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Die 10 besten Filme, in denen keine Lesbe sterben muss

Die 10 besten Filme, in denen keine Lesbe sterben muss!

Kennen wir das nicht alle? Ein romantischer Abend, der Geruch von Popcorn liegt in der Luft und dein heißes Date schmiegt sich an dich. Und gerade habt ihr das neuste, von Kritikern hochgelobte, „queere“ filmische Meisterwerk angeschmissen.

Ihr wisst von welchem Film ich rede. Er ist von diesem schicken französischen Regisseur, der jeden Preis in Cannes abgeräumt hat und sich dann bei seiner Muse, einem 90-jährigen Model, das bei jeder Getränkebestellung Voltaire zitiert, bedankt hat. Also klickst du auf “Abspielen”.

Um die 70. Minute herum bedauerst du dann, dass du nicht auch die queeren Pressestimmen zu diesem unangenehmen Film Noir gelesen hast. Denn, oh welch Überraschung, schon wieder eine tote Lesbe, eine “Killer-Dyke” oder ein absolut psychotischer Schwuler. Der romantische Abend ist ruiniert durch einen Fluss aus Blut, poetischem Klagen, tränenreichen Lobpreisungen und kunstvoller Musik, komplett untermalt mit wehenden Seidenvorhängen.

Wieder mal hast du du die Nase so richtig voll von diesen Drehbuchautor*innen. Immer sterben die Schwulen, Lesben, Queers. Und das, nachdem du schon all die Tode der wunderschönen Lesben und Queers bei Buffy, The 100, Pretty Little Liars, Last Tango in Halifax, The L Word, Wentworth und vielen weiteren überstanden hast. Wahrscheinlich bist du auch schon genauso genervt von all diesen Kampagnen und Blogs, die immer wieder erklären, warum Hollywood endlich aufhören muss, unsere lesbischen Lieblinge zu ermorden, um dann zu merken, dass es in Hollywood wirklich niemanden interessiert.

Aber eins ist sicher, wenn du dein heißes Date mit ihrer laufenden Nase und den großen traurigen Augen so ansiehst; heute Nacht läuft ganz sicher nichts mehr. Und dieser schreckliche Film ist schuld!

Doch die Rettung naht, für alle Liebhaber*innen des lesbischen Films, bei dem am Ende alle Lesben noch leben. (Der Anspruch scheint ja nun wirklich nicht zu hoch.) Für den Ylva Verlag habe ich mich durch die Tiefen des lesbischen Films gegraben, um – in keiner bestimmten Reihenfolge – meine Top-10-Lieblingsfilme aufzulisten, in denen alle Lesben bis zum Abspann gesund und munter sind.

Kommentiert gerne eure Lieblingsfilme, die hier nicht aufgelistet sind 🙂

 

BETTER THAN CHOCOLATE (1999) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Zwei attraktive junge Lesben treffen sich in Vancouver, entwickeln eine leidenschaftliche Romanze und ziehen zusammen. Währenddessen lässt sich die etwas verloren wirkende Mutter von einer der Beiden scheiden und beschließt bei ihnen einzuziehen.

Lees Klappentext: Das fabelhafte Sexleben einer lesbischen Frau mit ihrer neuen Freundin wird erschwert, als ihre Mutter einzieht. Unbeholfen. Awkward.

Warum anschauen: Erinnerst du dich an diese ernsthaften Lesbenfilme, wo du eine Stunde auf den ersten Kuss wartest und eine weitere Stunde auf die erste verstohlene Fummelei? Dieser Film ist keiner von denen. Es gibt direkt zu Anfang fröhlichen, wundervollen, bejahenden Sex mit Christina Cox, einige nachvollziehbare Probleme mit der Mutter zur Mitte des Films, und ein paar Nebencharaktere, die grandios sind. Enthält weniger Nabelschau und mehr Spaß als die meisten queeren Filme. Erfrischend.

Bonuspunkte: Die Nebencharaktere sind einfach klasse. Die Charakterentwicklung von der trans Frau Judy ist kraftvoll und ehrlich. Und die neurotische, strenge LGBT+Buchladenbesitzerin Frances ist einfach urkomisch.

Schauen mit: All deinen Freund*innen. Witziges Trinkspiel: Jedes Mal einen trinken, wenn eine wütende Frances sich darüber beschwert, dass der Zoll ihre queeren Bücher beschlagnahmt hat.

 

DESERT HEARTS (1985) Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine Frau am Abgrund der Scheidung fühlt sich zu der Tochter eines Ranchbesitzers hingezogen.

