pflege zuteilwerden ließen und auch meiner Großmutter zur Seite standen, die meiner Meinung nach mehr gelitten hat als mein Großvater. Vergangenen Februar ist er gestorben. Rückblickend fühlt es sich so an, als hätten wir ihn dreimal verloren: Das erste Mal mit der Diagnose Alzheimer, das zweite Mal, als er nach und nach vergessen hat, wer wir waren, und schließlich, als sein Leiden ein Ende hatte.

All diese Dinge und Erfahrungen fütterten meine irgendwie morbide Faszination für dieses Thema, ließen mich darüber reflektieren und in dieses Thema eintauchen. Angesichts des Verfalls meines Großvaters musste ich wohl unbewusst meine Gefühle und Gedanken darüber ergründen.

Ich fand nur eine einzige Antwort: Dass es keine einfachen Antworten gibt. Jede einzelne Situation im Leben, mag sie auch noch so ähnlich sein, kann nicht auf dieselbe Weise gesehen oder entschieden werden. Denn auch kein Mensch gleicht dem anderen, jeder ist unterschiedlich. Daher habe ich das Thema von beiden Seiten betrachtet, um Antworten zu finden. Näher konnte ich dem ganzen Thema nicht kommen. (lacht)

Das Thema PTBS in der Geschichte aufzugreifen war schon eine schwierigere Entscheidung. Aber ich hatte das Gefühl, es tun zu müssen. Am Ende des ersten Teils aus der Ein Fall für Kate Brannon-Serie macht Gina eine grausame und traumatische Erfahrung. Sie überlebt, aber nicht ohne Narben, körperliche und seelische. Was ich an vielen Buchreihen gar nicht mag, ist, wie oft die Charaktere solche Erfahrungen scheinbar abschütteln wie nichts. Das ist nicht realistisch. Kaum eine*r kann das. Zivilpersonen sind nicht darauf trainiert, mit einer solchen Gewalt und Grausamkeit umzugehen. Gina muss irgendwelche Auswirkungen davon zeigen. Um also sowohl der Figur Gina, als auch dem Leben gerecht zu werden, hatte ich das Bedürfnis, dieses Thema aus Ginas Perspektive aufzugreifen.

 

„Das Skelett im Bunker“ spielt wieder in Norfolk, wo du lange Jahr gelebt und gearbeitet hast. Ist es leichter, wenn man den Schauplatz gut kennt oder ergeben sich gerade daraus beim Schreiben Schwierigkeiten?

Über einen Schauplatz zu schreiben, der einem vertraut ist, hat seine Herausforderungen. Ebenso, wenn der Schauplatz nicht vertraut ist. Wenn er vertraut ist, muss man weniger recherchieren. Aber die Tendenz, zu viel zu beschreiben, ist groß. Man muss darauf achten, die Beschreibungen nicht zu überladen oder reale Menschen in die Szenen zu packen – unbewusst und unabsichtlich natürlich. Ist der Schauplatz hingegen fremd, helfen Vorstellungsgabe und Recherche dabei, Lücken zu füllen. Ich mag die Arbeit mit beiden Methoden. Norfolk habe ich als Schauplatz für die Krimiserie ganz einfach deshalb gewählt, weil die Vorstellung der Mordfälle hier perfekt funktioniert. Ein Umstand, der bei meiner Frau eine gewisse Angst ausgelöst hat (lacht).

 

Woher nimmst du die Ideen für deine Kriminalgeschichten? Ist Norfolk so ein Hotspot für Mord und Totschlag?

(lacht) Überhaupt nicht. Wie in vielen ländlichen Regionen ist die Kriminalstatistik in Norfolk sehr gering. Viel mehr als geklaute Äpfel gibt es hier nicht an Kriminalität. Woher nehme ich die Ideen für die Kriminalgeschichten…? Vorstellungsgabe, glaube ich. Ich finde nahezu überall Inspiration. Diese Geschichte war eine Mischung aus Entdecken und Erforschen eines Bunkers am Strand von Brancaster und der schwindenden Gesundheit meines Großvaters. „Die Tote im Marschland“ entstand, als ich mit den Hunden den Küstenweg entlang ging und hörte, wie die Farmer mit ihren Gewehren auf die Gänse schossen, um sie von den Feldern zu vertreiben. Ich hab mich automatisch geduckt. Und ich dachte Was, wenn hier draußen jemand auf mich schießen würde? Man weiß ja nie! So einfach kann die Inspiration buchstäblich sein.

 

Der zweite Teil greift die Liebesgeschichte zwischen Detective Kate Brannon und Gina Temple, die sich mit den traumatischen Erlebnissen aus Kates erstem Fall auseinandersetzen muss, auf. Was magst du an den beiden Hauptcharakteren und ihrer Liebesgeschichte?

Ach, Kate verdient es einfach, glücklich zu sein. Sie war für so lange Zeit alleine und ist immer für andere da. Und auch Gina hatte so eine besch… Zeit. Ich will, dass beide glücklich sind, und wahrscheinlich lasse ich sie auch dort hinkommen… Aber ich tendiere dazu, dass sie dafür erst noch hart arbeiten müssen.

 

Eine Frage bleibt am Ende des Buches offen. Wird es also einen weiteren Mordfall für Kate Brannon geben?

Ganz sicher. „The Last first Time“ ist im Ylva Verlag bereits in Englisch zu erhalten und wird im Sommer 2019 auch auf Deutsch erscheinen.

 

Andrea Bramhall hat Musik und bildende Künste an der Universität von Manchester studiert und im Jahr 2002 ihren Abschluss in Gegenwartskunst gemacht. Und ganz bestimmt wird es ihr eines Tages von Nutzen sein. Möglicherweise. Wenn sie nicht gerade alle Hände voll zu tun hat mit ihrer Ferienanlage im Lake District, ist sie an ihrem Laptop zu finden, wo sie all die Geschichten aufschreibt, die sie ansonsten nicht schlafen lassen. Oder sie liest, wandert mit ihren Hunden durch die Berge und macht ein paar Tausend Fotos dabei, geht tauchen, um dabei ein paar Tausend Fotos zu machen, schwimmt, fährt Kajak, spielt Saxofon oder fährt Fahrrad. Auf Deutsch ist von Andrea gerade „Das Skelett im Bunker“ erschienen.

Katrin Frank über Knutschpogo, Punk und die lesbische Dorfjugend

Gepostet von am Jul 15, 2018 in Interview | 1 Kommentar

Katrin Frank, Autorin von "Knutschpogo"Unsere Autorin Katrin Frank hat ihren Roman „Knutschpogo – verliebt bis in die Haarspitzen” bei uns veröffentlicht. Ein Jugendroman, ein Liebesroman, aber auch ein Roman über die Nachwendezeit in Thüringen. Wir haben Katrin Frank befragt nach Details zum Buch, zum Schreiben und über das Erwachsenwerden.

 

Worum geht es in deinem ersten Roman im Ylva Verlag, „Knutschpogo“?

Es ist ein Roman über typische Probleme des Erwachsenwerdens: Stress mit der Familie und in der Schule, Streit mit der besten Freundin, die erste Liebe. Kurz gesagt, es geht für die 14-jährige Hauptfigur darum, ihren Platz in der Welt zu finden.

Lexi wächst in einem thüringischen Ort kurz nach der Wende auf und fühlt sich oft ausgegrenzt, weil sie von allen für einen Jungen gehalten wird. Bei dem Häuflein Punks ihrer Kleinstadt findet sie unangepasste Gleichgesinnte: Endlich wird sie wegen ihrer schrägen Punkfrisur angestarrt und nicht mehr wegen ihres androgynen Äußeren. Sie verliebt sich in ein Mädchen aus der Clique, merkt aber schnell, dass sie als dort als Lesbe nicht unbedingt so gut aufgehoben ist.

 

„Knutschpogo“ sagt uns als Wort erst mal nicht so viel. Woher kommt der Titel, und wie seid ihr darauf gekommen, das Buch so zu nennen?

Die Frage ist gut, weil schon einige Leute von mir wissen wollten, was eigentlich ein Knutschpogo sei. Also Pogo ist der Tanz, den die Punks tanzen: gegenseitiges Schubsen, Anrempeln, Anspringen, ruppiges Aneinander-Rütteln, aber nicht aggressiv, sondern respekt- und liebevoll. Tja, und wenn man das jetzt aufs Knutschen überträgt, kommt irgendwas Wildes dabei raus (lacht).

Die Idee war, im Titel die Punk- und die Lovestory unter einen Hut zu bringen, deshalb Knutschpogo. Der Untertitel rückt das Ganze noch mal in ein etwas romantischeres Licht. Wobei ich auch den Gedanken mag, dass manche keine Ahnung haben, was Knutschpogo eigentlich bedeuten soll und vielleicht aus purer Neugier nach dem Buch greifen.

 

Jugendromane sind ja bekannterweise nicht nur für Jugendliche. Viele Erwachsene lesen sie auch mit Begeisterung. Aber wer ist deine „Herzenszielgruppe“, was für Menschen hattest du beim Schreiben als Leser*innen im Kopf?

