Ylva Verlag

Blog



Katrin Frank über Knutschpogo, Punk und die lesbische Dorfjugend

Gepostet von am Jul 15, 2018 in Interview | Keine Kommentare

Katrin Frank, Autorin von "Knutschpogo"Unsere Autorin Katrin Frank hat ihren Roman „Knutschpogo – verliebt bis in die Haarspitzen” bei uns veröffentlicht. Ein Jugendroman, ein Liebesroman, aber auch ein Roman über die Nachwendezeit in Thüringen. Wir haben Katrin Frank befragt nach Details zum Buch, zum Schreiben und über das Erwachsenwerden.

 

Worum geht es in deinem ersten Roman im Ylva Verlag, „Knutschpogo“?

Es ist ein Roman über typische Probleme des Erwachsenwerdens: Stress mit der Familie und in der Schule, Streit mit der besten Freundin, die erste Liebe. Kurz gesagt, es geht für die 14-jährige Hauptfigur darum, ihren Platz in der Welt zu finden.

Lexi wächst in einem thüringischen Ort kurz nach der Wende auf und fühlt sich oft ausgegrenzt, weil sie von allen für einen Jungen gehalten wird. Bei dem Häuflein Punks ihrer Kleinstadt findet sie unangepasste Gleichgesinnte: Endlich wird sie wegen ihrer schrägen Punkfrisur angestarrt und nicht mehr wegen ihres androgynen Äußeren. Sie verliebt sich in ein Mädchen aus der Clique, merkt aber schnell, dass sie als dort als Lesbe nicht unbedingt so gut aufgehoben ist.

 

„Knutschpogo“ sagt uns als Wort erst mal nicht so viel. Woher kommt der Titel, und wie seid ihr darauf gekommen, das Buch so zu nennen?

Die Frage ist gut, weil schon einige Leute von mir wissen wollten, was eigentlich ein Knutschpogo sei. Also Pogo ist der Tanz, den die Punks tanzen: gegenseitiges Schubsen, Anrempeln, Anspringen, ruppiges Aneinander-Rütteln, aber nicht aggressiv, sondern respekt- und liebevoll. Tja, und wenn man das jetzt aufs Knutschen überträgt, kommt irgendwas Wildes dabei raus (lacht).

Die Idee war, im Titel die Punk- und die Lovestory unter einen Hut zu bringen, deshalb Knutschpogo. Der Untertitel rückt das Ganze noch mal in ein etwas romantischeres Licht. Wobei ich auch den Gedanken mag, dass manche keine Ahnung haben, was Knutschpogo eigentlich bedeuten soll und vielleicht aus purer Neugier nach dem Buch greifen.

 

Jugendromane sind ja bekannterweise nicht nur für Jugendliche. Viele Erwachsene lesen sie auch mit Begeisterung. Aber wer ist deine „Herzenszielgruppe“, was für Menschen hattest du beim Schreiben als Leser*innen im Kopf?

Eigentlich wollte ich ein Buch für Erwachsene schreiben, die vielleicht mal selbst Punks waren und/oder kurz nach der Wende aufgewachsen sind und sich an diese Zeit erinnern. Erst beim Schreiben fiel mir auf, dass erste Liebe und Identitätsfindungsgeschichten natürlich auch und besonders für junge Leute interessant sind. Es würde mich freuen, wenn junge Leute auch abseits der Großstädte, die mit sich hadern, weil sie ihre Andersartigkeit entdecken, sei es in puncto Liebe oder hinsichtlich ihrer (Geschlechts-)Identität, mein Buch lesen und sich denken: „Ich bin nicht allein, andere haben die Pubertät auch überlebt.“ Das fänd‘ ich schön.

 

„Knutschpogo“ spielt in der Nachwendezeit in einem kleinen Dorf in Thüringen. Hast du dazu eine biografische Verbindung? Was hast du zu der Zeit gemacht?

Wenn ich jetzt sage, dass ich 1994 13 Jahre alt war und das erste Mal mit Punk in Berührung gekommen bin, denken bestimmt viele, das Buch ist 1A autobiografisch. Ist es aber nicht. Das Setting mit Provinz, sich bekämpfenden Punks und Nazis und muffeligen Ostdeutschen, die sich von der Wende verarscht fühlen, entspricht schon meiner damaligen Lebensrealität. Aber davon, so wie Lexi mit ihren 14 Jahren schon so gefestigt in ihrem lesbischen Begehren zu sein, oder so eine coole Punkbraut wie Rosa kennenzulernen, durfte ich damals leider nur träumen.

 

Bei Punks denken die meisten Leute vermutlich erst mal an Männer. Wie bist du darauf gekommen, über lesbische Punks zu schreiben?

Ich hatte Rocko Schamonis „Dorfpunks“ gelesen. Es erzählt, wie er als Jugendlicher in einem schleswig-holsteinischen Kaff aufwächst und den Punk für sich entdeckt. Plötzlich hat alles eine Bedeutung und wird aufregend, selbst wenn er nur mit seinen Kumpels an der Bushalte abhängt. Obwohl ich das Buch sehr mochte, dachte ich gleichzeitig: Wieder eine Geschichte eines weißen, westdeutschen Hetero-Typen, der Punk wird. Was ist denn mit den Frauen? Und was mit dem Osten? Und was ist mit lesbischen Punks? Ich finde, da gibt es viel zu wenige Geschichten.

Die Typen halten sich schon für spannend, wenn sie an ihrem Mofa rumschrauben oder sich in der Dorfdisco mit Prolls kloppen. Für Frauen ist es in der Punkszene ungleich schwerer, weil sie nicht nur mit Leuten zu kämpfen haben, die ihr Anderssein nicht akzeptieren (seien es Eltern, Spießer, Nazis oder dergleichen), sondern weil sie oft zusätzlich mit dem Sexismus ihrer eigenen Kumpels konfrontiert sind. Als ich damals Punk wurde, hatten fast alle Punkfrauen etwas mit einem der Typen aus der Clique und erhielten nur dadurch ihre Berechtigung, obwohl sie genauso Punk waren und überall mitmischten. Solche Geschichten wollte ich erzählen. Und natürlich von der Liebe (lacht).

 

In deinem Buch kämpfen die Punks ja gegen die Nazis in ihrer Stadt. Die beiden Mädchen in deinem Buch sind ganz schön mutig, oder?

Ja, das kann man so sehen. Ich glaube, für viele, die in einem Dorf oder einer Kleinstadt aufwachsen und sich einer Subkultur zurechnen, bleibt die Auseinandersetzung mit Nazis oder derlei Grässlichkeiten nicht aus. Bei den Punks in „Knutschpogo“ geht es um ganz grundsätzliche Dinge, zum Beispiel: Wer darf sich weiterhin auf dem Marktplatz treffen und wer nicht? Als die Nazis den Platz für sich beanspruchen und dort ein Tattoo-Studio eröffnen wollen, sehen sich die Punks verdrängt.

Ich denke, Kampf gegen Nazis ist in der Provinz oft purer Überlebenskampf, weil man sich ständig über den Weg läuft und die öffentlichen Orte, an denen man sich treffen kann, begrenzt sind. Man will sich natürlich weiterhin frei in seiner Stadt bewegen können oder am Wochenende in die einzige Disco am Ort gehen, ohne auf die Schnauze zu kriegen. Und dann muss man etwas tun, egal ob Mädchen oder Junge. Wobei die Nazis damals nach der Wende noch oft (aber nicht immer!) den „Ehrenkodex“ hatten, keine Frauen zu schlagen. Das hat sich inzwischen ja auch geändert.

 

Was fiel dir beim Schreiben schwer?

Schwer fielen mir beim Schreiben vor allem die Liebesszenen zwischen Rosa und Lexi. Ich hab‘ etwas geschrieben und dann gedacht: Dürfen die das wirklich schon machen? Lexi ist doch gerade mal 14. Wenn das meine Kinder wären, gäbe es solchen Schweinkram frühestens ab 17 (lacht). Da musste ich also versuchen, die Sicht meines älteren Ichs abzulegen und wieder an den Punkt zu kommen: Klar dürfen die das, haben wir doch damals auch so gemacht, hehe.

Aufpassen musste ich auch mit der Jugendsprache. Anfang der Neunziger gab es zum Beispiel das Wort „krass“ noch nicht, womit man heute vieles kommentieren würde. Die Figuren im Buch sagen also so Sachen wie „megageil“ oder „echt ätzend“. Hat mir viel Spaß gemacht, mich mit der damaligen Sprache zu beschäftigen, da kamen einige Erinnerungen an meine Jugend wieder hoch.

 

Katrin Frank, Autorin von "Knutschpogo"Katrin Frank wurde 1981 in Suhl geboren und wuchs in einem kleinen Dorf im Süden Thüringens auf. Nach dem Abitur verschlug es sie zum Studium ins hessische Marburg, wo sie erste Prosatexte und Lyrik in unabhängigen Szenezeitschriften veröffentlichte. Seit 2010 lebt sie als freie Schriftstellerin und Lektorin in Berlin. 2016 erschien ihr Debütroman „Dienstag: Homobar“. Ihr zweiter Roman „Knutschpogo – verliebt bis in die Haarspitzen” ist bei uns im Ylva Verlag erschienen.

Daniela Zysk: Lesbenbücher waren meine erste große Liebe

Gepostet von am Jun 19, 2018 in Porträts | 1 Kommentar

Daniela Zysk, LGBTQ Aktivistin und Tierrechtlerin

Daniela Zysk

Meine erste lesbische Liebe waren Bücher. Ich erinnere mich noch heute daran, wie ich schon als Kind in jedem Buch den lesbischen Kontext suchte.

Oh wie sehr hatte ich mir schon in jungen Jahren gewünscht, dass im Buch „Der Trotzkopf“ sich die Hauptdarstellerin Ilse Macket und ihre Schulfreundin Nellie ineinander verlieben und zusammen dem ganzen patriachalen und sexistischen Alptraum entschwinden könnten.

Ohne es zu wissen, verschlang ich Kinderbücher und Jugendbücher um irgendwo die Andeutung einer lesbischen Liebe zu finden. Anfang der 80er Jahre leider noch vergeblich. Natürlich wusste ich damals nicht, wieso ich diese Gedanken hatte. Und ich wusste auch nicht, das andere diese Gedanken nicht hatten.