Lees Klappentext: Eine verklemmte Professorin, die 1959 in Reno auf ihre Scheidung wartet, wird von einer sexy Casino-Arbeiterin verführt.

Warum anschauen: Die Eiskönigin schmilzt …. plus Rockanzüge. Dies ist einer der bahnbrechendsten lesbischen Filme, die es gibt, mit einer brandheißen Sexszene, die zu der staubigen Wüstenkulisse passt. Es gibt Ängste, Kämpfe und fabelhafte, fabelhafte Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen, trotz großer Alterskluft. Ein Happy End für Lesben war sogar 1985 seltener als Goldstaub. Ein echter Lesben-Klassiker.

Bonuspunkte: Eine abgestumpfte Denise Crosby (Tasha Yar aus Star Trek: Next Generation) unter Frauen in einer ihrer ersten Rollen.

Schauen mit: Deiner Seelenverwandten und ausgeschaltetem Handy.

 

IMAGINE ME AND YOU / EINE HOCHZEIT ZU DRITT (2005) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine frisch verheiratete Braut wird von einer anderen Frau betört, die ihre sexuelle Orientierung in Frage stellt. Das sorgt für Aufsehen bei Familie und Freunden der Braut.

Lees Klappentext: Frau trifft Mann, Frau heiratet Mann, Frau rennt mit der Hochzeitsfloristin davon.

Warum anschauen: Auf dem Papier klingt das banal, schrecklich und wie ein Fest für gewissenlose Fremdgänger. Auf dem Bildschirm ist es überraschend erfreulich, unterstützt von Lena Headey in ihrer lässigsten und sympathischsten Rolle als Floristin, die Piper Perabo, das Mädchen von nebenan, verführt. Piper’s Charakter, Rachel, hat sich “niedergelassen”, heiratet ihren besten Freund und ist sich sicher, dass so Liebe aussehen muss. Zumindest bis der sprichwörtliche queere Toaster auf ihrem Kopf landet und Rachel schließlich versteht, warum sie nie irgendwelche Hetero-Schmetterlinge gefühlt hat. Die Ehe wird trotzdem mit großer Sensibilität behandelt, denn man spürt genauso den Schmerz des netten jungen Mannes, inmitten von Rachels Schuld, Konflikt und wachsender Liebe. Entstaubt den liberalen Humor ein wenig.

Bonuspunkte: Anthony Head (Giles in Buffy) hat ein oder zwei komische Kurzauftritte als Rachels betrunkener Vater.

Schauen mit: Deinen Eltern. Sie werden verstehen, warum das mit deinem Schulfreund nie was geworden ist und warum du deiner „Mitbewohnerin“ so nahestehst.

 

SPY GIRLS – D. E. B. S. (2004) Action-Komödie

Offizieller Klappentext: Schulmädchen mit kariertem Rock werden von einer geheimen Regierungsagentur angeworben, um die neuesten Mitglieder der elitären nationalen Verteidigungsgruppe, D.E.B.S., zu werden.

Lees Klappentext: Sexy lesbische Superschurkin verliebt sich in eine süße Geheimagentin und inszeniert eine Entführung, die dem willigen „Opfer“ eindeutig mehr Spaß macht, als den Freundinnen, die nach ihr suchen.

Warum anschauen: Diese herrlich lustige und alberne Parodie wird für dich entweder ein großer Hit oder ein weiterer Reinfall sein. Die meisten Kritiker fixierten sich zu sehr auf die winzigen Miniröcke und die großen Gewehre der Mädchen und schienen nicht zu verstehen, dass hier einfach das komplette Spion-Genre aufs Korn genommen wird, komplett mit dem typischen Bad Girl mit schlechtem russischen Akzent. Ein jugendfreier, elternfreundlicher Film für Jung und Alt, den man immer wieder anschauen kann.

Bonuspunkte: Holland Taylors Cameo. Sie sollte in jedem lesbischen Film dabei sein.

Schauen mit: Popcorn und deiner BFF.

 

SAVING FACE (2004) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine chinesisch-amerikanische Lesbe und ihre traditionalistische Mutter zögern, mit ihren geheimen Liebschaften an die Öffentlichkeit zu gehen, da diese im Gegensatz zu den kulturellen Erwartungen stehen.

Lees Klappentext: Eine niedliche asiatische Liebesgeschichte über eine süße Ärztin, die Tänzerin, die sie daten möchte, und kulturelle Erwartungen.

