Die deutschen Leser_innen kennen Andrea Bramhall durch ihre queeren Kriminalromane der Ein Fall für Kate Brannon-Serie. Aber ihr neustes Buch bewegt sich in einem etwas anderen Genre. Steiler Aufstieg zum Glück ist ein lesbischer Liebesroman, der Lust auf Abenteuer macht und zeigt, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben.

Kannst du uns in ein paar Sätzen erzählen, worum es in deiner LGBT+ Neuerscheinung geht?

Steiler Aufstieg zum Glück ist ein Abenteuerroman mit einer vorgespielten Beziehung und echten Gefühlen. Handlungsort ist das Set einer Reality-TV-Show, die in den Bergen Patagoniens gefilmt wird. Es werden in dieser queeren Liebesgeschichte Berge bestiegen, wilde Flüsse befahren und Gletscherspalten überwunden. An jeder Ecke warten lebensgefährliche Situationen im Stein und Eis auf die Protagonistinnen Jayden und Rhian.

 

Steiler Aufstieg zum Glück vereint viele verschiedene Aspekte in sich: mitreißende Beschreibungen von Expeditionen auf den Berg, Einsichten in das Planen einer Fernsehserie sowie dem Umgang mit negativer Presse in den sozialen Medien, eine vorgetäuschte Liebesbeziehung und mehr. Wie ist die Idee zu diesem lesbischen Roman entstanden?

Ich liebe es, in der Natur unterwegs zu sein und zu Klettern und Wandern. Daher wollte ich immer schon einen lesbischen Roman schreiben, der sich um diese Hobbies dreht. Meine Frau und ich haben die Abenteuerserie The Amazing Race gesehen und dabei kam mir die Idee, dass so etwas mit dem Fokus auf Klettern mir die Möglichkeit geben würde, Leser_innen diesen Sport auf außergewöhnliche und spannende Weise näherzubringen.

Die anderen Thematiken der Geschichte hielt ich für besonders aktuell, besonders den Aspekt von falschen Behauptungen und Rufschädigung im Internet. Innerhalb von Sekunden kann das Ansehen, die Karriere und das Leben einer Person auf böswillige und anonyme Art zerstört werden und das finde ich wirklich angsteinflößend. Cyber Bullying sorgt konstant für die Zunahme von Suizidversuchen von Teenagern, ist aber definitiv nicht auf diese Altersgruppe beschränkt, weswegen wir diese Problematik nicht ignorieren sollten.

 

Ein großer Teil der Handlung umfasst den Zeitraum, in dem Rhian und Jayden die Teilnehmer der geplanten TV–Show auf die Aufgaben des Wettbewerbs vorbereiten. Warum hast du dich dazu entschieden, nicht die eigentlichen Filmaufnahmen in den Fokus zu setzen?

Weil das die Phase ist, zu der Jayden und Rhian sich kennen lernen und am meisten Zeit alleine miteinander verbringen können, ohne dass die Teilnehmer meinen Plänen für die Beiden dazwischenfunken. Außerdem haben beide auch erst einmal interne Konflikte, an denen sie arbeiten müssen. Sie sind nicht in der Situation, in der sie sich gleich in eine Romanze stürzen können.

 

Das Buch befasst sich auch mit einigen schwierigen Themen. Deine Protagonistin Jayden hat einen großen Verlust zu verkraften und Rhian hat seit ihrem Coming Out eine komplizierte Beziehung zu ihrem Vater. Was hat dich dazu inspiriert, diese Problematiken in deine LGBT+ Geschichte einzubringen?

Ich mag es, meine Charaktere erst zu foltern, bevor sie ihr Glück finden. Lol. Nein, Jaydens Verlust war einfach aus mehreren Gründen Voraussetzung für die Handlung. Einerseits als eine klare Erinnerung an die Gefahren des Bergsteigens, andererseits aber auch als Erklärung dafür, dass sie zunächst nichts mit der Fernsehserie zu tun haben will und dann mit besonderer Vorsicht an ihre Aufgabe als Bergführerin herangeht.

Rhians Vorgeschichte soll uns alle daran erinnern, dass die Toleranz für die LGBT+ Community in der Gesellschaft zwar beträchtliche Fortschritte gemacht hat, aber trotzdem nicht jeder eine märchenhafte Coming Out-Geschichte hat. Manche von uns brauchen Zeit, um uns von der schmerzhaften Erfahrung zu erholen, die uns auf die verschiedensten Arten beeinflusst. Wir haben schon viel erreicht, aber der Weg zur Akzeptanz ist noch immer lang.

 

Eine weitere Besonderheit von Steiler Aufstieg ins Glück sind die atemberaubenden Beschreibungen der Szenerie in Patagonien. Hattest du einen bestimmten Grund dafür, speziell diese Berglandschaft für deinen queeren Roman auszuwählen?

Leider war ich noch nie in Patagonien, möchte das Land aber unbedingt noch besuchen. Die Landschaft, die Berge und die Tierwelt dort werden auf einzigartige Weise von den Wetterbedingungen und den Winden, die diesen Teil von Südamerika vom südlichen Pazifik aus treffen, beeinflusst. Ich habe viele Stunden damit verbracht, die Geografie, Geologie, Flora und Fauna sowie die Klettererfahrungen von Bergsteigern der Gegend zu studieren. Diese Recherchen habe ich mit meinen eigenen Erfahrungen vom Klettern in Europa verbunden, um meine Beschreibungen möglichst realistisch zu halten, ohne selbst dort gewesen zu sein. Der Austausch mit einigen Sportlern, die Patagonien bereist haben, hat mir versichert, dass ich der Realität ziemlich nahe gekommen bin.

 

Andrea Bramhall schrieb ihre erste Geschichte im zarten Alter von sechsdreiviertel Jahren. Sie war sieben Seiten lang und wurde von einem rosa Band zusammengehalten. Seitdem hat Andrea sich ein wenig weiterentwickelt und inzwischen etliche Werke herausgebracht, die nicht mehr von Bändern, sondern mit Leimbindung zusammengehalten werden. 
Sie hat Musik und bildende Künste an der Universität von Manchester studiert. Und ganz bestimmt wird ihr Abschluss eines Tages von Nutzen sein. Möglicherweise.
Wenn sie nicht gerade alle Hände voll zu tun hat mit ihrer Ferienanlage im Lake District, ist sie an ihrem Laptop zu finden, wo sie all die Geschichten aufschreibt, die sie ansonsten nicht schlafen lassen. Oder sie liest, wandert mit ihren Hunden durch die Berge und macht ein paar Tausend Fotos dabei, geht tauchen, um dabei ein paar Tausend Fotos zu machen, schwimmt, fährt Kajak, spielt Saxofon oder fährt Fahrrad. “Steiler Aufstieg zum Glück” ist ihr erster deutscher lesbischer Liebesroman. 

Adrenalin, Abenteuer und große Gefühle – Andrea Bramhall über ihren lesbischen Liebesroman

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