Das Geheimnis der roten Akten von Lee Winter

In diesem Interview verrät uns die australische Erfolgs-Autorin Lee Winter, wie die Idee zu ihrem neuen aufregenden, lesbischen Kriminalroman Das Geheimnis der roten Akten entstanden ist und wer sie zu ihren Figuren inspiriert hat.

Ganz nebenbei erzählt sie uns, was lesbische Literatur und Fanfiction ihr bedeuten.

Kannst du uns kurz zusammenfassen, um was es in deinem lesbischen Kriminalroman Das Geheimnis der roten Akten geht?

Bei der Geschichte handelt es sich um einen spannenden, queeren Krimi. Zwei sich bekriegende Journalistinnen – eine in Ungnade gefallene Ex-Washington-Korrespondentin und eine aufstrebende junge Frau aus Iowa – versuchen, eine Reihe seltsamer Ereignisse aufzuklären. Nebenbei ist es auch eine lesbische Liebesgeschichte, denn Catherine Ayers und Lauren King stellen widerwillig fest, dass sie sich vielleicht doch nicht so sehr hassen, wie sie immer dachten.

Ich liebe bissigen, intelligenten Humor – und bissige, kluge Frauen sind noch viel besser.

Wie ist die Idee zu diesem lesbischen Kriminalroman entstanden?

Ich kenne mich im Journalismus aus, da ich selbst Zeitungsjournalistin war. Das half mir, mich leicht in die Rolle der beiden Reporterinnen hineinzuversetzen.

Die Anfangsszene mit Ayers am Schreibtisch ist von Zeitungsfilmen aus den Vierzigerjahren wie Sein Mädchen für besondere Fälle inspiriert. Freches Geplänkel zwischen Kollegen, das in rasantem Tempo vorgetragen wird. Ich liebe diese Art der Interaktion einfach. Meine Hauptcharaktere sind beide clever und geben gerne alles, um sich gegenseitig zu übertrumpfen.

Was den Rest der Geschichte angeht, habe ich meiner Fantasie freien Lauf gelassen. Es begann alles mit der Frage nach dem Warum. Was haben 34 Prostituierte aus Nevada, Rosa Champagner und ein neues Business-Modell miteinander zu tun? Mir gefiel die Vorstellung, dass meine Protagonistinnen dieses Geheimnis lüften müssen.

Wer ist deine Lieblingsfigur in Das Geheimnis der roten Akten – und was gefällt dir an den beiden Hauptfiguren am meisten?

Catherine Ayers. Wer kann einer witzigen, schönen, unnahbaren Frau mit einem Hauch von Geheimnis schon widerstehen? Dicht gefolgt von der Publizistin Mariella und dem schneidigen und stets dramatischen besten Freund, Joshua.

Auf den ersten Blick sind Ayers und Lauren gegensätzlich, aber je mehr Schichten man abblättert, desto mehr Gemeinsamkeiten entdeckt man: Lauren wird als naives Mädchen vom Lande abgetan, bis Ayers entdeckt, dass Lauren die gleichen Helden hat wie sie, nämlich Helen Thomas und Ed Murrow.

Ich liebe auch die Art und Weise, wie sie miteinander scherzen. Sie sind definitiv intellektuell gleichwertig, trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft. Und das liebe ich an meinen Hauptfiguren am meisten.

Wurden die Figuren in deinem lesbischen Kriminalroman von jemandem inspiriert, den du aus deinem Alltag kennst, einem Star vielleicht; oder hast du sie komplett frei erfunden?

Ayers hat etwas von Miranda Priestly aus Der Teufel trägt Prada an sich, da sie sich so überlegen gibt und ihre ätzende, bissige Zunge einsetzt, um zu verhindern, dass ihr jemand zu nahe kommt.

Mariella ist einer legendären, schillernden Publizistin nachempfunden, die mit meinem ehemaligen Chef befreundet ist. Ich liebe ihre herzlichen Umarmungen und abenteuerlichen Anekdoten.

Die verrückte Lady im ersten Kapitel, die ihre Absätze im Kühlschrank aufbewahrt, basiert auf einem realen philippinischen Dienstmädchen, das ihren milliardenschweren Chef geheiratet hat. Sie war noch viel exzentrischer als meine Figur – Absätze im Kühlschrank, ein Hund unter jedem Arm. Genügend Stoff für verrückte und einmalige Interviews.

Mein Bruder hat außerdem einen kurzen, treffenden, wenn auch wenig schmeichelhaften Cameo-Auftritt in dem Buch – der Regierungsmitarbeiter, der gut in Mathe ist und Strommasten zeichnet. Pssst. Verratet es ihm nicht.

Welche Autorinnen des Genres bewunderst du am meisten, und welcher ist dein liebster lesbischer Liebesroman?

Das ist eine schwierige Frage. Als ich neunzehn war und mich geoutet habe, bin ich in die nächste queere Buchhandlung gegangen und habe die Kreditkarte gezückt. Ich verbrachte Monate damit, meine Ausbeute zu lesen, und war entsetzt über die schockierende Qualität der lesbischen Belletristik. Zweidimensionale Charaktere, Plots, die man gegen das Licht halten und hindurchsehen konnte, so dünn waren sie. Also schwor ich Romanen ab. Danach begann ich, nur noch lesbische Autobiografien zu lesen.

Ab und zu las ich ein Mainstream-Lesbenbuch wie Die Farbe Lila oder Grüne Tomaten, und wünschte mir sehnlichst, alle lesbischen Romane wären von dieser Qualität. Ihr wisst schon, mit einer wirklichen Handlung, die für sich selbst steht, mit oder ohne Romantik.

Die Jahre vergingen, und dann entdeckte ich Fanfiction, von der einige überraschend brillant waren. Das brachte mich dazu, unter dem Namen Red Charcoal selbst queere Geschichten zu schreiben – und so hat mich letztendlich auch Ylva gefunden.


Lee Winter

Lee Winter ist eine preisgekrönte australische Zeitungsjournalistin, die auch für ihre Romane schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat. Nachdem sie im Lauf ihres Berufslebens in fast allen australischen Bundesstaaten gewohnt hat, ist sie mittlerweile mit ihrer Partnerin in Westaustralien sesshaft geworden.

Seit 2016 ist sie Vollzeitschriftellerin und Teilzeitlektorin. In ihrer Freizeit findet man sie entweder bei der Gartenarbeit, mit einer neuen technischen Spielerei in der Hand oder stirnrunzelnd vor dem Fernseher.

Bissig und Intelligent – Lee Winter über ihren lesbischen Kriminalroman „Das Geheimnis der roten Akten“

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