Ylva Verlag

Interview mit Julia Arden

Wir wollen in lockerer Folge auf unserem Blog auch gerne Autorinnen vorstellen, die bei anderen Verlagen oder im Selbstverlag Bücher veröffentlichen.

Julia ArdenDen Anfang macht heute Julia Arden, die 2013 mit „Herz auf Umwegen“ und „Ich wünsch mir dich“ zwei Bücher im Selbstverlag herausgebracht hat.

Ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, einige Fragen zu beantworten. Wir starten mit ein paar einfachen Fragen zum Aufwärmen:

Kaffee oder Tee?
Tee zum Frühstück. Kaffee nur zu Kuchen. Aber da auch lieber Cappuccino oder Caffè Latte.

Was für eine Superkraft hättest du gerne?
Ich möchte mich gerne per Gedanken von einem Ort zum anderen transportieren können. Dann könnte ich viel öfter die Menschen besuchen, die mir nahe stehen.

Welche Schokoladensorte isst du am liebsten?
Also eigentlich mache ich mir nichts aus Schokolade. Überhaupt ist der ganze Süßkram nicht meins. Ich halte mehr von gesalzenen Chips und Cashewnüssen.

Wo hast du bisher deinen schönsten Urlaub verbracht?
Das muss Dänemark gewesen sein, denn sonst würde ich jetzt nicht hier wohnen.

Was bereitet dir schlechte Laune?
Alles, was in letzter Konsequenz zu Tierleiden führt. Dabei ist es egal, ob es falsch verstandene Tierliebe ist, Bedenkenlosigkeit im Umgang mit Tieren oder schlichte Gleichgültigkeit ihnen gegenüber. Besonders wütend macht mich natürlich Tierquälerei.

Und jetzt ans Eingemachte:

Seit wie vielen Jahren schreibst du und wie kamst du dazu?
Ich schreibe seit 1993. Es gab kein Schlüsselerlebnis. Ich habe weder in meiner Kindheit geschrieben, abgesehen von den üblichen Deutschaufsätzen, noch verspürte ich eine große Leere in mir, die es zu füllen galt. Eines Tages habe ich mich einfach hingesetzt und damit angefangen. Meine erste Geschichte war, soweit ich mich erinnere, eine Mischung aus Science Fiction und Krimi. Zumindest sollte es eine solche werden, aber schon nach ein paar Seiten war die Luft raus. Ich probierte andere Geschichten, das Problem blieb dasselbe. Aber ich merkte, dass mir die Sache Spaß machte, und versuchte es weiter. Irgendwann probierte ich es mit einer Liebesgeschichte, das funktionierte dann richtig gut. Also blieb ich dabei.
Während ich schreibe, erlebe ich die Spannung zwischen meinen Protagonistinnen immer hautnah mit. Ich schreibe ohne festes Konzept, deshalb überraschen mich meine eigenen Geschichten oft selbst. Es entwickelt sich eine Art Eigendynamik.

Wie kamst du auf dein Pseudonym?
Ich wollte einfach nur einen angenehm klingenden Namen, der gut von der Zunge ging. Ich lief also in einer Bibliothek lange Reihen von Büchern ab und achtete ausschließlich auf die Namen der Verfasser. Irgendwo fand ich einen, der hieß „von Arden“. Das gefiel mir. Ich ließ das „von“ weg und die „Julia“ setzte ich davor. Denn wenn der Vorname auf denselben Buchstaben endet wie der Nachname beginnt, fließt es gut. Er hätte also auch Anna, Karina oder Mia lauten können. Aber Julia klang in meinen Ohren am besten.

Warum schreibst du? Was bedeutet es dir?
Wie schon gesagt, es gab kein Schlüsselerlebnis. Ich erinnere mich aber noch, als ich mit dem Schreiben anfing, gab es nur sehr wenig Lesbenliteratur in Deutschland. Deshalb setzte sich in mir mehr und mehr die Idee fest, mal ein Buch zu schreiben, das eine Geschichte erzählt, wie ich sie selbst gerne lese. Richtig schön romantisch und mit Happy End. Ein Buch fürs Herz.

Herz auf Umwegen CoverFür meinen ersten Roman „Unter Verdacht“ (der allerdings erst als dritter erschien) brauchte ich circa 10 Jahre, bis ich ihn für geeignet hielt. Als zweites schrieb ich „Lass mich in dein Herz“ und erst als drittes „Das Lächeln in deinen Augen“. Die Veröffentlichung begann also mit Buch Nummer drei.