Warum anschauen: Der Wohlfühlfaktor ist enorm bei diesem Film. Was ausgezeichnet ist, ist, dass die Familienangelegenheiten nicht beschönigt werden, sondern durchgespielt, behandelt und dann akzeptiert werden. Was es noch besser macht, ist die altbekannte Schauspielerin Joan Chen, die sich als exzentrische, unverheiratete schwangere Mutter, in ihrem humorvollen Schauspiel selbst übertrifft.

Bonuspunkte: Kulturelle Vielfalt. Plus Joan Chen. Wir sind ihrer nicht würdig…

Schauen mit: Jedem Liebespartner, egal ob hetero oder homo, plus Pralinen mit cremiger Füllung.

 

BOUND – GEFESSELT (1996) Krimi / Thriller / Drama

Offizieller Klappentext: Corky, eine zähe Ex-Inhaftierte und ihre Geliebte Violet, hecken einen Plan aus, um Millionen von verstecktem Mafia-Geld zu stehlen und Violets zwielichtigen Freund Caesar dafür verantwortlich zu machen.

Lees Klappentext: Zwei sexy lesbische Liebhaberinnen beschließen, Unmengen Geld von einem Gangster zu stehlen, der zufällig auch der Freund von einer der Frauen ist. Er könnte ein kleines Problem damit haben.

Warum anschauen: Dieser Mainstream-Streifen der Wachowski-Geschwister ist aalglatt, sexy, schnell und extrem spannend. Die Verführungsszenen zwischen Jennifer Tilly und Gina Gershon sind Meisterklasse und heizen den Bildschirm so richtig auf. Der Film kommt mit einer Warnung wegen Folter daher, aber es ist nichts, was man mit Vorspulen nicht beheben könnte. Zusammenfassend: ein richtiger Aufreißer.

Bonuspunkte: Obwohl es ein Gangster-Film ist, werden die Frauen nicht gekillt und spielen eine wichtige Rolle im gesamten Plot.

Schauen mit: Deinen thrillerliebenden Lesben-Freund*innen. (Vermeide es, Fleisch oder andere fingerförmige Speisen zu servieren. Aus Gründen.)

 

BUT I’M A CHEERLEADER – WEIL ICH EIN MÄDCHEN BIN (1999) Komödie / Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Ein naiver Teenager wird ins Umerziehungslager geschickt, weil Eltern und Freunde sie verdächtigen, lesbisch zu sein.

Lees Klappentext: Lesben verspotten die Konversionstherapie und lernen stattdessen viel über die Liebe, das Leben und sich selbst.

Warum anschauen: Ich weiß, was ihr denkt, eine spaßige Komödie über Konversionstherapie? Aber da es sich hier um Satire handelt, ist es tatsächlich nicht so schlimm wie es klingt. Abgesehen davon ist die Besetzung wirklich unglaublich, einschließlich Clea Duvall und Michelle Williams. Außerdem, wenn irgendetwas Spott verdient, ist es wohl dieses Thema. Heterosexuelle Kritiker*innen empfanden den Film oftmals als unangenehm, also ein weiterer Pluspunkt.

Bonuspunkte: Mutiges Thema, richtig umgesetzt.

Schauen mit: Ein paar Freund*innen, bunten Cocktails und guter Laune.

 
CAROL (2015) Drama / Liebesfilm

Offizieller Klappentext: Eine aufstrebende Fotografin entwickelt in den 50er Jahren in New York eine intime Beziehung zu einer älteren Frau.

Lees Klappentext: Unterdrückte Lesbe der 1950er Jahre verführt ein Ladenmädchen inmitten einer Kulisse, die aus einem Vogue-Katalog stammen könnte.

Warum anschauen: Es ist ein ätherischer Film, hohe Kunst, mit Sehnsucht, geheimen Blicken, fallengelassenen Handschuhen, einer außerordentlich grünen Farbpalette und ultra-coolen Lesben. Das ist wirklich wichtiges Kino. Für meinen Geschmack ist es etwas zu distanziert, da ich meine Eisköniginnen gerne mehr schmelzen lasse, als es bei Cate Blanchetts Charakter während der Fahrt mit Rooney Mara der Fall war. Besonders wertvoll macht den Film, dass es auf Salz und sein Preis basiert, einem Klassiker von Patricia Highsmith aus dem Jahr 1952, welcher den lesbischen Hauptcharakteren erstmals ein Happy End schenkte. Das ist den Eintrittspreis allemal wert. Naja, das und Cate Blanchetts atemberaubende Wangenknochen.

Bonuspunkte: Cate knutscht Rooney mit lesbischer Hingabe. Offensichtlich.

Schauen mit: Mit deinen schwulen Kunstfreund*innen und trockenen Martinis.