Eigentlich wollte ich ein Buch für Erwachsene schreiben, die vielleicht mal selbst Punks waren und/oder kurz nach der Wende aufgewachsen sind und sich an diese Zeit erinnern. Erst beim Schreiben fiel mir auf, dass erste Liebe und Identitätsfindungsgeschichten natürlich auch und besonders für junge Leute interessant sind. Es würde mich freuen, wenn junge Leute auch abseits der Großstädte, die mit sich hadern, weil sie ihre Andersartigkeit entdecken, sei es in puncto Liebe oder hinsichtlich ihrer (Geschlechts-)Identität, mein Buch lesen und sich denken: „Ich bin nicht allein, andere haben die Pubertät auch überlebt.“ Das fänd‘ ich schön.

 

„Knutschpogo“ spielt in der Nachwendezeit in einem kleinen Dorf in Thüringen. Hast du dazu eine biografische Verbindung? Was hast du zu der Zeit gemacht?

Wenn ich jetzt sage, dass ich 1994 13 Jahre alt war und das erste Mal mit Punk in Berührung gekommen bin, denken bestimmt viele, das Buch ist 1A autobiografisch. Ist es aber nicht. Das Setting mit Provinz, sich bekämpfenden Punks und Nazis und muffeligen Ostdeutschen, die sich von der Wende verarscht fühlen, entspricht schon meiner damaligen Lebensrealität. Aber davon, so wie Lexi mit ihren 14 Jahren schon so gefestigt in ihrem lesbischen Begehren zu sein, oder so eine coole Punkbraut wie Rosa kennenzulernen, durfte ich damals leider nur träumen.

 

Bei Punks denken die meisten Leute vermutlich erst mal an Männer. Wie bist du darauf gekommen, über lesbische Punks zu schreiben?

Ich hatte Rocko Schamonis „Dorfpunks“ gelesen. Es erzählt, wie er als Jugendlicher in einem schleswig-holsteinischen Kaff aufwächst und den Punk für sich entdeckt. Plötzlich hat alles eine Bedeutung und wird aufregend, selbst wenn er nur mit seinen Kumpels an der Bushalte abhängt. Obwohl ich das Buch sehr mochte, dachte ich gleichzeitig: Wieder eine Geschichte eines weißen, westdeutschen Hetero-Typen, der Punk wird. Was ist denn mit den Frauen? Und was mit dem Osten? Und was ist mit lesbischen Punks? Ich finde, da gibt es viel zu wenige Geschichten.

Die Typen halten sich schon für spannend, wenn sie an ihrem Mofa rumschrauben oder sich in der Dorfdisco mit Prolls kloppen. Für Frauen ist es in der Punkszene ungleich schwerer, weil sie nicht nur mit Leuten zu kämpfen haben, die ihr Anderssein nicht akzeptieren (seien es Eltern, Spießer, Nazis oder dergleichen), sondern weil sie oft zusätzlich mit dem Sexismus ihrer eigenen Kumpels konfrontiert sind. Als ich damals Punk wurde, hatten fast alle Punkfrauen etwas mit einem der Typen aus der Clique und erhielten nur dadurch ihre Berechtigung, obwohl sie genauso Punk waren und überall mitmischten. Solche Geschichten wollte ich erzählen. Und natürlich von der Liebe (lacht).

 

In deinem Buch kämpfen die Punks ja gegen die Nazis in ihrer Stadt. Die beiden Mädchen in deinem Buch sind ganz schön mutig, oder?

Ja, das kann man so sehen. Ich glaube, für viele, die in einem Dorf oder einer Kleinstadt aufwachsen und sich einer Subkultur zurechnen, bleibt die Auseinandersetzung mit Nazis oder derlei Grässlichkeiten nicht aus. Bei den Punks in „Knutschpogo“ geht es um ganz grundsätzliche Dinge, zum Beispiel: Wer darf sich weiterhin auf dem Marktplatz treffen und wer nicht? Als die Nazis den Platz für sich beanspruchen und dort ein Tattoo-Studio eröffnen wollen, sehen sich die Punks verdrängt.

Ich denke, Kampf gegen Nazis ist in der Provinz oft purer Überlebenskampf, weil man sich ständig über den Weg läuft und die öffentlichen Orte, an denen man sich treffen kann, begrenzt sind. Man will sich natürlich weiterhin frei in seiner Stadt bewegen können oder am Wochenende in die einzige Disco am Ort gehen, ohne auf die Schnauze zu kriegen. Und dann muss man etwas tun, egal ob Mädchen oder Junge. Wobei die Nazis damals nach der Wende noch oft (aber nicht immer!) den „Ehrenkodex“ hatten, keine Frauen zu schlagen. Das hat sich inzwischen ja auch geändert.

 

Was fiel dir beim Schreiben schwer?

Schwer fielen mir beim Schreiben vor allem die Liebesszenen zwischen Rosa und Lexi. Ich hab‘ etwas geschrieben und dann gedacht: Dürfen die das wirklich schon machen? Lexi ist doch gerade mal 14. Wenn das meine Kinder wären, gäbe es solchen Schweinkram frühestens ab 17 (lacht). Da musste ich also versuchen, die Sicht meines älteren Ichs abzulegen und wieder an den Punkt zu kommen: Klar dürfen die das, haben wir doch damals auch so gemacht, hehe.

Aufpassen musste ich auch mit der Jugendsprache. Anfang der Neunziger gab es zum Beispiel das Wort „krass“ noch nicht, womit man heute vieles kommentieren würde. Die Figuren im Buch sagen also so Sachen wie „megageil“ oder „echt ätzend“. Hat mir viel Spaß gemacht, mich mit der damaligen Sprache zu beschäftigen, da kamen einige Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.

 

Katrin Frank, Autorin von "Knutschpogo"Katrin Frank wurde 1981 in Suhl geboren und wuchs in einem kleinen Dorf im Süden Thüringens auf. Nach dem Abitur verschlug es sie zum Studium ins hessische Marburg, wo sie erste Prosatexte und Lyrik in unabhängigen Szenezeitschriften veröffentlichte. Seit 2010 lebt sie als freie Schriftstellerin und Lektorin in Berlin. 2016 erschien ihr Debütroman „Dienstag: Homobar“. Ihr zweiter Roman „Knutschpogo – verliebt bis in die Haarspitzen” ist bei uns im Ylva Verlag erschienen.

Daniela Zysk: Lesbenbücher waren meine erste große Liebe

Gepostet von am Jun 19, 2018 in Porträts | 1 Kommentar

Daniela Zysk, LGBTQ Aktivistin und Tierrechtlerin

Daniela Zysk

Meine erste lesbische Liebe waren Bücher. Ich erinnere mich noch heute daran, wie ich schon als Kind in jedem Buch den lesbischen Kontext suchte.

Oh wie sehr hatte ich mir schon in jungen Jahren gewünscht, dass im Buch „Der Trotzkopf“ sich die Hauptdarstellerin Ilse Macket und ihre Schulfreundin Nellie ineinander verlieben und zusammen dem ganzen patriachalen und sexistischen Alptraum entschwinden könnten.

Ohne es zu wissen, verschlang ich Kinderbücher und Jugendbücher um irgendwo die Andeutung einer lesbischen Liebe zu finden. Anfang der 80er Jahre leider noch vergeblich. Natürlich wusste ich damals nicht, wieso ich diese Gedanken hatte. Und ich wusste auch nicht, das andere diese Gedanken nicht hatten.

Mit 15 verliebte ich mich unglücklich in meine beste heterosexuelle Freundin und nach vielen Wochen voller Tränen war mir klar, dass meine Gefühle für eine Frau nicht dem gängigen Prozedere entsprachen. Ich erinnere nicht mehr ganz genau, wann ich für mich das Wort „Lesbisch“ gefunden hatte, aber ich wusste nach meinem inneren Coming-Out, wonach ich suchen musste. Als Leseratte natürlich zuerst in literarischer Form.

 

Flucht in schöne Geschichten und bessere Welten

In detektivischer Kleinstarbeit machte ich mich daran, soviel sapphische Werke wie möglich zu finden und zu lesen. In Zeiten vor dem Internet, hieß das noch, Bibliotheken zu durchforschen und in der nächsten  Großstadt den Frauenbuchladen finden. Oh dieses Gefühl endlich einen neuen lesbischen Roman in den Händen zu halten, der dann auch noch ein Happy-End beinhaltete. Dieses emotionale Hochgefühl kann ich auch heute noch in mir spüren, wenn ich diese Werke in meinem Bücherregal stehen sehe.

Wie wunderbar war es, das erste Mal „Seltsamer Wein“ oder „Stoner McTavish“ zu lesen. Alle diese großartigen Bücher der Verlage Daphne, Ariadne, Frauenoffensive oder Orlando. Es war wie frisch verliebt sein. Es gab seitdem noch viele, viele solcher Momente. Erst durch Romane, später dann auch durch Fanfiction. Diese Geschichten waren und sind noch immer mein emotionales Schutzschild gegenüber dieser oft so grauen Welt. Immer wenn das Leben sich für mich in eine Achterbahnfahrt verwandelt, weiß ich, dass das rettende Ufer nur einen Griff ins Bücherregal oder den Kindle-Shop entfernt ist.

Als vegan lebende Tierrechtsaktivistin sehe ich mit Begeisterung wie das Wort „Vegan“ immer mehr in den Geschichten Einzug hält. Leider allzu oft noch mit einem negativen Unterton. So kann die Heldin des Romans zwar der Heteronormativität entfliehen und in die Arme einer anderen Frau, aber in Bezug auf ihr Essverhalten tickt sie doch weiter „normal“ und tut dies auch oft genauso kund. Als wäre Empathie gegenüber anderen Lebewesen ein negatives lesbisches Klischee das sofort abgeschüttelt werden muss. Es gibt aber schon erste Bücher mit veganen Hauptcharakteren. Etwas, das sicherlich mit der Zeit immer mehr zunehmen wird. Berühmte lesbische und queere Veganerinnen wie Ellen Page, Ruby Rose und Ellen DeGeneres werfen da ihre ethischen Schatten voraus.