Mit 15 verliebte ich mich unglücklich in meine beste heterosexuelle Freundin und nach vielen Wochen voller Tränen war mir klar, dass meine Gefühle für eine Frau nicht dem gängigen Prozedere entsprachen. Ich erinnere nicht mehr ganz genau, wann ich für mich das Wort „Lesbisch“ gefunden hatte, aber ich wusste nach meinem inneren Coming-Out, wonach ich suchen musste. Als Leseratte natürlich zuerst in literarischer Form.

 

Flucht in schöne Geschichten und bessere Welten

In detektivischer Kleinstarbeit machte ich mich daran, soviel sapphische Werke wie möglich zu finden und zu lesen. In Zeiten vor dem Internet, hieß das noch, Bibliotheken zu durchforschen und in der nächsten  Großstadt den Frauenbuchladen finden. Oh dieses Gefühl endlich einen neuen lesbischen Roman in den Händen zu halten, der dann auch noch ein Happy-End beinhaltete. Dieses emotionale Hochgefühl kann ich auch heute noch in mir spüren, wenn ich diese Werke in meinem Bücherregal stehen sehe.

Wie wunderbar war es, das erste Mal „Seltsamer Wein“ oder „Stoner McTavish“ zu lesen. Alle diese großartigen Bücher der Verlage Daphne, Ariadne, Frauenoffensive oder Orlando. Es war wie frisch verliebt sein. Es gab seitdem noch viele, viele solcher Momente. Erst durch Romane, später dann auch durch Fanfiction. Diese Geschichten waren und sind noch immer mein emotionales Schutzschild gegenüber dieser oft so grauen Welt. Immer wenn das Leben sich für mich in eine Achterbahnfahrt verwandelt, weiß ich, dass das rettende Ufer nur einen Griff ins Bücherregal oder den Kindle-Shop entfernt ist.

Als vegan lebende Tierrechtsaktivistin sehe ich mit Begeisterung wie das Wort „Vegan“ immer mehr in den Geschichten Einzug hält. Leider allzu oft noch mit einem negativen Unterton. So kann die Heldin des Romans zwar der Heteronormativität entfliehen und in die Arme einer anderen Frau, aber in Bezug auf ihr Essverhalten tickt sie doch weiter „normal“ und tut dies auch oft genauso kund. Als wäre Empathie gegenüber anderen Lebewesen ein negatives lesbisches Klischee das sofort abgeschüttelt werden muss. Es gibt aber schon erste Bücher mit veganen Hauptcharakteren. Etwas, das sicherlich mit der Zeit immer mehr zunehmen wird. Berühmte lesbische und queere Veganerinnen wie Ellen Page, Ruby Rose und Ellen DeGeneres werfen da ihre ethischen Schatten voraus.

Bei Tierrechtsveranstaltungen die ich besuche, treffe ich oft auf mehr lesbische und queere Frauen, als bei vielen LGBT*IQ Events. Der Markt für vegane Heldinnen dürfte also vorhanden sein.

 

Lesben in Filmen, Serien und Fanfiction

Meine zweite Liebe war der lesbische Film. Eine Liebe, die allerdings in den letzten Jahren immer wieder zu sehr auf die Probe gestellt wurde und dadurch etwas abgekühlt ist. Diese Filme werden zwar immer besser produziert, aber die Inhalte sind allzu oft austauschbar und zeigen zu selten ein realistisches oder gar positives Bild lesbischer Liebe.

Das Positive ist aber, dass selbst schlechte Filme und TV-Serien Autor*innen dazu verleiten umso bessere Fanfiction über Frauen zu schreiben. Jetzt sind wir mal ehrlich. Alles nach Staffel 1 von „Once Upon a Time“ war Kinderkacke! Was sind daraus aber wundervolle Fanfictions entstanden. So wie bei vielen anderen Serien davor und auch danach. Vorgegebene Hetero-Paarungen in TV Serien sind für Lesben uninteressant. Sie warten auf diesen einen besonderen Blick zwischen zwei Frauen und plötzlich öffnet sich eine ganz neue Welt für sie. Eine Welt, die von talentierten Autor*innen mit hundert-tausenden Wörtern in epische lesbische Liebesgeschichten verwandelt werden.

Es gibt Frauen, die auf „Lesbian Romance“ (also lesbische Liebesromane) herabschauen, als wäre es ein Kaugummi unter ihren Fußsohlen. Es gab schon Bemerkungen, dass Lesben wegen dieser Art Bücher kein Interesse mehr an politischen Frauenbüchern hätten.  Der Untergang des lesbischen Abendlandes sozusagen.

 

Danke an die lesbischen Verlage und Autor*innen!

Ich persönlich feiere euch, liebe Autor*innen und liebe Verleger*innen. Ich feiere euch, weil viele erfolgreichen Dinge in meinem Leben nicht möglich gewesen wären ohne die Sichtbarkeit von Happy-Ends.

Sichtbarkeit, die ihr mir mit euren Büchern gegeben habt und jeden Tag aufs Neue gebt.

 

Daniela Zysk geboren und aufgewachsen in der schwäbischen Provinz, war über 20 Jahre lang als lesbische Aktivistin in diversen großen queeren Organisationen und Projekten tätig. Unter anderem ColognePride, Homochrom e.V., Webmagazin phenomenelleSeit einiger Zeit widmet sie sich dem Thema der Tierrechte und hat dabei festgestellt, dass die Unterdrückung und Ausbeutung von Non-Humans der von menschlichen Minderheiten und Frauen sehr ähnlich ist. 

Mit ihrem Blog The Vegan Rainbow Project möchte sie vegan lebenden LSBT*IQ-Minderheiten Sichtbarkeit schenken und gleichzeitig auf das Problem der globalen Tierausbeutung aufmerksam machen. 

Die 10 besten Filme, in denen keine Lesbe sterben muss

Gepostet von am Mai 23, 2018 in Filme und Serien | 4 Kommentare

Die 10 besten Filme, in denen keine Lesbe sterben muss!

Kennen wir das nicht alle? Ein romantischer Abend, der Geruch von Popcorn liegt in der Luft und dein heißes Date schmiegt sich an dich. Und gerade habt ihr das neuste, von Kritikern hochgelobte, „queere“ filmische Meisterwerk angeschmissen.

Ihr wisst von welchem Film ich rede. Er ist von diesem schicken französischen Regisseur, der jeden Preis in Cannes abgeräumt hat und sich dann bei seiner Muse, einem 90-jährigen Model, das bei jeder Getränkebestellung Voltaire zitiert, bedankt hat. Also klickst du auf “Abspielen”.

Um die 70. Minute herum bedauerst du dann, dass du nicht auch die queeren Pressestimmen zu diesem unangenehmen Film Noir gelesen hast. Denn, oh welch Überraschung, schon wieder eine tote Lesbe, eine “Killer-Dyke” oder ein absolut psychotischer Schwuler. Der romantische Abend ist ruiniert durch einen Fluss aus Blut, poetischem Klagen, tränenreichen Lobpreisungen und kunstvoller Musik, komplett untermalt mit wehenden Seidenvorhängen.

Wieder mal hast du du die Nase so richtig voll von diesen Drehbuchautor*innen. Immer sterben die Schwulen, Lesben, Queers. Und das, nachdem du schon all die Tode der wunderschönen Lesben und Queers bei Buffy, The 100, Pretty Little Liars, Last Tango in Halifax, The L Word, Wentworth und vielen weiteren überstanden hast. Wahrscheinlich bist du auch schon genauso genervt von all diesen Kampagnen und Blogs, die immer wieder erklären, warum Hollywood endlich aufhören muss, unsere lesbischen Lieblinge zu ermorden, um dann zu merken, dass es in Hollywood wirklich niemanden interessiert.

Aber eins ist sicher, wenn du dein heißes Date mit ihrer laufenden Nase und den großen traurigen Augen so ansiehst; heute Nacht läuft ganz sicher nichts mehr. Und dieser schreckliche Film ist schuld!

Doch die Rettung naht, für alle Liebhaber*innen des lesbischen Films, bei dem am Ende alle Lesben noch leben. (Der Anspruch scheint ja nun wirklich nicht zu hoch.) Für den Ylva Verlag habe ich mich durch die Tiefen des lesbischen Films gegraben, um – in keiner bestimmten Reihenfolge – meine Top-10-Lieblingsfilme aufzulisten, in denen alle Lesben bis zum Abspann gesund und munter sind.

Kommentiert gerne eure Lieblingsfilme, die hier nicht aufgelistet sind 🙂

 

BETTER THAN CHOCOLATE (1999) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Zwei attraktive junge Lesben treffen sich in Vancouver, entwickeln eine leidenschaftliche Romanze und ziehen zusammen. Währenddessen lässt sich die etwas verloren wirkende Mutter von einer der Beiden scheiden und beschließt bei ihnen einzuziehen.

Lees Klappentext: Das fabelhafte Sexleben einer lesbischen Frau mit ihrer neuen Freundin wird erschwert, als ihre Mutter einzieht. Unbeholfen. Awkward.

Warum anschauen: Erinnerst du dich an diese ernsthaften Lesbenfilme, wo du eine Stunde auf den ersten Kuss wartest und eine weitere Stunde auf die erste verstohlene Fummelei? Dieser Film ist keiner von denen. Es gibt direkt zu Anfang fröhlichen, wundervollen, bejahenden Sex mit Christina Cox, einige nachvollziehbare Probleme mit der Mutter zur Mitte des Films, und ein paar Nebencharaktere, die grandios sind. Enthält weniger Nabelschau und mehr Spaß als die meisten queeren Filme. Erfrischend.

Bonuspunkte: Die Nebencharaktere sind einfach klasse. Die Charakterentwicklung von der trans Frau Judy ist kraftvoll und ehrlich. Und die neurotische, strenge LGBT+Buchladenbesitzerin Frances ist einfach urkomisch.

Schauen mit: All deinen Freund*innen. Witziges Trinkspiel: Jedes Mal einen trinken, wenn eine wütende Frances sich darüber beschwert, dass der Zoll ihre queeren Bücher beschlagnahmt hat.

