In dem lesbischen Liebesroman „Was ich in dir sehe“ lernen zwei Frauen aus unterschiedlichen Welten, dass kein Fehler der Vergangenheit mächtiger sein kann als die Kraft der Liebe.

In diesem Interview erzählt uns die Autorin Quinn Ivins, warum sich der Einzelhandel gut als Schauplatz für einen Liebesroman eignet und warum es schwierig ist zu entscheiden, ob ihre lesbische Hauptfigur Nadine eine Eiskönigin ist oder nicht.

Kannst du uns in deinen eigenen Worten zusammenfassen, worum es in deinem lesbischen Liebesroman „Was ich in dir sehe“ geht?

Nadine ist eine in Ungnade gefallene, ehemalige Anwältin, die frisch aus dem Gefängnis kommt und nun in einem schäbigen Ramschladen im ländlichen Virginia arbeitet. Dort lernt sie Bella kennen, ihre süße Kollegin, die Nadine Freundschaft und eine Bleibe anbietet.

Die beiden Frauen teilen sich eine kleine Wohnung und verlieben sich unweigerlich ineinander, aber Nadine fühlt sich Bella aufgrund ihrer Vergangenheit und ihres Rufs nicht würdig. Bella macht sich derweil Sorgen, dass sie nicht klug genug für Nadine ist. Sie müssen beide ihre Selbstzweifel überwinden, um ihr Glück zu finden.

Was hat dich dazu inspiriert, einen lesbischen Liebesroman zu schreiben, in dessen Mittelpunkt eine Figur steht, die in der Öffentlichkeit verhasst ist?

Nadines Geschichte ist lose inspiriert von einem Skandal in den Vereinigten Staaten, in den Michael Cohen verwickelt war, der persönliche Anwalt von Donald Trump, der wegen Wahlkampffinanzierungsdelikten ins Gefängnis ging. Das hat mich gereizt, weil ich über eine Figur schreiben wollte, die einst mächtig war, bevor sie all ihr Geld und ihre Freunde verlor. Das zwingt sie dazu, sich in einer ganz anderen Welt zu bewegen, in der des Einzelhandels in den Vororten, weil sie sonst keine Arbeit findet. Es gibt ihr aber auch die Gelegenheit, Bella zu treffen und kennenzulernen, eine Person, die sie in ihrem früheren Leben nie getroffen hätte.

Mit Politik und Einzelhandel stellst du zwei sehr unterschiedliche Welten dar. Wie bist du auf diese Idee gekommen und wie hast du diese sehr unterschiedlichen Elemente dieses lesbischen Liebesromans recherchiert?

Ich habe mich für einen Schauplatz im Einzelhandel entschieden, weil er sich völlig von der hochkarätigen Politik unterscheidet. Es ist auch ein großartiges Umfeld, um mit verschiedenen Persönlichkeitstypen und humorvollen Situationen zu spielen. Ein Großteil der Komik kommt von den anderen Mitarbeiter*innen und den Kunden und Kundinnen, die den Laden besuchen, und das zu schreiben hat großen Spaß gemacht.

Ehrlich gesagt musste ich nicht viel über Politik oder den Einzelhandel recherchieren. Ich bin ein Politik-Junkie, ich verfolge alle Skandale und habe während des Studiums im Einzelhandel gearbeitet. Einige der Geschichten über aufgebrachte Kunden und inkompetente Manager stammen aus meiner eigenen Erfahrung – ich hatte zum Beispiel Kunden und Kundinnen, die versuchten, Produkte zurückzubringen, die sie vor Jahren gekauft hatten.

Der Teil, der die meiste Recherche erforderte, war das Bewährungssystem der Vereinigten Staaten. Ich habe mit einem Bewährungshelfer gesprochen, der mir viele gute Einblicke gegeben hat, zusätzlich zu dem, was ich darüber gelesen und in der Serie „Orange Is the New Black“ gesehen habe.

Welche Figur in „Was ich in dir sehe“ hat dir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht?

Das ist schwer zu sagen, denn ich hatte mit allen Figuren Spaß. Von den beiden Hauptfiguren hat mir Bella am meisten Spaß gemacht, weil ich mich über einige meiner eigenen Angewohnheiten und Macken als ziemlich unorganisierter kreativer Mensch lustig machen konnte. Nadine gab mir dagegen die Gelegenheit, über die philippinische Sprache und Kultur meiner Frau zu schreiben, was ebenfalls Spaß gemacht hat.

Aber ich muss sagen, dass mich einige der Nebenfiguren am meisten zum Lachen gebracht haben – wie zum Beispiel Bellas und Nadines Arbeitskollege Kenny, ein behüteter Teenager, der Fluchen hasst.

Über welche Themen und Motive schreibst du am liebsten?

Ich liebe Altersunterschiede und Eisköniginnen. Nadine ist in „Was ich in dir sehe“ nicht wirklich eine Eiskönigin – sie ist eher eine ehemalige Eiskönigin, die ihre Macht und ihren Ruf verloren hat, als sie ins Gefängnis kam. Aber sie hat sich all die Eigenschaften bewahrt, die Eisköniginnen so heiß machen – sie ist klug und tough, mit einer gesunden Prise Sarkasmus.

Was können die Leser*innen deiner Meinung nach von deinen queeren Hauptfiguren lernen?

Bella ist vom College geflogen und hat immer noch Probleme mit Organisation und Mathe. Zuerst denkt sie, sie sei nicht klug genug, aber (mit der Hilfe von Nadine) lernt sie, dass etwas anderes dahintersteckt.

Ich hoffe, dass das Buch den Leser*innen etwas über Neurodiversität beibringt und vielleicht jemandem hilft, der mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.

Was Nadine betrifft, so ist Lektion Nummer eins, dass mit den Gesetzen zur Wahlkampffinanzierung nicht zu spaßen ist. 😉 Aber die wichtigste Lektion ist, dass man sein Selbstwertgefühl nicht von der Meinung anderer Leute bestimmen lassen sollte.


Quinn Ivins ist seit ihrer Teenagerzeit süchtig nach Liebesgeschichten. Damals blieb sie nachts in der Schule lange auf, um noch mehr X-Files-Fanfiktion zu lesen. Nach Liebesromanen gehören Zucker, Alkohol, Nachrichtensendungen und Countrymusik zu ihren größten Lastern.

Quinn lebt mit ihrer Frau, ihrem kleinen Sohn und ihrer entzückenden Katze im Süden der Vereinigten Staaten. Wenn sie nicht arbeitet, schreibt oder sich um ihr Kleinkind kümmert, holt sie so viel Schlaf wie möglich nach.

Die Eiskönigin nach ihrem Fall – Quinn Ivins über ihren lesbischen Liebesroman „Was ich in dir sehe“

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