Bei Tierrechtsveranstaltungen die ich besuche, treffe ich oft auf mehr lesbische und queere Frauen, als bei vielen LGBT*IQ Events. Der Markt für vegane Heldinnen dürfte also vorhanden sein.

 

Lesben in Filmen, Serien und Fanfiction

Meine zweite Liebe war der lesbische Film. Eine Liebe, die allerdings in den letzten Jahren immer wieder zu sehr auf die Probe gestellt wurde und dadurch etwas abgekühlt ist. Diese Filme werden zwar immer besser produziert, aber die Inhalte sind allzu oft austauschbar und zeigen zu selten ein realistisches oder gar positives Bild lesbischer Liebe.

Das Positive ist aber, dass selbst schlechte Filme und TV-Serien Autor*innen dazu verleiten umso bessere Fanfiction über Frauen zu schreiben. Jetzt sind wir mal ehrlich. Alles nach Staffel 1 von „Once Upon a Time“ war Kinderkacke! Was sind daraus aber wundervolle Fanfictions entstanden. So wie bei vielen anderen Serien davor und auch danach. Vorgegebene Hetero-Paarungen in TV Serien sind für Lesben uninteressant. Sie warten auf diesen einen besonderen Blick zwischen zwei Frauen und plötzlich öffnet sich eine ganz neue Welt für sie. Eine Welt, die von talentierten Autor*innen mit hundert-tausenden Wörtern in epische lesbische Liebesgeschichten verwandelt werden.

Es gibt Frauen, die auf „Lesbian Romance“ (also lesbische Liebesromane) herabschauen, als wäre es ein Kaugummi unter ihren Fußsohlen. Es gab schon Bemerkungen, dass Lesben wegen dieser Art Bücher kein Interesse mehr an politischen Frauenbüchern hätten.  Der Untergang des lesbischen Abendlandes sozusagen.

 

Danke an die lesbischen Verlage und Autor*innen!

Ich persönlich feiere euch, liebe Autor*innen und liebe Verleger*innen. Ich feiere euch, weil viele erfolgreichen Dinge in meinem Leben nicht möglich gewesen wären ohne die Sichtbarkeit von Happy-Ends.

Sichtbarkeit, die ihr mir mit euren Büchern gegeben habt und jeden Tag aufs Neue gebt.

 

Daniela Zysk geboren und aufgewachsen in der schwäbischen Provinz, war über 20 Jahre lang als lesbische Aktivistin in diversen großen queeren Organisationen und Projekten tätig. Unter anderem ColognePride, Homochrom e.V., Webmagazin phenomenelleSeit einiger Zeit widmet sie sich dem Thema der Tierrechte und hat dabei festgestellt, dass die Unterdrückung und Ausbeutung von Non-Humans der von menschlichen Minderheiten und Frauen sehr ähnlich ist. 

Mit ihrem Blog The Vegan Rainbow Project möchte sie vegan lebenden LSBT*IQ-Minderheiten Sichtbarkeit schenken und gleichzeitig auf das Problem der globalen Tierausbeutung aufmerksam machen. 

Die 10 besten Filme, in denen keine Lesbe sterben muss

Gepostet von am Mai 23, 2018 in Filme und Serien | 5 Kommentare

Die 10 besten Filme, in denen keine Lesbe sterben muss!

Kennen wir das nicht alle? Ein romantischer Abend, der Geruch von Popcorn liegt in der Luft und dein heißes Date schmiegt sich an dich. Und gerade habt ihr das neuste, von Kritikern hochgelobte, „queere“ filmische Meisterwerk angeschmissen.

Ihr wisst von welchem Film ich rede. Er ist von diesem schicken französischen Regisseur, der jeden Preis in Cannes abgeräumt hat und sich dann bei seiner Muse, einem 90-jährigen Model, das bei jeder Getränkebestellung Voltaire zitiert, bedankt hat. Also klickst du auf “Abspielen”.

Um die 70. Minute herum bedauerst du dann, dass du nicht auch die queeren Pressestimmen zu diesem unangenehmen Film Noir gelesen hast. Denn, oh welch Überraschung, schon wieder eine tote Lesbe, eine “Killer-Dyke” oder ein absolut psychotischer Schwuler. Der romantische Abend ist ruiniert durch einen Fluss aus Blut, poetischem Klagen, tränenreichen Lobpreisungen und kunstvoller Musik, komplett untermalt mit wehenden Seidenvorhängen.

Wieder mal hast du du die Nase so richtig voll von diesen Drehbuchautor*innen. Immer sterben die Schwulen, Lesben, Queers. Und das, nachdem du schon all die Tode der wunderschönen Lesben und Queers bei Buffy, The 100, Pretty Little Liars, Last Tango in Halifax, The L Word, Wentworth und vielen weiteren überstanden hast. Wahrscheinlich bist du auch schon genauso genervt von all diesen Kampagnen und Blogs, die immer wieder erklären, warum Hollywood endlich aufhören muss, unsere lesbischen Lieblinge zu ermorden, um dann zu merken, dass es in Hollywood wirklich niemanden interessiert.

Aber eins ist sicher, wenn du dein heißes Date mit ihrer laufenden Nase und den großen traurigen Augen so ansiehst; heute Nacht läuft ganz sicher nichts mehr. Und dieser schreckliche Film ist schuld!

Doch die Rettung naht, für alle Liebhaber*innen des lesbischen Films, bei dem am Ende alle Lesben noch leben. (Der Anspruch scheint ja nun wirklich nicht zu hoch.) Für den Ylva Verlag habe ich mich durch die Tiefen des lesbischen Films gegraben, um – in keiner bestimmten Reihenfolge – meine Top-10-Lieblingsfilme aufzulisten, in denen alle Lesben bis zum Abspann gesund und munter sind.

Kommentiert gerne eure Lieblingsfilme, die hier nicht aufgelistet sind 🙂

 

BETTER THAN CHOCOLATE (1999) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Zwei attraktive junge Lesben treffen sich in Vancouver, entwickeln eine leidenschaftliche Romanze und ziehen zusammen. Währenddessen lässt sich die etwas verloren wirkende Mutter von einer der Beiden scheiden und beschließt bei ihnen einzuziehen.

Lees Klappentext: Das fabelhafte Sexleben einer lesbischen Frau mit ihrer neuen Freundin wird erschwert, als ihre Mutter einzieht. Unbeholfen. Awkward.

Warum anschauen: Erinnerst du dich an diese ernsthaften Lesbenfilme, wo du eine Stunde auf den ersten Kuss wartest und eine weitere Stunde auf die erste verstohlene Fummelei? Dieser Film ist keiner von denen. Es gibt direkt zu Anfang fröhlichen, wundervollen, bejahenden Sex mit Christina Cox, einige nachvollziehbare Probleme mit der Mutter zur Mitte des Films, und ein paar Nebencharaktere, die grandios sind. Enthält weniger Nabelschau und mehr Spaß als die meisten queeren Filme. Erfrischend.

Bonuspunkte: Die Nebencharaktere sind einfach klasse. Die Charakterentwicklung von der trans Frau Judy ist kraftvoll und ehrlich. Und die neurotische, strenge LGBT+Buchladenbesitzerin Frances ist einfach urkomisch.

Schauen mit: All deinen Freund*innen. Witziges Trinkspiel: Jedes Mal einen trinken, wenn eine wütende Frances sich darüber beschwert, dass der Zoll ihre queeren Bücher beschlagnahmt hat.

 

DESERT HEARTS (1985) Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine Frau am Abgrund der Scheidung fühlt sich zu der Tochter eines Ranchbesitzers hingezogen.

Lees Klappentext: Eine verklemmte Professorin, die 1959 in Reno auf ihre Scheidung wartet, wird von einer sexy Casino-Arbeiterin verführt.

Warum anschauen: Die Eiskönigin schmilzt …. plus Rockanzüge. Dies ist einer der bahnbrechendsten lesbischen Filme, die es gibt, mit einer brandheißen Sexszene, die zu der staubigen Wüstenkulisse passt. Es gibt Ängste, Kämpfe und fabelhafte, fabelhafte Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen, trotz großer Alterskluft. Ein Happy End für Lesben war sogar 1985 seltener als Goldstaub. Ein echter Lesben-Klassiker.

Bonuspunkte: Eine abgestumpfte Denise Crosby (Tasha Yar aus Star Trek: Next Generation) unter Frauen in einer ihrer ersten Rollen.

Schauen mit: Deiner Seelenverwandten und ausgeschaltetem Handy.

 

IMAGINE ME AND YOU / EINE HOCHZEIT ZU DRITT (2005) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine frisch verheiratete Braut wird von einer anderen Frau betört, die ihre sexuelle Orientierung in Frage stellt. Das sorgt für Aufsehen bei Familie und Freunden der Braut.

Lees Klappentext: Frau trifft Mann, Frau heiratet Mann, Frau rennt mit der Hochzeitsfloristin davon.