 

DESERT HEARTS (1985) Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine Frau am Abgrund der Scheidung fühlt sich zu der Tochter eines Ranchbesitzers hingezogen.

Lees Klappentext: Eine verklemmte Professorin, die 1959 in Reno auf ihre Scheidung wartet, wird von einer sexy Casino-Arbeiterin verführt.

Warum anschauen: Die Eiskönigin schmilzt …. plus Rockanzüge. Dies ist einer der bahnbrechendsten lesbischen Filme, die es gibt, mit einer brandheißen Sexszene, die zu der staubigen Wüstenkulisse passt. Es gibt Ängste, Kämpfe und fabelhafte, fabelhafte Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen, trotz großer Alterskluft. Ein Happy End für Lesben war sogar 1985 seltener als Goldstaub. Ein echter Lesben-Klassiker.

Bonuspunkte: Eine abgestumpfte Denise Crosby (Tasha Yar aus Star Trek: Next Generation) unter Frauen in einer ihrer ersten Rollen.

Schauen mit: Deiner Seelenverwandten und ausgeschaltetem Handy.

 

IMAGINE ME AND YOU / EINE HOCHZEIT ZU DRITT (2005) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine frisch verheiratete Braut wird von einer anderen Frau betört, die ihre sexuelle Orientierung in Frage stellt. Das sorgt für Aufsehen bei Familie und Freunden der Braut.

Lees Klappentext: Frau trifft Mann, Frau heiratet Mann, Frau rennt mit der Hochzeitsfloristin davon.

Warum anschauen: Auf dem Papier klingt das banal, schrecklich und wie ein Fest für gewissenlose Fremdgänger. Auf dem Bildschirm ist es überraschend erfreulich, unterstützt von Lena Headey in ihrer lässigsten und sympathischsten Rolle als Floristin, die Piper Perabo, das Mädchen von nebenan, verführt. Piper’s Charakter, Rachel, hat sich “niedergelassen”, heiratet ihren besten Freund und ist sich sicher, dass so Liebe aussehen muss. Zumindest bis der sprichwörtliche queere Toaster auf ihrem Kopf landet und Rachel schließlich versteht, warum sie nie irgendwelche Hetero-Schmetterlinge gefühlt hat. Die Ehe wird trotzdem mit großer Sensibilität behandelt, denn man spürt genauso den Schmerz des netten jungen Mannes, inmitten von Rachels Schuld, Konflikt und wachsender Liebe. Entstaubt den liberalen Humor ein wenig.

Bonuspunkte: Anthony Head (Giles in Buffy) hat ein oder zwei komische Kurzauftritte als Rachels betrunkener Vater.

Schauen mit: Deinen Eltern. Sie werden verstehen, warum das mit deinem Schulfreund nie was geworden ist und warum du deiner „Mitbewohnerin“ so nahestehst.

 

SPY GIRLS – D. E. B. S. (2004) Action-Komödie

Offizieller Klappentext: Schulmädchen mit kariertem Rock werden von einer geheimen Regierungsagentur angeworben, um die neuesten Mitglieder der elitären nationalen Verteidigungsgruppe, D.E.B.S., zu werden.

Lees Klappentext: Sexy lesbische Superschurkin verliebt sich in eine süße Geheimagentin und inszeniert eine Entführung, die dem willigen „Opfer“ eindeutig mehr Spaß macht, als den Freundinnen, die nach ihr suchen.

Warum anschauen: Diese herrlich lustige und alberne Parodie wird für dich entweder ein großer Hit oder ein weiterer Reinfall sein. Die meisten Kritiker fixierten sich zu sehr auf die winzigen Miniröcke und die großen Gewehre der Mädchen und schienen nicht zu verstehen, dass hier einfach das komplette Spion-Genre aufs Korn genommen wird, komplett mit dem typischen Bad Girl mit schlechtem russischen Akzent. Ein jugendfreier, elternfreundlicher Film für Jung und Alt, den man immer wieder anschauen kann.

Bonuspunkte: Holland Taylors Cameo. Sie sollte in jedem lesbischen Film dabei sein.

Schauen mit: Popcorn und deiner BFF.

 

SAVING FACE (2004) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine chinesisch-amerikanische Lesbe und ihre traditionalistische Mutter zögern, mit ihren geheimen Liebschaften an die Öffentlichkeit zu gehen, da diese im Gegensatz zu den kulturellen Erwartungen stehen.

Lees Klappentext: Eine niedliche asiatische Liebesgeschichte über eine süße Ärztin, die Tänzerin, die sie daten möchte, und kulturelle Erwartungen.

Warum anschauen: Der Wohlfühlfaktor ist enorm bei diesem Film. Was ausgezeichnet ist, ist, dass die Familienangelegenheiten nicht beschönigt werden, sondern durchgespielt, behandelt und dann akzeptiert werden. Was es noch besser macht, ist die altbekannte Schauspielerin Joan Chen, die sich als exzentrische, unverheiratete schwangere Mutter, in ihrem humorvollen Schauspiel selbst übertrifft.

Bonuspunkte: Kulturelle Vielfalt. Plus Joan Chen. Wir sind ihrer nicht würdig…

Schauen mit: Jedem Liebespartner, egal ob hetero oder homo, plus Pralinen mit cremiger Füllung.

 

BOUND – GEFESSELT (1996) Krimi / Thriller / Drama

Offizieller Klappentext: Corky, eine zähe Ex-Inhaftierte und ihre Geliebte Violet, hecken einen Plan aus, um Millionen von verstecktem Mafia-Geld zu stehlen und Violets zwielichtigen Freund Caesar dafür verantwortlich zu machen.

Lees Klappentext: Zwei sexy lesbische Liebhaberinnen beschließen, Unmengen Geld von einem Gangster zu stehlen, der zufällig auch der Freund von einer der Frauen ist. Er könnte ein kleines Problem damit haben.

Warum anschauen: Dieser Mainstream-Streifen der Wachowski-Geschwister ist aalglatt, sexy, schnell und extrem spannend. Die Verführungsszenen zwischen Jennifer Tilly und Gina Gershon sind Meisterklasse und heizen den Bildschirm so richtig auf. Der Film kommt mit einer Warnung wegen Folter daher, aber es ist nichts, was man mit Vorspulen nicht beheben könnte. Zusammenfassend: ein richtiger Aufreißer.

Bonuspunkte: Obwohl es ein Gangster-Film ist, werden die Frauen nicht gekillt und spielen eine wichtige Rolle im gesamten Plot.

Schauen mit: Deinen thrillerliebenden Lesben-Freund*innen. (Vermeide es, Fleisch oder andere fingerförmige Speisen zu servieren. Aus Gründen.)

 

BUT I’M A CHEERLEADER – WEIL ICH EIN MÄDCHEN BIN (1999) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Ein naiver Teenager wird ins Umerziehungslager geschickt, weil Eltern und Freunde sie verdächtigen, lesbisch zu sein.

Lees Klappentext: Lesben verspotten die Konversionstherapie und lernen stattdessen viel über die Liebe, das Leben und sich selbst.

Warum anschauen: Ich weiß, was ihr denkt, eine spaßige Komödie über Konversionstherapie? Aber da es sich hier um Satire handelt, ist es tatsächlich nicht so schlimm wie es klingt. Abgesehen davon ist die Besetzung wirklich unglaublich, einschließlich Clea Duvall und Michelle Williams. Außerdem, wenn irgendetwas Spott verdient, ist es wohl dieses Thema. Heterosexuelle Kritiker*innen empfanden den Film oftmals als unangenehm, also ein weiterer Pluspunkt.

Bonuspunkte: Mutiges Thema, richtig umgesetzt.

Schauen mit: Ein paar Freund*innen, bunten Cocktails und guter Laune.

 
CAROL (2015) Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine aufstrebende Fotografin entwickelt in den 50er Jahren in New York eine intime Beziehung zu einer älteren Frau.

Lees Klappentext: Unterdrückte Lesbe der 1950er Jahre verführt ein Ladenmädchen inmitten einer Kulisse, die aus einem Vogue-Katalog stammen könnte.

Warum anschauen: Es ist ein ätherischer Film, hohe Kunst, mit Sehnsucht, geheimen Blicken, fallengelassenen Handschuhen, einer außerordentlich grünen Farbpalette und ultra-coolen Lesben. Das ist wirklich wichtiges Kino. Für meinen Geschmack ist es etwas zu distanziert, da ich meine Eisköniginnen gerne mehr schmelzen lasse, als es bei Cate Blanchetts Charakter während der Fahrt mit Rooney Mara der Fall war. Besonders wertvoll macht den Film, dass es auf Salz und sein Preis basiert, einem Klassiker von Patricia Highsmith aus dem Jahr 1952, welcher den lesbischen Hauptcharakteren erstmals ein Happy End schenkte. Das ist den Eintrittspreis allemal wert. Naja, das und Cate Blanchetts atemberaubende Wangenknochen.

Bonuspunkte: Cate knutscht Rooney mit lesbischer Hingabe. Offensichtlich.

Schauen mit: Mit deinen schwulen Kunstfreund*innen und trockenen Martinis.

 

LOVING ANNABELLE (2006) Drama Romantik

Offizieller Klappentext: Annabelle ist der frühreife Neuling an einer exklusiven katholischen Mädchenschule. Funken fliegen zwischen ihr und ihrer Lehrerin, Simone.

Lees Klappentext: Lesbische Schülerin verfolgt ihre unterdrückte heiße Lehrerin an der katholischen Highschool und es endet ungefähr so ​​gut, wie man es erwarten würde.

Warum anschauen: Dieser Film fällt in die Kategorie, etwas zu mögen, obwohl du weißt, dass du es wahrscheinlich nicht tun solltest. Und das ist in diesem Falle gar nicht gut. Aber trotzdem. Seufz. Die Sache ist … die Lehrerin ist heiß. Ihre Schülerin Annabelle sieht und wirkt viel älter als sie ist. Und sie ist die Verfolgerin in diesem romantischen Stelldichein oder es wäre ein gruseliges, räuberisches Machtspiel wie in Bloomington (frag nicht!). Die Sexszene ist schön. Die Chemie ist großartig. Und wenn du freche Out-of-Bounds-Stories magst, ist das wahrscheinlich die Beste. Auch wenn … ach ihr wisst schon.