Mittlerweile, nach nunmehr elf Büchern, die letzten beiden Titel erschienen im Selbstverlag, ist das Schreiben ein fester Bestandteil meiner selbst. Auch wenn ich das früher gerne abgestritten habe. Aber ich beschäftige mich so viel mit meinen Figuren und deren Leben, stürze sie in Konflikte, lasse sie zweifeln und hoffen und am Ende natürlich die Liebe zwischen ihnen siegen, dass darin wohl auch ein Teil von mir stecken muss. Von meinem eigenen Glauben an die Romantik und natürlich an die Kraft der Liebe.

Wie lange brauchst du gewöhnlich, um ein Buch zu schreiben?
Durchschnittlich ein Jahr.

Wie viel Stunden in der Woche verbringst du damit zu schreiben?
Das ist ganz unterschiedlich, es hängt von meiner restlichen Arbeit ab. Im Sommer schreibe ich meistens weniger, dafür im Winter wieder mehr. Mit den Jahren bin ich auch „effektiver“ geworden. Während ich früher manchmal stundenlang am PC saß und keine halbe Seite zustande brachte, merke ich heute genau, wann ich die Ruhe und Konzentration zum Schreiben aufbringen kann und setze mich auch dann erst an meinen Laptop. Die andere Zeit bereite ich diese aktive Schreibphase im Kopf vor bzw. mache mir Notizen.

Wann und wo schreibst du am meisten?
Immer zu Hause.

Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Ich bin ein typischer Steinbock. Ich lasse nicht viele Leute an mich heran. Aber die wenigen Freunde, die ich habe und die es mit mir aushalten, die können sich auf mich verlassen. Ich schätze Loyalität und Offenheit.

Bei meiner Arbeit bin ich systematisch, selbst beim Schreiben. Ich stelle hohe Ansprüche an mich – und an andere.

Wie viel von dir selbst steckt in deinen Charakteren?
Die eine oder andere Erfahrung bekommen sie schon von mir mit. Aber ich achte immer darauf, dass ich keine Figur als mein „Sprachrohr“ benutze und durch sie irgendwelche meiner Ansichten verbreite. Dabei läuft man als Autorin nämlich Gefahr, ins Philosophieren zu kommen und das wird für die Leserin schnell langweilig.

Was ist für dich die größte Herausforderung beim Schreiben?
Ich will, dass meine Leserinnen meine Bücher als „sicheren Wert“ (so habe ich es vor kurzem in einer Kundenrezension gelesen und fand das sehr gut) ansehen. Das bedeutet, den Leserinnen Romane auf gleichbleibend hohem Niveau zu liefern und deren Erwartungen zu erfüllen.

Was liest du gerade?
Ich muss sagen, dass ich leider sehr wenig lese. Es lenkt mich zu sehr vom Schreiben ab. Deshalb lese ich, wenn überhaupt, nur mal einen Krimi oder was zur Recherche. Der letzte Krimi hieß „1222“ von Anne Holt. Gerade liegt das Buch „Jura für Nichtjuristen“ auf meinem Couchtisch. Darin klärt der Autor so schwierige Fragen wie „Wem gehört die Perle in der Auster?“, wenn ein Gast im Essen in einem Restaurant eine solche findet. Dem Fischer, der die Auster fing, dem Restaurantbesitzer, der sie vom Fischer kaufte, dem Gast, unter dessen Gabel sie landete, oder gar demjenigen, der den Gast zum Essen einlud? (Die Auflösung folgt nach dem Interview)

Cover Ich wünsch mir dichWas macht für dich einen guten Liebesroman aus?
Gefühl natürlich. Aber auch Spannung. Eine Mischung aus diesen beiden. Das ganze darf dabei nicht konstruiert oder übermäßig aufgetragen oder – noch schlimmer – gar platt wirken. Die Charaktere  müssen klar gezeichnet sein, sodass ihre Stärken und Schwächen die Konflikte zwischen ihnen glaubhaft machen. Die Gefühle müssen miterlebbar sein.  Für mich bedarf es dafür keines erotischen Dauerbombardements. Im Gegenteil, ich bevorzuge die leisen Töne.