Warum anschauen: Auf dem Papier klingt das banal, schrecklich und wie ein Fest für gewissenlose Fremdgänger. Auf dem Bildschirm ist es überraschend erfreulich, unterstützt von Lena Headey in ihrer lässigsten und sympathischsten Rolle als Floristin, die Piper Perabo, das Mädchen von nebenan, verführt. Piper’s Charakter, Rachel, hat sich “niedergelassen”, heiratet ihren besten Freund und ist sich sicher, dass so Liebe aussehen muss. Zumindest bis der sprichwörtliche queere Toaster auf ihrem Kopf landet und Rachel schließlich versteht, warum sie nie irgendwelche Hetero-Schmetterlinge gefühlt hat. Die Ehe wird trotzdem mit großer Sensibilität behandelt, denn man spürt genauso den Schmerz des netten jungen Mannes, inmitten von Rachels Schuld, Konflikt und wachsender Liebe. Entstaubt den liberalen Humor ein wenig.

Bonuspunkte: Anthony Head (Giles in Buffy) hat ein oder zwei komische Kurzauftritte als Rachels betrunkener Vater.

Schauen mit: Deinen Eltern. Sie werden verstehen, warum das mit deinem Schulfreund nie was geworden ist und warum du deiner „Mitbewohnerin“ so nahestehst.

 

SPY GIRLS – D. E. B. S. (2004) Action-Komödie

Offizieller Klappentext: Schulmädchen mit kariertem Rock werden von einer geheimen Regierungsagentur angeworben, um die neuesten Mitglieder der elitären nationalen Verteidigungsgruppe, D.E.B.S., zu werden.

Lees Klappentext: Sexy lesbische Superschurkin verliebt sich in eine süße Geheimagentin und inszeniert eine Entführung, die dem willigen „Opfer“ eindeutig mehr Spaß macht, als den Freundinnen, die nach ihr suchen.

Warum anschauen: Diese herrlich lustige und alberne Parodie wird für dich entweder ein großer Hit oder ein weiterer Reinfall sein. Die meisten Kritiker fixierten sich zu sehr auf die winzigen Miniröcke und die großen Gewehre der Mädchen und schienen nicht zu verstehen, dass hier einfach das komplette Spion-Genre aufs Korn genommen wird, komplett mit dem typischen Bad Girl mit schlechtem russischen Akzent. Ein jugendfreier, elternfreundlicher Film für Jung und Alt, den man immer wieder anschauen kann.

Bonuspunkte: Holland Taylors Cameo. Sie sollte in jedem lesbischen Film dabei sein.

Schauen mit: Popcorn und deiner BFF.

 

SAVING FACE (2004) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine chinesisch-amerikanische Lesbe und ihre traditionalistische Mutter zögern, mit ihren geheimen Liebschaften an die Öffentlichkeit zu gehen, da diese im Gegensatz zu den kulturellen Erwartungen stehen.

Lees Klappentext: Eine niedliche asiatische Liebesgeschichte über eine süße Ärztin, die Tänzerin, die sie daten möchte, und kulturelle Erwartungen.

Warum anschauen: Der Wohlfühlfaktor ist enorm bei diesem Film. Was ausgezeichnet ist, ist, dass die Familienangelegenheiten nicht beschönigt werden, sondern durchgespielt, behandelt und dann akzeptiert werden. Was es noch besser macht, ist die altbekannte Schauspielerin Joan Chen, die sich als exzentrische, unverheiratete schwangere Mutter, in ihrem humorvollen Schauspiel selbst übertrifft.

Bonuspunkte: Kulturelle Vielfalt. Plus Joan Chen. Wir sind ihrer nicht würdig…

Schauen mit: Jedem Liebespartner, egal ob hetero oder homo, plus Pralinen mit cremiger Füllung.

 

BOUND – GEFESSELT (1996) Krimi / Thriller / Drama

Offizieller Klappentext: Corky, eine zähe Ex-Inhaftierte und ihre Geliebte Violet, hecken einen Plan aus, um Millionen von verstecktem Mafia-Geld zu stehlen und Violets zwielichtigen Freund Caesar dafür verantwortlich zu machen.

Lees Klappentext: Zwei sexy lesbische Liebhaberinnen beschließen, Unmengen Geld von einem Gangster zu stehlen, der zufällig auch der Freund von einer der Frauen ist. Er könnte ein kleines Problem damit haben.

Warum anschauen: Dieser Mainstream-Streifen der Wachowski-Geschwister ist aalglatt, sexy, schnell und extrem spannend. Die Verführungsszenen zwischen Jennifer Tilly und Gina Gershon sind Meisterklasse und heizen den Bildschirm so richtig auf. Der Film kommt mit einer Warnung wegen Folter daher, aber es ist nichts, was man mit Vorspulen nicht beheben könnte. Zusammenfassend: ein richtiger Aufreißer.

Bonuspunkte: Obwohl es ein Gangster-Film ist, werden die Frauen nicht gekillt und spielen eine wichtige Rolle im gesamten Plot.

Schauen mit: Deinen thrillerliebenden Lesben-Freund*innen. (Vermeide es, Fleisch oder andere fingerförmige Speisen zu servieren. Aus Gründen.)

 

BUT I’M A CHEERLEADER – WEIL ICH EIN MÄDCHEN BIN (1999) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Ein naiver Teenager wird ins Umerziehungslager geschickt, weil Eltern und Freunde sie verdächtigen, lesbisch zu sein.

Lees Klappentext: Lesben verspotten die Konversionstherapie und lernen stattdessen viel über die Liebe, das Leben und sich selbst.

Warum anschauen: Ich weiß, was ihr denkt, eine spaßige Komödie über Konversionstherapie? Aber da es sich hier um Satire handelt, ist es tatsächlich nicht so schlimm wie es klingt. Abgesehen davon ist die Besetzung wirklich unglaublich, einschließlich Clea Duvall und Michelle Williams. Außerdem, wenn irgendetwas Spott verdient, ist es wohl dieses Thema. Heterosexuelle Kritiker*innen empfanden den Film oftmals als unangenehm, also ein weiterer Pluspunkt.

Bonuspunkte: Mutiges Thema, richtig umgesetzt.

Schauen mit: Ein paar Freund*innen, bunten Cocktails und guter Laune.

 
CAROL (2015) Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine aufstrebende Fotografin entwickelt in den 50er Jahren in New York eine intime Beziehung zu einer älteren Frau.

Lees Klappentext: Unterdrückte Lesbe der 1950er Jahre verführt ein Ladenmädchen inmitten einer Kulisse, die aus einem Vogue-Katalog stammen könnte.

Warum anschauen: Es ist ein ätherischer Film, hohe Kunst, mit Sehnsucht, geheimen Blicken, fallengelassenen Handschuhen, einer außerordentlich grünen Farbpalette und ultra-coolen Lesben. Das ist wirklich wichtiges Kino. Für meinen Geschmack ist es etwas zu distanziert, da ich meine Eisköniginnen gerne mehr schmelzen lasse, als es bei Cate Blanchetts Charakter während der Fahrt mit Rooney Mara der Fall war. Besonders wertvoll macht den Film, dass es auf Salz und sein Preis basiert, einem Klassiker von Patricia Highsmith aus dem Jahr 1952, welcher den lesbischen Hauptcharakteren erstmals ein Happy End schenkte. Das ist den Eintrittspreis allemal wert. Naja, das und Cate Blanchetts atemberaubende Wangenknochen.

Bonuspunkte: Cate knutscht Rooney mit lesbischer Hingabe. Offensichtlich.

Schauen mit: Mit deinen schwulen Kunstfreund*innen und trockenen Martinis.

 

LOVING ANNABELLE (2006) Drama Romantik

Offizieller Klappentext: Annabelle ist der frühreife Neuling an einer exklusiven katholischen Mädchenschule. Funken fliegen zwischen ihr und ihrer Lehrerin, Simone.

Lees Klappentext: Lesbische Schülerin verfolgt ihre unterdrückte heiße Lehrerin an der katholischen Highschool und es endet ungefähr so ​​gut, wie man es erwarten würde.

Warum anschauen: Dieser Film fällt in die Kategorie, etwas zu mögen, obwohl du weißt, dass du es wahrscheinlich nicht tun solltest. Und das ist in diesem Falle gar nicht gut. Aber trotzdem. Seufz. Die Sache ist … die Lehrerin ist heiß. Ihre Schülerin Annabelle sieht und wirkt viel älter als sie ist. Und sie ist die Verfolgerin in diesem romantischen Stelldichein oder es wäre ein gruseliges, räuberisches Machtspiel wie in Bloomington (frag nicht!). Die Sexszene ist schön. Die Chemie ist großartig. Und wenn du freche Out-of-Bounds-Stories magst, ist das wahrscheinlich die Beste. Auch wenn … ach ihr wisst schon.

Bonuspunkte: Ilene Graff als die strenge (möglicherweise ungeoutete) Mutter Immaculata leistet einen phänomenalen Job.

Schauen mit: Viel Rotwein und einer abtrünnigen Katholik*in. Die geben die besten Kommentare ab.


THE WELL (1997) Drama / Thriller

Offizieller Klappentext: Ein Unfall verursacht Schuldgefühle, Angst und Misstrauen, und droht die Beziehung zwischen zwei australischen Frauen zu zerstören.

Lees Klappentext: Eine einsame ältere Frau fühlt sich von ihrer lebhaften Magd angezogen und tut alles, um sie dazu zu bringen, mit ihr in ihrem abgelegenen Farmhaus zu bleiben.