Bonuspunkte: Ilene Graff als die strenge (möglicherweise ungeoutete) Mutter Immaculata leistet einen phänomenalen Job.

Schauen mit: Viel Rotwein und einer abtrünnigen Katholik*in. Die geben die besten Kommentare ab.


THE WELL (1997) Drama / Thriller

Offizieller Klappentext: Ein Unfall verursacht Schuldgefühle, Angst und Misstrauen, und droht die Beziehung zwischen zwei australischen Frauen zu zerstören.

Lees Klappentext: Eine einsame ältere Frau fühlt sich von ihrer lebhaften Magd angezogen und tut alles, um sie dazu zu bringen, mit ihr in ihrem abgelegenen Farmhaus zu bleiben.

Warum anschauen: Okay, es ist Betrug, es einen lesbischen Film zu nennen, aber er verdient es, gesehen zu werden. Tief in diesem künstlerischen australischen Film liegt eine schmerzhafte, schöne Geschichte von unerwiderter Frauenliebe verborgen. Während es als Mainstream-Film vermarktet wird, würde in diesem spannenden, preisgekrönten Thriller nichts so passieren, wenn sich nicht die jungfräuliche Spätvierzigerin Hester in ihre temperamentvolle Magd verlieben würde. Hester (eine junge Pamela Rabe von Wentworth) würde fast alles tun, um ihre Magd (Miranda Otto) an ihrer Seite zu halten – und die exzentrische junge Frau scheint sich ihrer sexuellen Macht nur zu sehr bewusst zu sein. Der Film hat eine ergreifende, straffe Handlung, an der ein Fremder beteiligt ist, und spielt auf einem abgelegenen ländlichen Bauernhof. Brilliant und suggestiv, es ist die Art von Film, an den ihr jahrelang denken werdet.

Bonuspunkte: Die Farbpalette in Blau und Grau ist so evokativ. Kunststudentenporno. Alle Auszeichnungen.

Schauen mit: Deinen angstliebenden Freunden, hetero und homo. Schokolade in großen Mengen mitbringen.

Copyright des Fotos: pexels.com/Expect Best

Dieser Text ist im Original unter dem Titel “TOP 10 FILMS WHERE NO LESBIANS DIE” im Ylva Publishing Blog erschienen.

 

Lee Winter ist eine preisgekrönte Ex-Zeitungsjournalistin, die schon Texte in fast allen Bereichen veröffentlicht hat. Als Vollzeitautorin und Teilzeit-Redakteurin ist Lee gleichzeitig zweifache Lambda Literary Award-Finalistin und zweifache Gewinnerin des Golden Crown Literary Award. Sie hat gerade “Requiem mit tödlicher Partitur” bei Ylva veröffentlicht.

 

Sind lesbische Liebesromane nur Schund und Kitsch?

Gepostet von am Apr 25, 2018 in Liebesromane | Keine Kommentare

Lesbische Frau liegt am See und liestFast jede lesbische, bisexuelle oder queere Frau hat bei einem Coming-out schon einmal gegen Vorurteile ankämpfen müssen. Selbst heutzutage sind noch längst nicht alle tolerant gegenüber Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen … und auch nicht gegenüber Lesepräferenzen, die von den eigenen abweichen. Leser*innen von Liebesromanen für Frauen liebende Frauen sehen sich oft ähnlichen Vorurteilen ausgesetzt. Lesbische Liebesromane werden, genau wie Liebesromane im Allgemeinen, oft als oberflächlich, seicht und vorhersehbar abgestempelt.

 

EIN COMING-OUT ALS AUTORIN

Mittlerweile finde ich es fast einfacher, mich als lesbisch denn als Autorin von lesbischen Liebesromanen zu outen. Wenn ich neue Leute kennenlerne und sie herausfinden, dass ich hauptberuflich schreibe, sind die meisten sehr beeindruckt und neugierig. Sobald dann die Frage gestellt wird, was genau ich denn schreibe, und ich erzähle, dass ich Autorin von Liebesromanen bin, sind die Reaktionen sehr gemischt. Nicht selten treffe ich auf gehobene Augenbrauen und gerümpfte Nasen.

Selbst Leser*innen von Liebesromanen haben mit solchen Vorurteilen zu kämpfen. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass manche das Lesen von Liebesromanen als ihr „heimliches Vergnügen“ bezeichnen. Eigentlich schade, dass wir uns für etwas, das uns Spaß macht, fast schon schämen und es verheimlichen müssen.

Liebesromane werden oft als schlecht geschriebener Schund abgetan, die einer immer gleichen Formel folgen. Meistens wird das von Leuten behauptet, die keine Liebesromane lesen, aber doch glauben, das beurteilen zu können.

 

SIND LESBISCHE LIEBESROMANE WIRKLICH FORMELHAFT UND ALLE GLEICH?

Natürlich gibt es einige Elemente, die die meisten oder gar alle Liebesromane gemeinsam haben. Meistens lernen sich die beiden Hauptfiguren kennen, es funkt zwischen ihnen, doch Hindernisse tauchen auf, die einer Beziehung im Wege stehen, bis sie es schließlich schaffen, diese Probleme zu lösen. Ein Happy End ist Pflicht in Liebesromanen.

In gewisser Hinsicht könnte man also schon von einer Formel sprechen, der Liebesromane folgen.

Aber ist das automatisch etwas Schlechtes? Eigentlich folgen doch Romane in anderen Genres auch gewissen Konventionen und grundlegenden Plotstrukturen. Die meisten Krimis haben zum Beispiel die folgenden Elemente gemeinsam: Am Anfang wird üblicherweise ein Verbrechen begangen und die Hauptfigur ermittelt dann, um den Schuldigen zu finden. Am Ende des Romans ist der Fall dann gelöst und die Gerechtigkeit siegt. Man könnte also sagen, dass auch Krimis ein Happy End voraussetzen.

In gewisser Hinsicht folgen auch Romane in Genres wie Science Fiction, Fantasy, Horror und Krimi alle einer gewissen Formel. Trotzdem sind es nur Liebesromane, die deswegen einen schlechten Ruf haben.

 

DIE ENTWICKLUNG DER CHARAKTERE STEHT IM VORDERGRUND

Ich persönlich mag den Begriff Formel nicht. Er impliziert, dass Liebesromane allesamt vorhersehbar, langweilig und seicht sind und dass eigentlich jede oder jeder sie ohne große Anstrengung schreiben kann.

Eigentlich handelt es sich bei diesen sogenannten Formeln um Lesererwartungen und Konventionen innerhalb eines Genres. Leser*innen von lesbischen Liebesromanen möchten gerne wissen, was sie erwartet, wenn sie ein bestimmtes Buch kaufen. Nach einem stressigen Arbeitstag möchten sie ihre Zeit nicht mit einem Buch verschwenden, das ihnen vermutlich nicht gefallen wird. Sie möchten ohne große Mühe Geschichten finden, die ihnen höchstwahrscheinlich einen netten Leseabend bereiten werden, weil ihnen zuvor bereits Romane mit einem ähnlichen Muster gefallen haben.

Zwar wissen Leser*innen von Liebesromanen bereits im Voraus, dass die beiden Hauptfiguren am Ende ein Paar werden, doch in einem guten Liebesroman ist das Endresultat nicht so wichtig, sondern eher der Weg dorthin. Die Entwicklung der Charaktere und der Beziehung steht im Vordergrund. Wenn die Autor*in ihre Sache gut gemacht hat, werden die Leser*innen diese Reise gespannt verfolgen und nicht eher aufhören zu lesen, bis sie herausgefunden haben, wie das Paar trotz aller Hindernisse zusammenfindet.

 

DIE KUNST, EINEN GUTEN LIEBESROMAN ZU SCHREIBEN

Innerhalb dieser vorgegebenen Konventionen gibt es Millionen unterschiedlichster Geschichten und Charaktere und Millionen unterschiedlicher Weisen, diese Geschichten zu schreiben. Und genau darin besteht die wahre Kunst, einen guten Liebesroman zu schreiben. Autor*innen sollten sich an die ungeschriebenen Regeln und die unausgesprochenen Versprechen ihren Leser*innen gegenüber halten, gleichzeitig darf aber kein Buch nur ein Abklatsch eines vorigen sein, sondern es muss frisch und fesselnd daherkommen.

Ich behaupte nicht, dass alle lesbischen Liebesromane brillant geschrieben sind. Wie in jedem anderen Genre auch gibt es große Unterschiede in der Qualität. Aber wenn wir auf ein richtig gutes Buch stoßen, das realistische Charaktere, einen fesselnden Schreibstil und eine einfallsreiche Handlung bietet, sollten wir diesen Roman einfach nur genießen können, ohne deshalb Spott oder Grimassen mit gerümpften Nasen zu ernten.

Habt ihr auch schon einmal solche Erfahrungen gemacht? Wie reagiert euer Umfeld auf die Art von Romanen, die ihr gerne lest?

 

Jae hat früher als Psychologin gearbeitet, gab dann aber ihren Beruf auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Mittlerweile sind dreizehn ihrer Romane im Ylva Verlag veröffentlicht worden, zuletzt der Liebesroman “Alles nur gespielt”.

Hazel Yeats über ihren Roman “Küsse in Amsterdam”

Gepostet von am Feb 14, 2018 in Interview | Keine Kommentare

„Küsse in Amsterdam“ ist der erste Roman von Hazel Yeats. Wie der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich um eine Liebesgeschichte, die in der Hauptstadt des Königreichs spielt.

In unserem Interview erzählt Hazel Yeats über ihr Erstlingswerk, was ein Hase in einem lesbischen Liebesroman zu suchen hat und wie es kommt, dass die Geschichte in den Niederlanden spielt.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem Roman „Küsse in Amsterdam“ geht?

Es ist ein lesbischer Liebesroman über das Erwachsenwerden (ein Prozess, der für viele Menschen über 30 immer noch nicht abgeschlossen ist) und darüber, wie schwierig es ist, seinen Platz in der Welt zu finden. Es geht außerdem um das Thema Familie, Freiheit und verbindliche Beziehungen.

Das hört sich sehr tief an. Aber ich garantiere, dass sich durch das Buch durchgängig eine Brise Humor zieht und es um ganz viel Liebe geht.