Welchen Ratschlag würdest du neuen Autoren geben?
Für mich besteht der größte Fehler von neuen Autoren darin, dass sie eine Geschichte aufschreiben wollen, die sie selbst erlebt haben, weil sie glauben, dass diese Geschichte etwas enorm Besonderes ist. Das trifft ganz sicher für diese Autorin auch zu – für ihr eigenes Leben. Aber eine solche oder ähnliche Geschichte gibt es vermutlich zu tausenden und mein Rat lautet definitiv: Beginne niemals mit einer Geschichte aus deinem eigenen Leben. Als Anfänger kann man nicht den nötigen Abstand bewahren, wälzt quasi nur seine eigenen Gedanken auf dem Papier hin und her, schreibt aber keinen spannenden Roman. Für diesen braucht es einen Spannungsbogen, eine Handlung, die die Geschichte ständig vorantreibt, sodass die Leserin sich bei jeder Seite, die sie umblättert, fragt, wie es wohl weitergeht. Geschichten aus dem eigenen Leben bieten so etwas ganz selten.

Woran arbeitest du im Moment?
An einem neuen Liebesroman, was sonst? Ich werde ihn voraussichtlich 2014 veröffentlichen. Der vorläufige Arbeitstitel ist „Rückkehr ins Glück“.

Auf welche zukünftigen Schreibprojekte dürfen wir uns freuen?
In Zukunft möchte ich gerne mehr Zeit vom Alltagsjob weg hin zu meiner  Autorinnentätigkeit verlagern, um so zusätzlich zu dem jährlichen Roman einen oder zwei Kurzromane herauszugeben. Ich denke dabei an eine Fortsetzungsreihe.

In jedem Fall hoffe ich sehr, dass ich noch viele Romane schreiben werde. Auch und besonders zur Freude meiner Frau, die meine beste Kritikerin und wertvollste Bewunderin ist.

Danke für das interessante Interview.

Astrid Ohletz
Verlegerin

Ach ja, die Perle… auf Nachfrage erklärte Julia: „Allerdings – lach – was die Perle angeht und wer sie bekommt, sooooo einfach ist das ja nicht. Der Fischer hat die Auster (aber im Unwissen über das Vorhandensein der kostbaren Perle) dem Restaurantbesitzer übereignet, der Restaurantbesitzer wiederum (im selben Unwissen) hat diese an den Gast, der sie bestellt, verkauft und dieser Herr wiederum gab sie (ebenso unwissend über das kostbare Kleinod) an seine Begleiterin. Eben wegen dieses Unwissens ist jedes dieser Geschäfte anfechtbar. Ergo wird der Gast seine Übereignung an die Begleiterin anfechten und der Restaurantbesitzer wiederum das Geschäft zwischen ihm und dem Gast. Der Fischer würde wohl auch den Verkauf der Auster anfechten, nur ist zweifelhaft, ob er überhaupt jemals von der Perle, also dem Grund für eine Anfechtung, erfährt. Ergo hat in der Praxis der Restaurantbesitzer die größte Aussicht, die Perle zu bekommen.


2 Kommentare

  1. kirsten hüske

    ich fand dieses interview für mich als leserin sehr hilfreich da ich mich frage was steckt für ein mensch hinter so einer geschichte.die Homepage hat mir schon sehr gefallen.weiter so,ich bin schon jetzt nach einem knappen jahr begeisterte leserin von Frauenromanen..ich würde mich freuen so noch mehr autorinen kennenzulernen und mir ein bild davon zu machen:was steckt für ein mensch hinter so einem Roman.viel erfolg weiterhin und alles gute wünscht eine treue leserin:-)

  2. Christina Hokenmaier

    Liebe Julia
    Das Interview hat mir sehr gut gefallen, es war interessant und informativ.
    Dein Schreibstil gefällt mir auch. Habe alle Bücher gelesen. Inzwischen liest meine Frau diese auch, ist ganz „angefressen“ von diesen Büchern. sie hat noch nie soviel gelesen seit ich sie kenne, wie jetzt. freue mich immer neues von dir zu hören. Trag dir Sorge, dass Du gesund bleibst.
    Uebrigens bin ich Fisch mit Aszendent Steinbock. Und der Steinbock hat mich beruflich etwas weitergetrieben. Heute würde ich mein Leben etwas anders leben. Schon in der schule nicht nur durchschnitt sein, sondern etwas mehr lernen. Kann ich ja im nächsten Leben.
    Liebe Grüsse Christina

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>