Warum anschauen: Okay, es ist Betrug, es einen lesbischen Film zu nennen, aber er verdient es, gesehen zu werden. Tief in diesem künstlerischen australischen Film liegt eine schmerzhafte, schöne Geschichte von unerwiderter Frauenliebe verborgen. Während es als Mainstream-Film vermarktet wird, würde in diesem spannenden, preisgekrönten Thriller nichts so passieren, wenn sich nicht die jungfräuliche Spätvierzigerin Hester in ihre temperamentvolle Magd verlieben würde. Hester (eine junge Pamela Rabe von Wentworth) würde fast alles tun, um ihre Magd (Miranda Otto) an ihrer Seite zu halten – und die exzentrische junge Frau scheint sich ihrer sexuellen Macht nur zu sehr bewusst zu sein. Der Film hat eine ergreifende, straffe Handlung, an der ein Fremder beteiligt ist, und spielt auf einem abgelegenen ländlichen Bauernhof. Brilliant und suggestiv, es ist die Art von Film, an den ihr jahrelang denken werdet.

Bonuspunkte: Die Farbpalette in Blau und Grau ist so evokativ. Kunststudentenporno. Alle Auszeichnungen.

Schauen mit: Deinen angstliebenden Freunden, hetero und homo. Schokolade in großen Mengen mitbringen.

Copyright des Fotos: pexels.com/Expect Best

Dieser Text ist im Original unter dem Titel “TOP 10 FILMS WHERE NO LESBIANS DIE” im Ylva Publishing Blog erschienen.

 

Lee Winter ist eine preisgekrönte Ex-Zeitungsjournalistin, die schon Texte in fast allen Bereichen veröffentlicht hat. Als Vollzeitautorin und Teilzeit-Redakteurin ist Lee gleichzeitig zweifache Lambda Literary Award-Finalistin und zweifache Gewinnerin des Golden Crown Literary Award. Sie hat gerade “Requiem mit tödlicher Partitur” bei Ylva veröffentlicht.

 

Sind lesbische Liebesromane nur Schund und Kitsch?

Gepostet von am Apr 25, 2018 in Liebesromane | Keine Kommentare

Lesbische Frau liegt am See und liestFast jede lesbische, bisexuelle oder queere Frau hat bei einem Coming-out schon einmal gegen Vorurteile ankämpfen müssen. Selbst heutzutage sind noch längst nicht alle tolerant gegenüber Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen … und auch nicht gegenüber Lesepräferenzen, die von den eigenen abweichen. Leser*innen von Liebesromanen für Frauen liebende Frauen sehen sich oft ähnlichen Vorurteilen ausgesetzt. Lesbische Liebesromane werden, genau wie Liebesromane im Allgemeinen, oft als oberflächlich, seicht und vorhersehbar abgestempelt.

 

EIN COMING-OUT ALS AUTORIN

Mittlerweile finde ich es fast einfacher, mich als lesbisch denn als Autorin von lesbischen Liebesromanen zu outen. Wenn ich neue Leute kennenlerne und sie herausfinden, dass ich hauptberuflich schreibe, sind die meisten sehr beeindruckt und neugierig. Sobald dann die Frage gestellt wird, was genau ich denn schreibe, und ich erzähle, dass ich Autorin von Liebesromanen bin, sind die Reaktionen sehr gemischt. Nicht selten treffe ich auf gehobene Augenbrauen und gerümpfte Nasen.

Selbst Leser*innen von Liebesromanen haben mit solchen Vorurteilen zu kämpfen. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass manche das Lesen von Liebesromanen als ihr „heimliches Vergnügen“ bezeichnen. Eigentlich schade, dass wir uns für etwas, das uns Spaß macht, fast schon schämen und es verheimlichen müssen.

Liebesromane werden oft als schlecht geschriebener Schund abgetan, die einer immer gleichen Formel folgen. Meistens wird das von Leuten behauptet, die keine Liebesromane lesen, aber doch glauben, das beurteilen zu können.

 

SIND LESBISCHE LIEBESROMANE WIRKLICH FORMELHAFT UND ALLE GLEICH?

Natürlich gibt es einige Elemente, die die meisten oder gar alle Liebesromane gemeinsam haben. Meistens lernen sich die beiden Hauptfiguren kennen, es funkt zwischen ihnen, doch Hindernisse tauchen auf, die einer Beziehung im Wege stehen, bis sie es schließlich schaffen, diese Probleme zu lösen. Ein Happy End ist Pflicht in Liebesromanen.

In gewisser Hinsicht könnte man also schon von einer Formel sprechen, der Liebesromane folgen.

Aber ist das automatisch etwas Schlechtes? Eigentlich folgen doch Romane in anderen Genres auch gewissen Konventionen und grundlegenden Plotstrukturen. Die meisten Krimis haben zum Beispiel die folgenden Elemente gemeinsam: Am Anfang wird üblicherweise ein Verbrechen begangen und die Hauptfigur ermittelt dann, um den Schuldigen zu finden. Am Ende des Romans ist der Fall dann gelöst und die Gerechtigkeit siegt. Man könnte also sagen, dass auch Krimis ein Happy End voraussetzen.

In gewisser Hinsicht folgen auch Romane in Genres wie Science Fiction, Fantasy, Horror und Krimi alle einer gewissen Formel. Trotzdem sind es nur Liebesromane, die deswegen einen schlechten Ruf haben.

 

DIE ENTWICKLUNG DER CHARAKTERE STEHT IM VORDERGRUND

Ich persönlich mag den Begriff Formel nicht. Er impliziert, dass Liebesromane allesamt vorhersehbar, langweilig und seicht sind und dass eigentlich jede oder jeder sie ohne große Anstrengung schreiben kann.

Eigentlich handelt es sich bei diesen sogenannten Formeln um Lesererwartungen und Konventionen innerhalb eines Genres. Leser*innen von lesbischen Liebesromanen möchten gerne wissen, was sie erwartet, wenn sie ein bestimmtes Buch kaufen. Nach einem stressigen Arbeitstag möchten sie ihre Zeit nicht mit einem Buch verschwenden, das ihnen vermutlich nicht gefallen wird. Sie möchten ohne große Mühe Geschichten finden, die ihnen höchstwahrscheinlich einen netten Leseabend bereiten werden, weil ihnen zuvor bereits Romane mit einem ähnlichen Muster gefallen haben.

Zwar wissen Leser*innen von Liebesromanen bereits im Voraus, dass die beiden Hauptfiguren am Ende ein Paar werden, doch in einem guten Liebesroman ist das Endresultat nicht so wichtig, sondern eher der Weg dorthin. Die Entwicklung der Charaktere und der Beziehung steht im Vordergrund. Wenn die Autor*in ihre Sache gut gemacht hat, werden die Leser*innen diese Reise gespannt verfolgen und nicht eher aufhören zu lesen, bis sie herausgefunden haben, wie das Paar trotz aller Hindernisse zusammenfindet.

 

DIE KUNST, EINEN GUTEN LIEBESROMAN ZU SCHREIBEN

Innerhalb dieser vorgegebenen Konventionen gibt es Millionen unterschiedlichster Geschichten und Charaktere und Millionen unterschiedlicher Weisen, diese Geschichten zu schreiben. Und genau darin besteht die wahre Kunst, einen guten Liebesroman zu schreiben. Autor*innen sollten sich an die ungeschriebenen Regeln und die unausgesprochenen Versprechen ihren Leser*innen gegenüber halten, gleichzeitig darf aber kein Buch nur ein Abklatsch eines vorigen sein, sondern es muss frisch und fesselnd daherkommen.

Ich behaupte nicht, dass alle lesbischen Liebesromane brillant geschrieben sind. Wie in jedem anderen Genre auch gibt es große Unterschiede in der Qualität. Aber wenn wir auf ein richtig gutes Buch stoßen, das realistische Charaktere, einen fesselnden Schreibstil und eine einfallsreiche Handlung bietet, sollten wir diesen Roman einfach nur genießen können, ohne deshalb Spott oder Grimassen mit gerümpften Nasen zu ernten.

Habt ihr auch schon einmal solche Erfahrungen gemacht? Wie reagiert euer Umfeld auf die Art von Romanen, die ihr gerne lest?

 

Jae hat früher als Psychologin gearbeitet, gab dann aber ihren Beruf auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Mittlerweile sind dreizehn ihrer Romane im Ylva Verlag veröffentlicht worden, zuletzt der Liebesroman “Alles nur gespielt”.

Hazel Yeats über ihren Roman “Küsse in Amsterdam”

Gepostet von am Feb 14, 2018 in Interview | Keine Kommentare

„Küsse in Amsterdam“ ist der erste Roman von Hazel Yeats. Wie der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich um eine Liebesgeschichte, die in der Hauptstadt des Königreichs spielt.

In unserem Interview erzählt Hazel Yeats über ihr Erstlingswerk, was ein Hase in einem lesbischen Liebesroman zu suchen hat und wie es kommt, dass die Geschichte in den Niederlanden spielt.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem Roman „Küsse in Amsterdam“ geht?

Es ist ein lesbischer Liebesroman über das Erwachsenwerden (ein Prozess, der für viele Menschen über 30 immer noch nicht abgeschlossen ist) und darüber, wie schwierig es ist, seinen Platz in der Welt zu finden. Es geht außerdem um das Thema Familie, Freiheit und verbindliche Beziehungen.