 

Im englischen Original hat der Roman den Titel „Bunny Finds a Friend“ (übersetzt Bunny findet eine*n Freund*in). Bunny bedeutet im Deutschen „Häschen“. Was hat ein Hase mit einem lesbischen Liebesroman zu tun?

Jude, eine der Protagonistinnen, ist Kinderbuchautorin. Sie ist berühmt und bekannt geworden mit einer Reihe von Büchern über einen weißen Hasen namens Bunny. Ein Buch dieser Reihe heißt Bunny finds a Friend. Aber nicht nur Bunny findet eine*n Freund*in; Cara und Jude finden einander.

 

Deine beiden Protagonistinnen sind recht unterschiedlich, scheinen aber anfangs perfekt zusammenzupassen. Da ist zum einen Cara, eine Niederländerin, die sich weder an einen Job noch an eine Partnerin binden möchte und meint nichts und niemandem etwas bieten zu können. Und dann ist da Jude, eine erfolgreiche amerikanische Schriftstellerin, die weiß, was sie will. Was magst du an den Hauptfiguren deines Romans?

Das was ich am meisten an ihnen mag ist, dass sie so unglaublich unterschiedlich und trotzdem perfekt füreinander sind. Jude tut Cara gut, weil sie ihr zeigt, dass diese sich nicht verändern und nicht den Anforderungen anderer Leute (inclusive ihrer Schwestern) gerecht werden muss. Wenn Cara weiter Pizza ausliefern will statt Karriere zu machen, dann ist das für Jude absolut ok. Sie nimmt und liebt Cara so, wie sie ist und das hilft Cara, nicht mehr vor ihr selber wegzulaufen.

 

„Küsse in Amsterdam“ ist zu 100% ein Liebesroman. Aber er ist auch mehr; er ist gespickt mit einer Brise Humor, eingebettet in eine interessante Handlung. Es geht um Familie, Ziele/Bestimmung, Selbstliebe und Selbstvertrauen und noch einiges mehr. Wie würdest du „Küsse in Amsterdam“ beschreiben? Was ist das Besondere an dem Roman?

Wenn ich einen Liebesroman schreibe, dann hoffe ich natürlich, dass Leser*innen die Liebesgeschichte genießen. Ich möchte, dass sie mit den Protagonist*innen lieben, leiden und lachen. Und ich möchte, dass Leser*innen glücklich sind, wenn Cara und Jude am Ende gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. Tatsache ist aber, dass ich witzige Geschichten mag und Humor lebensnotwenig finde. Deshalb kann ich gar nicht anders, als den auch in meine Geschichten einfließen zu lassen. Wenn meine Leser*innen die Liebesgeschichte und den Humor gemeinsam genießen, bin ich am glücklichsten.

 

Caras sich ständig einmischende Familie spielt nicht nur in deren Leben eine große Rolle, auch in deinem Roman hat sie mehr eine Schlüssel- als eine Nebenrolle. Caras Schwestern und Schwägerin sind wundervoll und urkomisch beschrieben. Welche Rolle spielt Caras perfekt unperfekte Familie für Cara und den Roman?

Ihre Schwestern haben mindestens genauso viel zu lernen, wie Cara. Insbesondere, dass sie ihre Schwestern einfach mal machen lassen müssen und sie nicht immer als ihr gemeinsames Projekt ansehen. Geschwister sind ja eine spannende Sache… auf der einen Seite treiben die Schwestern Cara in den Wahnsinn, wenn sie ihr dauernd ungefragt Ratschläge geben oder ihr Leben kommentieren, auf der anderen Seite sind die Schwestern genau die Personen, die Caras Stütze sind und die, auf die sie sich verlassen kann. Ohne ihre Schwestern würde sie wahrscheinlich keinen weiteren Tag überleben.

 

„Küsse in Amsterdam“ ist dein erster Roman. Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

 Eigentlich war Bunny als Kurzgeschichte für eine Weihnachtsanthologie von Ylva gedacht. Aber dann konnte ich die Deadline für die Anthologie nicht einhalten und habe – nach langem hin und her – die Kurzgeschichte einfach als alleinstehendes Projekt eingereicht. Zu meiner großen Überraschung hat das Ylva Team sich gemeldet und mir gesagt, dass sie sehr interessiert sind und mich dann gebeten, die Kurzgeschichte zu einem Roman umzuschreiben. Die Gelegenheit habe ich natürlich sofort ergriffen. Das Umschreiben und Ausbauen der ursprünglichen Kurzgeschichte hat unendlich viel Spaß gemacht. Die Zusammenarbeit mit dem Ylva Team war eine Freude.

 

Warum hast du die Niederlande, insbesondere Amsterdam, als Schauplatz für deinen Roman gewählt? Spielen diese Orte auch in deinem Leben eine Rolle?

Die Idee, die Geschichte nicht in den USA spielen zu lassen, sondern in Amsterdam, kam von meiner Lektorin. Da ich selber in den Niederlanden lebe, war das überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil, ich hatte so viel Ideen und Erinnerungen an witzige Situationen und interessante Orte, die dann alle in Küsse in Amsterdam eingeflossen sind.

Amsterdam ist eine unglaublich geschäftige, wunderschöne, magische Stadt. Ich selber lebe allerdings in einer Kleinstadt auf dem Land und bin nach einem Tag oder einem Wochenende in Amsterdam urlaubsreif 😉

 

Wie lange hast du zum Schreiben deines Erstlingswerkes gebraucht und wie war der Schreibprozess?

Ich habe fast ein Jahr gebraucht. In der Zeit habe ich herausgefunden, dass ich in der Tat auch längere Geschichten schreiben kann und das war ein fantastisches Gefühl. Ich bin in der Lage mich zu fokussieren, bin leidenschaftlich, diszipliniert und bleibe an einer Geschichte dran – wenn ich das liebe, was ich schreibe. Das Ylva Team und meine Lektorin haben mein erstes Buch zu einer unvergleichbaren und wunderschönen Erfahrung für mich gemacht.

 

Worauf können sich deine (deutschen) Leser*innen als Nächstes freuen? Schreibst du wieder an einem Liebesroman oder an etwas ganz anderem?

Ich bin kurz davor meinen zweiten Roman zu beenden. Die neue Geschichte ist kein reiner Liebesroman. Es geht um Familie, Schicksal, Schuld, Geheimnisse und Lügen. Aber ja, vor allem wird es um die Liebe zwischen zwei ganz besonderen Frauen gehen.

 

Unsere Autorin Hazel Yeats lebt in den Niederlanden, dem Land der flachen Köge, blühenden Landschaften und des vielen Wassers. Schon in jungen Jahren wusste sie, dass sie schreiben wollte, doch es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis es endlich ein Roman wurde. Von da an gab es dann kein Zurück mehr – sie war Feuer und Flamme.
Wenn sie sich nicht in ihrem Hauptberuf abrackert, fährt sie Rad, trinkt Cappuccino oder macht sich die Hände in ihrem Gemüsebeet schmutzig. Und sie singt, in einem nicht wirklich ambitionierten Chor. Man würde sie nicht für einen Sopran halten, doch das ist sie.

 

Lee Winter über ihren Roman “Requiem mit tödlicher Partitur”

Gepostet von am Dez 13, 2017 in Interview | 1 Kommentar

Für die deutschen Leserinnen mag Lee Winter noch recht unbekannt sein. In den USA hingegen hat die australische Journalistin schon mehrere Auszeichnungen für ihre Romane erhalten. Mit der Veröffentlichung ihres neuen Romans „Requiem mit tödlicher Partitur“ (Originaltitel Requiem for Immortals) im November 2017 ist Lee Winter nun auch im deutschsprachigen Raum nicht länger eine unbekannte Persönlichkeit, denn dieser Roman ist etwas ganz besonderes.

In unserem Interview spricht Lee Winter über „Requiem mit tödlicher Partitur“, über ihren Schreibprozess und davon, wie das Foto einer australischen Schauspielerin die Idee zu diesem Roman entfacht hat.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem Roman „Requiem mit tödlicher Partitur“ geht?

Als eine der angesehensten, australischen Cellistinnen – mit einer geheimen Identität als Auftragsmörderin – hält Natalya sich für unantastbar. Doch was passiert wohl, wenn sie beauftragt wird, eine Unschuldige zu töten? In meinem Roman geht es um die allmähliche Dekonstruktion ihres machtvollen Selbstbildes. Stück für Stück muss sie erkennen, dass sie nicht nur weniger unantastbar ist, als gedacht, sondern auch verletzlich in Konfrontation mit unerwarteten Gefühlen.

 

Obwohl der Roman dem bekannten Schema von Killer verliebt sich in sein Ziel und kann den Auftrag deshalb nicht mehr ausführenfolgt, ist dieses Buch mehr als nur“ ein Thriller. Und gleichzeitig ist es aber auch kein Liebesroman. Es geht es um Gefühle, aber auch um Macht und Kontrolle. Wie würdest du „Requiem mit tödlicher Partitur“ beschreiben? Was macht diesen Roman so besonders?

Er beschreibt die Entwicklung einer unnahbaren Assassine zurück zu einer gewöhnlichen Sterblichen. Zu Beginn tritt sie so selbstbewusst auf, so stark und in sich gefestigt. Sie ist davon überzeugt, dass sie so etwas Erbärmliches wie Mitmenschen oder Liebe nicht braucht. Sie lebt ausschließlich für Macht und Kontrolle. Die Loslösung von dieser Überzeugung macht den Roman so besonders. Requiem hätte nie erwartet, dass ihre Mauern durchbrochen werden könnten. Ich liebe es, wie es sie verängstigt, als ihre Barrikaden zu bröckeln beginnen und sie versucht, vor sich selbst zu leugnen, dass immer mehr Emotionen sich ihren Weg an die Oberfläche bahnen.

