Ylva Verlag

Leserinneninterview mit Jae

JaeWir interviewen regelmäßig unsere Autorinnen, um den Leserinnen die Frauen hinter den Geschichten vorzustellen. Diesmal haben wir uns gedacht, vielleicht wäre es eine gute Idee, die Leserinnen die Fragen an Autorin Jae stellen zu lassen – und es sind wirklich einige sehr interessante Fragen dabei!

Aber seht selbst…

Welches sind deine Lieblingspersonen aus all deinen Büchern? Und welche deiner Figuren ähneln dir am meisten? (Carly R.)

Oje. Das ist ja, als würde man eine Mutter fragen, wer ihr Lieblingskind ist. Wenn ich gezwungen wäre, mich festzulegen, würde ich sagen, mein Liebling ist Luke aus Backwards to Oregon. Hinter ihrer rauen Schale verbirgt sich ein weicher Kern. Sie ist so liebevoll und ehrenwert, dass man sie einfach gern haben muss.

Ein bisschen was von mir steckt in den meisten meiner Charaktere. Mein Berufsleben ähnelt am meisten dem von Dawn aus Conflict of Interest (die zweite Auflage erscheint im Frühjahr 2014), die Psychologin ist, und Jorie aus Second Nature, die ihren Lebensunterhalt als Schriftstellerin verdient. Wie Annie aus Something in the Wine bin ich introvertiert, kann aber auch sehr gesellig sein so wie Dawn oder Nora aus Backwards to Oregon. Und ich bin eine geborene Diplomatin, der es leicht fällt, Dinge aus der Sicht anderer zu sehen, so wie Kelsey aus True Nature.

Wie viele Stifte benutzt du? (Astrid Ohletz)

croco penWie viele ich benutze? Na ja, immer nur einen, aber auf dem Schreibtisch neben mir liegen zwölf Stifte und Kugelschreiber. Griffbereit vor mir stehen auch noch 40 Stifte in zwei verschiedenen Stiftebechern und 31 Stifte in einem Mäppchen. Dann bewahre ich auch noch 32 Stifte in einer Metallschachtel zu meiner Rechten auf. Oh, und neun besonders schöne Kugelschreiber sind in meiner Schreibtischschublade. Wie zum Beispiel dieser Krokodil-Kugelschreiber. Neben dem Schreibtisch steht auch noch ein Goldfischglas voller Textmarker.

Und nein, das hab ich nicht eben alles erfunden. 🙂

Was unterscheidet True Nature von anderen Büchern im selben Genre? (Lisa)

In den meisten paranormal romance Romanen ist die Hauptperson immer ein dominanter Alpha, jemand, der es gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Die Hauptperson in True Nature, Kelsey, ist das glatte Gegenteil. Sie ist ein Nederi, ein submissiver Wolfsgestaltwandler, aber die Ereignisse im Buch zwingen sie, die Führung zu übernehmen und sich gegen Rue, die zweite, eher dominante Hauptfigur, durchzusetzen, um Rues gehörlosen Adoptivsohn zu retten.

Wenn du Geschichten schreibst, die auf Englisch veröffentlicht werden, z.B. Backwards to Oregon, denkst du dann auf Englisch oder auf Deutsch? (Liz Moran)

Ich denke auf Englisch. Ich hab schnell gemerkt, dass das Übersetzen harte Arbeit ist und alles nur schwerer macht. Es stört den Schreibfluss. Deshalb betreibe ich für meine englischen Bücher alle Recherchen auf Englisch und schreibe alle Handlungspläne und Charakterskizzen auf Englisch.

Im Moment übersetze ich gerade Something in the Wine (dt. Titel: Cabernet und Liebe) ins Deutsche. Das ist viel leichter, als auf Deutsch zu schreiben und dann ins Englische zu übersetzen.

Wann hast du Englisch gelernt? (Donna M.)

Ich hatte neun Jahre Englischunterricht in der Schule, da hab ich die Grundlagen gelernt. Aber der Schwerpunkt lag da auf der Grammatik. Als ich dann während meiner Studienzeit begann, im Internet lesbische Literatur und Fanfiction zu lesen, war das meist auf Englisch. So hab ich dann die Feinheiten der englischen Sprache gelernt.

