Ylva Verlag

Eine lesbische Astronautin entdeckt die „Letzte Zutat Liebe“

Letzte Zutat Liebe von Ina Steg

„Letzte Zutat Liebe“, dein neuer lesbischer Liebesroman ist ja das dritte Buch, das von dir im Ylva Verlag erschienen ist. Kannst du uns kurz erzählen, worum es in deinem neuen Roman geht?

Die Arbeit in der Raumfahrt und in all seinen Facetten zu sich selbst zu stehen, sind die zentralen Themen dieser Geschichte. Laura Benedikt war die erste deutsche Astronautin im Weltall, nun soll es einen letzten Flug zur Internationalen Raumstation geben und Laura muss sich einem intensiven Auswahlverfahren stellen. Sie hat sich auf der Arbeit noch nicht geoutet, was sie daran hindert, dort ihre ganze Persönlichkeit zu entfalten. Indem sie der Spur eines Notizzettels mit geheimnisvollen Abkürzungen folgt, trifft sie auf die Chefköchin June. Diese hat ebenfalls ihre Geheimnisse, die in der Vergangenheit liegen, doch indem sie sich über ihre Leidenschaften austauschen, kommen sie sich näher. Laura spürt jedoch auch eine intensive Anziehung zu ihrer Arbeitskollegin Melissa. Ich finde es spannend, was Menschen aneinander mögen und was sie verbindet und ich wollte so viele Aspekte davon wie möglich in die Beziehungen zwischen den Charakteren einfließen lassen.

 

Laura ist ein sehr vielseitiger Charakter. Gibt es zwischen Laura und dir Gemeinsamkeiten?

Auf der Arbeit hat Laura mit ihrem Coming Out viele Jahre gewartet. In meinen Zwanzigern habe ich darüber auch nur mit meinen engsten Freunden gesprochen. Ich habe also immer einen großen und wichtigen Teil meines Lebens weggelassen und somit nicht komplett gezeigt wer und wie ich bin. Zum einen wollte ich nicht nur darüber definiert und in eine bestimmte Schublade gesteckt werden. Zum anderen wollte ich nicht, dass Frauen mich sofort nur unter dem Gesichtspunkt betrachten, ich könnte sie übermäßig interessant finden. Gut, dass ich diese Ansichten ablegen konnte. Es geht mir besser, seitdem ich komplett zu mir stehe.

Die stärkste Verbindung zwischen mir und Laura ist die Liebe zu unserem Planeten. Wir sind umgeben von so viel Schönheit und Kraft. Ich schaue reihenweise Science-Fiction-Filme, in denen es darum geht, dass die Menschheit die Erde verlassen muss. Sie beinhalten alle denselben Kern, nämlich dass unser Planet einzigartig und schützenswert ist.

 

Laura ist Astronautin. Was hat dich dazu inspiriert sie in der Raumfahrt arbeiten zu lassen?

Da mich die Themen meiner Geschichten oftmals mehrere Jahre begleiten suche ich mir gerne welche aus, die mich fesseln. Für meinen lesbischen Liebesroman „Eine Diebin zum Verlieben“ habe ich mich mit der Legende rund um Robin Hood beschäftigt, weil sie mich fasziniert. Dadurch habe ich zum Beispiel etliches über die Zeit Mitte des 16. Jahrhunderts erfahren, als der gutmütige Räuber Angelo Duca in Italien auf seine Art Hilfsbedürftige unterstützte. Seine Charakterzüge färbten später die Figur Robin Hoods.

Die Bilder aus dem Weltall von der Erde sind für mich magisch. Wenn ich sie sehe, läuft mir ein Schauer über den Körper. Um uns herum ist diese unendliche und fast noch unbekannte Weite des Alls, in der wir ohne Hilfe nicht überleben können. In dieser Schwärze ist unser wunderschönes Zuhause, mit all seinen Farben, seinen Gerüchen, den vielseitigen Elementen und uns Menschen, die so wunderbare Dinge, wie Musik, den Tanz, die Malerei und Pfannkuchen hervorgebracht haben. Durch die Raumfahrt haben wir die Möglichkeit das alles aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

 

June arbeite als Köchin und führt ihren Beruf mit großer Leidenschaft aus. Gehörst du zu den Menschen, die selber gerne kochen?

Leider nicht. Leider, weil ich es liebe zu essen und Menschen bewundere, die beim Kochen die nötige Ruhe bewahren. Ich habe eigentlich ständig Kohldampf. Wenn ich nicht rechtzeitig esse, nehmen meine Mitmenschen schnell Abstand von mir, ich werde dann nämlich unausstehlich. Bedeutet: wenn ich koche, bin ich eigentlich schon wieder hungrig, dadurch werde ich ungeduldig und das ist keine gute Voraussetzung für die Zubereitung eines Gerichtes. Ich bin jedoch fasziniert von dem, was die Natur uns schenkt. All die unterschiedlichen Nahrungsmitteln, mit ihrem vielseitigen Geschmack und den wunderschönen Farben. Mir war es wichtig, eine Figur zu entwickeln, die dem Kochen auf leidenschaftliche und liebevolle Weise zugewandt ist. Außerdem habe ich es beim Schreiben genossen, tolle Gerichte zu zaubern, ohne wirklich die Verantwortung dafür haben zu müssen.