 

Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

Durch eine Schauspielerin der australischen Version des Gefängnis-Dramas Wentworth namens Pamela Rabe. Ich habe zufällig ein Foto von ihr gesehen, auf dem sie in eine schwarze Jacke gekleidet ist, elegant an einer Wand anlehnt und zur Seite schaut. Ihre Körpergröße von 1,83 m lässt sie dabei imposant wirken. Ihr Gesichtsausdruck unter den langen, schwarzen Haaren hat mich fasziniert. Ich dachte: „Oh mein Gott, sie könnte jemanden ermorden, ohne mit der Wimper zu zucken. Und niemand würde sie jemals verdächtigen!“

Ich bin Pamela einige Male begegnet und in der Realität ist sie so liebenswürdig und hat keinen einzigen, gemeinen Knochen in sich. Aber in dem Moment, als ich diesen kühlen Blick sah, schossen mir unzählige Möglichkeiten durch den Kopf. Ich habe mir eine Auftragsmörderin mit ihrem Gesicht vorgestellt. Mein Verstand hat dann die Lücken gefüllt: Was würde sie tun und warum? So wurde Requiem geboren.

 

Natalya Tsvetnenko aka Requiem ist eine Auftragsmörderin. Das ist nicht gerade eine Figur, mit der man sich als Leserin leicht identifizieren kann – noch dazu, weil sie unnahbar ist und sich anderen Menschen mit ihren Schwächen gegenüber erhaben fühlt. Wie bist du auf die Idee gekommen, eine der beiden Hauptfiguren zu einer Assassine zu machen?

Ich weiß, dass niemand eine Mörderin lieben sollte und ich war besorgt, dass die Leser das auch nicht tun würden. Aber ich dachte: Was, wenn ich ihre äußeren Schichten langsam abstreifen und zeigen würde, dass sie keine Soziopathin ist. Stattdessen ist sie von Leuten, denen sie vertraut hat, dazu erzogen und trainiert worden, ihre Emotionen in sich zu vergraben, bis sie zu der arroganten Mörderin wurde, die uns im Roman zunächst begegnet. Ich habe gehofft, dass Leserinnen nach und nach anfangen würden, ihre menschliche Seite zu verstehen und zu lieben – so, wie ich es getan habe. Dass sie ihre Verletzlichkeit erkennen würden. Auch wenn sie tötet, beseitigt sie nur die Schlimmsten der Schlimmsten. Und ihre Taten sind definitiv nicht alles, was sie ausmacht.

 

Die eine Hauptfigur ist eine Killerin. Die andere, Alison Ryan, scheint das komplette Gegenteil davon zu sein. Was magst du an den Hauptfiguren deines Romans?

Sie ergänzen sich gegenseitig perfekt. Requiem ist auf der Hut vor anderen Auftragsmördern, vor Leuten wie sie selbst. Sie würde niemals erwarten, durch jemanden verwundbar zu werden, der so unschuldig ist. Alison kann selbst eine Auftragsmörderin dazu bringen, ihren Schutzpanzer abzulegen – indem sie einfach nur Alison ist. Und hinsichtlich Familie und Persönlichkeit sind die beiden sich sehr ähnlich, auch wenn das nicht von Anfang an offensichtlich ist. Sie verstehen einander auf eine Art, die man zunächst nicht für möglich hält.

 

Wie der Titel schon erahnen lässt, spielt klassische Musik eine wichtige Rolle in dem Buch. Nimmt sie auch eine wichtige Rolle in deinem Leben ein? Und hat sie dich beim Schreiben des Buches inspiriert?

Wenn es um Musik geht, bin ich ein ziemlich hoffnungsloser Fall. Ich gehöre zu den Menschen, über die Natalya/Requiem in meinem Buch schimpft: Diejenigen, die schöne Noten erkennen und es genießen, Musik zu hören – besonders klassische Musik – aber nicht von ihr auf eine ursprüngliche, alles verzehrende Art der Leidenschaft ergriffen werden, wie es für Requiem ist. Musik ist das Ventil ihrer Emotionen, da sie sich ihrer Gefühle in jedem anderen Teil des Lebens entsagt. Nicht einmal beim Sex erlaubt sie sich, etwas zu fühlen. Dieser ist für sie nur ein amüsantes Machtspiel.

Ich weiß Musik viel mehr zu schätzen, seit ich Requiem ‚getroffen‘ habe. Sie hat mich gewissermaßen gelehrt, die Musik auf tieferer Ebene fühlen zu können.

 

Warum spielt Natalya aka Requiem von all den möglichen Instrumenten ausgerechnet das Cello, nicht Violine oder Flöte?

Ich wollte ihr ein Instrument geben, das groß ist, eindringlich, imposant, kraftvoll und nicht einfach auszublenden. Genauso wie Requiem.

 

Wie lange hast du zum Schreiben dieses Buches gebraucht?

Vier Monate. Ich hab es geschrieben wie im Rausch. Es hat mich in jeder wachen Minute verzehrt. Ich habe von Requiem geträumt. Es war, als würde sie mir ihre Geschichte ins Ohr flüstern und ich habe sie stürmisch herunter geschrieben. Ich habe das Schreiben noch nie zuvor und nicht mehr seitdem auf diese Weise erlebt. Es hat sich angefühlt wie ein außergewöhnliches, persönliches Geschenk, das mir in Form einer Geschichte übergeben wurde. Ich konnte sie noch Monate, nachdem ich das Buch abgeschlossen hatte, nachts zu mir flüstern hören! Ich scherze gerne, dass ich Requiems Biografin bin.

 

War die Geschichte zu Beginn des Schreibens bereits fertig in deinem Kopf oder hat sie sich erst im Laufe des Schreibens entwickelt?

Ich habe die ganze Geschichte wie einen Film in meinem Kopf gesehen. Alles davon. Ich wusste, welche die ersten und letzten Zeilen (die sich sehr ähnlich sind) sein würden, bevor ich auch nur ein einziges Wort aufgeschrieben habe. Das einzige Problem, das sich mir gestellt hat, war die Perspektive. Einmal hatte ich ein ganzes Buch aus der Sicht von Requiem vor mir. Dann aus der von Alison. Letztlich habe ich beide Varianten zusammengebracht und daraus ergab sich die endgültige Version.

 

Die Wendungen in dem Roman sind nicht selten überraschend, ganz besonders das Ende lässt die Leserinnen staunen. Außerdem lässt es Raum, die Geschichte um Natalya und Alison Ryan weiterzudenken. Wird es irgendeine Art von Fortsetzung zu „Requiem mit tödlicher Partitur“ geben?

Es gibt eine Kurzgeschichte von 10.000 Wörtern, die „Requiem mit tödlicher Partitur“ fortsetzt. Sie ist gerade auf Englisch unter dem Titel „Love Is Not Nothing“ erschienen. Beschrieben wird darin ein einzelner Tag aus Requiems Leben, zwei Jahre nach dem Ende des Buches. Außerdem wird aufgeklärt, ob Requiem immer noch Menschen umbringt und was sie für Alison fühlt.  Ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber hinaus noch etwas schreiben werde. Ich habe eine Idee für einen weiteren Roman, aber Requiem ist ein Charakter, der so emotional aufreibend zu schreiben ist, dass ich mich für mindestens ein Jahr nicht mehr an sie wagen werde. Ich schätze, es kommt ganz darauf an, ob sie wieder anfängt, mir zuzuflüstern!

 

Ylva Autorin Lee Winter ist eine preisgekrönte australische Zeitungsjournalistin, die auch für ihre Romane schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Nachdem sie im Lauf ihres Berufslebens in fast allen australischen Bundesstaaten gewohnt hat, ist sie mittlerweile mit ihrer Partnerin in Westaustralien sesshaft geworden. Seit 2016 ist sie Vollzeitschriftellerin und Teilzeitlektorin. In ihrer Freizeit findet man sie entweder bei der Gartenarbeit, mit einer neuen technischen Spielerei in der Hand oder stirnrunzelnd vor dem Fernseher. 2017 wurde ihr Roman „Requiem mit tödlicher Partitur“ von uns ins Deutsche übersetzt.

Perfect Rhythm – Herzen im Einklang: der neue Liebesroman von Jae

Gepostet von am Okt 11, 2017 in Interview | Keine Kommentare

PerfectRhythm(german)-3D-BookCover-transparent_backgroundDie Fans von Jaes Büchern dürfen gespannt sein. Mit ihrem neuen Roman „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ spricht die Autorin wieder die Herzen ihrer Leserinnen an. Doch dieser Liebesroman ist anders.

In unserem Interview erzählt Jae, worin sich dieser Liebesroman von ihren bisherigen unterscheidet und warum sie sich dazu entschieden hat, dass eine ihrer Hauptfiguren asexuell ist. Und die Autorin gibt uns einen Einblick, wie sie zu ihrem neuen Roman recherchiert hat.

 

Kannst du kurz erzählen, worum es in deinem neuen Roman „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ geht?

Eine der beiden Hauptfiguren ist Leontyne Blake, ein gefeierter Popstar, die aber beruflich ausgebrannt ist und auch ihren Glauben an die Liebe verloren hat. Frauen geht es immer nur um ihr Image oder ihr Geld.

Als sie erfährt, dass ihr Vater einen Schlaganfall hatte, kehrt sie widerwillig in die Kleinstadt zurück, in der sie aufgewachsen ist. Dort lernt sie Holly kennen, die Krankenschwester ihres Vaters. Holly ist völlig anders als alle Frauen, die Leo je kennengelernt hat – nicht nur, weil Leos Berühmtheit und ihr Geld sie nicht beeindrucken, sondern auch, weil Holly asexuell ist.

In dem Buch geht es darum, wie die beiden trotz ihrer Unterschiede lernen, zu einem harmonischen Einklang zu finden.

 

„Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ ist dein elfter Liebesroman. Worin unterscheidet er sich von deinen bisherigen Liebesgeschichten?

Ich denke, auch dieser Roman hat genau das, was meine Leserinnen an meinen Büchern schätzen: dreidimensionale und glaubhafte Charaktere, die nicht schon auf Seite zwei miteinander ins Bett hüpfen, sondern die sich im Laufe eines längeren Romans kennenlernen, sodass eine echte Verbindung zwischen ihnen entsteht.

Was an diesem Roman anders ist, ist die sexuelle Orientierung einer der beiden Hauptfiguren. Holly identifiziert sich als homoromantisch und asexuell, was bedeutet, dass sie sich romantisch zu Frauen, hingezogen fühlt, sie aber keinerlei sexuelle Anziehung empfindet.