Wie viel Recherche hast du für Backwards To Oregon betrieben? (Donna M)

Eine ganze Menge! Ich habe jedes Buch über den Oregon Trail gelesen, das ich ergattern konnte. Ich habe Tagebücher von Auswanderern (so hat man damals die Leute genannt, die in den Westen reisten) in den 1850er Jahren gelesen. Außerdem habe ich Bücher über das Leben damals gelesen. Was haben die Leute damals zum Beispiel gegessen? Welche Kleidung haben sie getragen? Wie sind sie gereist? Welche Arzneimittel standen im Jahr 1851 zur Verfügung?

Ich hab mir auch unzählige Karten angesehen, um herauszufinden, wie lange die Reisenden gebraucht haben, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen, und welche Gefahren auf dem Weg lauerten.

Ich glaube, ich habe für die Recherchen so lange gebraucht wie Nora und Luke, um Oregon zu erreichen.

Deine Charaktere sind wunderbar drei-dimensional und bringen die Leserinnen mitten ins Geschehen. In welcher Phase deines Schaffensprozesses entwickelst du deine Hauptfiguren und wie erweckst du sie zum Leben? (CJ)

Erst einmal danke für deine lieben Worte, CJ.

Die Hauptfiguren sind immer das Erste, was ich mir überlege, wenn ich ein neues Buch zu planen beginne – nicht die Handlung oder das Setting, sondern die Charaktere.

Ich versuche, ihnen Leben einzuhauchen, indem ich sie zu drei-dimensionalen Personen mache, die schon vor den Ereignissen der Geschichte ein Leben hatten. Sie haben Familien, Freunde, Berufe und Hobbys. Vor allem aber sind sie nicht perfekt. Sie haben ihre Stärken und Schwächen, wie jeder Mensch.

Auch arbeite ich viel mit dem wohl mächtigsten Werkzeug einer Schriftstellerin—der Erzählperspektive. Ich versuche, meine Leserinnen in die Geschichte einzubinden, indem ich es ihnen erlaube, in die Gedanken und Gefühle der Charaktere einzutauchen.

Wie hilft dir deine Tätigkeit als Psychologin beim Schreiben? (Rebecca)

Mir ist schon oft aufgefallen, dass die Entwicklung, die Hauptfiguren in einem Roman durchmachen, einer Psychotherapie ähnelt. Meine Charaktere werden mit seelischen Wunden konfrontiert und müssen ihre Ängste und Schwächen überwinden, um am Ende ein glücklicheres Leben führen zu können.

Meine Einblicke in die emotionalen Prozesse, die Menschen in Zeiten der Veränderung durchlaufen, sind da sicher von Vorteil.

Warst du je in den USA? (Donna M.)

Nein, bisher noch nicht. Aber nächstes Jahr habe ich vor, zur GCLS Konferenz nach Portland, Oregon, zu reisen. Irgendwie scheint das auch gut zu passen, denn das ist nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt, wo sich Nora und Luke aus meinem ersten Roman, Backwards to Oregon, niedergelassen haben.

Was ist der einfachste und was der schwierigste Teil am Schreiben? (Betty Phillips)

Am Einfachsten… Ich würde sagen, das sind die »Zuckerstückchen« Szenen. Die Szenen, auf die ich mich schon freue, seit ich die Idee zur Geschichte hatte. Diese Szenen schreiben sich fast von selbst. Außerdem schreibe ich auch gerne witzige Dialoge.

Am schwersten fallen mir die Liebesszenen. Da geht so viel vor, nicht nur auf körperlich/sexueller Ebene, sondern vor allem emotional. Wie Jorie in Second Nature schon sagte:

»Ich hasse diese Szenen.« Sie klopfte auf die Seite ihres Laptops. »Ich will nicht, dass es wie eine Gebrauchsanleitung oder wie ein billiger Porno klingt. Da muss es eine emotionale Verbundenheit geben, nicht nur Körperteile, die sich aneinander reiben.«

Danke an die Leserinnen, die ihre Fragen eingeschickt haben. Es hat Spaß gemacht, sie zu beantworten!

Herzliche Grüße

Jae


1 Kommentar

  1. Och menno, jetzt hab ich das doch glatt verpasst. Interessante Fragen und Antworten.

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