Bisexuelles Paar

Als Ylva mich fragte, ob ich einen Gastbeitrag für den Verlagsblog schreiben und über meine Erfahrungen als bisexuelle Frau berichten würde, war ich begeistert. Es dauerte nur eine halbe Sekunde, bis ich wusste, dass ich nicht über meine Bisexualität sprechen konnte, ohne auch darüber zu sprechen, wie wichtig lesbische Bücher für meine Reise waren.

So ungeoutet, dass ich selbst nichts von meiner Bisexualität wusste

Ich bin in einem konservativen christlichen Elternhaus aufgewachsen, in dem Bisexualität und Queerness keine Option waren. Es war etwas, was andere Leute taten, aber definitiv nicht ich oder die Menschen um mich herum. Außerdem fühlte ich mich zu genügend Jungs hingezogen, so dass ich das Gefühl in meinem Bauch ignorieren konnte, wenn ich eine attraktive Frau sah. Und weil es die 90er Jahre waren und ich in der Purity-Bewegung aufwuchs, durfte ich sowieso keine sexuellen Gedanken haben, unabhängig vom Geschlecht. Stattdessen sollte ich mich auf Heiligkeit und Keuschheit konzentrieren.

Fünfzehn Jahre später ist dann etwas Komisches passiert, als ich mit meiner Ältesten schwanger war. Ich entdeckte dank eines Onlineartikels lesbische Liebesromane. Ich verschlang jedes Buch, angefangen mit And Playing the Role of Self von K.E. Lane. Ich las immer weiter, und bald stellte ich fest, dass ich nur noch lesbische Romane las und keine heterosexuellen Liebesgeschichten mehr. Nicht einmal von geliebten Autor*Innen.

Schließlich kam mein Mann auf mich zu und sagte den einen Satz, von dem ich nie wusste, dass ich ihn hören musste: „Glaubst du, du könntest bisexuell sein? Denn falls du es bist, ist es in Ordnung, und du kommst nicht in die Hölle.“

Ich war einsam, aber wenigstens hatte ich lesbische Liebesromane

Dieses Gespräch mit Neil war der Auftakt zu einer der wichtigsten Zeiten meines Lebens. Endlich konnte ich – zunächst mir selbst gegenüber – eingestehen, dass ich bisexuell bin. Ich fühle mich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen. Das war schon immer so. Es besteht eine verdammt gute Chance, dass es auch immer so sein wird. Meine Bisexualität zu akzeptieren war befreiend und erschreckend zugleich. Ich musste die Werte, mit denen ich mein Leben und die Welt um mich herum betrachtet hatte, neu evaluieren. Und ich musste eine ganz neue Beziehung zu mir selbst aufbauen.

Es war auch eine einsame Zeit, weil ich in meinem Leben keine anderen LGBT+-Menschen hatte, mit denen ich reden konnte. Aber ich hatte Bücher. Bücher von Melissa Brayden, Rebekah Weatherspoon, Jae, Meghan O’Brien, Karin Kallmaker, Gun Brooke, Radclyffe und so vielen anderen erstaunlichen Autorinnen. Ich fing auch an, anderen lesefreudigen Leser*innen auf Goodreads und einigen Rezensentinnen auf Twitter zu folgen, um gute Lesbenbücher zu finden. Und dann hat ein einziger Tweet meine Welt noch einmal verändert.

Bisexualität und queere Liebe in Büchern

Der Tweet, der meine Welt erschüttert hat

Nachdem ein Buch mich besonders begeistert hatte, twitterte ich Sheena Lemos Eberson, der Gründerin von The Lesbian Review, um sie zu fragen, ob sie es rezensieren könnte. Sie antwortete, dass *ich* es stattdessen für die Website rezensieren könnte. Diese eine Interaktion führte dazu, dass ich vor viereinhalb Jahren regelmäßige Rezensentin bei TLR wurde, wodurch ich einige meiner heute engsten Freund*innen gefunden habe – queere Frauen, die genauso leidenschaftlich gern lesen wie ich. Plötzlich war ich nicht mehr allein in einem Meer von Heteros, und, was noch besser ist, ich hatte Leute, mit denen ich mich über Bücher austauschen konnte.

Bisexualität und Lesbenbücher

Meinen Platz in der Community zu finden, war nicht immer leicht. Gelegentlich hat eine Autor*in oder Leser*in hinterfragt, ob ich lesbische Rezensionen schreiben oder in lesbischen Kreisen zugelassen werden sollte. Immerhin bin ich eine bisexuelle Frau, die mit einem Mann verheiratet ist – aber ich hatte weit mehr Verteidiger als Verleumder. Es hat mich ermutigt, die vielen Autor*innen und Leser*innen zu sehen, die sich klar gegen Biphobie stellen (ob gegen mich oder andere bisexuelle Menschen gerichtet).

Mein queeres Happy End

In vielerlei Hinsicht hat das Anerkennen, Verstehen und Akzeptieren meiner Bisexualität alles und gleichzeitig nichts verändert. Zum Glück war ich mit dem richtigen Partner verheiratet, denn mein Mann unterstützte mich während der gesamten Reise zu 100%. Tatsächlich ist er nach wie vor mein größter Fan. Er unterstützt alles, was ich als Reviewerin und Podcasterin von lesbischen Medien tue. Ich werde ihm immer dankbar sein, dass er den Mut hatte, mich zu fragen, ob ich bisexuell bin, denn allein hätte ich es vielleicht nie geschafft.

Ebenso dankbar bin ich all den erstaunlichen Menschen in unserer Lese- und Schreibgemeinschaft, die mir ebenfalls Liebe gezeigt haben. Sie machen mir jeden Tag klar, dass ich nicht allein bin und dass mein Leben so besser ist.

Ich bin eine Frau, eine Ehefrau, eine Mutter, von Beruf Marketingfachfrau, nebenbei Rezensentin und Podcasterin. Was das Ganze untermauert, ich bin eine glückliche, stolze bisexuelle Frau. Danke für eure Unterstützung!


Tara Scott liest eine Menge lesbischer Romane. Man kann ihre Rezensionen regelmäßig bei The Lesbian Review und Lambda Literary lesen, und gelegentlich rezensiert sie auch bei Smart Bitches Trashy Books. Außerdem könnt ihr in ihrem Podcast Les Do Books hören, wie sie mit Autorinnen und anderen Rezensentinnen über Lesbenbücher spricht. Folgt ihr auch auf Twitter (@taramdscott), um Leseempfehlungen zu erhalten.

Tara Scott über Bisexualität, lesbische Liebesromane und ihre Ehe mit einem Mann

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