Lesbische Buchreihe Oregon-Serie

Die Oregon-Serie, eine Reihe historischer lesbischer Liebesromane von Erfolgsautorin Jae, hat die Herzen der Leser*innen im Sturm erobert. Anlässlich des 170-jährigen Jubiläums von Lukes und Noras Begegnung im Oktober, veröffentlicht sie nun ihre Kurzgeschichte Mein Zuhause bist du. Im Interview spricht Jae über ihre Recherchen, ihre lesbische Buchreihe, Reisen in die Vergangenheit und feiert darüber hinaus ihr ganz persönliches Jubiläum mit dem Ylva Verlag.

Wie bist du damals auf die Idee für diese lesbische Buchreihe gekommen?

Ich habe mich schon immer sehr gern mit Geschichte beschäftigt. Ich finde es interessant, mehr darüber zu erfahren, wie das Alltagsleben in der Vergangenheit ausgesehen hat. Dabei bin ich auf mehrere Berichte über historische Persönlichkeiten gestoßen, die ihr Leben – entweder kurzzeitig oder aber für viele Jahrzehnte – als Mann gelebt haben, denen bei der Geburt aber ein weibliches Geschlecht zugewiesen wurde.

Einige davon waren Frauen, die sich als Mann „verkleidet“ haben, um z.B. an einer Uni studieren, sich politisch engagieren oder Land kaufen zu können. Frauen standen diese Möglichkeiten im 19. Jahrhundert nicht offen.

Andere waren womöglich Transmänner oder hätten sich als nicht-binär bezeichnet, wenn sie im 21. Jahrhundert geboren worden wären.

Ich habe mir vorgestellt, wie einsam und isoliert die meisten dieser Personen wohl gelebt haben müssen und was wohl passieren würde, wenn eine davon beschließt, eine Frau zu heiraten, die nicht ahnt, dass ihr Ehemann ziemlich ungewöhnlich ist. Schon war die Idee zu Westwärts ins Glück und meine lesbische Buchreihe geboren.

Was macht diese lesbische Buchreihe deiner Meinung nach so erfolgreich?

Ich glaube, es liegt an den Hauptfiguren. Ich bekomme immer noch sehr viele E-Mails von Leser*innen, die normalerweise keine historischen Romane mögen, aber die Oregon-Reihe regelrecht verschlungen haben.

Gerade Luke scheint bei den Leser*innen sehr beliebt zu sein. Sie ist ein sehr komplexer und interessanter Charakter. Gerade anfangs ist sie nach außen eher kühl und hart, aber im Inneren eigentlich sanft und unsicher. Sie führt ein einsames Leben und hält ihre Mitmenschen auf Abstand, damit niemand entdeckt, dass sie kein Mann ist.

Aber dann trifft sie Nora, die als Prostituierte arbeitet und eine dreijährige Tochter hat. Nach ihrer Heirat weiß Luke zunächst überhaupt nicht, wie sie mit Frau und Kind umgehen soll. Es gibt in Westwärts ins Glück mehrere wirklich süße Szenen, die zeigen, wie Luke in die Vaterrolle hineinwächst.

Sowohl Luke als auch Nora haben sich vorher immer nur auf sich selbst verlassen und niemandem vertraut. Sie glauben beide nicht an die große Liebe. Ich glaube, das ist es auch, was den Leser*innen am meisten gefallen hat: Zuzusehen, wie die beiden zusammenwachsen und sich langsam einander und der Liebe öffnen.

Die queeren Hauptfiguren Luke und Nora haben beide ihre eigenen Päckchen zu tragen – was hat dich zu diesem Paar inspiriert?

Die Idee zu Luke kam zuerst und dann habe ich mit Nora eine Partnerin erschaffen, die in mancherlei Hinsicht völlig anders ist als Luke, aber auch sehr viel mit ihr gemein hat. Beide kommen aus einer Familie, in der es wenig Zuneigung und Wärme gab, und haben gelernt, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Nur ganz langsam öffnen sie sich einander und lernen, einander zu vertrauen.

Ich glaube, das macht auch den Reiz von Westwärts ins Glück aus – als Leser*in darf man diesen wunderschönen Prozess mitverfolgen.

Wenn du jemals eine Zeitreise unternehmen könntest, welche Epoche würdest du wählen? Und warum?