Das hört sich sehr tief an. Aber ich garantiere, dass sich durch das Buch durchgängig eine Brise Humor zieht und es um ganz viel Liebe geht.

 

Im englischen Original hat der Roman den Titel „Bunny Finds a Friend“ (übersetzt Bunny findet eine*n Freund*in). Bunny bedeutet im Deutschen „Häschen“. Was hat ein Hase mit einem lesbischen Liebesroman zu tun?

Jude, eine der Protagonistinnen, ist Kinderbuchautorin. Sie ist berühmt und bekannt geworden mit einer Reihe von Büchern über einen weißen Hasen namens Bunny. Ein Buch dieser Reihe heißt Bunny finds a Friend. Aber nicht nur Bunny findet eine*n Freund*in; Cara und Jude finden einander.

 

Deine beiden Protagonistinnen sind recht unterschiedlich, scheinen aber anfangs perfekt zusammenzupassen. Da ist zum einen Cara, eine Niederländerin, die sich weder an einen Job noch an eine Partnerin binden möchte und meint nichts und niemandem etwas bieten zu können. Und dann ist da Jude, eine erfolgreiche amerikanische Schriftstellerin, die weiß, was sie will. Was magst du an den Hauptfiguren deines Romans?

Das was ich am meisten an ihnen mag ist, dass sie so unglaublich unterschiedlich und trotzdem perfekt füreinander sind. Jude tut Cara gut, weil sie ihr zeigt, dass diese sich nicht verändern und nicht den Anforderungen anderer Leute (inclusive ihrer Schwestern) gerecht werden muss. Wenn Cara weiter Pizza ausliefern will statt Karriere zu machen, dann ist das für Jude absolut ok. Sie nimmt und liebt Cara so, wie sie ist und das hilft Cara, nicht mehr vor ihr selber wegzulaufen.

 

„Küsse in Amsterdam“ ist zu 100% ein Liebesroman. Aber er ist auch mehr; er ist gespickt mit einer Brise Humor, eingebettet in eine interessante Handlung. Es geht um Familie, Ziele/Bestimmung, Selbstliebe und Selbstvertrauen und noch einiges mehr. Wie würdest du „Küsse in Amsterdam“ beschreiben? Was ist das Besondere an dem Roman?

Wenn ich einen Liebesroman schreibe, dann hoffe ich natürlich, dass Leser*innen die Liebesgeschichte genießen. Ich möchte, dass sie mit den Protagonist*innen lieben, leiden und lachen. Und ich möchte, dass Leser*innen glücklich sind, wenn Cara und Jude am Ende gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. Tatsache ist aber, dass ich witzige Geschichten mag und Humor lebensnotwenig finde. Deshalb kann ich gar nicht anders, als den auch in meine Geschichten einfließen zu lassen. Wenn meine Leser*innen die Liebesgeschichte und den Humor gemeinsam genießen, bin ich am glücklichsten.

 

Caras sich ständig einmischende Familie spielt nicht nur in deren Leben eine große Rolle, auch in deinem Roman hat sie mehr eine Schlüssel- als eine Nebenrolle. Caras Schwestern und Schwägerin sind wundervoll und urkomisch beschrieben. Welche Rolle spielt Caras perfekt unperfekte Familie für Cara und den Roman?

Ihre Schwestern haben mindestens genauso viel zu lernen, wie Cara. Insbesondere, dass sie ihre Schwestern einfach mal machen lassen müssen und sie nicht immer als ihr gemeinsames Projekt ansehen. Geschwister sind ja eine spannende Sache… auf der einen Seite treiben die Schwestern Cara in den Wahnsinn, wenn sie ihr dauernd ungefragt Ratschläge geben oder ihr Leben kommentieren, auf der anderen Seite sind die Schwestern genau die Personen, die Caras Stütze sind und die, auf die sie sich verlassen kann. Ohne ihre Schwestern würde sie wahrscheinlich keinen weiteren Tag überleben.

 

„Küsse in Amsterdam“ ist dein erster Roman. Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

 Eigentlich war Bunny als Kurzgeschichte für eine Weihnachtsanthologie von Ylva gedacht. Aber dann konnte ich die Deadline für die Anthologie nicht einhalten und habe – nach langem hin und her – die Kurzgeschichte einfach als alleinstehendes Projekt eingereicht. Zu meiner großen Überraschung hat das Ylva Team sich gemeldet und mir gesagt, dass sie sehr interessiert sind und mich dann gebeten, die Kurzgeschichte zu einem Roman umzuschreiben. Die Gelegenheit habe ich natürlich sofort ergriffen. Das Umschreiben und Ausbauen der ursprünglichen Kurzgeschichte hat unendlich viel Spaß gemacht. Die Zusammenarbeit mit dem Ylva Team war eine Freude.

 

Warum hast du die Niederlande, insbesondere Amsterdam, als Schauplatz für deinen Roman gewählt? Spielen diese Orte auch in deinem Leben eine Rolle?

Die Idee, die Geschichte nicht in den USA spielen zu lassen, sondern in Amsterdam, kam von meiner Lektorin. Da ich selber in den Niederlanden lebe, war das überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil, ich hatte so viel Ideen und Erinnerungen an witzige Situationen und interessante Orte, die dann alle in Küsse in Amsterdam eingeflossen sind.

Amsterdam ist eine unglaublich geschäftige, wunderschöne, magische Stadt. Ich selber lebe allerdings in einer Kleinstadt auf dem Land und bin nach einem Tag oder einem Wochenende in Amsterdam urlaubsreif 😉

 

Wie lange hast du zum Schreiben deines Erstlingswerkes gebraucht und wie war der Schreibprozess?

Ich habe fast ein Jahr gebraucht. In der Zeit habe ich herausgefunden, dass ich in der Tat auch längere Geschichten schreiben kann und das war ein fantastisches Gefühl. Ich bin in der Lage mich zu fokussieren, bin leidenschaftlich, diszipliniert und bleibe an einer Geschichte dran – wenn ich das liebe, was ich schreibe. Das Ylva Team und meine Lektorin haben mein erstes Buch zu einer unvergleichbaren und wunderschönen Erfahrung für mich gemacht.

 

Worauf können sich deine (deutschen) Leser*innen als Nächstes freuen? Schreibst du wieder an einem Liebesroman oder an etwas ganz anderem?

Ich bin kurz davor meinen zweiten Roman zu beenden. Die neue Geschichte ist kein reiner Liebesroman. Es geht um Familie, Schicksal, Schuld, Geheimnisse und Lügen. Aber ja, vor allem wird es um die Liebe zwischen zwei ganz besonderen Frauen gehen.

 

Unsere Autorin Hazel Yeats lebt in den Niederlanden, dem Land der flachen Köge, blühenden Landschaften und des vielen Wassers. Schon in jungen Jahren wusste sie, dass sie schreiben wollte, doch es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis es endlich ein Roman wurde. Von da an gab es dann kein Zurück mehr – sie war Feuer und Flamme.
Wenn sie sich nicht in ihrem Hauptberuf abrackert, fährt sie Rad, trinkt Cappuccino oder macht sich die Hände in ihrem Gemüsebeet schmutzig. Und sie singt, in einem nicht wirklich ambitionierten Chor. Man würde sie nicht für einen Sopran halten, doch das ist sie.

 

Lee Winter über ihren Roman “Requiem mit tödlicher Partitur”

Gepostet von am Dez 13, 2017 in Interview | 1 Kommentar

Für die deutschen Leserinnen mag Lee Winter noch recht unbekannt sein. In den USA hingegen hat die australische Journalistin schon mehrere Auszeichnungen für ihre Romane erhalten. Mit der Veröffentlichung ihres neuen Romans „Requiem mit tödlicher Partitur“ (Originaltitel Requiem for Immortals) im November 2017 ist Lee Winter nun auch im deutschsprachigen Raum nicht länger eine unbekannte Persönlichkeit, denn dieser Roman ist etwas ganz besonderes.

In unserem Interview spricht Lee Winter über „Requiem mit tödlicher Partitur“, über ihren Schreibprozess und davon, wie das Foto einer australischen Schauspielerin die Idee zu diesem Roman entfacht hat.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem Roman „Requiem mit tödlicher Partitur“ geht?

Als eine der angesehensten, australischen Cellistinnen – mit einer geheimen Identität als Auftragsmörderin – hält Natalya sich für unantastbar. Doch was passiert wohl, wenn sie beauftragt wird, eine Unschuldige zu töten? In meinem Roman geht es um die allmähliche Dekonstruktion ihres machtvollen Selbstbildes. Stück für Stück muss sie erkennen, dass sie nicht nur weniger unantastbar ist, als gedacht, sondern auch verletzlich in Konfrontation mit unerwarteten Gefühlen.

 

Obwohl der Roman dem bekannten Schema von Killer verliebt sich in sein Ziel und kann den Auftrag deshalb nicht mehr ausführenfolgt, ist dieses Buch mehr als nur“ ein Thriller. Und gleichzeitig ist es aber auch kein Liebesroman. Es geht es um Gefühle, aber auch um Macht und Kontrolle. Wie würdest du „Requiem mit tödlicher Partitur“ beschreiben? Was macht diesen Roman so besonders?