In den meisten Liebesromanen ist die sexuelle Anziehung zwischen den beiden Hauptpersonen einer der Faktoren, die die beiden schließlich zusammenbringen. Leos und Hollys Beziehung hingegen basiert auf anderen Grundlagen, einschließlich einer großen emotionalen Intimität. Ich denke, dass auch nicht-asexuelle Leserinnen sich sehr viel von diesem Roman mitnehmen können.

 

Was hat dich dazu inspiriert, das Thema Asexualität und die Probleme, auf die man in einer Beziehung zwischen einer asexuellen und einer allosexuellen Frau stoßen kann, aufzugreifen?

Eine gute Freundin von mir ist asexuell und mir ist aufgefallen, dass es bis vor Kurzem keinen einzigen (Liebes-)Roman mit einer weiblichen asexuellen Hauptfigur gibt. Nicht einen einzigen! Ich finde es wichtig, dass jede(r) Jugendliche und natürlich auch jeder Erwachsene sich in Büchern und anderen Medien wiederfinden kann. Für mich selbst war es ein Schlüsselerlebnis, Romane mit lesbischen Hauptfiguren zu entdecken und mich selbst darin wiederzufinden. Dieses Erlebnis bleibt den meisten asexuellen Leserinnen jedoch verwehrt. Deshalb wollte ich dazu beitragen, ihnen das zu ermöglichen und außerdem meinen nicht-asexuellen Leserinnen diese nahezu unbekannte sexuelle Orientierung etwas näherzubringen.

 

Hattest du beim Schreiben die Befürchtung, das Thema Asexualität könnte die Fans deiner Liebesromane abschrecken oder werden die Leserinnen dennoch auf ihre Kosten kommen und typische Elemente der Jae-Liebesromane finden?

In der Tat hatte ich ein wenig Bedenken, dass die eine oder andere Leserin den Klappentext lesen und das Buch wieder aus der Hand legen könnte, in dem Glauben, dass es sich nicht um einen „richtigen“ Liebesroman handelt. Aber ich hoffe darauf, dass die meisten Leserinnen dem Buch eine Chance geben und sich vom Gegenteil überzeugen lassen. Ich persönlich glaube sogar, dass „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ eines meiner schönsten und romantischsten Bücher ist und Leserinnen nichts missen werden.

 

Die andere Hauptfigur Leo unterscheidet sich sehr von Holly, außer, dass sie auch nicht mehr an die Liebe glaubt. Wie bist du auf die Idee gekommen, aus Leo einen Popstar zu machen?

Anfangs hatte ich nur genaue Vorstellungen von Holly, während die andere Hauptfigur noch völlig unklar war. Einerseits wollte ich eine Person, die völlig anders als Holly ist, andererseits musste es jedoch eine Frau sein, die sie perfekt ergänzt und die Holly vor allem so akzeptieren kann, wie sie ist, inklusive ihrer Asexualität. Für Leo sollte Hollys Asexualität im Grunde sogar etwas Positives und Liebenswertes sein. So kam ich auf die Idee, aus Leo einen Popstar zu machen, die von ihren Fans als Sexsymbol gefeiert und von ihrem Manager dazu angehalten wird, sich möglichst aufreizend zu kleiden. „Sex sells“ lautet die Devise für einen Popstar und davon hat Leo gründlich die Nase voll.

 

Der Roman verwebt die Liebesgeschichte zwischen Leo und Holly mit Leos Geschichte und den Schwierigkeiten mit ihren Eltern. War es beim Schreiben schwer, beide Stränge unter einen Hut zu bekommen?

Nein, überhaupt nicht. Leos Auseinandersetzung mit ihrer Heimatstadt und ihren Eltern ist etwas, in das ich mich gut hineinversetzen konnte. Holly ist ein typisches „Kleinstadtmädchen“ und repräsentiert scheinbar alles, was Leo eigentlich hinter sich zurücklassen wollte. Doch je besser sie Holly kennenlernt, umso mehr stellt sie fest, wie viel Liebenswertes sich doch hinter der Kleinstadtfassade versteckt. So fängt Leo an, auch ihre Beziehung mit ihren Eltern zu hinterfragen und vieles in einem neuen Licht zu sehen. Die beiden Handlungsstränge beeinflussen sich also gegenseitig, bis sie am Ende untrennbar verwoben sind.

 

Beim Lesen bekommt man einen tiefen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt eines asexuellen Menschen und auch die Konflikte, mit denen Leo als Gegenstück in dieser Konstellation zu kämpfen hat, beschreibst du sensibel. Wie hast du zu dem Thema recherchiert?

Die Recherchen dazu habe ich schon vor drei Jahren begonnen. Ich habe sämtliche Sach- und Fachbücher zum Thema Asexualität gelesen, die ich finden konnte, außerdem unzählige Berichte und Videotagebücher von asexuellen Personen, die von ihren Schwierigkeiten beim Coming-out oder in Beziehungen berichtet haben. Außerdem habe ich mich in vielen Gesprächen intensiv mit einer asexuellen Freundin unterhalten, bis ich das Gefühl hatte, das breite Spektrum Asexualität richtig verstanden zu haben und ihm gerecht werden zu können.

Zum Glück habe ich auch mehrere asexuelle Personen gefunden, die bereit waren, das Manuskript zu lesen und mir Rückmeldung zu geben zu allem, was womöglich nicht so ganz gepasst oder gefehlt hat.

Mittlerweile haben mich auch schon E-Mails von asexuellen Leserinnen erreicht, die von dem Buch begeistert waren und sich in Holly wiederfinden konnten. Schon allein deswegen hat sich der Rechercheaufwand definitiv gelohnt!

 

Wie bist du auf den Titel „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ gekommen?

Ich wollte einen Titel, der auf Leos musikalischen Hintergrund hindeutet, der zugleich aber auch darauf anspielt, dass zu einem harmonischen Einklang in einer Beziehung nicht unbedingt für alle Paare Sex nötig ist. Ich persönlich mag solche Titel, bei denen mehr als eine Bedeutung mitschwingt.

 

Kannst du deinen Fans einen Ausblick geben, worauf sie sich als Nächstes freuen dürfen?

Mein nächstes Buch für meine deutschen Leserinnen wird ein historischer Liebesroman mit dem Titel „Aus dem Gleichgewicht“ sein, der im Februar 2018 erscheinen soll. Der Roman spielt im Jahr 1906 in San Francisco. Die reiche Reederstochter Kate soll eigentlich einen wohlhabenden Mann heiraten, doch stattdessen möchte sie Fotografin werden. Zum Missfallen ihrer Eltern freundet sie sich dann auch noch mit dem sizilianischen Dienstmädchen Giuliana an. Während die beiden gegen ihre aufkeimenden Gefühle ankämpfen, erschüttert ein heftiges Erdbeben San Francisco…

 

JaeUnsere Autorin Jae wuchs im Weingebiet Süddeutschlands auf. Bis im Dezember 2013 arbeitete sie als Psychologin, gab dann aber ihren Beruf auf, um Vollzeitschriftstellerin und Teilzeitlektorin zu werden. In ihrer Freizeit liest sie nach wie vor gerne, frönt ihrem Eiscreme- und Schreibwarenfaible und schaut viel zu viele Krimiserien. Gerade ist ihr Roman “Perfect Rhythm – Herzen im Einklang” im Ylva Verlag erschienen

Der Ylva Verlag und Jae werden dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse sein. Jae ist am Samstag und Sonntag da (14.10./15.10.) und signiert an beiden Tagen von 14.00 bis 14.30 Uhr ihre Bücher für euch. Ihr findet uns in Halle 4.1, Stand A41.

Lesbische & feministische T-Shirts: Verlosung für die Happy End Factory

Gepostet von am Feb 4, 2017 in Allgemeines, Verlosung | 3 Kommentare

Happy End FactoryYlva verlost drei Sets mit Postkartenaufkleber der Happy End Factory!

Wenn alles gut läuft, wird es nämlich bald über diese Anbieterin viele schöne lesbische und feministische T-Shirts zu kaufen geben. Wir unterstützen das natürlich sehr und verlosen deshalb vorab schon mal ihre Postkarten. Dieselben Motive sind dann für später als T-Shirt-Designs geplant.

 

Wie kann ich bei der Verlosung mitmachen?

Wer an unserer Verlosung der beiden Postkartenaufklebersets (Postkarten, die zugleich Aufkleber sind) teilnehmen möchte, schreibt bitte einen Kommentar unter diesen Blogpost oder bei Facebook/Twitter – und zwar bis Montag, den 6. Februar (23:59 Uhr MEZ).

Wir drücken euch die Daumen für den Gewinn!

 

Was genau ist die Happy End Factory?

Daniela Zysk (Gründerin des Onlinemagazins phenomenelle) und Larissa Gleich (selbstständige Beraterin) haben kürzlich erst die „Happy End Factory“ gegründet, um Mode und Merchandising für die LGBT*IQ Community, deren Freund*innen und alle Feminist*innen anzubieten. Nicht nur gut aussehen soll es, sondern vor allem Aussagen transportieren – ganz nach ihrem Slogan: Make your statement!

Mit der Crowdfunding-Aktion bei Startnext soll nun bis zum 28. Februar 2017 Geld gesammelt werden, um die „Happy End Factory“ wahr werden zu lassen. Wer dazu beitragen möchte, sollte sich dringend an den Spenden beteiligen. Es gibt T-Shirts und andere schöne Dinge zum Dank.

Bitte hier entlang: https://www.startnext.com/happyendfactory

Neujahrsinventur: die eigenen Träume leben

Gepostet von am Dez 31, 2016 in Tipps für Autor_innen | Keine Kommentare

fb-article_jaeFür mich ist das Jahresende immer eine besondere Zeit und das nicht nur, weil ich unzählige Weihnachtsplätzchen essen und Zeit mit Freunden und Familie verbringen kann. Es ist für mich auch eine Zeit der Reflektion und der Vorsätze. Man könnte sagen, ich mache eine Inventur meines Lebens und schaue, was gut läuft und was ich gerne im neuen Jahr besser machen oder ändern möchte.

Im Dezember feiere ich außerdem Jubiläum. Mittlerweile ist es drei Jahre her, dass ich meinen Job als Psychologin aufgegeben habe, um mich in Vollzeit meinem Traum zu widmen: Romane mit lesbischen Hauptfiguren zu schreiben.