 

LOVING ANNABELLE (2006) Drama Romantik

Offizieller Klappentext: Annabelle ist der frühreife Neuling an einer exklusiven katholischen Mädchenschule. Funken fliegen zwischen ihr und ihrer Lehrerin, Simone.

Lees Klappentext: Lesbische Schülerin verfolgt ihre unterdrückte heiße Lehrerin an der katholischen Highschool und es endet ungefähr so ​​gut, wie man es erwarten würde.

Warum anschauen: Dieser Film fällt in die Kategorie, etwas zu mögen, obwohl du weißt, dass du es wahrscheinlich nicht tun solltest. Und das ist in diesem Falle gar nicht gut. Aber trotzdem. Seufz. Die Sache ist … die Lehrerin ist heiß. Ihre Schülerin Annabelle sieht und wirkt viel älter als sie ist. Und sie ist die Verfolgerin in diesem romantischen Stelldichein oder es wäre ein gruseliges, räuberisches Machtspiel wie in Bloomington (frag nicht!). Die Sexszene ist schön. Die Chemie ist großartig. Und wenn du freche Out-of-Bounds-Stories magst, ist das wahrscheinlich die Beste. Auch wenn … ach ihr wisst schon.

Bonuspunkte: Ilene Graff als die strenge (möglicherweise ungeoutete) Mutter Immaculata leistet einen phänomenalen Job.

Schauen mit: Viel Rotwein und einer abtrünnigen Katholik*in. Die geben die besten Kommentare ab.


THE WELL (1997) Drama / Thriller

Offizieller Klappentext: Ein Unfall verursacht Schuldgefühle, Angst und Misstrauen, und droht die Beziehung zwischen zwei australischen Frauen zu zerstören.

Lees Klappentext: Eine einsame ältere Frau fühlt sich von ihrer lebhaften Magd angezogen und tut alles, um sie dazu zu bringen, mit ihr in ihrem abgelegenen Farmhaus zu bleiben.

Warum anschauen: Okay, es ist Betrug, es einen lesbischen Film zu nennen, aber er verdient es, gesehen zu werden. Tief in diesem künstlerischen australischen Film liegt eine schmerzhafte, schöne Geschichte von unerwiderter Frauenliebe verborgen. Während es als Mainstream-Film vermarktet wird, würde in diesem spannenden, preisgekrönten Thriller nichts so passieren, wenn sich nicht die jungfräuliche Spätvierzigerin Hester in ihre temperamentvolle Magd verlieben würde. Hester (eine junge Pamela Rabe von Wentworth) würde fast alles tun, um ihre Magd (Miranda Otto) an ihrer Seite zu halten – und die exzentrische junge Frau scheint sich ihrer sexuellen Macht nur zu sehr bewusst zu sein. Der Film hat eine ergreifende, straffe Handlung, an der ein Fremder beteiligt ist, und spielt auf einem abgelegenen ländlichen Bauernhof. Brilliant und suggestiv, es ist die Art von Film, an den ihr jahrelang denken werdet.

Bonuspunkte: Die Farbpalette in Blau und Grau ist so evokativ. Kunststudentenporno. Alle Auszeichnungen.

Schauen mit: Deinen angstliebenden Freunden, hetero und homo. Schokolade in großen Mengen mitbringen.

Copyright des Fotos: pexels.com/Expect Best

Dieser Text ist im Original unter dem Titel “TOP 10 FILMS WHERE NO LESBIANS DIE” im Ylva Publishing Blog erschienen.

 

Lee Winter ist eine preisgekrönte Ex-Zeitungsjournalistin, die schon Texte in fast allen Bereichen veröffentlicht hat. Als Vollzeitautorin und Teilzeit-Redakteurin ist Lee gleichzeitig zweifache Lambda Literary Award-Finalistin und zweifache Gewinnerin des Golden Crown Literary Award. Sie hat gerade “Requiem mit tödlicher Partitur” bei Ylva veröffentlicht.

 


4 Kommentare

  1. Barbara Vague

    What about those Raven movies? *A Marines Story* plus one other I can’t recall the name. A favourite is still ,*High Art* but Lucy dies.

    • Lee Winter

      Gosh High Art, there’s a movie I haven’t thought of in years! But yes, dead Lucy is still dead. Such a shame. I did see A Marine’s Story but it didn’t grab me as much as the others in my list. Glad you liked it though. Thanks for the feedback, Barbara. 🙂

  2. Susanne

    When night is falling

    • Lee Winter

      Ooh now that’s a classic that takes me back. Love how they handled desire and rising tension. Very nice movie.

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