Er beschreibt die Entwicklung einer unnahbaren Assassine zurück zu einer gewöhnlichen Sterblichen. Zu Beginn tritt sie so selbstbewusst auf, so stark und in sich gefestigt. Sie ist davon überzeugt, dass sie so etwas Erbärmliches wie Mitmenschen oder Liebe nicht braucht. Sie lebt ausschließlich für Macht und Kontrolle. Die Loslösung von dieser Überzeugung macht den Roman so besonders. Requiem hätte nie erwartet, dass ihre Mauern durchbrochen werden könnten. Ich liebe es, wie es sie verängstigt, als ihre Barrikaden zu bröckeln beginnen und sie versucht, vor sich selbst zu leugnen, dass immer mehr Emotionen sich ihren Weg an die Oberfläche bahnen.

 

Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

Durch eine Schauspielerin der australischen Version des Gefängnis-Dramas Wentworth namens Pamela Rabe. Ich habe zufällig ein Foto von ihr gesehen, auf dem sie in eine schwarze Jacke gekleidet ist, elegant an einer Wand anlehnt und zur Seite schaut. Ihre Körpergröße von 1,83 m lässt sie dabei imposant wirken. Ihr Gesichtsausdruck unter den langen, schwarzen Haaren hat mich fasziniert. Ich dachte: „Oh mein Gott, sie könnte jemanden ermorden, ohne mit der Wimper zu zucken. Und niemand würde sie jemals verdächtigen!“

Ich bin Pamela einige Male begegnet und in der Realität ist sie so liebenswürdig und hat keinen einzigen, gemeinen Knochen in sich. Aber in dem Moment, als ich diesen kühlen Blick sah, schossen mir unzählige Möglichkeiten durch den Kopf. Ich habe mir eine Auftragsmörderin mit ihrem Gesicht vorgestellt. Mein Verstand hat dann die Lücken gefüllt: Was würde sie tun und warum? So wurde Requiem geboren.

 

Natalya Tsvetnenko aka Requiem ist eine Auftragsmörderin. Das ist nicht gerade eine Figur, mit der man sich als Leserin leicht identifizieren kann – noch dazu, weil sie unnahbar ist und sich anderen Menschen mit ihren Schwächen gegenüber erhaben fühlt. Wie bist du auf die Idee gekommen, eine der beiden Hauptfiguren zu einer Assassine zu machen?

Ich weiß, dass niemand eine Mörderin lieben sollte und ich war besorgt, dass die Leser das auch nicht tun würden. Aber ich dachte: Was, wenn ich ihre äußeren Schichten langsam abstreifen und zeigen würde, dass sie keine Soziopathin ist. Stattdessen ist sie von Leuten, denen sie vertraut hat, dazu erzogen und trainiert worden, ihre Emotionen in sich zu vergraben, bis sie zu der arroganten Mörderin wurde, die uns im Roman zunächst begegnet. Ich habe gehofft, dass Leserinnen nach und nach anfangen würden, ihre menschliche Seite zu verstehen und zu lieben – so, wie ich es getan habe. Dass sie ihre Verletzlichkeit erkennen würden. Auch wenn sie tötet, beseitigt sie nur die Schlimmsten der Schlimmsten. Und ihre Taten sind definitiv nicht alles, was sie ausmacht.

 

Die eine Hauptfigur ist eine Killerin. Die andere, Alison Ryan, scheint das komplette Gegenteil davon zu sein. Was magst du an den Hauptfiguren deines Romans?

Sie ergänzen sich gegenseitig perfekt. Requiem ist auf der Hut vor anderen Auftragsmördern, vor Leuten wie sie selbst. Sie würde niemals erwarten, durch jemanden verwundbar zu werden, der so unschuldig ist. Alison kann selbst eine Auftragsmörderin dazu bringen, ihren Schutzpanzer abzulegen – indem sie einfach nur Alison ist. Und hinsichtlich Familie und Persönlichkeit sind die beiden sich sehr ähnlich, auch wenn das nicht von Anfang an offensichtlich ist. Sie verstehen einander auf eine Art, die man zunächst nicht für möglich hält.

 

Wie der Titel schon erahnen lässt, spielt klassische Musik eine wichtige Rolle in dem Buch. Nimmt sie auch eine wichtige Rolle in deinem Leben ein? Und hat sie dich beim Schreiben des Buches inspiriert?

Wenn es um Musik geht, bin ich ein ziemlich hoffnungsloser Fall. Ich gehöre zu den Menschen, über die Natalya/Requiem in meinem Buch schimpft: Diejenigen, die schöne Noten erkennen und es genießen, Musik zu hören – besonders klassische Musik – aber nicht von ihr auf eine ursprüngliche, alles verzehrende Art der Leidenschaft ergriffen werden, wie es für Requiem ist. Musik ist das Ventil ihrer Emotionen, da sie sich ihrer Gefühle in jedem anderen Teil des Lebens entsagt. Nicht einmal beim Sex erlaubt sie sich, etwas zu fühlen. Dieser ist für sie nur ein amüsantes Machtspiel.

Ich weiß Musik viel mehr zu schätzen, seit ich Requiem ‚getroffen‘ habe. Sie hat mich gewissermaßen gelehrt, die Musik auf tieferer Ebene fühlen zu können.

 

Warum spielt Natalya aka Requiem von all den möglichen Instrumenten ausgerechnet das Cello, nicht Violine oder Flöte?

Ich wollte ihr ein Instrument geben, das groß ist, eindringlich, imposant, kraftvoll und nicht einfach auszublenden. Genauso wie Requiem.

 

Wie lange hast du zum Schreiben dieses Buches gebraucht?

Vier Monate. Ich hab es geschrieben wie im Rausch. Es hat mich in jeder wachen Minute verzehrt. Ich habe von Requiem geträumt. Es war, als würde sie mir ihre Geschichte ins Ohr flüstern und ich habe sie stürmisch herunter geschrieben. Ich habe das Schreiben noch nie zuvor und nicht mehr seitdem auf diese Weise erlebt. Es hat sich angefühlt wie ein außergewöhnliches, persönliches Geschenk, das mir in Form einer Geschichte übergeben wurde. Ich konnte sie noch Monate, nachdem ich das Buch abgeschlossen hatte, nachts zu mir flüstern hören! Ich scherze gerne, dass ich Requiems Biografin bin.

 

War die Geschichte zu Beginn des Schreibens bereits fertig in deinem Kopf oder hat sie sich erst im Laufe des Schreibens entwickelt?

Ich habe die ganze Geschichte wie einen Film in meinem Kopf gesehen. Alles davon. Ich wusste, welche die ersten und letzten Zeilen (die sich sehr ähnlich sind) sein würden, bevor ich auch nur ein einziges Wort aufgeschrieben habe. Das einzige Problem, das sich mir gestellt hat, war die Perspektive. Einmal hatte ich ein ganzes Buch aus der Sicht von Requiem vor mir. Dann aus der von Alison. Letztlich habe ich beide Varianten zusammengebracht und daraus ergab sich die endgültige Version.

 

Die Wendungen in dem Roman sind nicht selten überraschend, ganz besonders das Ende lässt die Leserinnen staunen. Außerdem lässt es Raum, die Geschichte um Natalya und Alison Ryan weiterzudenken. Wird es irgendeine Art von Fortsetzung zu „Requiem mit tödlicher Partitur“ geben?

Es gibt eine Kurzgeschichte von 10.000 Wörtern, die „Requiem mit tödlicher Partitur“ fortsetzt. Sie ist gerade auf Englisch unter dem Titel „Love Is Not Nothing“ erschienen. Beschrieben wird darin ein einzelner Tag aus Requiems Leben, zwei Jahre nach dem Ende des Buches. Außerdem wird aufgeklärt, ob Requiem immer noch Menschen umbringt und was sie für Alison fühlt.  Ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber hinaus noch etwas schreiben werde. Ich habe eine Idee für einen weiteren Roman, aber Requiem ist ein Charakter, der so emotional aufreibend zu schreiben ist, dass ich mich für mindestens ein Jahr nicht mehr an sie wagen werde. Ich schätze, es kommt ganz darauf an, ob sie wieder anfängt, mir zuzuflüstern!

 

Ylva Autorin Lee Winter ist eine preisgekrönte australische Zeitungsjournalistin, die auch für ihre Romane schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Nachdem sie im Lauf ihres Berufslebens in fast allen australischen Bundesstaaten gewohnt hat, ist sie mittlerweile mit ihrer Partnerin in Westaustralien sesshaft geworden. Seit 2016 ist sie Vollzeitschriftellerin und Teilzeitlektorin. In ihrer Freizeit findet man sie entweder bei der Gartenarbeit, mit einer neuen technischen Spielerei in der Hand oder stirnrunzelnd vor dem Fernseher. 2017 wurde ihr Roman „Requiem mit tödlicher Partitur“ von uns ins Deutsche übersetzt.

Perfect Rhythm – Herzen im Einklang: der neue Liebesroman von Jae

Gepostet von am Okt 11, 2017 in Interview | Keine Kommentare

PerfectRhythm(german)-3D-BookCover-transparent_backgroundDie Fans von Jaes Büchern dürfen gespannt sein. Mit ihrem neuen Roman „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ spricht die Autorin wieder die Herzen ihrer Leserinnen an. Doch dieser Liebesroman ist anders.

In unserem Interview erzählt Jae, worin sich dieser Liebesroman von ihren bisherigen unterscheidet und warum sie sich dazu entschieden hat, dass eine ihrer Hauptfiguren asexuell ist. Und die Autorin gibt uns einen Einblick, wie sie zu ihrem neuen Roman recherchiert hat.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem neuen Roman „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ geht?

