Ylva Verlag

Chris Zett bringt in ihrem Lesbenroman das Herz einer Ärztin aus dem Takt

Aus dem Takt geraten von Chris ZettIm April ist dein erstes deutsches Buch im Ylva Verlag erschienen. Kannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman Aus dem Takt geraten geht?

Im Wesentlichen geht es um Veränderungen und wie kleine Begegnungen oft einen großen Einfluss auf unser Leben nehmen können. Diana ist eine neue Assistenzärztin in der Notaufnahme. Sie muss sich erst wieder in ihren Beruf hineinfinden, da sie fast zehn Jahre etwas ganz anderes gemacht hat. Sie war Drummerin in einer Rockband und will eigentlich nicht, dass irgendjemand auf der Arbeit davon erfährt.

Emily ist eine Fachärztin, für die ihre Arbeit in der Notaufnahme immer das wichtigste war. Ein Liebesleben war ihr nie wichtig, aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit etwas daran zu ändern. Die beiden treffen sich zufällig in einem lesbischen Musikclub und Emily entdeckt das Geheimnis um Dianas Vergangenheit.

Es beginnt eine zögerliche Freundschaft, die sich rasch in gegenseitige Anziehung verwandelt. Allerdings müssen die beiden noch einige Hindernisse überwinden und lernen, sich gegenseitig zu vertrauen, bevor es ein glückliches Ende geben kann.

 

Ein wichtiger Aspekt deiner LGBT Neuerscheinung ist die Arbeit in der Notaufnahme. Sowohl Emily, als auch Diana arbeiten hier als Ärztin. Was hat dich dazu bewegt die beiden in diesem Umfeld arbeiten zu lassen?

Es war von Anfang an ganz klar für mich, dass ich einen lesbischen Liebesroman über zwei Ärztinnen schreiben wollte. Zum einen ist das ein Genre, dass ich sehr gerne lese und zum anderen habe ich durch meinen Beruf als Ärztin genug eigene Erfahrung, um mir realistische Szenen auszudenken.

Für die Notaufnahme habe ich mich entschieden, weil es gut zu Emilys Persönlichkeit und Dianas Vergangenheit passt. Die Arbeit dort hat einen intensiven Fokus auf das aktuelle Geschehen und es gibt immer wieder spannende Fälle, die in kurzer Zeit gelöst werden müssen.

Und ja – ich habe früher natürlich auch keine Folge Emergency Room verpasst. Tatsächlich bestanden die ersten „rein freundschaftlichen“ Treffen von meiner Frau und mir aus regelmäßigen Fernsehabenden mit unserer Lieblingsserie.

 

Bevor Diana als Assistenzärzten gearbeitet hat, hat sie als Drummerin in einer Rockband gespielt. Warum hast du dich für diese Instrument entschieden?

Es gab zwei Ereignisse, die mich inspiriert haben. Vor fast zehn Jahren war ich auf einem kleinen Konzert von Heather Nova in London. In dem Club gab es eine zweite Etage und ich habe ganz vorne am Geländer gestanden und von oben genau auf den Drummer geschaut, den man sonst im Hintergrund oft nicht so gut wahrnimmt. Er ist völlig in der Musik aufgegangen, hat den ganzen Körper im Takt bewegt, und ich konnte die Augen einfach nicht abwenden und ich habe kaum etwas von dem restlichen Konzert mitbekommen.

Jahre später war ich mit einer Freundin bei ihrem Alt-Hippie Großonkel im Wendland. Er erzählte uns Geschichten von den hypnotischen und lebensverändernden Kräften von Trommelkreisen am Strand von Ibiza und drückte uns auch gleich ein paar Trommeln in die Hand, um das auszuprobieren. Und irgendwie ist aus diesen Erlebnissen plötzlich Diana als fast fertiger Charakter in meinem Kopf erschienen. Wer den lesbischen Liebesroman Aus dem Takt geraten liest, wird sicherlich den Trommelkreis wiedererkennen und die Bedeutung, die er für Emily hat.

 

 

Emilys Wohnung wirkt wie eine kleine Bibliothek. Sieht es bei dir zu Hause ähnlich aus?

Ich wünschte es wäre so. Ich habe zwar etliche Taschenbücher und Hardcover aus früheren Zeiten, aber der Großteil meiner Sammlung ist mittlerweile digital. Es ist einfach zu praktisch, jeden Tag über tausend Bücher in der Bahn dabei zu haben. Aber jedes Jahr schenke ich mir selbst zum Jahresende meine Lieblingsromane als Taschenbücher.

 

Wenn Diana nicht gerade in der Notaufnahme arbeitet oder Schlagzeug spielt, dann steht sie gerne in der Küche und experimentiert an neuen Gerichten. Teilst du diese Leidenschaft fürs Kochen?

Absolut. Kochen ist für mich Entspannung. Früher habe ich oft neue Rezepte aus Kochbüchern oder Zeitschriften ausprobiert, mittlerweile experimentiere ich einfach mit Gewürzen und Gemüse, die ich gerne mag. Außerdem kann ich dabei sehr gut Hörbücher hören. Wenn das Buch spannend ist, macht es mir auch nichts aus noch hinterher aufzuräumen und abzuspülen.

 

Gibt es für dich einen bestimmten Ort, an dem du dich gerne aufhältst, wenn du schreibst?

Ich sitze sehr gerne in Cafés. Ich habe schon immer zur Konzentration etwas Hintergrundgeräusch gebraucht und konnte zum Beispiel nie in der Bibliothek lernen. Es gibt in den Cafés nicht so viele Ablenkungen wie zu Hause, wenn ich es schaffe dem Internet zu widerstehen. Am besten kann ich arbeiten, wenn meine Frau mitkommt. Sie zeichnet in ihrer Freizeit und findet in den Cafés immer Motive, notfalls die Teekanne.


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