Im letzten Schreibtipps-Artikel ging es ums Schreiben von Dialogen. Heute möchten wir ein paar Tipps für die Verwendung von sogenannten »Sprecherverben« geben.

Sprecherverben sind Verben wie z.B. »sagte« oder »fragte«. Ihre Funktion ist es, den Lesern anzuzeigen, wer gerade spricht. Sprecherverben sind also äußerst hilfreich, um Verwirrung zu vermeiden, werden aber leider oft falsch angewandt. Deshalb an dieser Stelle ein paar Tipps zur Verwendung von Sprecherverben.

1) Vermeiden Sie “kreative” Sprecherverben

Manche Autoren scheinen zu glauben, dass Sprecherverben wie »sagte« langweilig sind, deshalb legen sie eine große Kreativität an den Tag und benutzen eine breite Vielfalt an Sprecherverben wie z.B. jammerte, grummelte, erklärte, grunzte, etc. Bitte vermeiden Sie Sie solche Sprecherverben.

»Sagte« und »fragte« (und vielleicht noch ein gelegentliches »flüsterte« oder »schrie«) sind immer noch die besten Verben, wenn es um Sprecherattribution geht. Das Leserauge liest einfach über sie hinweg und nimmt sie nicht bewusst wahr, während andere Sprecherverben die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen und damit vom eigentlichen Dialog ablenken.

Solche kreativen Sprecherverben sind eine Form des Behauptens (telling; mehr zu diesem Thema finden Sie hier). Sie schreiben dem Leser vor, wie er den Dialog zu verstehen hat.

Beispiel: 

»Gib das her«, verlangte er.

Die Worte selbst sagen uns schon, dass der Sprecher etwas verlangt, also bedarf es des  »verlangte er« nicht mehr. Lassen Sie den Dialog für sich selbst sprechen.  Wann immer Sie in Versuchung geraten, kreative Sprecherverben zu verwenden, ist das oft ein Anzeichen für schwache Dialoge. Überarbeiten Sie den Dialog und die Körpersprache, Mimik und Handlungen der sprechenden Personen, um den Dialog ausdrucksstärker zu machen.

2) Verwenden Sie Adverbien nur sehr selten

Ähnlich wie die eben genannten kreativen Sprecherverben versuchen Adverbien, dem Leser den Dialog zu erklären. Anstatt zu behaupten, dass jemand auf eine bestimmte Weise spricht, sollten Sie stattdessen lieber die Emotionen durch die Worte des Dialogs und durch Körpersprache zeigen.

Beispiel: 

»Gib das her«, sagte sie wütend.

Dieser Satz könnte folgendermaßen umgeschrieben werden:

Sie sprang auf. Ihre Hände umklammerten die Tischkante. »Gib das verdammte Ding her. Sofort!«

3) Verwenden Sie keine Sprecherverben, die physisch unmöglich sind

Man kann einen Satz nicht lachen, lächeln, grinsen, knurren, stöhnen, etc., deshalb sollten diese Wörter lieber nicht als Sprecherverben benutzt werden.

Beispiel: 

Falsch: »Das gibt’s nicht«, lachte sie.

Richtig: »Das gibt’s nicht.« Sie lachte.

4) Verwenden Sie nicht zu viele Sprecherverben

Nicht jede Dialogzeile braucht ein Sprecherverb. Wenn klar ist, wer spricht, lassen Sie das Sprecherverb weg. In Unterhaltungen zwischen nur zwei Personen muss man normalerweise höchstens alle drei Zeilen ein Sprecherverb einfügen. Wenn mehr Personen an der Unterhaltung beteiligt sind, brauchen Sie hingegen auch mehr Sprecherverben.

5) Ersetzen Sie einige Sprecherverben durch Handlungen

Anstelle von Sprecherverben können auch Handlungen der Charaktere dazu genutzt werden, dem Leser zu zeigen, wer spricht. Das kann zum Beispiel eine kurze Beschreibung der Gestik oder Mimik des Charakters sein. Aber vermeiden Sie es bitte, immer dieselben nichtssagenden Gesten zu verwenden und Ihre Charaktere z.B. ständig lächeln, nicken, seufzen oder mit den Schultern zucken zu lassen. Verwenden Sie stattdessen Handlungen, die zur Persönlichkeit der Charaktere und ihrer Situation passen. Besonders gut sind auch Handlungen, die dem, was die Charaktere sagen, widersprechen.

Beispiel: 

»Wie kommst du darauf, dass ich nervös bin?« Sie schob die Hände in die Jackentaschen, als suche sie nach einem Zigarettenpäckchen, obwohl sie das Rauchen schon vor Wochen aufgegeben hatte. »Ich bin die Ruhe in Person.«

6) Doppelte Sprecherattributionen sind unnötig

Handlungen und Sprecherverben haben dieselbe Funktion, nämlich dem Leser zu zeigen, wer spricht. Wenn Sie also bereits durch eine Handlung den Sprecher identifiziert haben, brauchen Sie kein Sprecherverb mehr. Benutzen Sie also immer nur eines von beiden.

Beispiel: 

Falsch: »Ich hasse Brokkoli«, sagte Nadine und rümpfte die Nase.

Falsch: Nadine rümpfte die Nase. »Ich hasse Brokkoli«, sagte sie.

Richtig: Nadine rümpfte die Nase. »Ich hasse Brokkoli.«

 7) Zögern Sie das Sprecherverb nicht zu lange hinaus

Verwenden Sie das Sprecherverb so weit vorne im Satz oder Absatzes wie möglich, damit Leser nicht bis zum Ende des Absatzes warten müssen, um herauszufinden, wer da gerade spricht.

Beispiel: 

Falsch: »Mist. Und ich hätte gedacht, dass es hier endlich ruhiger wird, nachdem die Sommerferien anfangen«, sagte Anne.

Richtig: »Mist«, sagte Anne. » Und ich hätte gedacht, dass es hier endlich ruhiger wird, nachdem die Sommerferien anfangen.«

8) Beschreiben Sie die Sprechweise einer Person nicht, bevor sie überhaupt den Mund geöffnet hat

Wenn Sie ein Sprecherverb verwenden, das vor dem Dialog steht, beschreiben Sie die Art und Weise, wie ein Charakter spricht, bevor dieser überhaupt ein Wort gesagt hat. Platzieren Sie das Sprecherverb stattdessen weiter hinten, wenn der Charakter bereits gesprochen hat.

Beispiel: 

Falsch: Ihre Stimme klang wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzten, als sie rief, »Komm zurück!«

Richtig: »Komm zurück!« Ihre Stimme klang wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzten.

Im Juni werden wir über Zeichensetzung in Dialogen bloggen. Wir wünschen allen einen schönen Sonntag!

Das Ylva Team

Acht Tipps zur Verwendung von Sprecherverben
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