 

Laura lernt June durch den Fund eines verlorenen Notizzettels kennen. Wie bist du auf die Idee dieses Kennenlernens gekommen?

Ich mag Notizzettel sehr. Meine Geschichten entstehen überwiegend darauf. Schreibblöcke sind eigentlich nur eine Ergänzung dazu. Ich kann an einem Zettel im Einkaufswagen nicht vorbeigehen, meine Neugierde ist zu groß. Ich überlege mir dann, was die Person wohl mit den Zutaten vorhatte, in welchen Küchenschränken diese gelandet sind und was sie trotz der Liste wohl noch dazu eingekauft hat. Wenn ich die Handschrift länger betrachte, erscheint ein bestimmter Typ Mensch vor mir. Ich lege die Zettel immer zurück, denn vielleicht kann sie jemand anders ja als Inspiration gebrauchen. Im März 2016 fand ich bei einem Spaziergang im Park einen Einkaufszettel und weil ich den Fundort so ungewöhnlich fand, behielt ich ihn. Ich mochte die Handschrift sehr und in den folgenden Tagen, schweiften meine Gedanken immer wieder dahin zurück. Ich hätte die Person, der dieser Zettel mal gehörte, gerne kennengelernt. So entstand die Idee, den Strang einer Geschichte zu entwickeln, in dem meine Figur dieser Neugierde nachgibt und der Spur eines verlorenen Zettels folgt.

 

Bei einem nächtlichen Picknick bekommen Laura und June Gesellschaft von Georg, einem scheuen Kater. Was hat dich dazu bewegt/inspiriert diese Szene zu schreiben?

Tiere sind mir unheimlich wichtig. Ich hatte viele Jahre meines Lebens Katzen um mich und mein erster bester Kumpel war ein braun-weißer Hundemischling, mit dem ich tolle Abenteuer erlebt habe. Für Twitter erfinde ich kleine Geschichten von einem Fuchs und einer Krähe, die sich regelmäßig am Fluss. Laura und June waren zu diesem Zeitpunkt der Geschichte noch sehr unsicher miteinander. Manchmal braucht es im Leben Hilfe von anderen, damit Dinge auf die richtige Bahn geraten. Zu meinem Gehilfen wurde der wunderbare Georg, der zwischen die beiden auf eine Bank springt, um etwas von den Waffeln abzubekommen und so die Stimmung zwischen ihnen lockert. Ich hatte eine Phase, in der ich nicht gerne zur Schule gegangen bin, vor allem wegen der Mathearbeiten. Eines Morgens tauchte am Wegesrand ein Hase auf. In den darauffolgenden Wochen bekam er Möhren von mir und er wurde mein Glücksbringer. In Mathe wurde ich zwar nicht besser, aber ich freute mich wieder auf den Schulweg.

 

Gibt es für dich einen Ort, an dem du besonders gerne schreibst?

Ich schreibe so gut wie immer in der Küche. Ich mag es auch, bei anderen in der Küche zu sitzen und dort miteinander zu reden. Es ist so eine wunderbare Kulisse. Die Spülmaschine läuft, in einem Topf brutzelt etwas, jemand räumt vielleicht nebenbei Geschirr weg und die Tassen klirren aneinander, es riecht nach Kräutern und dem letzten aufgebrühtem Kaffee.

Meine Art zu schreiben hat sich verändert. Ich habe einige Jahre immer viel an einem Stück geschrieben, habe aber gemerkt, dass ich mehr Ideen bekommen, wenn ich immer mal aufstehe und etwas ganz anderes mache. Also fülle ich zwischendurch Gewürze um oder steige auf einen Stuhl, um die Hängepflanzen unter der Decke zu gießen. Eine ganz andere Perspektive zu wählen ist übrigens eine herrliche Methode, um mal auf ganz andere Gedanken zu kommen. Man sieht etwas, was einem vorher noch nicht aufgefallen ist. Dieser neue Blickwinkel tut erst mir und dann auch der Geschichte gut.


2 Kommentare

  1. Das klingt grossartig und danke für das schöne interview und die offenheit!
    einen gruss von der anderen seite der welt.
    uschi

  2. Christine

    Danke für die privaten Einblicke. Ich werde dieses Buch mit diesen Infos im Hinterkopf lesen. Liebe Grüße aus Graz.

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