Eigentlich bin ich ganz froh, in modernen Zeiten zu leben. Vor allem da in der Vergangenheit lesbische und queere Personen nicht offen leben konnten. Aber für einen Kurzbesuch würde mich eine Reise in die Vergangenheit schon reizen.

Ich denke, ich würde mich tatsächlich auch für das 19. Jahrhundert entscheiden, genauer gesagt die 1850er Jahre. Die Menschen – und vor allem die Frauen – haben damals Unglaubliches geleistet. Viele haben bis zu 2.000 Meilen zu Fuß zurückgelegt in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Es wäre sicher spannend, das mitzuerleben und für eine Weile wie die Auswanderer auf dem Oregon Trail zu leben … solange ich dann wieder in die Gegenwart samt moderner Medizin und unseren Annehmlichkeiten zurückkehren kann.

Diese lesbische Buchreihe ist gefüllt mit wertvollen historischen und geographischen Details – wie hast du dich auf die Recherche vorbereitet?

Ich lerne gern neue Dinge, sodass ich meistens mehr Recherche betreibe, als ich streng genommen für einen Roman brauche. Für Westwärts ins Glück habe ich ungefähr sechs oder sieben Monate intensive Recherchen betrieben.

Neben unzähligen Sachbüchern und Webseiten zum Oregon Trail und dem Leben im 19. Jahrhundert habe ich vor allem Tagebücher und Briefe der Auswanderer gelesen, in denen die Gefahren auf der Reise und das Alltagsleben genau beschrieben wurden. Zeitungen aus den 1850er Jahren haben mir einen guten Eindruck darüber verschafft, welche großen Ereignisse die Menschen damals beschäftigt haben. Auch altes Kartenmaterial habe ich mir angesehen, um die Reiseroute von Nora und Luke erstellen zu können. Ebenfalls interessant waren Kochbücher mit Rezepten aus dem 19. Jahrhundert.

Welche Szene gefällt dir persönlich am besten in deiner Kurzgeschichte Mein Zuhause bist du?

Oje, es ist ziemlich schwierig, mich für nur eine Szene zu entscheiden. Eigentlich ist das, was ich an der Geschichte mag, nicht eine einzelne Szene, sondern ein Prozess: Da Nora jetzt weiß, dass ihr Angetrauter kein Mann ist, aber Luke eben auch nicht als Frau lebt, müssen die beiden die Rollen innerhalb ihrer Beziehung erst einmal klären. Soll Luke die Männerarbeit machen, während Nora die traditionell weiblichen Aufgaben übernimmt? Oder gibt es vielleicht doch eine bessere Lösung?

Vielleicht habe ich doch eine Lieblingsszene: diejenige, die diese Frage beantwortet. Mehr verrate ich aber nicht. 😊

Kannst du uns mehr über den Anlass für Mein Zuhause bist du verraten?

Westwärts ins Glück scheint der Lieblingsroman vieler meiner Leser*innen zu sein, sodass ich oft um eine Fortsetzung rund um Luke und Nora gebeten wurde. Zum Anlass des 170-jährigen Jubiläums von Luke und Noras Reise nach Oregon, die sich im Oktober gejährt hat, bin ich dieser Bitte gern nachgekommen.

Außerdem feiere ich ein weiteres Jubiläum: Vor 9 Jahren wurde mein erstes Buch im Ylva Verlag veröffentlicht −der Kurzroman Vollmond über Manhattan, gefolgt von meinem ersten Roman, Cabernet & Liebe, eine Woche später.

Das alles möchte ich mit meinen Leser*innen zusammen mithilfe der Kurzgeschichte gebührend feiern.


Jae

Jae wuchs im Weingebiet Süddeutschlands auf. Schon als Kind war sie immer mit der Nase in einem Buch anzutreffen, was ihr den Spitznamen »Professor« einbrachte. Im Alter von elf Jahren begann sie dann mit dem Schreiben eigener Geschichten. Seit 2006 schreibt sie hauptsächlich auf Englisch.

Bis im Dezember 2013 arbeitete sie als Psychologin, gab dann aber ihren Beruf auf, um Vollzeitschriftstellerin und Teilzeitlektorin zu werden. In ihrer Freizeit liest sie nach wie vor gerne, frönt ihrem Eiscreme- und Schreibwarenfaible und schaut viel zu viele Krimiserien.

Queer, romantisch und zeitlos – Erfolgsautorin Jae über ihre Kurzgeschichte „Mein Zuhause bist du“ zur Oregon-Serie

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