Gerade ist der lesbische Liebesroman „Kopf leer, Herz voll “ von Ylvas neuer Autorin Nat Caspar erschienen. Es ist eine lesbische Liebesgeschichte über die Kunst, im Leben nie den Humor zu verlieren.

In diesem Interview spricht die Debütautorin mit uns über den langen Weg von der Idee zum fertigen Manuskript, ein besonderes Detail zum Buchcover und die Parallelen zwischen ihrem eigenen Leben und ihrer Geschichte.

Erzähl uns doch bitte kurz, worum es in deinem Debütroman „Kopf leer, Herz voll“ geht.

Kopf leer Herz voll von Nat Caspar

Die Geschichte handelt von Alexandra, die sich in die neue Klassenlehrerin ihrer Nichte verguckt. Die ersten Aufeinandertreffen zwischen ihr und Isabella Bianchi gestalten sich sehr humorvoll, was an Alex‘ Talent liegt, von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten. 

Bella wiederum gefällt Alex‘ unverblümt offene Art und so kommt es, dass sie Alex einlädt, mit auf Klassenfahrt zu kommen. Aus der anfänglichen Sympathie wird langsam mehr, was nicht zuletzt daran liegt, dass die beiden sich ein kleines Zimmer teilen …

Neben der Liebesgeschichte sind auch Familie und Verlust zentrale Themen. Wir begleiten Alex auf ihrer inneren Reise zu sich selbst. Es geht um den Mut, Altes loszulassen, um Neues ergreifen zu können.

Wie ist die Idee zu diesem lesbischen Liebesroman entstanden?

Das ist mittlerweile sieben Jahre her. Der erste Impuls kam, als ich damals meine kleine Tochter schlafen legte und mich über ihrem Bettchen gelehnt fragte, wie die kommenden Jahre sich wohl gestalten würden. Wie sie irgendwann in die Schule kommt und ich zu Elternsprechtagen gehe.

Daraus entstand die Idee rund um Alex, die bei einem Elternabend auf die neue Klassenlehrerin ihrer Nichte trifft. Nachdem ich die ersten Kapitel geschrieben hatte, blieb das Manuskript dann allerdings viele Jahre liegen. Eines Tages suchte ich nach einem USB-Stick und fand auf ihm das vergessene Manuskript wieder. Ich löschte die letzten Sätze, die mich einst in eine Sackgasse geführt hatten, und schrieb das Kapitel zu Ende. Vielleicht lag es an der zusätzlichen Lebenserfahrung, denn plötzlich fiel es mir leicht, den Roman ganz zu beenden.

Da die Geschichte um Alex von meiner Tochter inspiriert ist, haben die beiden eine Gemeinsamkeit: Der zweite Vorname meiner Tochter lautet Alexandra.

Welche besondere Bedeutung hat das Buchcover deiner queeren Liebesgeschichte „Kopf leer, Herz voll“ für dich? 

Das Besondere ist, dass ich es selbst gezeichnet habe. Kunst und Malerei sind zentrale Motive der Geschichte und eng mit der Protagonistin verbunden. Das Cover zeigt daher ein gemaltes Porträt der Hauptfigur Alexandra, wie ich sie mir in ihren stillen Momenten vorstelle:

lässig, stolz und melancholisch. Obwohl Alex nicht auf den Mund gefallen ist, ist sie gleichzeitig ein sehr verschlossener Mensch, der sich im Laufe der Handlung immer wieder zurückzieht. Das Cover bildet Alex in einem solchen Moment ab. Dass sie den Kopf dabei in Richtung Himmel neigt, ist auch Teil der Geschichte.

Welchen ersten Eindruck haben deine Protagonistinnen bei ihrem ersten Aufeinandertreffen voneinander?

Die ersten Begegnungen der beiden stecken voller Situationskomik und Missverständnisse. Das liegt in erster Linie an Alex‘ frecher Klappe. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen an einer Ampel zeigt sich Alex ganz in ihrer Natur: direkt, schlagfertig und ohne Schamgefühl … zumindest, bis sie merkt, dass ihr lapidar dahingesagter Kommentar über den Po einer attraktiven Fahrradfahrerin von dessen Besitzerin nicht ungehört geblieben ist.

Als sich später herausstellt, dass der sexy Hintern der neuen Klassenlehrerin ihrer Nichte gehört, verzettelt sich Alex in weitere Peinlichkeiten.

Bella wiederum ist von Alex‘ unkonventioneller Art überrascht und fasziniert zugleich. 
Alex merkt schnell, dass die selbstsichere und eloquente Klassenlehrerin ihrer Nichte eine Frau ist, die ihr auf charmante Art die Stirn zu bieten weiß. Und genau das ist es, was sie bei einer Frau sucht. Schade nur, dass Isabella Bianchi offenbar hetero ist …

Ohne den Leser*innen bereits zu viel zu verraten, welche sind deine Lieblingsmomente im Buch?

Neben den Dialogen zwischen Alex und Bella, in denen sie einander necken, gefallen mir mittlerweile jene Szenen am besten, die mir beim Schreiben die größten Sorgen bereitet haben. Es sind die Situationen, in denen viele verschiedene Charaktere aufeinandertreffen. Schreiben ist ja ein bisschen wie Schauspielern und ich wusste anfangs nicht, ob es mir glaubhaft gelingen würde, zwischen den Köpfen hin und her zu schalten. Aber es hat sich herausgestellt, dass es sogar sehr viel Spaß macht, die unterschiedlichen Rollen zu „spielen“ und zu beobachten, welche Dynamik daraus entsteht. Meine Lieblingsmomente finden daher in einer Klubszene und bei einer Familienfeier statt.

Wie viel von dir selbst steckt in deinen Charakteren?

Alex hat sehr viel von mir. Wir sind unter anderem beide humorvoll, schlagfertig und treten gern in Fettnäpfchen. Die Vergesslichkeit verbindet uns auch. In meinen 20ern habe ich mir oft Dinge auf meinem Handrücken notiert, um sie nicht zu vergessen. Daher kam auch die Idee, diese Notizen als wiederkehrendes Motiv im Roman zu benutzen. Außerdem war ich, genau wie Alex, ursprünglich in der Postproduktion von Werbespots tätig und habe einst meine Ausbildung zur Mediengestalterin abgebrochen. 

Mit Bella hingegen verbindet mich meine heutige Tätigkeit an einer Schule. Wie Bella, bin ich Einzel- und Einwanderkind und neige dazu, an Etiketten und Gegenständen herumzuknibbeln, wenn ich unruhig bin.


Nat Caspar wurde 1981 in Polen geboren und lebt heute mit ihrer Frau und der gemeinsamen Tochter in der Nähe von Düsseldorf auf dem Land.

Als Diplom-Designerin arbeitete sie lange in der Werbebranche, folgte dann aber ihrem Wunsch nach einer sinnstiftenden Tätigkeit und arbeitet mittlerweile als Sozialarbeiterin an einer Schule.

Die Idee für ihren Debütroman „Kopf leer, Herz voll“ hatte sie bereits im Jahr 2016, als sie ihre Tochter schlafen legte und sich ihre kommenden Schuljahre vorstellte. Jahre später fand sie das angefangene Manuskript auf einem USB-Stick wieder und entschloss sich, ihre Geschichte zu beenden.


Viel Humor und noch mehr Gefühl – Nat Caspar erzählt von ihrem Debütroman „Kopf leer, Herz voll“

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