Mit dem Schreiben habe ich schon im Alter von zehn Jahren angefangen. Aber wirklich geglaubt, dass ich eines Jahres meinen Lebensunterhalt als Autorin verdienten würde, habe ich nie. Seien wir mal ehrlich, das Schreiben ist nicht gerade ein sicherer Job. Zwar scheffeln einige Schriftstellerinnen so wie J.K. Rowling Millionen, aber für die meisten bringt ihr Schreiben nicht mehr ein als ein Taschengeld.

Deshalb verstehe ich, warum die meisten Eltern ihre Kinder nicht ermutigen, Schriftsteller oder Schriftstellerin zu werden. Meine Eltern haben mich ganz gewiss nicht dazu ermutigt. Ich stamme aus einer Familie, in der kaum gelesen wurde. Meine Eltern haben seit Jahrzehnten kein Buch mehr angefasst (seltsame Leute, ich weiß, aber ich liebe sie trotzdem) und ich kann mich nicht erinnern, meine Großeltern je mit einem Buch in der Hand gesehen zu haben. Deshalb finde ich es ziemlich amüsant, dass daraus Nachkommen entstanden sind, die eifrige Leseratten und, im Fall meiner jüngeren Schwester, meiner ältesten Nichte und mir, Autorinnen sind.

JaeJahrelang habe ich in meiner Freizeit geschrieben: im Zug auf dem Weg zur Arbeit, am Wochenende oder nach der Arbeit bis spät in die Nacht. Selbst nachdem ich mehrere Romane veröffentlicht hatte und langsam mehr Geld durch mein Schreiben verdiente, zögerte ich, den großen Schritt zu wagen und meinen Beruf aufzugeben, um Vollzeitschriftstellerin zu werden. Es war die schwierigste Entscheidung meines Lebens – und mit Abstand die beste. Ich habe diesen Schritt nie bereut, nicht einmal für eine Sekunde.

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch schwierige Tage gäbe, aber endlich habe ich das Gefühl, dass ich genau das Richtige mit meinem Leben tue, und ich bin mir jeden Tag bewusst, dass nicht viele Menschen ein solches Privileg haben.

Wie wäre es also jetzt, zum Jahresende, mit einem Blick auf dein Leben? Gibt es Träume, die du nie zu verfolgen gewagt hast? Irgendwelche Ziele, die du von einem Jahr ins nächste schiebst, weil ständig andere Dinge dazwischengekommen sind? Möglicherweise wirst du feststellen, dass diese Ziele doch nicht so unmöglich zu erreichen sind, wie du dachtest.

Übrigens, wenn du auch überlegst, vom Schreiben zu leben, hier meine drei wichtigsten Tipps:

  1.  Vollzeit-Autorin zu werden, ist kein riesiger Sprung, sondern vielmehr eine Reihe kleiner Schritte. Eine Schriftstellerkarriere entsteht in jahrelanger Arbeit, nicht über Nacht. Die wenigsten Autorinnen und Autoren können von einem Buch leben, deshalb solltest du mehrere Bücher schreiben und erfolgreich veröffentlichen, bevor du daran denkst, deinen Job aufzugeben.
  2.  Sich selbst Ziele zu setzen und gute Schreibgewohnheiten zu entwickeln, ist wichtig, denn als Vollzeitautorin hat man keinen Chef mehr, der einem über die Schulter schaut. Statt nur zu schreiben, wenn dir danach ist, solltest du das Schreiben ernst nehmen und schon jetzt wie einen Job behandeln. Das wird dir später helfen, regelmäßig neue Bücher zu veröffentlichen.
  3.  Autorenhonorare sind ziemlich unbeständig, deshalb rate ich, mindestens sechs bis zwölf Monatsgehälter anzusparen, bevor du den Schritt in die Vollzeitschriftstellerei wagst.

Übrigens gibt es auch absolut nichts dagegen einzuwenden, das Schreiben als Nebenjob oder als Hobby zu betreiben, wenn dir das so lieber ist.

Egal, was deine Träume und Ziele fürs neue Jahr sind, geh sie an, selbst wenn es dir Angst macht oder eine Weile dauern sollte, bis du sie erreichst!

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

 

Fünf Last Minute Buchtipps für Weihnachten

Gepostet von am Dez 21, 2016 in Best of Listen | 1 Kommentar

Eines der schönsten Dinge in unserem Arbeitsalltag als Verlagsmitarbeiter_innen ist es, andere queere Menschen zu treffen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Auch zu so einigen schwul-lesbischen und queeren Buchhandlungen halten wir vom Ylva Verlag engen Kontakt. Darunter ist queer books, die queere Abteilung der Buchhandlung Weyermann in Bern, in der Schweiz. Mit Deborah und Patrick vor Ort verbindet uns seit Jahren eine freundschaftliche Zusammenarbeit. Unsere Verlegerin Astrid war in diesem Jahr sogar in Bern unterwegs und hat bei der Gelegenheit auch der Buchhandlung Weyermann einen Besuch abgestattet.

Anlässlich der Feiertage haben wir Deborah und Patrick gebeten, uns die Top 5 ihrer Lieblingsbücher zu verraten. Wer also noch in letzter Minute auf Geschenkejagd ist und gerne Bücher verschenken möchte, der_die kann sich hier noch ein paar tolle Bücherideen abholen.

 

queer-books-1

1. Untenrum Frei – Margarete Stokowski

Wie frei und gleichberechtigt sind wir? Warum fällt es uns leichter, über Essen zu reden als über Sex? Haben wir die Fesseln der Unterdrückung längst gesprengt, oder haben wir nur gelernt, in ihnen shoppen zu gehen?

Ausgehend von der zentralem These: “Wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind” geht Stockowski diesen Fragen nach. Wie Laurie Penny geht sie von persönlichen Erlebnissen aus und erklärt damit gesellschaftliche Herrschaftskonflikte und zeigt auf: Die Freiheit im Kleinen ist von der Freiheit im Grossen nicht trennbar. Margaret Stokwoski schreibt sehr zugänglich und pointiert, nimmt aber keine Abkürzungen. Das feministische Muss dieses Jahres!

http://www.queerbooks.ch/products-8853-0/stokowski__margarete__untenrum_frei

 

queer-books-2

2. Die Freundinnen – Johanna Moosdorf

“Ich wollte eine Liebesgeschichte schreiben, und die mit Hans und Grete hat mich ein bisschen gelangweilt.”

Eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen: geschrieben in den 1960er, wurde das Manuskript zwei Mal vom Suhrkamp-Verlag abgelehnt, bevor er 1977 in der Nymphenburger Verlagsanstalt veröffentlicht wurde. Der Roman ist mehr als nur eine Erzählung lesbischer Liebe (und damit damals schon an sich ein Tabubruch), er ist Patriarchatskritik und ein Plädoyer für gleichgestellte und unterdrückungsfreie Beziehungen.

Nun hat der Fischer-Verlag das Buch endlich neu nachgedruckt und damit den wichtigen Roman wieder zugänglich gemacht.

http://www.queerbooks.ch/products-8454-0/moosdorf__johanna__die_freundinnen

 

queer-books-3

3. Frischer Wind am Wolfgangsee – Carolin Schairer

Die beliebte Roman- und Krimiautorin Carolin Schairer beglückt uns wieder mit einem neuen Buch: Frischer Wind am Wolfgangsee. Von der ersten bis zur letzten Seite packt uns die Geschichte einer jungen Frau aus einem traditionellen Elternhaus im Salzkammergut. Als sich Vanessa an ihrem siebenundzwanzigsten Geburtstag outet, beschliessen ihre Freundinnen sie zu verkuppeln. So lernt sie die Geschäftsfrau Louise kennen und lieben und kämpft gleichzeitig mit der Ablehnung ihrer Eltern, die mit ihrer Homosexualität nicht klarkommen.

Für alle Fans von klischeefreier Unterhaltungsliteratur.

http://www.queerbooks.ch/products-8447-0/schairer__carolin__frischer_wind_am_wolfgangsee

 

 

queer-books-4

4. George – Alex Gino

“Sei, wer du bist!”

“George” wird die Protagonistin von allen genannt, geht aufs Knabenklo und ihre Mutter nennt sie “mein Junge”, denn noch weiss niemand , dass George ein Mädchen ist. Als sich George sich ihrer besten Freundin Kelly anvertraut, macht diese ihr Mut zu sich selbst zu stehen.

Alex Ginos hat eines der ersten Kinderbücher geschrieben, welches sich mit dem Thema Geschlechtsidentität befasst. Entstanden ist ein Mutmachbuch für Leser_innen jeden Alters.

http://www.queerbooks.ch/products-8309-0/gino__alex__george

 

 

queer-books-5

5. Die Liebenden im Chamäleon Club – Francine Prose

Ein meisterhafter Roman über die Macht des Bösen und die unvorhersehbaren Konsequenzen der Liebe.

Basierend auf der wahren Biografie von Violette Morris entwirft Francine Prose in diesem Roman die faszinierende Lebensgeschichte von Lou Villars. Lou war Wettkampfsportlerin und erfolgreiche Rennfahrerin. Später arbeitete sie in einem Pariser Transvestitenclub. Sie trug Männerkleidung und liebte Frauen.

Als sie 1936 Jahren von Hitler als Ehrengast zur Olympiade in Berlin eingeladen wird, lässt sie sich von der NS-Propaganda verführen und verliebt sich in die deutsche Rennfahrerin Inge Wallser. Wieder zurück in Frankreich spioniert sie für die Gestapo…..

Der vielstimmige Roman lässt die spannungsreiche Vorkriegsepoche und die Zeit des Zweiten Weltkriegs lebendig werden. Francine Prose erzählt von Liebe und Kunst, von Krieg und Spionage, von Verführung und Verrat – und wie Geschichte sich verändert, abhängig davon, wer sie erzählt.

Spannend, präzise und mit einer ungeheuer bildkräftigen und lebendigen Sprache!

http://www.queerbooks.ch/products-8254-0/prose__francine__die_liebenden_im_chamaeleon_club

 

queerbooks-logo-rgbDeborah & Patrick 
queer books | die queere Abteilung der Buchhandlung Weyermann