Eine der beiden Hauptfiguren ist Leontyne Blake, ein gefeierter Popstar, die aber beruflich ausgebrannt ist und auch ihren Glauben an die Liebe verloren hat. Frauen geht es immer nur um ihr Image oder ihr Geld.

Als sie erfährt, dass ihr Vater einen Schlaganfall hatte, kehrt sie widerwillig in die Kleinstadt zurück, in der sie aufgewachsen ist. Dort lernt sie Holly kennen, die Krankenschwester ihres Vaters. Holly ist völlig anders als alle Frauen, die Leo je kennengelernt hat – nicht nur, weil Leos Berühmtheit und ihr Geld sie nicht beeindrucken, sondern auch, weil Holly asexuell ist.

In dem Buch geht es darum, wie die beiden trotz ihrer Unterschiede lernen, zu einem harmonischen Einklang zu finden.

 

„Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ ist dein elfter Liebesroman. Worin unterscheidet er sich von deinen bisherigen Liebesgeschichten?

Ich denke, auch dieser Roman hat genau das, was meine Leserinnen an meinen Büchern schätzen: dreidimensionale und glaubhafte Charaktere, die nicht schon auf Seite zwei miteinander ins Bett hüpfen, sondern die sich im Laufe eines längeren Romans kennenlernen, sodass eine echte Verbindung zwischen ihnen entsteht.

Was an diesem Roman anders ist, ist die sexuelle Orientierung einer der beiden Hauptfiguren. Holly identifiziert sich als homoromantisch und asexuell, was bedeutet, dass sie sich romantisch zu Frauen, hingezogen fühlt, sie aber keinerlei sexuelle Anziehung empfindet.

In den meisten Liebesromanen ist die sexuelle Anziehung zwischen den beiden Hauptpersonen einer der Faktoren, die die beiden schließlich zusammenbringen. Leos und Hollys Beziehung hingegen basiert auf anderen Grundlagen, einschließlich einer großen emotionalen Intimität. Ich denke, dass auch nicht-asexuelle Leserinnen sich sehr viel von diesem Roman mitnehmen können.

 

Was hat dich dazu inspiriert, das Thema Asexualität und die Probleme, auf die man in einer Beziehung zwischen einer asexuellen und einer allosexuellen Frau stoßen kann, aufzugreifen?

Eine gute Freundin von mir ist asexuell und mir ist aufgefallen, dass es bis vor Kurzem keinen einzigen (Liebes-)Roman mit einer weiblichen asexuellen Hauptfigur gibt. Nicht einen einzigen! Ich finde es wichtig, dass jede(r) Jugendliche und natürlich auch jeder Erwachsene sich in Büchern und anderen Medien wiederfinden kann. Für mich selbst war es ein Schlüsselerlebnis, Romane mit lesbischen Hauptfiguren zu entdecken und mich selbst darin wiederzufinden. Dieses Erlebnis bleibt den meisten asexuellen Leserinnen jedoch verwehrt. Deshalb wollte ich dazu beitragen, ihnen das zu ermöglichen und außerdem meinen nicht-asexuellen Leserinnen diese nahezu unbekannte sexuelle Orientierung etwas näherzubringen.

 

Hattest du beim Schreiben die Befürchtung, das Thema Asexualität könnte die Fans deiner Liebesromane abschrecken oder werden die Leserinnen dennoch auf ihre Kosten kommen und typische Elemente der Jae-Liebesromane finden?

In der Tat hatte ich ein wenig Bedenken, dass die eine oder andere Leserin den Klappentext lesen und das Buch wieder aus der Hand legen könnte, in dem Glauben, dass es sich nicht um einen „richtigen“ Liebesroman handelt. Aber ich hoffe darauf, dass die meisten Leserinnen dem Buch eine Chance geben und sich vom Gegenteil überzeugen lassen. Ich persönlich glaube sogar, dass „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ eines meiner schönsten und romantischsten Bücher ist und Leserinnen nichts missen werden.

 

Die andere Hauptfigur Leo unterscheidet sich sehr von Holly, außer, dass sie auch nicht mehr an die Liebe glaubt. Wie bist du auf die Idee gekommen, aus Leo einen Popstar zu machen?

Anfangs hatte ich nur genaue Vorstellungen von Holly, während die andere Hauptfigur noch völlig unklar war. Einerseits wollte ich eine Person, die völlig anders als Holly ist, andererseits musste es jedoch eine Frau sein, die sie perfekt ergänzt und die Holly vor allem so akzeptieren kann, wie sie ist, inklusive ihrer Asexualität. Für Leo sollte Hollys Asexualität im Grunde sogar etwas Positives und Liebenswertes sein. So kam ich auf die Idee, aus Leo einen Popstar zu machen, die von ihren Fans als Sexsymbol gefeiert und von ihrem Manager dazu angehalten wird, sich möglichst aufreizend zu kleiden. „Sex sells“ lautet die Devise für einen Popstar und davon hat Leo gründlich die Nase voll.

 

Der Roman verwebt die Liebesgeschichte zwischen Leo und Holly mit Leos Geschichte und den Schwierigkeiten mit ihren Eltern. War es beim Schreiben schwer, beide Stränge unter einen Hut zu bekommen?

Nein, überhaupt nicht. Leos Auseinandersetzung mit ihrer Heimatstadt und ihren Eltern ist etwas, in das ich mich gut hineinversetzen konnte. Holly ist ein typisches „Kleinstadtmädchen“ und repräsentiert scheinbar alles, was Leo eigentlich hinter sich zurücklassen wollte. Doch je besser sie Holly kennenlernt, umso mehr stellt sie fest, wie viel Liebenswertes sich doch hinter der Kleinstadtfassade versteckt. So fängt Leo an, auch ihre Beziehung mit ihren Eltern zu hinterfragen und vieles in einem neuen Licht zu sehen. Die beiden Handlungsstränge beeinflussen sich also gegenseitig, bis sie am Ende untrennbar verwoben sind.

 

Beim Lesen bekommt man einen tiefen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt eines asexuellen Menschen und auch die Konflikte, mit denen Leo als Gegenstück in dieser Konstellation zu kämpfen hat, beschreibst du sensibel. Wie hast du zu dem Thema recherchiert?

Die Recherchen dazu habe ich schon vor drei Jahren begonnen. Ich habe sämtliche Sach- und Fachbücher zum Thema Asexualität gelesen, die ich finden konnte, außerdem unzählige Berichte und Videotagebücher von asexuellen Personen, die von ihren Schwierigkeiten beim Coming-out oder in Beziehungen berichtet haben. Außerdem habe ich mich in vielen Gesprächen intensiv mit einer asexuellen Freundin unterhalten, bis ich das Gefühl hatte, das breite Spektrum Asexualität richtig verstanden zu haben und ihm gerecht werden zu können.

Zum Glück habe ich auch mehrere asexuelle Personen gefunden, die bereit waren, das Manuskript zu lesen und mir Rückmeldung zu geben zu allem, was womöglich nicht so ganz gepasst oder gefehlt hat.

Mittlerweile haben mich auch schon E-Mails von asexuellen Leserinnen erreicht, die von dem Buch begeistert waren und sich in Holly wiederfinden konnten. Schon allein deswegen hat sich der Rechercheaufwand definitiv gelohnt!

 

Wie bist du auf den Titel „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ gekommen?

Ich wollte einen Titel, der auf Leos musikalischen Hintergrund hindeutet, der zugleich aber auch darauf anspielt, dass zu einem harmonischen Einklang in einer Beziehung nicht unbedingt für alle Paare Sex nötig ist. Ich persönlich mag solche Titel, bei denen mehr als eine Bedeutung mitschwingt.

 

Kannst du deinen Fans einen Ausblick geben, worauf sie sich als Nächstes freuen dürfen?

Mein nächstes Buch für meine deutschen Leserinnen wird ein historischer Liebesroman mit dem Titel „Aus dem Gleichgewicht“ sein, der im Februar 2018 erscheinen soll. Der Roman spielt im Jahr 1906 in San Francisco. Die reiche Reederstochter Kate soll eigentlich einen wohlhabenden Mann heiraten, doch stattdessen möchte sie Fotografin werden. Zum Missfallen ihrer Eltern freundet sie sich dann auch noch mit dem sizilianischen Dienstmädchen Giuliana an. Während die beiden gegen ihre aufkeimenden Gefühle ankämpfen, erschüttert ein heftiges Erdbeben San Francisco…

 

JaeUnsere Autorin Jae wuchs im Weingebiet Süddeutschlands auf. Bis im Dezember 2013 arbeitete sie als Psychologin, gab dann aber ihren Beruf auf, um Vollzeitschriftstellerin und Teilzeitlektorin zu werden. In ihrer Freizeit liest sie nach wie vor gerne, frönt ihrem Eiscreme- und Schreibwarenfaible und schaut viel zu viele Krimiserien. Gerade ist ihr Roman “Perfect Rhythm – Herzen im Einklang” im Ylva Verlag erschienen

Der Ylva Verlag und Jae werden dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse sein. Jae ist am Samstag und Sonntag da (14.10./15.10.) und signiert an beiden Tagen von 14.00 bis 14.30 Uhr ihre Bücher für euch. Ihr findet uns in Halle 4.1, Stand A41.